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Unterwegs – Baden und die Welt

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich zwei typisch deutsche Erholungsformen: die Sommerfrische und der Sonntagsausflug. Deutsche Arbeiter hatten kaum die Möglichkeit, mehrere Tage ihrer Arbeit fernzubleiben. So blieb für sie nur der Sonntagsausflug. Lediglich Beamte und höhere Angestellte konnten aufgrund des Reichsbeamtengesetzes von 1873 Urlaubsreisen unternehmen. Die Reiseziele dieser „Sommerfrischler“ waren aber meistens nur wenige Bahnstunden entfernt und im Inland gelegen.

Das Ausbleiben der Touristen während des Ersten Weltkrieges stürzte das Fremdenverkehrsgewerbe in eine schwere Krise. Der Krieg machte das Reisen an sich fast unmöglich. Unterwegs waren in dieser Zeit vor allem Truppen, Kriegsberichterstatter, Fronturlauber, Lazarettausflügler sowie Schüler und Studenten der Bewegung „Wandervogel“. Zahlreiche Ansichtskarten von Sehenswürdigkeiten in Baden liefen 1918 als Feldpost.

Unterwegs waren auch Kolonialbeamte. Kolonien besaß das Deutsche Reich erst seit Ende des 19. Jahrhunderts, z.B. Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika bzw. Deutsch- Neuguinea und die Marshall-Inseln. Reichskanzler von Bismarck ging es dabei in erster Linie um den Handel. Für Kaiser Wilhelm II. stand die Selbstbehauptung gegenüber den anderen europäischen Mächten im Vordergrund. Kolonialkriege in Deutsch-Südwestafrika (1904) und Deutsch-Ostafrika (1905/06) forderten zehntausende Todesopfer und führten zu einer Veränderung der deutschen Kolonialpolitik. Im Ersten Weltkrieg verlor das Deutsche Reich die Kämpfe gegen die Entente in allen Kolonien außer Deutsch-Ostafrika und musste gemäß dem Versailler Vertrag sämtliche seiner Kolonien abtreten.

Die Mesopotamien-Front, an der sich das Osmanische Reich und Großbritannien gegenüberstanden, war ein Nebenkriegsschauplatz, der in Berichten über den Ersten Weltkrieg kaum Berücksichtigung findet. Großbritannien hatte Verträge mit Persien geschlossen, um die Ölvorkommen der Region zu sichern. Dabei kam es zum Konflikt mit dem Osmanischen Reich, das seinen Einfluss seit dem 16. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel ausgebaut hatte. Der osmanische Kriegsminister Enver Pascha konnte allerdings nur wenige Truppen an dieser Front aufstellen, da die mit Deutschland verbündeten Osmanen zugleich im Norden ihres Reiches kämpfen mussten. Bis zum Kriegsende wurde Mesopotamien fast komplett durch die Briten eingenommen.
 
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sich  in Jerusalem und darauf folgend auch in anderen Siedlungen Palästinas ausgewanderte Juden nieder. Der auflebende Antisemitismus in Europa führte zum Zionismus, einer Bewegung, die einen jüdischen Nationalstaat aufbauen wollte. Chaim Weizmann, späterer Staatspräsident Israels, erwirkte als Vertreter der Zionistischen Weltorganisation im November 1917 die Balfour-Erklärung. Sie bewertet die „Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen“ und verspricht, die „größten Anstrengungen zu unternehmen, um das Erreichen dieses Ziels zu erleichtern.“  Am 3. Januar 1919 unterzeichnete Weizmann gemeinsam mit Emir Faisal I. in Paris das sog. Faisal-Weizmann-Abkommen, in dem die Förderung der jüdischen Einwanderung nach Palästina und die arabische Kontrolle über die muslimischen heiligen Stätten vereinbart wurde. Es wurde nie umgesetzt.

© Badische Landesbibliothek 2018. Autoren: Felix Geisler, Gabriele Philipp