Badische Landesbibliothek
   


Einladung zum Vortrag

Nibelungenlied und Klage - wertvolles Andenken oder Symbol für ein politisches und kulturelles Programm auf dem Wiener Kongress?

Vortrag von Frau Dr. Ute Obhof
anlässlich der Vorstellung einer
Publikation aus der Reihe 'Patrimonia' der Kulturstiftung der Länder

Dienstag, 20. September 2005, 11 Uhr und 19.30 Uhr
Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek
- Eintritt frei -

Plakat zur Veranstaltung (Format:PDF - Größe:57 kbyte)

Achtung     An diesem Tag ist die Nibelungen-Handschrift C im Vortragssaal ab 10.30 Uhr für die Öffentlichkeit ausgestellt.
Bei der Abendveranstaltung um 19.30 Uhr wird Herr Dr. Philipp Demandt ein Grußwort der Kulturstiftung der Länder sprechen.

Die Handschrift C des 'Nibelungenlieds' gehört zu den wichtigsten deutschen Kulturdenkmälern. Als die berühmte Handschrift zum Verkauf anstand, gelang es der Landesbank Baden-Württemberg mit finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Bundesregierung und der Freifrau Christina von Laßberg, die Handschrift im Lande zu halten. Sie befindet sich seit Juni 2001 in der Obhut der Badischen Landesbibliothek. Mit der Publikation des Patrimonia-Heftes bedankt sich die Badische Landesbibliothek bei der Kulturstiftung der Länder für die Förderung des Ankaufs der Zimelie.

Handschrift C des 'Nibelungenlieds'
Blatt 1r

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Hs. Don. 63 - Nibelungen-Handschrift (C)

Nach dem Sturz Napoleons hofften die mediatisierten Standesherren auf dem Wiener Kongress 1814/15, die Wiederherstellung des Alten Reiches und ihre Restitution erreichen zu können. Elisabeth zu Fürstenberg, Vertreterin der Mediatisierten, und Joseph von Laßberg, fürstenbergischer Bevollmächtigter, fuhren im September 1814 zum Wiener Kongress.

Am 22. Oktober 1814 stand die Fürstin im Brennpunkt des Interesses. Als Führerin der Mediatisierten überreichte sie dem Kaiser in einer öffentlich gehaltenen Audienz eine Bittschrift um die Wiedereinsetzung der Standesherren in ihre alten Rechte. In Begleitung des Fürsten von Wied-Neuwied, des Grafen zu Erbach-Erbach und des Landgrafen Joachim Egon zu Fürstenberg nutzte sie die Gelegenheit, Franz in ihrer Ansprache dazu aufzufordern, die deutsche Kaiserwürde wieder anzunehmen.

Musenalmanach für das Jahr 1814
Aus der "Wiener Bibliothek" Laßbergs und der Fürstin: Musenalmanach für das Jahr 1814,
hg. v. Joh. Erichson, Wien;
Badische Landesbibliothek, Karlsruhe,
100 B 76839,1814 RH

aus: Patrimonia 289: Die 'Nibelungenlied'-Handschrift C - Codex Donaueschingen 63

Obwohl Elisabeth in der Wiener Zeit zahllose Eingaben, Memoirs und Noten verfasste, konnte ihr in der damaligen Situation außer persönlichem Erfolg kein realpolitischer beschieden sein. Am 9. Juni 1815 wurde mit der Wiener Kongressakte eine provisorische deutsche Verfassung veröffentlicht. Für Elisabeth zu Fürstenberg und Joseph von Laßberg war das Ergebnis enttäuschend, da die Standesherren ihre Souveränität nicht wiedererlangten. Der status quo der 1806 etablierten Staaten blieb unangefochten, die Restaurationsversuche des Adels hatten ihr Ziel nicht erreicht.

Zum Selbstverständnis des Paares als Adlige gehörte das Sammeln und Tradieren von Literatur und anderen Kulturgütern der deutschen Geschichte. Sonst hätte Laßberg nicht das Programm der 'Kette' propagiert und wäre auch nicht zu dem Altertumsverein 'Wollzeilergesellschaft' gestoßen. Diesem Selbstverständnis entsprechend formulierte er: Lassen Sie uns, jeder an seinem Orte, sammeln und bewaren, was wir aus der Flut der Zeiten zu retten vermögen!

Der Plan zu einem allgemeinen Adelsverein durch ganz Teutschland, die Kette genannt, erschien in den Wiener Kongressakten mit dem Datum des 10. Januar 1815. Im Paragraph 8 dieses Programmes heißt es: Daß diejenigen [...], welchen ihre Fähigkeit und persönliche Verhältniß es gestatten, Alles sammeln werden, was auf teutsche Sprache, Sitten, Geschichte, Kunst und Alterthümer Bezug hat [...]. Joseph von Laßberg ist die treibende Kraft des Adelsvereines 'Kette' gewesen, der die innere Wiedergeburt des Adels, durch Bildung und Rückbesinnung auf überlieferte Werte erreichen wollte.

Vor diesem Hintergrund ist es mehr als konsequent, dass das Paar Joseph von Laßberg und Elisabeth zu Fürstenberg im Sommer des Jahres 1815 Mittel und Wege zum Kauf der 'Nibelungenlied'-Handschrift (C) aus Hohenems fand. Obwohl das große politische Ziel der beiden unerreicht blieb, konnten sie durch den Erwerb der 'Nibelungenlied'-Handschrift und anderer Kulturgüter politisch handeln, da sie gemäß dem Programm der 'Kette' durch Erwerb und Sammeln von Kulturgütern den sittlichen und wissenschaftlichen Zustand des teutschen Adels förderten. Auch Elisabeths finanzielle Zuwendungen für das durch Freiherrn Karl vom Stein gestiftete Editionswerk 'Monumenta Germaniae historica' sind in diesem Kontext zu sehen.

Der Vortrag mit Bildern präsentiert eine Auswahl an Beispielen aus der "Wiener Bibliothek". Die Bucherwerbungen aus der Zeit des Kongresses gewähren Einblicke in die persönliche Situation des Paares, insbesondere aber geben sie Auskunft über die politischen und kulturellen Bemühungen Laßbergs und der Fürstin. Die politische Lage bewirkte eine Hinwendung zur Geschichte und ihren Zeugnissen, deren prominentestes die 'Nibelungenlied'-Handschrift war.

Trennlinie
Aus der Reihe der Kulturstiftung der Länder "PATRIMONIA" ist das Heft 289 zur Karlsruher Nibelungenlied-Handschrift erschienen.
Aus dem Inhalt: 'Nibelungenlied' und 'Nibelungenklage' - Beschreibung der Handschrift Codex Donaueschingen 63 (C) nach den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft; Elisabeth Fürstin zu Fürstenberg und Joseph Freiher von Laßberg in Wien - Ausgewählte Bucherwerbungen aus der Zeit des Wiener Kongresses.
Preis: € 10,00; (Mitglieder der Badischen Bibliotheksgesellschaft € 9,00)

Erhältlich bei der Veranstaltung oder an der Garderobe der Landesbibliothek; außerdem zzgl. Porto und Verpackung zu beziehen über das Sekretariat (sekretariatSymbolblb-karlsruhe.de) der Badischen Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe.

Sie sind herzlich eingeladen!

Badische Landesbibliothek
Badische Bibliotheksgesellschaft

Pressebericht

21.09.2005 - Badische Neueste Nachrichten:
Das aktuelle Buch: Ein Prunkstück stellt sich vor (Format:GIF - Größe:96 kbyte)
Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Postfach 1429, 76003 Karlsruhe
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