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Handschriften-Streit
Handschriften der Badischen Landesbibliothek - Presseberichte
Zeitraum: 12.10.2006 - 07.10.2006
12.10.2006:
- Deutscher Museumsbund, 12.10.06:
Museumsobjekte sind keine Verpfändungsmasse
- Deutscher Museumsbund kritisiert 3-Säulen-Modell von Ministerpräsident Oettinger
Der Deutsche Museumsbund übt scharfe Kritik an dem von Ministerpräsident Oettinger vorgeschlagenen Drei-Säulen-Modell
zur Rettung des Hauses Baden. "Die Museen und Bibliotheken sind keine Rückhaltebecken, aus denen in Zeiten finanzieller Engpässe
geschöpft werden kann", erklärte Dr. Michael Eissenhauer, Präsident des Deutschen Museumsbundes, zu den Plänen des
Ministerpräsidenten.
- Die Welt, 12.10.06:
Baden-Württemberg: Wende im Handschriftenstreit
- Nicht die Erlöse aus Manuskripten, sondern Sponsoren und öffentliche Mittel sollen Salem sichern:
Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger (CDU) kündigt an Spender und Sponsoren "publikumswirksam"
ins Boot holen zu wollen. Statt die Handschriften zu verkaufen, sollen nun 30 Millionen Euro besorgt werden.
Der Badische Handschriftenstreit könnte bald auch guten Stoff für eine Fernseh-Show liefern. Buchstäblich.
Schließlich hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) soeben angekündigt, zum Erhalt
der Schätze und Schloss Salems Spender und Sponsoren publikumswirksam ins Boot zu holen. Die Gala, auf der
dies im Januar in Karlsruhe geschehen soll, könnte vom SWR übertragen werden.
- F.A.Z., 12.10.06:
Keine Banausen
- Oettinger und die Landeskunst / Von Rüdiger Soldt
Zur Rechtfertigung des Handschriftenverkaufs mußte Wissenschaftsminister Frankenberg (CDU) vor einer Woche
deutlich machen, daß er "kein kultureller Banause" sei. Wenn ein Minister für "Wissenschaft, Forschung und Kunst" solch
ein Eingeständnis macht, er zudem auch noch Mitglied einer konservativen Partei ist, knirscht es wohl im
Regierungsapparat. Die baden-württembergische Landesregierung gibt mittlerweile zu, mit derart starken Protesten
gegen den Handschriftenverkauf nicht gerechnet und das Interesse und die Wertschätzung der Öffentlichkeit an den
Kulturgütern unterschätzt zu haben.
- Rheinischer Merkur, 12.10.06:
Gelehrter, Abt und Bischof - Hrabanus Maurus prägte das geistige Leben in der karolingischen Epoche
Die Nachricht aus dem Südwesten Deutschlands schlug einige hundert Kilometer weiter nördlich, in Fulda, wie
der Blitz ein. Während hier bei einem Symposium das Wissen über Werk und Wirken eines der großen Geister
des europäischen Mittelalters, des Fuldaer Abtes und späteren Mainzer Erzbischofs Hrabanus Maurus (790-856),
vertieft wurde, zeigte sich in Stuttgart und Karlsruhe, wie geschichts- und kulturvergessen heutige Eliten sein
können. In Fulda wird mit großem finanziellem Aufwand und Förderung durch Bürger die in alle Welt zerstreute
mittelalterliche Bibliothek rekonstruiert, die baden-württembergische Landesregierung und das Adelshaus
Baden hingegeben wollen kostbare Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek verscherbeln.
- Badische Neueste Nachrichten, 12.10.06:
Handschriftenstreit gestern im Landtag
Der Streit um die von der Landesregierung zunächst geplante, nun aber offenkundig abgeblasene Veräußerung
von mittelalterlichen Handschriften aus der Sammlung der Badischen Landesbibliothek hat gestern den
Stuttgarter Landtag beschäftigt.
- Badische Neueste Nachrichten, 12.10.06:
"Wir sind lernfähig" - Debatte zum Handschriftenstreit im Landtag
Die Landtagsopposition hat der Regierung mangelnden Respekt vor dem Kulturerbe des Landes vorgeworfen. "Sie haben
die Landesverfassung mit Füßen getreten", sagte SPD-Fraktionschefin Ute Vogt in Stuttgart mit Blick
auf den Streit um die badischen Handschriften.
- Badische Neueste Nachrichten, 12.10.06:
Da irrte Friedrich der Große - Warum auch vermeintlich unbedeutendes Kulturgut nicht
verkauft werden darf / Von Michael Hübl
So ganz unkommentiert mochte Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) die angekündigte Wende
im Handschriftenstreit nicht hinnehmen. Sein Parteifreund Ministerpräsident Günther H. Oettinger hatte gerade ein so
genanntes Drei-Säulen-Modell vorgestellt, mit dem eigentlich die Diskussion um mögliche Verkäufe
von mittelalterlichen Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek (BLB) hätte vom Tisch sein müssen.
- Dernières Nouvelles d'Alsace, 12.10.06:
Skandal um Handschriften - Es herrscht Aufruhr in der Landesbibliothek von Karlsruhe. Die
baden-württembergische Regierung hatte die Absicht, mehrere tausend Handschriften zu verkaufen, um die
Erhaltung des Schlosses von Salem, im Besitz der großherzoglichen Familie, zu finanzieren.
- Dernières Nouvelles d'Alsace, 12.10.06:
Als Geldanlagen angesehen - Laurence Perry, Direktorin der städtischen Archive Strasbourg,
in denen sich Zigtausende von Handschriften befinden:
"Es ist verrückt. In Frankreich sind öffentliche Sammlungen unveräußerlich. ..."
- Dernières Nouvelles d'Alsace, 12.10.06:
Bei uns unmöglich und undenkbar - Hubert Mayer, Konservator der Humanistischen Bibliothek von Sélestat,
die über eine große Anzahl von Handschriften verfügt: "In Frankreich gestattet das Gesetz keine solchen Transaktionen.
Zum Glück! ..."
- Dernières Nouvelles d'Alsace, 12.10.06:
Auch die Arbeit von Elsässern - Albert Châtelet, emeritierter Professor, ehemaliger Leiter
des Instituts für Kunstgeschichte Strasbourg: "Der eventuelle Verkauf solcher Kulturgüter ist empörend. Es wäre ein
Verlust für die Region, denn die Handschriften würden in Ländern mit Petrodollars zerstreut. ..."
- Stuttgarter Zeitung, 12.10.06:
Opposition zweifelt am
Kunstverstand der Regierung
- SPD und Grüne ziehen vernichtende Bilanz des Handschriftenstreits - Oettinger billigt Adelsfamilie Eigentumsansprüche zu
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat den Verkauf von Kulturgut vorerst gestoppt. Dafür erhielt
er gestern im Parlament fraktionsübergreifend Zustimmung. Nach Ansicht von SPD und Grünen aber hat er sich
gründlich blamiert.
- Stuttgarter Zeitung, 12.10.06:
Liste bewahrt Kunst vor dem Ausverkauf
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat Anfang der Woche angekündigt, die Handschriftensammlung der
Badischen Landesbibliothek auf die Liste der nicht veräußerbaren Kulturgüter setzen zu wollen, sollte
Baden-Württemberg die Handschriften an das Haus Baden übertragen. Stünden die Handschriften auf dieser
Liste, so fielen sie in den Geltungsbereich des Kulturschutzgesetzes, das seit 1964 Kunstwerke und anderes
Kulturgut einschließlich Bibliotheksgut unter Schutz stellt und vor dem Verkauf ins Ausland bewahrt.
- Stuttgarter Zeitung, 12.10.06:
Am Dienstag geht es bei der Landesstiftung nur um Baden
- Vergangenes Jahr hat die Einrichtung mit 54 Millionen Euro 41 Projekte finanziert - Kleiner Etat bei Museen
und Bibliotheken
Die Landesstiftung soll zehn der 30 Millionen Euro beisteuern, mit denen das Land dem Haus Baden zur Seite
springen will. Ein weiterer Teil soll aus den Ankaufsetats von Museen und Bibliotheken des Landes abgezweigt
werden. Die Frage ist, ob das wirklich reicht.
- Stuttgarter Zeitung, 12.10.06:
Im Zugzwang
- Handschriften und kein Ende
Die Opposition hat Ministerpräsident Oettinger im Landtag hart zugesetzt - und das mit Recht. Der Streit ums
badische Kulturerbe enthüllte mit erbarmungsloser Schärfe Leerstellen in der Landesregierung.
- BILD, 12.10.06:
Baden-Schatz-Debatte: Oettinger unter Beschuss!
Der grüne Abgeordnete Jürgen Walter (49) behauptete gestern im Landtag:
"Ich hab' den Ministerpräsidenten noch nie so sehr zurückhaltend erlebt wie heute."
Kunststück! In den vergangenen Wochen prasselte kübelweise Kritik von Kulturfreunden auf
Günther Oettinger (52, CDU) nieder. Die nächste Packung in Sachen Handschriften-Streit gab's
gestern im Landtag. SPD-Landeschefin Ute Vogt (41) wetterte: "Sie haben unser Land blamiert -
weltweit!"
- ka-news.de, 12.10.06:
Aktuelle ka-news-Umfrage:
Spenden für die Handschriftensammlung?
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) ruderte zurück. Die Aufschreie aus Wissenschaft und Gesellschaft haben
ihre Wirkung gezeigt. Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek soll also nicht verkauft werden (ka-news berichtete).
- taz - Die Tageszeitung, 12.10.06:
Die Besitzverhältnisse sind nicht geklärt
- Wie Günther Oettinger eine mittelalterliche Handschriftensammlung bewahren und das Schloss und Münster Salem sanieren will
Was ist wichtiger? Die Sanierung eines Schlosses, das sich im Privatbesitz Prinz Bernhards von Baden befindet, oder der
Erhalt einer rund 3.600 Stücke umfassenden mittelalterlichen Handschriftensammlung? Der Prinz und seine Familie
haben sich für das Schloss entschieden. In Absprache mit dem Land Baden-Württemberg sollte die in Karlsruhe
untergebrachte Handschriftensammlung verkauft werden, obwohl nicht klar ist, ob sie sich im Besitz der
Adelsfamilie oder des Landes befindet.
- Frankfurter Rundschau, 12.10.06:
"Kaufen und hängen lassen" - Handschriften sollen bleiben
Die baden-württembergische CDU/FDP-Landesregierung sieht von einem Verkauf der mittelalterlichen Handschriften in der
Badischen Landesbibliothek ab. Dies kündigte Regierungschef Günther Oettinger an. Er rückt damit definitiv von seinem
ursprünglichen Vergleichsplan mit dem Haus Baden ab, der den Erlös von 70 Millionen Euro aus dem Verkauf einiger Stücke
aus der Handschriftensammlung vorsah. 30 Millionen davon sollten dem Haus Baden zufließen, das durch Sanierung von
historischer Schlossanlage und Münster in Salem unter den Druck von Gläubigerbanken geraten ist. Die
forderten den Verkauf von Kunstschätzen, um eine Insolvenz abzuwenden.
- Süddeutsche Zeitung, 12.10.06:
Nachhilfestunden in Geschichte
- Nach heftigen Protesten gibt Günther Oettinger den Plan auf, wertvolle Handschriften zu verkaufen
Als das Bundesland Berlin damit begann, seinen Haushalt ein wenig zu sanieren, gab es umfangreiche Proteste gegen die Abschaffung
der Pferdestaffel der Polizei, die schließlich zurückgenommen werden musste. Insofern mag es als Fortschritt gelten,
dass in Baden-Wuerttemberg nun über den Erhalt von Kulturgütern diskutiert wurde, die bis ins Mittelalter zurückreichen.
- Süddeutsche Zeitung, 12.10.06:
Handschriftenstreit geht politisch weiter
Auch der neue Vorschlag der baden-württembergischen Landesregierung zur Lösung des Handschriftenstreits wird von Opposition
und Kulturverbänden kritisiert.
- swr, 12.10.06:
Aufgabe der Kulturpolitik ist es, kulturelles Erbe zu
sichern, nicht zu veräußern
- Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes
übt scharfe Kritik an baden-württembergischer Kulturpolitik
Die Überlegung der Landesregierung von Baden-Württemberg, mit dem Verkauf vieler kleiner Objekte aus Museen und Bibliotheken das
Badische Fürstenhaus zu sanieren und das Schloss Salem zu sichern, ist von der Geschäftsführerin des Deutschen Museumsbundes, Mechthild
Kronenberg, in SWR2 ("Journal am Morgen") als eine "unglaublich peinliche und blamable Affäre" bezeichnet worden.
- Pforzheimer Zeitung, 12.10.06:
Handschriftenstreit: Prügel von allen Seiten
Auch das neue Modell der baden-württembergischen Landesregierung zur Lösung des Streits um die badischen Handschriften
stößt auf scharfe Kritik in Politik und Kulturszene. Der Deutsche Kulturrat monierte gestern in Berlin, zum
Finanzierungsmix eines Vergleichs zwischen dem Land und dem Haus Baden gehöre weiterhin der Verkauf von
Kulturgütern aus öffentlichen baden-württembergischen Museen und Bibliotheken. Nach Auffassung des
Spitzenverbandes der Bundeskulturverbände ist es nicht schlüssig, dass die Kultur für Finanzprobleme des
Hauses Baden bluten muss. Wenn die Adelsfamilie - wie die FDP im Landtag ausgeführt hatte - ein
mittelständisches Unternehmen sei, müsse das Wirtschaftsministerium einspringen.
- Badische Zeitung, 12.10.06:
Vogt: "Das Land blamiert" - Landtags-Opposition rügt Oettingers Vereinbarung mit dem Haus Baden / Noll räumt
Fehler ein
Die Landtagsoppostion hat der Regierung mangelnden Respekt vor dem Kulturerbe des Landes vorgeworfen.
"Sie habe die Landesverfassung mit Füßen getreten", sagte SPD-Fraktionschefin Ute Vogt am Mittwoch in
Stuttgart mit Blick auf den Streit um die badischen Handschriften.
- Südwestpresse Ulm, 12.10.06:
"Verfassung mit Füßen getreten" - Minister Frankenberg: Vergleich mit Adelshaus bringt viel
Gewinn bei wenig Einsatz
Auch Oettingers neues Modell zum Vergleich mit dem Adelshaus Baden stößt auf scharfe Kritik in Politik
und Kulturszene. Ohne den umstrittenen Handschriftenverkauf will der Ministerpräsident
30 Millionen Euro sammeln - bei Sponsoren, Spendern und der Landesstiftung.
- Mannheimer Morgen, 12.10.06:
Politischer Krawall um badische Kulturgüter - Verkauf der Handschriften sorgt im Stuttgarter
Landtag für scharfe Debatte / Oettinger: Wir sind lernfähig
Im Kampf um den Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek ist jetzt die Zeit der
Rückzugsgefechte. Als gestern im Landtag Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sein
neues Finanzierungskonzept präsentiert hat, reagiert die Opposition vorsichtig positiv.
"Über einen Teil der Vorschläge können wir diskutieren", sagt der Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter.
- SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 12.10.06:
Wem gehört was?
Nach Angaben des baden-württembergischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Peter Frankenberg (CDU), bekommt
das Land beim Vergleich mit dem Haus Baden für einen geringen Einsatz einen hohen Gewinn.
- SPD Mannheim, 12.10.06: Handschriftenverkauf:
Heberer erklärt 3-Säulen-Modell Oettingers als Mogelpackung zu Lasten aller Kulturinstitutionen in Baden-Württemberg
Nach dem weltweiten Aufschrei der Fachwelt über den geplanten Verkauf der historischen Handschriften der
Badischen Landesbibliothek stellte Ministerpräsident Oettinger diese Woche bereits die dritte Lösungsvariante
für die Sanierung der klammen Finanzsituation des Hauses Baden, nämlich sein 3-Säulen-Modell vor, mit dem er
vorerst nur noch 30 Mio. statt bisher 70 Mio Euro für das Adelshaus Baden zusammen bekommen will.
- Heilbronner Stimme, 12.10.06:
Politischer Krawall um Kulturgüter
- Heftige Kritik der Opposition
Im Kampf um den Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek ist jetzt die Zeit der Rückzugsgefechte.
Als gestern im Landtag Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sein neues Finanzierungskonzept präsentierte,
reagierte die Opposition vorsichtig positiv. "Über einen Teil der Vorschläge können wir diskutieren", sagt der
Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter.
- Bietigheimer Zeitung, 12.10.06:
HANDSCHRIFTEN-STREIT /
LANDTAGSOPPOSITION FORDERT STOPP DER VERHANDLUNGEN - "Verfassung mit Füßen getreten"
- Minister Frankenberg: Vergleich mit Adelshaus bringt viel Gewinn bei wenig Einsatz
Auch Oettingers neues Modell zum Vergleich mit dem Adelshaus Baden stößt auf scharfe Kritik in Politik und Kulturszene.
Ohne den umstrittenen Handschriftenverkauf will der Ministerpräsident 30 Millionen Euro sammeln - bei Sponsoren,
Spendern und der Landesstiftung.
Auch der Verzicht auf den Verkauf wertvoller Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek bringt Ministerpräsident
Günther Oettinger (CDU) nicht aus der Schusslinie.
- Reutlinger General-Anzeiger, 12.10.06:
Landtag - Ministerpräsident Oettinger wird mit Vorwürfen überschüttet.
Ute Vogt: "Land weltweit blamiert" - Derbe Töne im Streit um Kulturerbe
Der Streit um den möglichen Verkauf badischer Kulturgüter hat gestern im Landtag für einen munteren
Schlagabtausch gesorgt. SPD-Fraktionschefin Ute Vogt warf Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) vor,
er habe das Land "weltweit blamiert" und »die Interessen des Adels über das kulturelle Erbe des Landes
gestellt«. Die Landesverfassung, die den Schutz der Kulturgüter vorsieht, habe Oettinger »mit Füßen getreten«.
Auch der Grünen-Abgeordnete Jürgen Walter sprach von "dilettantischem Verhalten" und "großem Imageschaden".
Walter ließ aber auch versöhnliche Töne vernehmen: Er sieht Oettinger "dankenswerterweise auf dem Rückzug".
- net-tribune.de, 12.10.06:
Der Staat braucht Geld: Kultur-Ausverkauf in Baden-Württemberg
Die Überlegung der Landesregierung von Baden-Württemberg, mit dem Verkauf vieler kleiner Objekte aus Museen und
Bibliotheken das Badische Fürstenhaus zu sanieren und das Schloss Salem zu sichern, ist von der Geschäftsführerin
des Deutschen Museumsbundes, Mechthild Kronenberg, in SWR2 ("Journal am Morgen") als eine "unglaublich
peinliche und blamable Affäre" bezeichnet worden.
- Berliner Zeitung online, 12.10.06:
Ausverkäufer geben auf:
Die Karlsruher Handschriften werden jetzt doch nicht verhökert
Deutschland hat noch nicht vergessen, dass es ein Kulturvolk ist. Ein beispielloser Frevel am überlieferten Erbe sollte
begangen werden, doch dann wurde der Protest so übermächtig, dass es sich die Banausen - so muss man sie nennen - nach nur
drei Wochen doch noch anders überlegten. Das ist die gute Botschaft aus dem unseligen Handschriften-Streit in Baden-Württemberg:
Die Öffentlichkeit ist nicht gewillt, den Verkauf von Museumsbesitz zur Entlastung des Staatshaushalts hinzunehmen.
Das Tabu soll weiterhin eines bleiben.
- Europolitan, 12.10.06:
Karlsruhe: Handschriften werden nicht für Salem geopfert
Die finanziellen Mittel zum Erhalt der Schlossanlage Salem am Bodensee sollen durch Sponsoren und öffentliche Mittel
gesichert werden. Die benötigten 30 Millionen Euro werden also nicht durch einen Verkauf mittelalterlicher Handschriften
aus der badischen Landesbibliothek Karlsruhe erwirtschaftet. Der Plan, die wertvollen Handschriften zu veräußern,
stieß in den letzten Tagen auf heftige internationale Kritik.
"Publikumswirksam" müsse man Spender und Sponsoren ins Boot holen, verkündete Baden-Württembergs Ministerpräsident
Günther Oettinger (CDU) nun.
- Cronaca, 12.10.06:
Karlsruhe manuscripts selloff update
Followup on a proposed crime against culture of staggering proportions:
Germany's Culture Minister Bernd Neumann said on Monday he would make sure that the planned sales of a manuscript
collection from the state library of Baden-Württemberg did not take place. . .
The southwestern state of Baden-Württemberg originally planned to sell around 3,600 manuscripts from its state
library collection in Karlsruhe with the goal of raising around 70 million euros ($88.6 million) for financing
the maintenance of Salem Castle and Abbey, a Gothic architectural gem which dates back to the 12th century.
11.10.2006:
- 14. LANDTAG VON BADEN-WÜRTTEMBERG, 9. Sitzung, 11. Oktober 2006:
Plenarprotokoll
- 14. LANDTAG VON BADEN-WÜRTTEMBERG:
Antrag
der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Finanzministeriums
Bislang hat die Landesregierung mit dem Haus Baden keine Vereinbarung
getroffen. Allerdings hat die Landesregierung mit dem Haus Baden Verhandlungen
geführt mit dem Ziel,
- die über Generationen währende Auseinandersetzung zwischen dem Land
und dem Haus Baden um das Eigentum an den ehemals großherzoglichen
Kunst- und Kulturgütern endgültig beizulegen und
- die für die kulturelle Identität des Landes bedeutsame Klosteranlage
"Schloss Salem" dauerhaft zu sichern. ...
- CDU-Landtagsfraktion, 11.10.06:
Christoph Palm -
Die "unvollendete Revolution" in Baden
- Hintergründe des geplanten Verkaufs von Kulturgütern des Landes -
Sicherung der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek
Rede des kunstpolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion Christoph Palm (Zusammenfassung/Auszüge)
Abg. Christoph Palm CDU: Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Als Nachfahre jenes Johann
Philipp Palm, der vor genau 200 Jahren auf Geheiß Napoleons erschossen wurde, weil er sich gegen die deutschen Fürsten
wandte, stehe ich wohl kaum im Verdacht, ein Fürstendiener zu sein.
- CDU-Landtagsfraktion, 11.10.06:
Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger -
Die "unvollendete Revolution" in Baden
- Hintergründe des geplanten Verkaufs von Kulturgütern des Landes -
Sicherung der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek
Rede des Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger MdL (Zusammenfassung/Auszüge)
Ministerpräsident Günther Oettinger: Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen, meine Herren! Vor fast 90 Jahren
haben wir zeitgeschichtlich den Übergang von der Monarchie zur Demokratie erlebt. In Württemberg wurde alles geregelt:
jeder Hektar Forst, jedes Gebäude, jedes Schloss, jeder Kunstgegenstand. Man hat damals entschieden, was privat ist und
was dem Staat gehört.
Genau dies geschah in Baden nicht. Das werfe ich niemandem vor - nicht dem Haus Baden, nicht dem Freistaat Baden.
- CDU-Landtagsfraktion, 11.10.06:
Stefan Mappus -
Die "unvollendete Revolution" in Baden
- Hintergründe des geplanten Verkaufs von Kulturgütern des Landes -
Sicherung der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek
Rede des Fraktionsvorsitzenden Stefan Mappus MdL
Abg. Stefan Mappus CDU: Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich halte es gleichfalls, Herr Kollege,
für wichtig und für richtig, dass wir uns in diesem Rahmen über wichtige Kulturgüter dieses Landes unterhalten.
Aber ich halte es auch für wichtig, dass wir dies in aller Sachlichkeit tun. Frau Vogt, ich habe in jüngster Vergangenheit
in den Medien gelesen, Sie würden in diesem Parlament vermeintlich immer besonders aggressiv behandelt, was ich nicht so sehe.
Aber was Sie in den letzten Tagen an Aggressivität, an Niveaulosigkeit gezeigt haben, das hat diese Diskussion mit Sicherheit
nicht verdient, meine Damen und Herren.
- F.A.Z., 11.10.06:
30 Millionen Euro für das Haus Baden -
Baden-Württemberg will Handschriften in Landesbesitz überführen / Schloß Salem in eine Stiftung
Die baden-württembergische Landesregierung will mit einer "konzertierten Aktion" den Verkauf der Handschriften aus der
Badischen Landesbibliothek nach Möglichkeit abwenden und dem Haus Baden zunächst 30 Millionen Euro im Rahmen eines
außergerichtlichen Vergleichs zur Verfügung stellen. Das entspreche etwa den Aufwendungen, die der Markgraf und seine
Familie für die Instandhaltung des Schlosses Salem bisher aufgebracht hätten, sagte Ministerpräsident Oettinger (CDU).
- F.A.Z., 11.10.06:
Teure Prachtbauten -
Die Schlösser in Baden-Württemberg sind ohne den Staat nicht zu bewirtschaften
Wer in Baden-Württemberg ein historisches Schloss besucht, der wird zwangsläufig darauf aufmerksam gemacht, wie
reichhaltig das Land mit Kulturdenkmälern gesegnet ist: Für fast jedes der öffentlich zugänglichen Schlösser,
die staatlich verwaltet werden, gibt es ein eigenes Informationsblatt.
- F.A.Z.NET, 11.10.06:
Handschriften können sprechen
- Sind Kunstschätze wirklich unverkäuflich?
Die baden-württembergische Landesregierung hat sich doch besonnen: Nach der Erklärung vom Dienstag ist es klar,
daß es den vorgesehenen Kuhhandel nicht geben wird.
In diskreter Zurückgezogenheit hatte man mit Erbprinz Bernhard von Baden das Geschäft ausgehandelt - und hätte es
gern als abgeschlossen einer Öffentlichkeit präsentiert, von der die Abmachung ohne Widerspruch geschluckt werden
sollte: Denn zu erhalten gelte es, so hieß es, das hohe Kulturgut von Schloß und Münster Salem am Bodensee.
- Deutscher Kulturrat, 11.10.06:
Baden-Württemberg: Kunst zu verkaufen,
um Unternehmen zu retten, ist der falsche Weg
- Deutscher Kulturrat hält an Kritik am 3-Säulen-Modell zur Schließung der Finanzlücke des Unternehmens Haus Baden fest
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass heute im Landtag von
Baden-Württemberg eine Debatte zur derzeitigen Diskussion um die Schließung von Finanzlücken des Hauses
Baden stattgefunden hat. Damit wird das Thema von der Ebene der Regierung in das Parlament geholt.
Der Deutsche Kulturrat begrüßt weiter, dass Ministerpräsident Oettinger zu verstehen gab, dass die Handschriften
der Badischen Landesbibliothek voraussichtlich nicht veräußert werden sollen. Gleichzeitig wurde aber deutlich,
dass der Verkauf von Kulturgütern aus öffentlichen baden-württembergischen Musen und Bibliotheken auch weiterhin
zum Finanzierungsmix der Landesregierung dazu gehört.
- Süddeutsche Zeitung, 11.10.06:
Die abenteuerliche Reise muss ein Ende haben
- Eine europäische Odyssee von Fleury nach Karlsruhe, oder: Warum alte Handschriften intakt zu bewahren sind / Von
Martin Germann
Die Pläne Baden-Württembergs, mittelalterliche Handschriften der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe zum Zweck der Sanierung
von Schloss Salem zu verkaufen, haben großen Protest ausgelöst. Warum diese Reaktionen? Unser Autor, ein Kenner der Bibliotheksgeschichte,
ist Konservator der Abteilung Bongarsiana der Burgerbibliothek Bern. Er erzählt hier anhand einer Episode aus der
Kulturgeschichte Europas, weshalb alte Manuskripte, die es über die Zeit in alle Winde zerstreut hat, heute unter staatlichem
Schutz bleiben müssen - zur Bewahrung des Überlieferungszusammenhangs unserer gemeinsamen Geschichte.
... weitere Informationen
- Badische Neueste Nachrichten, 11.10.06:
Karlsruher Handschriften nächstens gerettet? - Oettinger will Geld aus Landesstiftung bereitstellen / Von Michael Hübl
Mancher politische Umbruch hat weit reichende Folgen. Das musste jetzt Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther H. Oettinger (CDU)
erfahren. "Die Revolution war in Baden zu liberal," erklärte er gestern in Stuttgart vor der Landespressekonferenz.
- Badische Neueste Nachrichten, 11.10.06:
Rettet Oettinger Handschriften?
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther H. Oettinger (CDU) hat gestern ein neues Finanzierungsmodell vorgestellt,
das eine Rettung der Karlsruher Handschriftensammlung bedeuten könnte. Akut müssten 30 Millionen Euro aufgebracht werden,
um zu verhindern, dass das Haus Baden Insolvenz anmelden muss und Gläubigerbanken möglicherweise Kulturgüter
einklagen, bei denen die Besitzverhältnisse nicht eindeutig sind.
- Badische Neueste Nachrichten, 11.10.06:
Befreiungsschlag - Von Michael Hübl
Wenn alle mitmachen, könnte es ein Befreiungsschlag werden. Günther H. Oettinger hat gestern eine Fähigkeit bewiesen, die man
durchaus nicht jedem zutraut. Er hat gezeigt, dass er in der Lage ist umzudenken. Er hat offenbar erkannt, dass ihm seine
bisherigen Ratgeber keinen sonderlich guten Dienst erwiesen, als sie dazu rieten, die Handschriften-Sammlung der
Badischen Landesbibliothek zu zerschlagen, damit das Haus Baden einzelne Stücke auf den Markt werfen und auf diese Weise
70 Millionen Euro zusammenbringen kann.
- Badische Zeitung, 11.10.06:
Wem gehören die Handschriften? - Auch der Blick in 200 Jahre Landesgeschichte liefert kein
eindeutiges Urteil
Macht das Land Baden-Württemberg dem Haus Baden unnötige Zugeständnisse?
Dies glaubt nicht nur die SPD, sondern das glauben auch viele Gegner eines Verkaufs der Handschriften aus der
badischen Landesbibliothek zu Gunsten des Adelshauses. Sie argumentieren, dass die Schätze dem Land schon
lange gehören und ein Vergleich mit dem Haus Baden (der zum Verkauf wichtiger Handschriften führen soll)
daher überflüssig sei.
- Badische Zeitung, 11.10.06:
Für Solidarität der Museen
- Regierung erwartet Beiträge zu Gunsten des Hauses Baden
Die Landesregierung hat im Streit um die badischen Handschriften die Museumschefs im Südwesten zu
Solidarität aufgerufen. "Jeder, der eine Sammlung verwaltet, sollte sehen, ob er nicht einen Gegenstand
veräußern kann" , sagte Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) am Dienstag in Stuttgart. Kunststaatssekretär
Dietrich Birk (CDU) forderte, dass die Museumsverantwortlichen auch durch den Verzicht auf die eine oder
andere Neuerwerbung ihren Beitrag leisten könnten.
- ka-news.de, 11.10.06:
Handschriften verschont? Oettinger macht Rückzieher
Die anhaltenden, zweieinhalb Wochen dauernden Proteste gegen den Ausverkauf der Handschriftensammlung in
der Badischen Landesbibliothek haben offenbar Wirkung gezeigt. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU)
rudert zurück und sprach gestern in Stuttgart von seinem "Drei-Säulen-Modell", das den Erhalt badischer
Kulturgüter ermöglichen soll.
- Der Tagesspiegel, 11.10.06:
Kulturgüter-Streit:
"Dilettantisches Verhalten"
Die SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Ute Vogt warf Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) vor, die Landesverfassung,
die Kunst und Denkmäler unter öffentlichen Schutz stelle, "mit den Füßen getreten" zu haben. Oettinger habe die Interessen
des Adels über das kulturelle Erbe des Landes gestellt, kritisierte Vogt.
- Stuttgarter Zeitung, 11.10.06:
Auf
dieses Thema hätte ich gern verzichtet
- Ministerpräsident Günther Oettinger sieht sich als Opfer der weit gehend friedlichen badischen Revolution von 1918
Mit einem argumentativ starken Auftritt hat Regierungschef Günther Oettinger im Handschriftenstreit
etwas Druck aus dem Kessel genommen. Doch ausgestanden hat er den Konflikt noch nicht.
Zwei Stunden beriet das Kabinett am Montagabend über einen Ausweg aus der Falle, in welche die Regierung durch ihren
heimlich ausgeheckten Vergleich mit dem badischen Adelshaus getappt war.
- Stuttgarter Zeitung, 11.10.06:
Kein Ausverkauf von Kulturgut
- Oettinger will Handschriften im Land sichern - Neuer Plan für Ausgleich mit badischem Adel
Die mittelalterlichen Handschriften in der Badischen Landesbibliothek werden nach dem Willen von
Ministerpräsident Günther Oettinger nun doch nicht verkauft. Stattdessen fordert er zur Finanzierung
des Vergleichs mit dem badischen Markgrafenhaus Beiträge von der Landesstiftung und von Kultureinrichtungen ein.
Oettinger setzt auch auf die Hilfe privater Sponsoren.
- Stuttgarter Zeitung, 11.10.06:
Zeit gewonnen
- Oettinger und das Kulturgut
Das war knapp. Mit einigen flinken Haken hat es Günther Oettinger im Streit um das badische Kulturerbe gerade
noch ins Mauseloch geschafft. Draußen aber streift mit spitzen Krallen die Katze herum - jederzeit zum
Sprung bereit. Es macht immer noch staunen, wie geschickt und mit welcher Vehemenz Kunstbetrieb, Feuilletons
und Wissenschaft in den vergangenen zwei Wochen dem Ministerpräsidenten zugesetzt haben, der sich
unversehens vom Jäger zum Gejagten verwandelt hat.
- Stuttgarter Nachrichten, 11.10.06:
Handschriftenstreit:
Kritik an Landesregierung hält an
- Landtagsopposition wirft Regierung mangelnden Respekt vor Kulturerbe des Landes vor
Auch das neue Modell der baden-württembergischen Landesregierung zur Lösung des Streits um die badischen Handschriften
stößt auf scharfe Kritik in Politik und Kulturszene. Der Deutsche Kulturrat monierte am Mittwoch in Berlin, zum
Finanzierungsmix eines Vergleichs zwischen dem Land und dem Haus Baden gehöre weiterhin der Verkauf von
Kulturgütern aus öffentlichen baden-württembergischen Museen und Bibliotheken.
- Stuttgarter Nachrichten, 11.10.06:
Sammelbüchse
"Es begann als Schurkenstück und wird jetzt als Provinzposse weiter gespielt." Den Worten des
Literaturwissenschaftlers Norbert Ott von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zum Drunter und Drüber
im baden-württembergischen Handschriftenstreit ist nichts hinzuzufügen. Außer dem Hinweis, dass der Vorgang schon
von Beginn an Possencharakter hatte.
- swr.de, 11.10.06:
Landtagsopposition mahnt Respekt vor Kulturerbe an
- Im Zuge des Handschriftenstreits hat die Landtagsopposition der Regierung mangelnden Respekt
vor dem Kulturerbe des Landes vorgeworfen. "Sie haben die Landesverfassung mit Füßen getreten",
sagte SPD-Fraktionschefin Ute Vogt. Darin sei der Schutz von Kulturgütern verankert.
Die Landesregierung sei in vorauseilendem Gehorsam auf einen Deal mit der Adelsfamilie eingegangen, wobei
ursprünglich Handschriften aus der badischen Landesbibliothek verkauft werden sollten. "Sie haben unser
Land blamiert - weltweit". Die Verhandlungen mit der Markgrafenfamilie müssten umgehend gestoppt werden,
forderte Vogt.
- swr.de, 11.10.06:
Doch kein Ausverkauf badischer Handschriften
- Im Streit um den Verkauf der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe rudert
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) zurück. Das Land will die 30 Millionen Euro für einen Vergleich mit
dem Haus Baden jetzt aus verschiedenen Töpfen aufbringen. Heute ist der Handschriftenstreit Thema im Landtag.
Es sei "eine außergewöhnliche Situation, die außergewöhnlich einschneidende Maßnahmen erfordert", so
Oettinger. Gefordert sind nun die Landesstiftung, die zehn Millionen aufbringen soll, und Sponsoren.
Es soll eine Spendengala geben und eine klare Schwerpunktsetzung bei sämtlichen Ausgaben im Kulturbereich.
Den umstrittenen Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek schloss er nicht grundsätzlich
aus, es solle aber der Ausnahmefall bleiben.
- swr.de, 11.10.06:
Staat und Adel ringen um Kulturgüter
- Der Streit zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Haus Baden um Besitzansprüche auf Kulturgüter
währt schon seit Jahrzehnten. Dabei geht es insgesamt um Werte in Höhe von schätzungsweise 300 Millionen Euro.
Mit einem in aller Stille eingefädelten Geschäft wollte die Landesregierung diesen Streit nun ein für allemal beenden.
Dabei sollte das Adelshaus auf alle Ansprüche verzichten, zum Beispiel auf die populäre Türkenbeute im Badischen
Landesmuseum in Karlsruhe. Im Gegenzug sollte die Markgrafenfamilie von Baden einen Teil der Handschriftensammlung
aus der Badischen Landesbibliothek verkaufen dürfen, um damit Schloss Salem am Bodensee - den Stammsitz des
Adelshauses - auf Dauer zu sanieren.
- Pforzheimer Zeitung, 11.10.06:
Appell an Museumschefs -
Landesregierung rückt vom Verkauf der Handschriften ab - Kultureinrichtungen sollen helfen
Die Landesregierung hat im Streit um die badischen Handschriften die Museumschefs im Südwesten
zu Solidarität aufgerufen. "Jeder, der eine Sammlung verwaltet, sollte sehen, ob er nicht einen Gegenstand veräußern kann."
Finanzminister Gerhard Stratthaus und Kunststaatssekretär Dietrich Birk (CDU) forderte gestern in Stuttgart,
dass die Museumsverantwortlichen durch den Verzicht auf die eine oder andere Neuerwerbung ihren Beitrag leisten könnten.
- Heilbronner Stimme, 11.10.06:
Museumschefs sollen Bestände opfern
- Landesregierung schließt Vergleich mit dem Haus Baden
Die Landesregierung hat den weltweiten Protesten gegen den geplanten Verkauf von Beständen der Badischen
Landesbibliothek nachgegeben. Alternativ sollen die Landesstiftung, private Sponsoren und ein Solidaropfer des
Kunstbereichs die 30 Millionen Euro aufbringen, die das Haus Baden zur Abwendung seiner Insolvenz benötigt.
Der Kompromiss wird teuer - finanziell und nach der Kehrtwende auch politisch.
- Hamburger Abendblatt, 11.10.06:
Handschriftenverkäufe - Staatsbibliothek übt Kritik
- Kulturgut dauerhaft bewahren! -
Direktorin Gabriele Beger erinnert an Verluste in Hamburg. Günther Oettinger bietet Lösung an.
Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (SUB) hat den geplanten Verkauf von wertvollen Handschriften
aus der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe heftig kritisiert. In einer Erklärung schrieb Direktorin
Gabriele Beger: "Historisch gewachsene Sammlungen wie die Karlsruher gehören zum nationalen Kulturerbe und
dürfen nicht durch Verkauf der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit entzogen werden."
- SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 11.10.06:
Kein Euro Haushaltsgeld
- Das Land bleibt dabei: Es will das Haus Baden mit 30 Millionen Euro abgelten, aber "kein Euro Haushaltsgeld" dafür aufwenden.
Stattdessen: Spenden, Umschichtungen und Benefiz. Nur "zur Not" sollen Kulturgüter verkauft werden.
"Nageln Sie mich nicht fest", sagte Regierungschef Günther Oettinger (CDU) auf die Frage eines Journalisten, ob
mit diesem Vergleichsvorschlag der Verkauf der Handschriften vom Tisch sei. Das wolle er "bewusst offen halten".
Denn zuerst soll das Drei-Säulen-Modell greifen, um 30 Millionen Euro für das Haus Baden zusammen zu bekommen.
- Bietigheimer Zeitung, 11.10.06:
HANDSCHRIFTEN-STREIT / VORERST VERZICHT AUF VERKAUF - Hoffen auf Sponsoren
- Auch eine Fernseh-Gala soll Geld für Salem-Stiftung bringen
Ministerpräsident Oettinger hat eine Lösung im Handschriften-Streit präsentiert. Die Schriften aus der
badischen Landesbibliothek sollen nicht verkauft werden. Sponsoren, die Landesstiftung, andere Kunstverkäufe
und eine TV-Gala sollen stattdessen Millionen bringen.
- Bietigheimer Zeitung, 11.10.06:
KOMMENTAR: Kein Verkauf
Am vorläufigen Ende der variantenreichen Erklärungen zum zweifellos notwendigen Vergleich zwischen dem Land und dem Haus
Baden weiß man vor allem eines: Es geht auch anders. Fürs Erste braucht man nur 30 statt 70 Millionen Euro, dann gibt es
noch Landesstiftungsgelder und auch die Etats der Kultureinrichtungen sind antastbar. Das hätte man früher mit weniger
Schaden haben können.
- Archivalia, 11.10.06:
Rechtslage weiter umstritten
- Eßlinger Zeitung, 11.10.06:
Die Kurve gekriegt
Ministerpräsident Günther Oettinger hat in der Kontroverse um den Verkauf badischer Handschriften im letzten
Moment noch die Kurve gekriegt. Seine anfängliche Spekulation, der Verkauf von Kulturgütern zugunsten der
Sanierung von Schloss Salem interessiere außerhalb der Kunst- und Kulturszene niemanden, hat sich als krasse
Fehleinschätzung erwiesen. Befördert wurde die Debatte nicht zuletzt von der Opposition, die wie die SPD die
wohlfeile Gelegenheit nicht verstreichen ließ, ein bisschen die Badenfrage hochzukochen und gegenüber dem
notleidenden badischen Adelshaus Kante zu zeigen.
- Deutschlandradio, 11.10.06:
Debatte im Stuttgarter Landtag über Kulturgüter
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger musste sich heute im Landtag harte Vorwürfe anhören.
Er habe die Landesverfassung, die Kunst und Denkmäler unter öffentlichen Schutz stelle, mit Füßen getreten,
erklärte die SPD-Fraktionschefin Ute Vogt. Ihr Angriff richtet sich gegen das Vorhaben, wertvolle Handschriften
aus der Landesbibliothek zu verkaufen. Oettinger stelle damit die Interessen des Adels über das kulturelle Erbe
Baden-Württembergs, betonte Vogt.
- Informationsdienst Wissenschaft, 11.10.06:
Prof. Dr. Helmut G. Walther von der Universität Jena in
Ausschuss National wertvolle Archive berufen
... "Der Schutz national wertvollen Archivguts gehört natürlich zu den grundlegenden Aufgaben eines Mediävisten",
begründet Prof. Walther die Annahme des Ehrenamtes. "Gerade der aktuelle Fall der geplanten Veräußerung von als
Zeugnissen kulturellen Gedächtnisses einzigartiger mittelalterlicher Handschriften der Badischen Landesbibliothek
Karlsruhe im Zuge eines Finanzausgleichs des Landes Baden-Württemberg mit dem großherzoglichen Haus Baden macht
deutlich, welche Bedeutung einem wachsamen Auge für solche Schätze zukommt", ergänzt Walther. "Denn Kulturgüter
entziehen sich per Definition einer Kommerzialisierung".
10.10.2006:
- Staatsministerium Baden-Württembergisch, 10.10.06:
Ministerrat
verständigt sich auf wesentliche Eckpunkte zur Sicherung der badischen Kulturgüter -
Ministerpräsident Günther H. Oettinger und Finanzminister Gerhard Stratthaus: Sicherung der badischen Kulturgüter auf gutem Weg
Auf wesentliche Eckpunkte zur Sicherung der Kulturgüter in Baden hat sich der Ministerrat am Montag (9. Oktober)
verständigt. Dies erklärte Ministerpräsident Günther H. Oettinger am Dienstag (10. Oktober 2006) in Stuttgart.
Ministerpräsident Oettinger stellte fest, dass es das wichtigste Ziel der Landesregierung sei, Schloss Salem und
das Kulturgut der badischen Geschichte auf Dauer und im größtmöglichen Umfang für die Bürgerinnen und Bürger
in Baden-Württemberg, insbesondere auch im badischen Landesteil, zu sichern.
- Fraktion der SPD und der Fraktion GRÜNE, Landtag, 10.10.06:
Änderungsantrag -
Die "unvollendete Revolution" in Baden - Hintergründe des geplanten Verkaufs von Kulturgütern des Landes
- F.A.Z., 10.10.06:
Berlin: Handschriften nicht verkaufen -
Kritik an der Regierung in Stuttgart / Staatsminister Neumann: Kulturgut mit nationalem Gewicht
Der Kulturstaatsminister im Kanzleramt, Bernd Neumann (CDU), hat sich dagegen ausgeprochen, die Handschriften aus der
Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe ins Ausland zu verkaufen. Neumann sagte, er habe mit Ministerpräsident
Oettinger (CDU) gesprochen. Man sei "erfreulicherweise" gemeinsam der Auffassung gewesen, daß dieses Kulturgut nicht ins
Ausland abwandern dürfe.
- F.A.Z., 10.10.06:
Die Rechtslage ist klar -
Der Jurist Reinhard Mußgnug zu den badischen Handschriften
Herr Mußgnug, das für die baden-württembergische Landesregierung erstellte Rechtsgutachten von Peter Wax
und Thomas Würtenberger über den Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek kommt zu dem
Ergebnis, eine Entscheidung sei aus historischen und juristischen Gründen unmöglich. Teilen Sie diese Skepsis?
Nein. Eine Entscheidung wäre nicht leicht, aber nach einer gehörigen Auseinandersetzung mit der historischen
Rechtslage im neunzehnten Jahrhundert und im Jahr 1918/19 wäre sie ohne weiteres zu schaffen.
- DIE ZEIT, 10.10.06:
Handschriften-Verkauf: Oettinger konkretisiert Alternative -
Nach dem Kurswechsel der baden-württembergischen Landesregierung im Handschriften-Streit will Ministerpräsident Günther
Oettinger den Verkauf von Kulturgütern zum großen Teil vermeiden.
Oettinger (CDU) schloss in Stuttgart zwar nicht aus, dass einzelne Objekte zur Finanzierung des Vergleichs mit dem Markgrafenhaus
Baden veräußert werden müssten. Dies sei aber "nachrangig". National bedeutsames Kulturgut solle keinesfalls verkauft werden.
- Badische Neueste Nachrichten, 10.10.06:
Schützt Bund die Handschriften? - Gutachten offenbar zweifelhaft
Deutschlands Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), hat gestern ausdrücklich klargestellt, dass die Handschriftensammlung
der Badischen Landesbibliothek (BLB) Karlsruhe nicht ins Ausland verkauft werden soll. Er sei in diesem Punkt mit
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther H. Oettinger (CDU) einig, erklärte Neumann in Bonn zum Auftakt einer
Konferenz über den Schutz von Kulturgütern.
- Süddeutsche Zeitung, 10.10.06:
Eine Idee für 30 Millionen Euro -
Wende im Handschriften-Streit: Die Stuttgarter Landesregierung verzichtet auf Verkauf
Günther Oettinger sagt, er habe sich nicht um dieses Thema gerissen.
"Das hat schon mehrere Ministerpräsidenten überdauert, warum nicht auch mich. Er habe gehandelt, weil
es keine andere Wahl gegeben habe, müsse nun aber auch einräumen, dass manche Dinge vielleicht nicht bis zum
Ende durchdacht worden seien.
- SPD-Landtagsfraktion, 10.10.06:
Irrweg:
Mäzene sollen für Schulden des Hauses Baden aufkommen
- Ute Vogt: "Oettingers kopfloser Aktionismus wird täglich peinlicher - und mit der unnötigen Preisgabe von
Eigentumsansprüchen des Landes hat er Glaubwürdigkeit und Vertrauen verspielt"
Als "Irrweg" kritisiert die SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Ute Vogt die neuesten Pläne der Landesregierung
zur Entschuldung des Hauses Baden. Die Vorstellung, Mäzene und Sponsoren würden für die Schulden des Adelshauses
aufkommen, sei "naiv", so Vogt.
- Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, 10.10.06:
Jürgen
Walter: "Warum soll das Land was kaufen, was dem Land schon gehört"
Das jetzt von der Landesregierung vorgestellte modifizierte Ankaufsmodell von Kulturgütern zur Sanierung des Hauses Baden,
stellt für die Grünen keine Besserung dar. "Es bleibt dabei", so der kulturpolitische Sprecher der Landtagsgrünen Jürgen
Walter, "die Grundhaltung der Landesregierung bleibt grundfalsch: warum soll das Land was kaufen, was dem Land schon längst gehört?"
- Badische Zeitung, 10.10.06:
Bibliothekschef kämpft um die Handschriften
"Rechtsgutachten zu offenen Eigentumsfragen zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Haus Baden"
steht über der 48-seitigen Expertise, die der frühere Tübinger Landgerichtspräsident Peter Wax und der Freiburger
Staatsrechtler Professor Thomas Würtenberger im April abgeliefert haben.
- Börsenblatt, 10.10.06:
Kulturstaatsminister gegen Verkauf von Handschriften -
Sammlung in Karlsruhe hat "nationales Gewicht"
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat sich bei einer Konferenz zum Kulturgüterschutz in Bonn dagegen
ausgesprochen, Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe ins Ausland zu verkaufen.
Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".
- Pforzheimer Zeitung, 10.10.06:
Kein Verkauf ins Ausland -
Kulturstaatsminister einig mit Ministerpräsident Oettinger über die Handschriften
Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe soll nicht ins Ausland verkauft werden.
Dies sagte gestern in Bonn Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).
Es werde sichergestellt, dass kein Kulturgut ins Ausland verkauft werde, unterstrich Neumann gestern. Er sei sich
in diesem Punkt mit Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) einig. Ursprünglich hatte der Südwesten aus einem
Bestand von rund 3600 Handschriften wertvolle Stücke verkaufen wollen. Aus dem Erlös sollte der Erhalt des
Schlosses Salem am Bodensee, das der Markgrafenfamilie von Baden gehört, finanziert werden.
- Landesvereinigung Baden in Europa e. V., 10.10.06:
Landesvereinigung: Kein Ausverkauf von Kulturgut! -
Weiter Kampf um Handschriften und andere Kultur/ Landesstiftung
muss stärker ran/bislang schon mehr als 5.000 Unterschriften / Greif als
Symbolfigur/demnächst Ortsgruppe Konstanz
Die Landesvereinigung Baden in Europa e.V. gibt sich mit dem "Drei-Säulen-Modell" nicht zufrieden,
das Ministerpräsident Günter Oettinger nun statt des alleinigen Verkaufs der weltweit einzigartigen
Handschriften der Badischen Landesbibliothek zur Unterstützung des klammen Badischen
Fürstenhauses ins Spiel gebracht hat. Die Landesvereinigung wendet sich auch dagegen, anderes
Kulturgut zu verschleudern. Sie empfiehlt der Landesregierung stattdessen, die Sanierung des
Schlosses Salem vollständig aus Mitteln der Landesstiftung in Angriff zu nehmen. Dies beschloss der
Vorstand der Landesvereinigung Baden in Europa bei seiner Sitzung am Dienstagabend.
- Süddeutsche Zeitung, 10.10.06:
Käufer gesucht - Neumann: Handschriften bleiben
Für manchen Badener gehört bereits das württembergische Territorium zum Ausland, aber so hat es der
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) nicht gemeint, als er sagte, es sei sichergestellt,
dass die etwa 3600 in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe verwahrten Handschriften nicht ins
Ausland verkauft würden.
- SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 10.10.06:
Bund macht Druck - Eintrag in die Schutzliste
Nun mischt sich auch der Bund in den Streit um den Handschriftenverkauf im Südwesten ein.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte auf einer Konferenz über Wege zum Kulturgüterschutz,
es beunruhige ihn sehr, wenn öffentliche Sammlungen aus kurzsichtigen finanziellen Erwägungen
Stücke verkauften.
- SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 10.10.06:
Druck wächst
Ganz frei in ihrem Tun ist die baden-württembergische Landesregierung wahrlich nicht mehr. Als Geheimsache
vorbereitet, wird der geplante Handschriftenverkauf heute in breiter Öffentlichkeit verhandelt. Es hagelt
Kommentare von Wissenschaftlern und allerhand Fachleuten. Dass sich nun auch noch Berlins Kulturstaatsminister einmischt,
setzt die Landesregierung unter enormen Druck.
- Stuttgarter Nachrichten, 10.10.06:
Bundesregierung warnt Oettinger vor Handschriftenverkauf
- Kulturstaatsminister will verhindern, dass Sammlung "zersplittert" und ins Ausland abwandert
Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe soll nicht ins Ausland verkauft werden.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte am Montag in Bonn, es werde sichergestellt, dass kein
Kulturgut ins Ausland verkauft werde.
- St.Galler Tagblatt, 10.10.06:
Stiftung
soll Schloss retten -
Mit dem Verkauf von wertvollen Handschriften will das Markgräfliche Haus eine Stiftung gründen und
damit die Schlossanlage Salem langfristig sichern. Allerdings läuft ein Streit darum, wem die Handschriften gehören.
Noch ist nicht geklärt, ob die wertvollen Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek ganz im Besitz des Landes
Baden-Württemberg sind oder ob Teile der Sammlung dem Markgräflichen Haus Baden zustehen. Mit einem Teilerlös von
70 Millionen von geschätzten 300 Millionen Euro wollen Ihre Königlichen Hoheiten Altlasten ablösen und eine Stiftung
gründen, um den Bestand der ehemaligen Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert zu sichern. 30 Millionen Euro wären
für die Schuldentilgung vorgesehen, 40 Millionen für die Stiftung.
- Deutschlandradio, 10.10.06:
Im Labyrinth des Rechts
- Eine Tagung zum Kulturgüterschutz in Bonn
Gemälde und Skulpturen, Vasen und Silberarbeiten verkörpern neben dem kulturellen auch einen ungeheuren
materiellen Wert. Und der weckt Begehrlichkeiten: bei kriminellen Grabräubern ebenso wie bei den Kämmerern
finanzschwacher Kommunen, die im Verkauf von Kulturgütern plötzlich eine schnelle Möglichkeit entdecken, die
leeren Kassen wieder aufzufüllen. So kommt eine Tagung gerade recht, die heute in Bonn zu Ende geht und dem
Kulturgüterschutz in all seinen Aspekten gewidmet ist.
Alles ist grenzenlos global: der Verkehr, der Handel, die Geldströme. Aber zwei Dinge sind national: erstens,
das Kulturerbe. Kulturstaatsminister Neumann hat deshalb, wie er sagte, dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten
Oettinger in einem Gespräch Ende letzter Woche deutlich gemacht, was auf dem Spiel steht, wenn die umstrittene
Schriftensammlung der badischen Landesbibliothek zum Verkauf gelangt. Und er hat - mit einem kräftigen
"Wehret den Anfängen" - das auch zum Beginn dieser zweitägigen Konferenz in Bonn deutlich gemacht.
- Archivalia, 10.10.06:
Großer Erfolg der Unterschriftenaktion des
Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) auf der Frankfurter Buchmesse gegen
den Baden-Württembergischen Kulturausverkauf
Über 350 Besucher der Frankfurter Buchmesse haben sich bei der Unterschriftenaktion des Verbandes deutscher
Schriftsteller (VS) gegen den Kulturausverkauf in Baden-Württemberg in die ausgelegten Listen eingetragen.
Darunter sind zahlreiche Prominente und Organisationen wie Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste
und Johano Strasser, Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats.
- Rare Books and Manuscripts Committee, 10.10.06:
Protest letter from IFLA RareBooks and Manuscripts Committee
Dear Ministerpräsident Oettinger,
The Rare Books and Manuscripts Committee of the International Federation of Library Associations and Institutions
is deeply concerned about the proposed sale of manuscripts from the Badische Landesbibliothek in Karlsruhe.
As custodians of historical book and manuscript collections, we know that the manuscript collections of the Badische
Landesbibliothek Karlsruhe constitute a unique and irreplaceable cultural heritage of high international importance.
... weitere Informationen
- Verband deutscher Schriftsteller, 10.10.06:
Großer
Erfolg der Unterschriftenaktion des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) auf der Frankfurter Buchmesse gegen
den Baden-Württembergischen Kulturausverkauf
Über 350 Besucher der Frankfurter Buchmesse haben sich bei der Unterschriftenaktion des Verbandes deutscher
Schriftsteller (VS) gegen den Kulturausverkauf in Baden-Württemberg in die ausgelegten Listen eingetragen.
Darunter sind zahlreiche Prominente und Organisationen wie Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste
und Johano Strasser, Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland und Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats.
- Yahoo, 10.10.06:
Oettinger will mit TV-Gala Geld für Handschriften einwerben
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hat eine neue Lösung im Handschriften-Streit präsentiert.
Den am Dienstag in Stuttgart vorgestellten Plänen zufolge wird die wertvolle Handschriftensammlung aus der badischen
Landsbibliothek zunächst nicht verkauft. Stattdessen will die Landesregierung 30 Millionen Euro aufbringen, auch um
Exponate mit bislang strittigen Besitzverhältnissen in Landeseigentum zu bringen.
Zehn Millionen Euro soll dem Plan zufolge die von Oettingers Vorgänger Erwin Teufel gegründete Landesstiftung
Baden-Württemberg aufbringen. Weitere
20 Millionen Euro will der Regierungschef bei Spendern und Sponsoren einwerben, unter anderem auf einer Gala im
kommenden Januar in Karlsruhe. Er werde den SWR-Intendanten bitten, diesen Abend live im dritten Programm zu
übertragen, sagte Oettinger. Von der Gala erwarte er einen siebenstelligen Betrag.
- Stuttgarter Zeitung, 10.10.06:
Handschriftenstreit. Experte befürwortet Vergleich
Nach Überzeugung des Freiburger Rechtsexperten Thomas Würtenberger hätte das Land im Fall eines Rechtsstreits um einen
Teil der badischen Handschriften relativ gute Chancen. "Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass dem Land die dem
Haus Baden im Zuge der Säkularisation nach 1800 zugefallenen Kunstwerke aus Klöstern gehören", sagte er der dpa am Dienstag.
- FDP-Stadtverband Konstanz, 10.10.06:
"Die bedeutendste fürstliche Büchersammlung der frühen Neuzeit soll verhökert werden"
Stellungnahme des FDP-Vorstandes Konstanz zum geplanten Kunstfrevel in Baden-Württemberg.
In einem einstimmig gefassten Beschluss zu dem von Ministerpräsident Oettinger betriebenen Ausverkauf wertvoller Handschriften
der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe, fordert der Vorstand der FDP-Konstanz die FDP-Minister der Landesregierung sowie
die Mitglieder der FDP-Fraktion im Baden-Württembergischen Landtag auf, sich dem drohenden Verlust wertvollen Kulturgutes
strickt zu widersetzen.
- Österreichischer Rundfunk, 10.10.06:
Handschriften-Streit in Deutschland: Verkauf gestoppt
Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, über die es in den letzten Wochen heftige Debatten
in Deutschland gegeben hat, soll nicht ins Ausland verkauft werden.
Der deutsche Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte gestern in Bonn, es werde sichergestellt, dass kein
Kulturgut ins Ausland verkauft werde.
09.10.2006:
- PRESSE- UND INFORMATIONSAMT DER BUNDESREGIERUNG, 09.10.06:
Kulturstaatsminister Bernd Neumann: "Ich
bin strikt gegen den Verkauf von Kulturgütern aus Museen" -
Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, hat heute in
Bonn die Fachkonferenz "Im Labyrinth des Rechts? Wege zum Kulturgüterschutz" eröffnet.
In seiner Begrüßungsrede ging der Kulturstaatsminister unter anderem auf den Verkauf von Kulturgütern aus Museumsbeständen
ein: "Es beunruhigt mich sehr, wenn öffentliche Sammlungen aus kurzsichtigen finanziellen Erwägungen dazu
angehalten werden, Stücke aus dem ihnen anvertrauten Kulturerbe zu verkaufen. Einmal verkauftes Kulturgut ist in der
Regel für die Öffentlichkeit unwiederbringlich verloren. Ich bin deswegen strikt gegen den Verkauf von Kulturgütern
aus Museen, wie er jetzt in Krefeld geplant ist.
Besonderen Anlass zur Sorge geben für mich außerdem die geplanten Verkäufe von Handschriften aus der Badischen
Landesbibliothek Karlsruhe. Ein solcher Verkauf wäre ein fahrlässiger Umgang mit unserem kulturellen Erbe, und
aus kulturpolitischer Sicht nicht vertretbar.
Da die kulturelle Bedeutung der Sammlung weit über Baden-Württemberg hinausgeht und von nationalem Gewicht ist,
habe ich in der vergangenen Woche mit Minister Frankenberg und Ministerpräsident Oettinger einen intensiven
Gesprächsaustausch gehabt und deutlich gemacht, was für die Kultur auf dem Spiel steht. Erfreulicherweise
bestand Einmütigkeit darin, dass dieses nationale Gut nicht ins Ausland abwandern darf und kulturverträgliche
Lösungen gefunden werden müssen."
- F.A.Z., 09.10.06:
Keine Rechtsgründe für Handschriftenverkauf
Für einen Verkauf der Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek, wie ihn die baden-württembergische
Landesregierung plant, gibt es juristisch keine zwingenden Gründe.
- F.A.Z., 09.10.06:
Opfer für Salem -
Oettingers Rechtsexperten argumentieren politisch (Format: PDF)
Irritierend lange hat die baden-württembergische Landesregierung das Rechtsgutachten unter Verschluß gehalten,
auf das sie sich im Streit mit dem Haus Badem immer wieder berufen hat.
- F.A.Z.Net, 09.10.06:
Neumann: Handschriften werden nicht verkauft
Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe soll nicht ins Ausland verkauft werden.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sagte am Montag in Bonn, es werde sichergestellt, daß kein Kulturgut ins
Ausland verkauft werde. Er sei sich in diesem Punkt mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) einig.
Ursprünglich hatte das Land aus einem Bestand von rund 3600 Handschriften wertvolle Stücke verkaufen wollen, um aus einem
Erlös von rund 70 Millionen Euro den Erhalt des Schlosses und des Münsters Salem der Markgrafenfamilie von Baden zu
finanzieren. In einem Gespräch mit Oettinger am Freitag habe er deutlich gemacht, was auf dem Spiel stehe, sagte
Neumann zum Auftakt einer Konferenz über Wege zum Kulturgüterschutz.
- DIE ZEIT, 09.10.06:
Kulturgüterschutz:
Neumann strikt gegen Verkauf von Kulturgütern -
Kulturstaatsminister Bernd Neumann lehnt den Verkauf von Kulturgütern aus Museen grundsätzlich ab.
Es beunruhige ihn sehr, wenn aus "kurzsichtigen finanziellen Erwägungen" Stücke verkauft werden sollen.
Einmal verkauftes Kulturgut sei in der Regel für die Öffentlichkeit unwiederbringlich verloren, sagte Neumann (CDU)
auf einer Fachkonferenz zum Thema Kulturgüterschutz in Bonn weiter. Er verwies dabei auf Pläne der nordrhein-westfälischen
Stadt Krefeld, ein Gemälde von Claude Monet zu veräußern, um die Sanierung des Kaiser-Wilhelm-Museums zu finanzieren.
"Besonderen Anlass zur Sorge" sehe er darüber hinaus mit Blick auf den Handschriften-Streit in Baden-Württemberg.
Ein Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek wäre "ein fahrlässiger Umgang mit unserem
kulturellen Erbe" und aus kulturpolitischer Sicht "nicht vertretbar".
- Leiter der deutschen Handschriftenzentren, Universitätsbibliothek Leipzig, 09.10.06:
Erklärung der Leiter der deutschen Handschriftenzentren
gegen den geplanten Verkauf von Handschriften aus dem Bestand der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe
Gegen den geplanten Verkauf von Teilen der bedeutenden Karlsruher Handschriftensammlung haben bereits
zahlreiche Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Bibliotheken und öffentlichem Leben massiven Einspruch
erhoben und gewichtige Argumente vorgebracht. Auch wir, die Vertreter der deutschen Handschriftenzentren,
sind fassungslos und protestieren entschieden gegen die Pläne der baden-württembergischen Landesregierung.
- Staatsbibliothek zu Berlin:
Erklärung der Leiter der deutschen Handschriftenzentren
gegen den geplanten Verkauf von Handschriften aus dem Bestand der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe
- Universitätsbibliothek Frankfurt:
Erklärung der Leiter der deutschen Handschriftenzentren
gegen den geplanten Verkauf von Handschriften aus dem Bestand der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe
- Deutscher Kulturrat, 09.10.06:
Kulturstaatsminister:
Klares Signal gegen den Verkauf von Kulturgütern - Deutscher Kulturrat mahnt an, dass dieses Signal nicht ignoriert werden darf
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt die klaren Worte von
Kulturstaatsminister Bernd Neumann, MdB zur Eröffnung der Tagung "Im Labyrinth des Rechts? Wege zum Kulturgüterschutz".
... Der Deutsche Kulturrat begrüßt weiter, dass Kulturstaatsminister Neumann explizit den geplanten Verkauf des
Bildes "House of Parliament" von Claude Monet und den angedachten Verkauf von Handschriften aus dem
Bestand der Badischen Landesbibliothek angesprochen hat. Den Verkauf von Handschriften aus dem Bestand der
Badischen Landesbibliothek nannte Kulturstaatsminister Neumann einen fahrlässigen Umgang mit unserem
kulturellen Erbe und aus kulturpolitischer Sicht nicht vertretbar.
- Deutscher Bibliotheksverband, 09.10.06:
Führende Wissenschaftler und Bibliothekare fordern: Integrität der Handschriften der Badischen Landesbibliothek sichern
und als
PDF
Über 100 führende Wissenschaftler und Bibliothekare, an ihrer Spitze der Präsident der
Georgia Augusta, Prof. Dr. Kurt von Figura, und Nobelpreisträger Prof. Dr. Manfred Eigen
haben bei der Abschieds- und Begrüßungsfeier für die Direktoren Prof. Dr. Elmar Mittler und
Dr. Norbert Lossau am 4.10.2006 in einem offenen Brief Ministerpräsident Oettinger
aufgefordert, die Integrität der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek zu
sichern. Weitere Unterzeichner sind u. a. die Generaldirektoren der Staatsbibliothek zu Berlin,
der Staats-, Landes- und Universitätsbibliothek Dresden, der Bayerischen Staatsbibliothek
München sowie die Leiter der Zentralen Fachbibliotheken der Medizin, der Technik und der
Wirtschaftswissenschaften.
- Consortium of European Research Libraries, 09.10.06:
Protest letter from the Consortium of European Research Libraries
Ministerpräsident Günther H. Oettinger
/ Dear Sir /
BADISCHE LANDESBIBLIOTHEK, KARLSRUHE: PROPOSED SALE OF MANUSCRIPTS /
The Consortium of European Research Libraries comprises Europe's major research libraries, which work actively together,
with the strong encouragement of scholars, to promote access to the contents of Europe's rich historical collections.
I am writing on behalf of the members of the Consortium to express deep concern about the recent news of the proposed
sale of manuscripts from the collections of the Badische Landesbibliothek in Karlsruhe. We respectfully urge you to
reconsider this decision in the long-term interests of scholarship and the healthy sustenance of Europe's long and
important cultural heritage.
... weitere Informationen
- swr.de, 09.10.06:
Handschriften sollen nicht ins Ausland verkauft werden -
Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe soll nicht ins Ausland verkauft werden.
In diesem Punkt sei er sich mit Ministerpräsident Günther Oettinger einig, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann
(beide CDU) in Bonn.
Zum Auftakt einer Konferenz über Wege zum Kulturgüterschutz erklärte der Kulturstaatsminister, es solle sichergestellt
werden, dass kein Kulturgut ins Ausland verkauft wird. Die Landesregierung plant, aus einem Bestand von rund
3.600 Handschriften wertvolle Stücke zu verkaufen. Mit dem Erlös von rund 70 Millionen Euro soll der Erhalt des
Schlosses und des Münsters Salem der Markgrafenfamilie von Baden finanziert werden.
- bw-woche, 09.10.06:
Zuschuss für den Grafen - Neuer Weg im Handschriften-Streit
Die Landesregierung hat ihre bisherigen Pläne zur Beendigung des Rechtsstreits mit dem Haus Baden verworfen.
In einem Spitzengespräch unter Leitung von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) wurden Alternativen
zum umstrittenen Teilverkauf der Handschriftensammlung gefunden.
- Stuttgarter Nachrichten, 09.10.06:
Oettingers Handschrift
Günther Oettinger macht von sich reden. Auch jenseits der Landesgrenzen wahrgenommen zu werden, das hatte sich der
Teufel-Nachfolger beim Amtsantritt fest vorgenommen. Ganz sicher aber hatte er sich das anders vorgestellt.
Die Schlagzeilen, die Baden-Württembergs Ministerpräsident im Zusammenhang mit dem geplante Verkauf von
Handschriften der Karlsruher Landesbibliothek soeben überregional, national, ja sogar international produzierte,
sind jedenfalls nicht von der Art, die man sich als Politiker wünscht.
- Deutschlandradio, 09.10.06:
Kulturstaatsminister spricht sich gegen Verkauf von Kulturgütern aus
"Einmal verkauftes Kulturgut ist in der Regel für die Öffentlichkeit unwiderbringlich verloren." Mit diesen Worten
hat sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann in Bonn gegen den Verkauf von Museumsstücken gewandt. Damit richtete
sich Neumann sowohl gegen die Stadt Krefeld, die durch den Verkauf eines Monet-Gemäldes ihr Kunstmuseum sanieren
möchte, als auch gegen die Veräußerung von Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe.
08.10.2006:
- swr.de, 08.10.06: SWR2 Zeitgenossen -
Reinhard Mußgnug, ehemaliger Ordinarius für
Öffentliches Recht an der Universität Heidelberg, im Gespräch mit Eggert Blum
Im aktuellen Streit um den geplanten Verkauf Tausender von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek hat
Reinhard Mußgnug klar Stellung bezogen: die Handschriften gehörten dem Staat, und nicht der markgräflich badischen
Familie. Also solle das Land Baden-Württemberg notfalls einen Prozess riskieren, um den "drohenden Räumungsverkauf
der Badischen Landesbibliothek" (Mußgnug) zu verhindern.
- Der Sonntag, 08.10.06:
"Solidarbeitrag" für Salem / Aufgefallen
Der Protest aus aller Welt zeigte erste Wirkungen: Über den Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek
sei noch nicht entschieden, erklärte Ministerpräsident Günther Oettinger am Donnerstag nach einem Krisengespräch. ...
/ Ernsthaft daran geglaubt, dass der Deal mit dem Adelshaus Baden ohne Proteste abzuwickeln sei, hat die Landesregierung sicher nicht.
Weil aber "nur" mittelalterliche Handschriften verkauft werden sollten, die ihrer Empfindlichkeit wegen normalerweise im Tresor
liegen, glaubte man wohl, dass sich die öffentliche Aufregung in überschaubaren Grenzen halten würde. ...
- Boulevard-Baden.de, 08.10.06, Seite 3:
Streit um Kulturschätze setzt sich im Landtag fort
Die beiden aus Karlsruhe stammenden Grünen-Abgeordneten im Landtag, Renate Rastätter und Gisela Splett,
haben in dieser Wochen an ihre Kollegen in der CDU appelliert sich gegen den umstrittenen Verkauf der
historischen Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek einzusetzen.
07.10.2006:
- 07.10.06:
Die Direktoren der baden-württembergischen Landes- und
Universitätsbibliotheken protestieren gegen den geplanten Verkauf der Karlsruher Handschriftensammlung
(Format:PDF)
Die Direktoren der baden-württembergischen Universitäts- und Landesbibliotheken treten den Plänen der
Landesregierung, bedeutende Teile der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe für
70 Millionen Euro zu Gunsten des Hauses Baden zu veräußern, mit Unverständnis und Ablehnung entgegen.
Die einzigartige wissenschaftliche und kulturelle Bedeutung der Handschriftensammlung steht außer Frage und ist in
der öffentlichen Diskussion der vergangenen Tage mehrfach dargestellt worden. Die rechtliche Fragwürdigkeit des
markgräflichen Anspruchs, den die Landesregierung im Grundsatz anzuerkennen scheint, hat Professor Reinhard
Mußgnug in der FAZ vom 29.09. dargelegt. ...
- Badische Neueste Nachrichten, 07.10.06:
Handschriften: Kritik der SPD / Mürb: Drei-Säulen-Modell steht auf tönernen Füßen
Im Streit um die Karlsruher Handschriften und die Verhandlungen der Landesregierung mit dem Haus Baden (wir berichteten)
kehrt keine Ruhe ein. ...
/ Die Landesvereinigung Baden in Europa begrüßt die Erkenntnis der Landesregierung, dass ein Verkauf von
wertvollem Kulturgut aus der Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek nicht verantwortet werden kann. ...
- Badische Neueste Nachrichten, 07.10.06:
Modellversuche zwischen Mozart und Markgraf -
Die Landes-SPD macht kräftig mobil gegen Oettingers Strategien im Streit um die badischen Kulturgüter
Auch nach dem jüngsten Krisengipfel, den Ministerpräsident Günther Oettinger einberufen hatte, um neue Wege aus der
Handschriftenkrise zu finden (wir berichteten), hat sich die Protestfront gegen die Pläne der Landesregierung,
einen Vergleich mit dem Haus Baden durch den Verkauf von Kulturgütern anzustreben, noch längst nicht gelockert.
- swr, 07.10.06:
FDP gegen Verkauf der Handschriften
- Die FDP Baden-Württembergs geht im Streit um den Verkauf von Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek
auf Konfrontationskurs mit dem Regierungspartner CDU. Man werde einen Ausverkauf der Handschriften nicht
mittragen, verkündeten die Liberalen.
Der Fraktionsvorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Ulrich Noll, der Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt
und der Karlsruher FDP-Kulturbürgermeister Ullrich Eidenmüller stellten gemeinsam fest: "Es ist Aufgabe der
Landespolitik, Kulturgüter für das Land und seine Menschen zu erhalten und zu bewahren." Sie forderten
Ministerpräsident Günther Oettinger auf, sich zügig um Sponsoren für die Kunstwerke zu bemühen.
- Stuttgarter Zeitung, 07.10.06:
Oettinger auf der Kulturseite
- Der Handschriftenstreit klärt die Verhältnisse - immerhin!
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- Stuttgarter Zeitung, 07.10.06:
SPD: Regierung kapituliert vor dem Adel
- Die Landtags-SPD attackiert im Streit um den Verkauf mittelalterlicher Handschriften die Landesregierung.
Nach Ansicht der Fraktionschefin Ute Vogt hat das Kabinett Oettinger "vorschnell die Rechtsposition
des Landes geräumt".
weitere Informationen
- Heilbronner Stimme, 07.10.06:
Die CDU macht einen "Kniefall vor dem Adel"
- SPD kritisiert Regierung im Handschriften-Streit
Stuttgart SPD-Oppositionschefin Ute Vogt wirft der Landesregierung im Streit um den Verkauf wertvoller
Handschriften "einen Kniefall vor dem Adel" vor. Die Regierung habe vor dem "Haus Baden kapituliert,
ohne dessen Ansprüche wirklich geprüft zu haben". Vogt forderte gestern einen Stopp der Verhandlungen
über einen Vergleich mit der Fürstenfamilie.
- Heilbronner Stimme, 07.10.06:
Land fürchtet, dass es zu Kunst-Pfändungen kommt
- Oettinger zum Landeshaushalt und zum Vergleich mit dem Hause Baden
... Wie sehr hat Sie der geballte Protest der Expertenszene gegen den Handschriften-Verkauf überrascht?
Oettinger: Den respektiere ich, und der war absehbar. Doch in der Diskussion wird oft übersehen, dass es nicht
nur strittige Gegenstände gibt, sondern auch viele, die sich zwar im Landesbesitz befinden, aber eindeutig
Eigentum des Hauses Baden sind. Die große Gefahr ist doch, dass eine mögliche finanzielle Schieflage zu
berechtigten Herausgabeansprüchen an das Land oder gar zu Pfändungen führt. Wir wollen in der kommenden Woche eine
Liste von Kulturschätzen im Wert von über 70 Millionen Euro vorstellen, die unstrittig dem Hause Baden gehören -
Gegenstände von hohem Rang, die teilweise seit Jahrzehnten in Museen ausgestellt sind und sofort veräußert werden
könnten. Da wäre ich auf die Reaktion der Öffentlichkeit gespannt. Diese werden in dem geplanten Vergleich dem
Land übereignet. Das ist ein enorm wichtiger Schritt, der von den Experten auch gesehen werden muss. ...
- Die Welt, 07.10.06:
SPD wirft Stuttgarter Regierung Kniefall vor Adel vor
Baden-Württembergs SPD-Landtagsfraktion wirft der Landesregierung im Streit um den drohenden Verkauf
wertvoller Handschriften aus der Badischen Landesbibliothek einen Kniefall vor dem Adel vor. Das Land sei
vor den vermeintlichen Ansprüchen des Hauses Badens eingeknickt, ohne diese wirklich zu prüfen, sagte
SPD-Fraktionschefin Ute Vogt in Stuttgart.
- SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 07.10.06:
SPD
kritisiert "Kotau vor dem Adel"
"Die Unkenntnis eines Ministers hebt das Staatsrecht nicht auf". So lautet der letzte Satz eines Gutachtens aus dem
Jahr 1922, das sich schon einmal mit den Schätzen des Hauses Baden befasste. Reinhard Mußgnug, emeritierter
Professor für Finanz- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg, zitiert ihn lachend, denn für ihn ist
klar: Der Kernbestand der Bilder der Karlsruher Kunsthalle (darunter Gemälde von Baldung von Grien und
Lucas Cranach d .Ä.) sowie der Handschriftensammlung in der Badischen Landesbibliothek sind nicht
Eigentum des Markgrafen.
- Baden Online, 07.10.06:
SPD
wirft Regierung Kniefall vor Adel vor - Rechtsprofessor: Land hat Chance in einem Prozess
- die tageszeitung (taz), 07.10.06:
Oettinger lenkt im Bücherstreit ein
Im Streit um den Verkauf von 3.600 Handschriften aus der baden-württembergischen Landesbibliothek zeichnet sich
eine Wende ab. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) gab bekannt, das Vorhaben zu überprüfen. Das Geschäft hatte
70 Millionen Euro für die Sanierung des Familiensitzes der Markgrafenfamilie von Baden einbringen und einen
Rechtsstreit um die Besitzrechte an Kulturgütern des Fürstenhauses beenden sollen.
- die tageszeitung (taz), 07.10.06:
unterm strich
Nacktmulle und Purpurschnecken sind heute kein Thema. Stattdessen wenden wir uns dem Streit um wertvolle
mittelalterliche Handschriften in Baden-Württemberg zu. Aus der Sammlung der Badischen Landesbibliothek in
Karlsruhe sollen Handschriften, Musikschriften und frühe Drucke verkauft werden.
- Bietigheimer Zeitung, 07.10.06:
HANDSCHRIFTEN / VERHANDLUNGSSTOPP VERLANGT - SPD: Kniefall vor dem Adel
- Experte rät zu Prozess mit Haus Baden
Im Streit um den Verkauf wertvoller Handschriften hat die SPD einen Stopp der Verhandlungen zwischen der
Landesregierung und dem Haus Baden verlangt.
Die SPD-Landtagsfraktion wirft der Landesregierung im Streit um den Verkauf wertvoller Handschriften aus der
Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe einen Kniefall vor dem Adel vor. Das Land sei vor den vermeintlichen
Ansprüchen des Hauses Baden eingeknickt, ohne diese wirklich zu prüfen, sagte SPD-Fraktionschefin Ute Vogt gestern in Stuttgart.
- swr2, 07.10.06:
SWR2 Literatur im Land
- Gebetbücher, Chroniken, osmanische Geschichten: Die Prachthandschriften aus der Badischen Landesbibliothek
Um 1490 bestellte der badische Markgraf Christoph I in einer Pariser Werkstatt ein Stundenbuch - heute ist dies
Gebetbuch die älteste Handschrift aus ehemals markgräflichem Besitz in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe.
Weitere Prachtbände kamen dazu: Etwa das herrlich bebilderte Gebetbuch der Susanna von Brandenburg.
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