Einladung zur Finissage
"wir Komponisten sind doch keine Ware" -
Max Reger in der Kinderzeit des Urheberrechts.
Finissage der Max Reger - Ausstellung
Mittwoch, 11. Januar 2006, 19.30 Uhr
Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek
- Eintritt frei -
Max Reger hat den Wert der eigenen Handschrift erst spät erkannt. Bis zu seinem hundertsten
Opus (1907) bewahrte er Skizzen nicht auf, sondern vernichtete sie oder verwendete sie anderweitig,
z. B. als Verpackungsmaterial oder zur Reparatur von Reinschriften. Als reifer Komponist forderte
er die Autographen nach der Drucklegung zwar zurück, verschenkte aber weiterhin großzügig Reinschriften
sowie Entwürfe an Freunde und Verleger.
Seine Witwe setzte den sorglosen Umgang mit den Autographen
fort. In später Einsicht gründete sie 1947 das Max-Reger-Institut (MRI) mit dem Stiftungsauftrag,
die verteilten Handschriften wieder aufzuspüren und möglichst zu erwerben, wissenschaftlich auszuwerten
und Forschern sowie Künstlern aus aller Welt zugänglich zu machen.
Max Reger hat vermutlich zu allen Werken so genannte Verlaufsskizzen angefertigt: Flüchtig mit Bleistift
notierte Entwürfe halten die musikalische Entwicklung vom ersten bis zum letzten Takt bzw. bis zum Eintritt
der Reprise in wenigen Tönen pro Takt fest; diese exzerptartige und unpräzise wirkende Privatnotation, die
den Ablauf nur in einzelnen Momenten festhält, ist für den Kenner des fertigen Werkes rückblickend
erschließbar und verrät viel über die konzeptionelle Arbeit und den kreativen Prozess.
Bei Regers Tod befand sich nur noch eine Anzahl von Entwürfen vornehmlich zu Werken der reifen
Schaffenszeit in seinem Nachlass. Seine Witwe schenkte dieses Konvolut 1941 nach einem Hauskonzert
dem Komponisten Günter Raphael. Nach dessen Tod hütete seine Witwe die Skizzen wie einen Schatz,
der der Forschung nicht zur Verfügung stand.
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Max Reger: Skizzenblatt
op. 100 (Hiller-Variationen), Seite 1
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Ende 2005 ist es dem MRI mit Unterstützung der Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen
Forschungsgemeinschaft gelungen, diese Skizzen aus dem Nachlass Günter Raphaels zu erwerben. Bei den
insgesamt 132 Skizzenblättern handelt es sich um rund ein Drittel aller überhaupt bekannten
Kompositionsskizzen Regers. Unter ihnen finden sich Verlaufsentwürfe neun großer Werke, darunter des
Violinkonzerts op. 101, des Symphonischen Prologs zu einer Tragödie op. 108, der Hiller-Variationen
op. 100 und des unvollendeten lateinischen Requiem, aber auch von Kammermusik und mehreren Liedopera.
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Max Reger: Skizzenblatt
op. 100 (Hiller-Variationen), Seite 1 (Ausschnitt)
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Auch wenn Regers Skizzen für den Autographensammler weniger kalligraphischen Reiz als seine
Reinschriften haben, stellen sie für die Forschung einen unschätzbaren Wert dar. Über die Entstehung
dieser Werke, über ihre kompositorischen Problemstellungen und Entscheidungen können die Entwürfe mit
vielen Passagen, die nicht in die endgültige Gestalt einflossen, wichtige Erkenntnisse liefern.
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Max Reger: Skizzenblatt
op. 100 (Hiller-Variationen), Seite 23
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Zum Abschluss der Ausstellung wird das neu erworbene umfangreiche Skizzenkonvolut, dessen Erwerb einen
absoluten Glücksfall darstellt, präsentiert. Eine kurze
Einführung von Prof. Dr. Susanne Popp, Leiterin des Max-Reger-Instituts, und ein Vortrag von Prof. Dr.
Ulrich Konrad (Würzburg), dem international renommierten Skizzenforscher, wird musikalisch umrahmt
durch Sätze aus Regers Klarinettensonate B-Dur op. 107, gespielt von Álvaro Iborra (Klarinette) und
Yang Yang (Klavier), Hochschule für Musik Karlsruhe.
Die Ausstellung ist noch bis zum 14.01.2006 zu sehen.
Einladung
Zu dieser Finissage laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein!
Max-Reger-Institut
Badische Landesbibliothek
Badische Bibliotheksgesellschaft
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