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Frieden von Brest-Litowsk

Dr. Ludger Syré

Illustrierte Kriegschronik des Daheim.
Leipzig, Bielefeld: Velhagen & Klasing.
Bd. 8 (1918): Bis zum Beginn der Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk.

Jeden einzelnen Band der Illustrierten Kriegschronik leitete Prof. Otto Hoetzsch (1876–1974), Historiker und Publizist sowie einer der Begründer der deutschen Ostforschung, mit einer Zusammenfassung des Kriegsgeschehens ein. Ausführlich schilderte er seinen Lesern die nach dem Waffenstillstand vom 5. Dezember 1917 einsetzenden Friedensverhandlungen. Weiter hinten wurden diese mit zwei Bildern illustriert. Eines zeigt die sich gegenübersitzenden Delegationen bei der Unterzeichnung des Waffenstillstands. Die einzige Frau am Tisch, die Attentäterin und Revolutionärin Anastassija Bizenko (1875–1938), vertrat die Partei der Linken Sozialrevolutionäre, die kurzfristig mit Lenins Bolschewiki eine Koalitionsregierung bildete.

Badische Landesbibliothek, 52 B 390,8
Als Einzelband eines Periodikums nicht digitalisiert.

Illustrierte Kriegschronik des Daheim.
Leipzig, Bielefeld: Velhagen & Klasing.
Bd. 9 (1918): Bis zum Beginn der großen Fochschen Herbstoffensive.

In seiner vorausgehenden Chronik hatte Otto Hoetzsch (1876–1974) geschrieben, dass durch den Wechsel an der Spitze der russischen Delegation von Joffe zu Trotzki „der Wind anders wehte“. Nun berichtet er über den von Trotzki als „Theatercoup“ inszenierten Abbruch der Verhandlungen und den deutschen Vormarsch tief auf russisches Gebiet. Er äußerte die Befürchtung, dass der dem Gegner auferlegte „reine Machtfriede“ das „Revanchegefühl“ des Unterlegenen provozieren würde. Anders als Hoetzsch umrahmte der deutsche Diplomat Alfred Zimmermann das Foto von der letzten Sitzung in Brest-Litowsk mit antirussischen Tiraden.

Badische Landesbibliothek, 52 B 390,9
Als Einzelband eines Periodikums nicht digitalisiert.

Trotzki, Leo:
Von der Oktober-Revolution bis zum Brester Friedens-Vertrag.
Berlin: Hoffmann, 1918.

Am 7. Januar 1918 übernahm Leo Trotzki (1879–1940) die Leitung der russischen Delegation in Brest-Litowsk. Die Verhandlungspausen nutzte er zu einer ersten schriftlichen Bilanz der Russischen Revolution. Sein Kalkül, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, ging nicht auf. Die Bolschewiki hofften vergeblich auf die deutschen Arbeiter; die Revolution und der Sturz der kaiserlichen Regierung blieben (vorerst) aus. Als die deutsche Armee nach zwischenzeitlichem Abbruch der Friedensgespräche tief auf russisches Gebiet vorstieß, drängte Lenin darauf, sich dem deutschen Ultimatum zu beugen. Trotzki sah in dem am 3. März unterzeichneten, innerhalb der Parteiführung höchst umstrittenen Separatfrieden eine notwendige Atempause für die Revolution.

Badische Landesbibliothek, 71 A 5791
zum Digitalisat

Östlicher Kriegsschauplatz: Auf den Ruinen von Brest-Litowsk.
Ansichtskarte mit einer Fotografie von Robert Sennecke. (Zum Gloria-Viktoria-Album. Sammel- und Nachschlagewerk des Völkerkrieges. 13/2).

Brest galt im 19. Jahrhundert als die größte Festungsanlage des Russischen Reiches. Als die deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg Richtung Osten vorstießen, wurde Brest Kriegsschauplatz. Festung und Stadt wurden von den abziehenden Truppen zerstört.

Badische Landesbibliothek, K 3333,57
zum Digitalisat

Trotzki, Leo:
Arbeit, Disziplin und Ordnung werden die sozialistische Sowjet-Republik retten. Vortrag auf der Moskauer städtischen Konferenz der Russischen Kommunistischen Partei am 28. März 1918.
Basel: Verlag der Buchhandlung des Arbeiterbundes, 1918.

Der Frieden von Brest-Litowsk mit den Mittelmächten verschaffte Sowjetrussland eine Atempause. Der heraufziehende Bürgerkrieg aber, in den auch die ehemaligen westlichen Verbündeten intervenierten, stellte die Bolschewiki und die kriegsgeschwächte russische Wirtschaft vor neue Herausforderungen. Als Volkskommissar für das Kriegswesen baute Trotzki eine neue reguläre Armee auf, für die er auf die „gestrigen Generäle“ zurückgriff. Nicht nur von den Soldaten der Roten Armee, auch von den Fabrikarbeitern verlangte er höchste Disziplin. Er appellierte an ihre Arbeitspflicht und Arbeitsehre, um die sozialistische Perspektive, außerhalb Russlands als Utopie bezeichnet, zu verwirklichen.

Badische Landesbibliothek, SA 686,1
zum Digitalisat

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