Ausstellung
Susannas Gebetbuch
Markgräflich badisches Kleinod aus dem Jahre 1520
Ausstellung vom 18. bis 21. September 2002
Ausstellungsraum der Badischen Landesbibliothek
Die Badische Landesbibliothek präsentiert Susannas Gebetbuch in allen Einzelblättern, da es
anlässlich einer Faksimile-Ausgabe aus der Bindung genommen wurde.
Susanna von Bayern (1502-1543) war zweimal verheiratet. In erster Ehe mit Markgraf Kasimir von
Brandenburg-Ansbach-Kulmbach liiert, heiratete sie nach dessen Tod Pfalzgraf Ottheinrich, den
späteren Kurfürsten von der Pfalz.
Aus Susannas Privatbesitz hat sich ein reich mit Miniaturen und Gold ausgestattetes Gebetbuch
erhalten. Die wertvolle Handschrift gelangte bereits im Jahrhundert ihrer Entstehung in den
Familienbesitz der Markgrafen von Baden. Eine Tochter Susannas, Kunigunde, heiratete 1551 den
badischen Markgrafen Karl II. Kunigunde wird die prunkvolle Handschrift von ihrer Mutter Susanna
geerbt und nach Durlach gebracht haben.
Codex Durlach 2: Gebetbuch der Markgräfin von Brandenburg, 1520, Blatt 3r - 10v
Putten und Bären zeigt Blatt 10 des Gebetbuchs. Ein Putto schlägt die Trommel, einer bläst den Dudelsack.
Nur ein Spiel, oder versuchen sie auf diese Weise die Bären abzuwehren? Nach altem Volksglauben konnte der
Schall der Trommel Wirkungen hervorrufen, wie sie der Träger des Fells, mit dem sie bespannt ist, auslöste.
Aus der (angeblichen) Feindschaft zwischen Bär und Pferd schloss man, Bären vertreiben zu können durch Schlagen
von einer mit einem Pferdefell überzogenen Trommel.
Das Buch ist 1520 entstanden und gilt als Frühwerk des Augsburger Malers Narziss Renner. Es besticht
mit 42 ganzseitigen Miniaturen und ungewöhnlich prächtigen Zierrahmen. Das Jahr 1520 brachte für
Susanna aufreibende Zeiten. Zu Jahresbeginn stellte die Markgräfin ihre erneute Schwangerschaft
fest. Sicher wird sie sich nach der Geburt der Tochter Maria im Herbst zuvor einen Thronfolger
gewünscht haben. Für die noch dreiköpfige Familie wurde nach Auskunft der Handschrift selbst im März
1520 die Herstellung des Gebetbuches in Angriff genommen. Laut dem Zeugnis der Familieneinträge
in der Handschrift wurde fünf Monate später jedoch die zweite Tochter Katharina geboren.
Codex Durlach 2: Gebetbuch der Markgräfin von Brandenburg, 1520, Blatt 71v - 76r
Blatt 76 des Gebetbuchs zeigt einen Zwerg und einen Raben. Am unteren linken Blattrand, zwischen dekorativen
Blattzweigen auf abstraktem dunkelblauen Grund, steht ein kleinwüchsiger Mann mit krausem Haar. Er wendet sich
einem Raben zu, den er zu locken oder zu füttern scheint.
Das ungewöhnliche Motiv sowie die sorgfältige und sehr konkrete Ausgestaltung der Figur weisen darauf hin,
dass es sich hier nicht um eine der üblichen scherzhaften Phantasieszenen handelt, sondern dass der
Betrachter das Abbild einer ganz realen Gestalt aus der Lebenswelt vor sich hat. Wahrscheinlich handelt
es sich um eine Hofzwerg oder Hofnarren.
Der heiß ersehnte Sohn, Albrecht, kam erst im Jahre 1522 zur Welt. Von den Zeitgenossen wurde er
wegen seiner Charaktereigenschaften früh nach dem Griechen Alkibiades benannt, den auch sein Lehrer
Sokrates nicht zu zügeln vermochte. Markgraf Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach hat als
"fürstlicher Mordbrenner" ein besonders negatives Bild seiner Persönlichkeit in der Geschichte
hinterlassen. Er fand in seinen letzten Tagen als politisch völlig Gescheiterter eine
Zufluchtsstätte bei seinem badischen Schwager Karl und seiner Schwester Kunigunde, wo er 1557 in
Pforzheim verstarb. Der letzte familiengeschichtliche Eintrag im Karlsruher Gebetbuch hält den Tod
des knapp 35jährigen fest, der in der Pforzheimer Stifts- und Schlosskirche
St. Michael begraben wurde. Die badische Verwandtschaft Albrechts muss sich noch bemüht haben, aus
dem "Saulus" einen "Paulus" zu machen. So gilt er in Quellen des 18. Jahrhunderts sogar als Autor
eines geistlichen Liedes.
Codex Durlach 2: Gebetbuch der Markgräfin von Brandenburg, 1520, Blatt 39v - 40r
Auf Blatt 40 des Gebetbuchs ist die Verleugnung durch Petrus dargestellt. Im Hof des Palastes brennt Feuer,
noch ist es Nacht. Petrus leugnet gegenüber der Magd energisch seine Zugehörigkeit zu den Anhängern Jesu.
Dieser erscheint, gefesselt wie ein Schwerverbrecher, auf dem Weg zum Verhör in einer offenen
Loggia des Palastes. Der Hahn sitzt schon auf einem Schibbogen bereit. Über dem Scheitel des Tordurchgangs
vorne rechts steht die Jahreszahl 1520. Mit einem Augenzwinkern hat der Illuminist für die Datierung
also ganz bewusst einen Ort gewählt, an dem auch in realen Architekturen oft Jahreszahlen eingemeißelt sind.
Das Gebetbuch ist ein besonders intimes Dokument der Auftraggeberfamilie. Die Wünsche des jungen
Paares, Susannas Hoffnungen und Ängste als werdende und junge Mutter sind in Miniaturen und Texten
greifbar. So enthält die Handschrift, wohl auf besonderen Wunsch Susannas hin, ein Gebet um
Beistand für Schwangerschaft und Entbindung und um ein gesundes, wohlgestaltetes Kind.
Stellvertretend wird Margaretha angerufen, die Patronin der Schwangeren. Dem Betrachter des Kodex
begegnet auf vielen Pergamentblättern Kinderspiel, und zwar in Gestalt der sich auf den Randleisten
tummelnden Putten. Sie tanzen beim Flötenspiel, streiten sich um ihren Brei, reiten auf dem
Steckenpferd und ahmen in vielfältiger Weise die Erwachsenenwelt nach.
Codex Durlach 2: Gebetbuch der Markgräfin von Brandenburg, 1520, Blatt 95r - 96v
Zahlreiche Legenden ranken sich um die Märtyrerin Margarethe. Dargestellt wird sie mit einem Drachen, der
ihren Kampf mit dem Teufel symbolisiert. Margarethe wurde, weil sie glücklich wieder aus dem Leib des
Drachen herausgekommen war, besonders von schwangeren Frauen um Beistand gebeten. Hierauf nimmt ein
ausführliches Gebet im Kontext Bezug, in dem die Heilige um Hilfe für eine glückliche
Schwangerschaft und Geburt angerufen wird:
"das du wollest zu hilf komen allen swangern frauen unnd besunder diesern yetz in kindsarbait begrieffnen die
auch ain sunder getrauen und hofnung zu dir het".
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