Badische Landesbibliothek
   


Einladung zur Ausstellung

Illustre Gäste -
Die Weimarer Inkunabelsammlung in der Badischen Landesbibliothek

Ausstellung vom 31. August bis 1. Oktober 2005
Ausstellungsraum der Badischen Landesbibliothek
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9.00-18.00 Uhr, Sa 9.30-12.30 Uhr
- Eintritt frei -

Plakat zur Veranstaltung (Format:PDF - Größe:489 kbyte)

Es gehört sicherlich zu den vornehmsten Aufgaben einer Bibliothek, ihre historischen Bestände zu erschließen und sie in Katalogen einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu den wertvollsten Beständen einer Bibliothek zählen neben den Handschriften die Inkunabeln oder Wiegendrucke. Mit dem Begriff Inkunabel (lat. cunabula, -orum n Wiege und daraus incunabula, -orum n Windel, Ursprung) bezeichnet man alle Bücher, die von der Erfindung der Buchdruckerkunst in der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum 31. Dezember 1500 mit beweglichen Lettern gedruckt worden sind.

Inc 1a, Bl. 6a (Abb. im PDF-Format)
Ars memorandi. Blockbuch.
[Süddeutschland, um 1470-75]. 2° [BN-Inc AA-6.]

Die äußerst selten erhaltenen Blockbücher sind Vorläufer der Inkunabeln. Sie wurden noch nicht wie diese mit beweglichen Lettern gedruckt, sondern sowohl Text als auch das zugehörige Bild wurden jeweils aus einem Block geschnitten. "Ars memorandi" bedeutet die "Kunst des Erinnernswerten", es ist ein Lehrbuch, das dazu dient, sich mit Hilfe mnemotechnischer Mittel die Inhalte der vier Evangelien einzuprägen. Das vorliegende Blatt zeigt einen Engel, das Symbol des Evangelisten Matthäus, mit fünf brennenden Öllampen auf dem Kopf, ein Sinnbild für das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen.
Inc 1a, Bl. 6a - Ars memorandi. Blockbuch

Bereits in der Inkunabelzeit selbst war man sich der im wahrsten Sinn des Wortes weltbewegenden Bedeutung dieser Erfindung bewußt, wie die 1493 von Anton Koberger in Nürnberg gedruckte deutsche Fassung der sogenannten 'Schedelschen Weltchronik' zu berichten weiß (Bl. CCLIIb):
[K]Unst der truckerey hat sich erstlich in teuetschem lannd in der statt Mayntz am Rhein gelegen im iar Cristi M.cccc.xl. ereueegt. Unnd fueron schier in alle oerter der werlt außgespreueßt.

Inc 80, Bl. 7a - Biblia, deutsch
Inc 80, Bl. 7a (Abb. im PDF-Format)
Biblia, deutsch.
Nürnberg: Anton Koberger, 17. Februar 1483. 2° [GW 4303. H 3137.]

Für diese Bibel ließ Koberger eigens eine neue Schrifttype schneiden, die ein zugleich lesbares und sehr lebendiges Schriftbild ergibt. Die Textseiten erinnern an mittelalterliche Handschriften und sind damit typisch für den Inkunabeldruck, dem es ja um eine mechanische Vervielfältigung der Handschrift ging - unter Beibehaltung ihrer kalligraphischen und typographischen Eigenheiten. Diese Bibel wurde in einer Auflage von 1000 bis 1500 Exemplaren gedruckt, von denen sich bis heute etwa 150 nachweisbare erhalten haben. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek besitzt sowohl eine einbändige als auch eine zweibändige Ausgabe. Dieser letzten entstammt die Abbildung; sie zeigt die Erschaffung der Eva.

In der Badischen Landesbibliothek verfügt man über eine langjährige Erfahrung speziell in der Inkunabelerschließung und kann dabei auf eine sehr umfangreiche Sammlung von hierzu notwendiger Sekundärliteratur zurückgreifen. Über den Inkunabelbestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek informierte bislang lediglich ein handschriftliches Verzeichnis aus der Feder Theodor Kraeuters von 1830, mit einigen handschriftlichen Ergänzungen aus den 1980er Jahren. Deswegen hat man sich in Weimar dazu entschlossen, für die Dauer von zwei Jahren die gesamte Inkunabelsammlung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, die ungefähr 450 Titel umfaßt, nach Karlsruhe zu bringen, wo sie seit April 2004 katalogisiert wird.

Inc 83a, Bl. 20a (Abb. im PDF-Format)
Ulrich von Richental: Chronik des Konstanzer Konzils, deutsch.
Augsburg: Anton Sorg, 2. September 1483. 2° [GW M38152. HC (Add) 5610.]

Von 1414 bis 1418 tagte in Konstanz das 16. allgemeine Konzil der Kirchengeschichte. Ulrich von Richental sammelte in seinen tagebuchartigen Aufzeichnungen alles, was ihn interessierte und bewegte. Nach einer deutschen illuminierten Handschrift, vermutlich dem Codex St. Georgen 63 der BLB Karlsruhe, hat Sorg diesen ersten Druck veranstaltet. Der Holzschnitt zeigt das Unglück des Papstes Johannes XXIII., dessen Kutsche bei der Fahrt über den verschneiten Arlbergpaß umstürzte. Einer Anekdote zufolge soll der Papst nach dem Sturz gerufen haben, nun liege er in Gottes Namen hier. Von Hand wurden später die folgenden beiden Sätze hinzugefügt:
hic iacet i[n]animus [d]yabilus
hie leich der theufel im drecke
Inc 83a, Bl. 20a - Ulrich von Richental: Chronik des Konstanzer Konzils, deutsch

Ziel des Projektes, das von der Weinheimer H. W. & J. Hector Stiftung finanziert wird, ist erstens die Aufnahme aller Daten in die Inkunabeldatenbank INKA. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den exemplarspezifischen Merkmalen gewidmet. Hierzu gehören unter anderem die Ausstattung eines Bandes mit Illuminationen und Rubrizierungen, sein spezieller Einband und die Erforschung der Provenienzen. Zweitens soll aus diesen Daten ein gedruckter Katalog des Weimarer Inkunabelbestandes hervorgehen.

Inc 20, Bl. 116a - Missale Cartusiense
Inc 20, Bl. 116a (Abb. im PDF-Format)
Missale Cartusiense.
[Speyer: Peter Drach d. M. für Henrick Eckert van Homberch in Delft, 1496]. 2° [GW M24135. HC 11276.]

Das vorliegende Werk ist eines von bislang zwei bekannten Pergamentexemplaren dieses Druckes, den Peter Drach in einer Auflage von 600 Stück hergestellt hat (das zweite liegt in Speyer, PLB). Henrick Eckart von Homberch in Delft hatte ihm den Auftrag dazu während der Frankfurter Fastenmesse 1496 erteilt. Drach mußte das Material selbst stellen und erhielt dafür 500 Gulden und "zwenhalb delfesch duch". Bereits zur Fastenmesse 1497 war der Druck vollendet. Die Abbildung zeigt die erste Textseite des Kanons, Beispiel für die besonders schöne und wertvolle Ausstattung dieses Exemplares.

Gezeigt werden in der Ausstellung einige Spitzenstücke dieser Sammlung, unter anderem die erwähnte 'Schedelsche Weltchronik' in deutscher und in lateinischer Fassung, eine deutsche, 1483 in Nürnberg gedruckte Bibel, für die sich Koberger eigens eine neue Schrift schneiden ließ. Des weiteren werden Ulrich von Richentals Chronik des Konstanzer Konzils, Bernhard von Breydenbachs Pilgerreise ins Heilige Land, einige der sehr seltenen griechischen Inkunabeln, Drucke aus der Offizin des Aldus Manutius in Venedig, sogenannte Aldinen, und andere besonders schöne und druckgeschichtlich interessante Werke aus einer Sammlung zu sehen sein, die einmal nicht durch Säkularisation entstanden ist, sondern ihre Entstehung der Freude am Sammeln und der Liebe zum alten Buch verdankt.

Inc 544, Bl. 1a (Abb. im PDF-Format)
Thesaurus Cornu copiae et Horti Adonidis
Venedig: Aldus Manutius, August 1496. 2 [GW 7571. HC 15493.]

Aldus Manutius war der bedeutendste Vertreter der Buchdruckerfamilie Manuzzi. Seine 1488 in Venedig gegründete Offizin widmete sich neben Prachtdrucken auf Pergament besonders der Herausgabe von Klassikern der griechischen und römischen Literatur. Für die Druckwerke der Familie Manutius gilt noch heute der Gattungsbegriff Aldinen; sie gehören zu den wertvollsten Drucken der Inkunabelzeit. Das vorliegende Werk, eine der sehr seltenen griechischen Inkunabeln, ist eines jener Nachschlagewerke (griech. ΘΗΣΑΥΡΟΣ, lat. cornu copiae), die durch den Buchdruck eine explosive Verbreitung erfuhren. Als Typograph hatte Manutius wesentlichen Einfluß auf die Kunst des Buchdruckes. Die den Handschriften nachempfundene gotische Schrift ersetzte er durch neue Lettern - die aldinischen Typen, noch heute als 'Antiqua' in Gebrauch.
Inc 544, Bl. 1a - Thesaurus Cornu copiae et Horti Adonidis

Dr. Eva Raffel

Geb. in Pirmasens. Studierte Germanistik, Philosophie und Mittellatein in Heidelberg, wo sie mit einer Arbeit über das Ostjudentum im Werk von Joseph Roth und Arnold Zweig promoviert wurde. Nach langjähriger Tätigkeit bei der Melanchthon-Forschungsstelle, der Johann Gerhard-Forschungsstelle und dem Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie (IDF) (alle Heidelberg) kam sie 2002 an die Badische Landesbibliothek, um bei der Erschließung der Karlsruher Inkunabeln mitzuarbeiten. Seit April 2004 katalogisiert sie die Inkunabeln der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek und betreut im Rahmen dieses Projektes als Kuratorin die Ausstellung "Illustre Gäste - Die Weimarer Inkunabelsammlung in der Badischen Landesbibliothek".

Einladung

Zu dieser Ausstellung laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein!

Badische Landesbibliothek
Badische Bibliotheksgesellschaft

Ausstellungskatalog

Raffel, Eva:
Illustre Gäste. Die Weimarer Inkunabelsammlung in der Badischen Landesbibliothek. Katalog zur Ausstellung der Badischen Landesbibliothek vom 30. August bis 1. Oktober 2005. Karlsruhe: Badische Landesbibliothek, 2005. - ISBN 3-89065-055-4
Gedruckt mit Unterstützung der Badischen Bibliotheksgesellschaft e. V.
© Selbstverlag der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe 2005
Photographien: Beate Ehlig
Druck: Digital Print Group, Erlangen

Pressebericht in "Badische Neueste Nachrichten", 20.08.2005:
... ein attraktiver und vorzüglich gestalteter Katalog ... ausgesprochen preiswert ... : Er umfasst 112 Seiten, 51 farbige Abbildungen und kostet 16 Euro.

Auszug aus dem Katalog (Format:PDF - Größe:523 kbyte):
Roberto Valturio: De re militari
[Verona]: Johannes Nicolai de Verona, 1472. 2 262 Bll. In zwei Teilbänden gebunden. GW M49412. HC 15847. Mehr als einhundert Holzschnitte.

Der Katalog ist ab Ausstellungsbeginn erhältlich in der Landesbibliothek oder zzgl. Porto und Verpackung zu beziehen über das Sekretariat (sekretariatSymbolblb-karlsruhe.de) der Badischen Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe.
Preis: € 16,00; (Mitglieder der Badischen Bibliotheksgesellschaft € 14,00)

Pressestimmen

Die älteste gedruckte Drakulaerzählung

Achtung    Neu in der Ausstellung seit dem 22. September 2005:

Die älteste gedruckte Drakulaerzählung
Inc 609a fol. 1a
Die älteste gedruckte Drakulaerzählung
Inc 609a fol. 1b
[Nürnberg]: Marx Ayrer, 14. Oktober 1488.
Die Prosaerzählung über den Walachischen Woiwoden Wladislaw IV., genannt "der Pfähler" (Vlad, Tepes, Dracole, Drakula; Regierungszeit 1456-1462 u. 1476), fand seit den 60er Jahren des 15. Jahrhunderts besonders in Osteuropa weite Verbreitung und geht wahrscheinlich auf eine verlorene siebenbürgische Quelle zurück. Bei der vorliegenden Ausgabe handelt es sich um den ersten Druck dieser Erzählung, von dem nur ein einziges Exemplar bekannt ist, nämlich dieses aus dem Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Die Vampirsage, die heute an der Gestalt des Drakula haftet, stammt aus späterer, mündlicher Tradition und verband sich erstmals in Rumänien mit dem Drakulastoff, bevor sie Bram Stoker im 19. Jahrhundert literarisierte.

Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Telefonnummern und E-Mail-Adressen


Öffnungszeiten
Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Wissenstor:
Mo - Fr 9.00 - 22.00 Uhr,
Sa, So 10.00 - 22.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
Mo - Mi, Fr 9.30 - 16.00 Uhr,
Do 9.30 - 18.00 Uhr


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