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Krieg – Mensch und Moral

Im März 1918 begann die letzte Offensive der deutschen Truppen an der Westfront. Im Spätsommer war sie als gescheitert anzusehen. Nach vier Kriegsjahren waren alle Reserven erschöpft, die militärische Lage für das Deutsche Reich war aussichtslos. Am 9. November 1918 flüchtete Kaiser Wilhelm II. ins Exil in die Niederlande. Am 11. November endete der Erste Weltkrieg mit einem Waffenstillstandsabkommen, das die alliierten Kriegsgegner mit einer deutschen Verhandlungsdelegation unter Leitung des Reichstagsabgeordneten Matthias Erzberger in einem Eisenbahncoupé im Wald von Compiègne abschlossen.

Nie zuvor war ein solcher Krieg geführt worden. An den Fronten trafen Millionenheere aufeinander und verkeilten sich in einem zähen Stellungskrieg. Jede Menge neue Technik kam zum Einsatz: Erstmals kämpften sich Panzer durchs Gelände, erstmals trotzten Soldaten mit Maschinengewehren ihren Angreifern, erstmals entfalteten Flammenwerfer und Handgranaten ihre schreckliche Wirkung. Aus der Luft bombardierten Kampfflugzeuge gegnerische Städte, unter Wasser torpedierten lautlose U-Boote die Kriegs- und Handelsschiffe der Feindstaaten. Das heimtückischste Kampfmittel aber war das Giftgas. Fritz Haber, vor dem Krieg Professor in Karlsruhe, hatte die Voraussetzungen dafür geschaffen.

Von größter Bedeutung in diesem Krieg war die Publizistik als Kriegswaffe. Der Erste Weltkrieg war zugleich der erste Medienkrieg der Weltgeschichte. An allen Fronten in Europa und selbstverständlich auch an der „Heimatfront“ arbeitete die Propaganda mit dem Ziel, der wachsenden Kriegsmüdigkeit entgegenzuwirken. Sie appellierte an den Durchhaltewillen und die Opferbereitschaft und hatte damit über lange Zeit Erfolg. Die Feld- und Heimatpresse festigte unermüdlich die bekannten Feindbilder. Das grauenvolle Massensterben, das Trommelfeuer und der Gastod blieben außen vor. Ein wirklichkeitsnahes Bild von der abstumpfenden und demoralisierenden Kraft des Grabenkrieges ist aus den zeitgenössischen Druckerzeugnissen nicht zu gewinnen.

Krieg zu führen ist teuer. In Deutschland wurden zwischen 1914 und 1918 neun Kriegsanleihen ausgegeben, die 98 Milliarden Reichsmark einbrachten und etwa 60 % der Kriegskosten deckten. Mit der Kriegsanleihe erwarb der Käufer eine für zehn Jahre unkündbare und vermeintlich gut verzinste Staatsanleihe. Die ersten Kriegsanleihen sahen eine recht kurze Laufzeit vor. Für die 8. Kriegsanleihe von März 1918 war dann schon eine Tilgung zwischen 1924 und 1958 vorgesehen. Nach Kriegsende ermöglichte die Hyperinflation dem Staat die rasche Tilgung der Kredite. Doch die Zeichner der Kriegsanleihen erhielten praktisch keinen Wert zurück, ihr Geld war verloren.

Der Erste Weltkrieg forderte unter den Soldaten fast zehn Millionen Todesopfer und etwa 20 Millionen Verwundete. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf sieben Millionen geschätzt. Viele ehemalige Soldaten starben noch nach Kriegsende an den Folgen von Kriegsverletzungen. Unter den Verwundeten befanden sich zahlreiche Invaliden, die mit zuvor unbekannten Entstellungen und Amputationen entlassen wurden.

© Badische Landesbibliothek 2018. Autoren: Dr. Julia Freifrau Hiller von Gaertringen, Brigitte Knödler-Kagoshima