Badische Landesbibliothek
   


Handschriften-Streit

Handschriften der Badischen Landesbibliothek - Presseberichte
Zeitraum: 31.03.2007 - 01.03.2007

31.03.2007:
  • Badische Landesbibliothek, 31.03.2007: Handschrift der Badischen Landesbibliothek auf der Insel Reichenau
    Anlässlich der Einweihung von neuen Museumspavillons auf der Insel Reichenau am 31. März 2007 hat die Badische Landesbibliothek das Original des über 1000 Jahre alten Kloster-"Hausbuches" als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Es wird auf der Reichenau bis Anfang Juni ausgestellt.
    Die Handschrift enthält lateinische Texte zu den auf der Reichenau verehrten Heiligen sowie die Geschichte des Erwerbs der Heiligblut-Reliquie durch die Reichenau "De pretioso sanguine domini nostri" im Jahre 925. Die Handschrift der Badischen Landesbibliothek ist die älteste, die uns diese Geschichte überliefert. Auf der Insel Reichenau wird die Heiligblut-Reliquie auch heute noch verehrt.
  • Die Zeit, 31.03.2007: Unesco-Welterbe: Drei neue Museumspavillons auf Reichenau - Auf der Weltkulturerbe-Insel Reichenau werden künftig drei neue Mini-Museen über die historische Bedeutung der Bodensee-Insel informieren. Etwa eine Million Tagestouristen kommen jährlich nach Reichenau.
    ... Berühmt sind vor allem die kunstvoll illustrierten Reichenauer Handschriften. Zehn davon hat die Unesco zum "Gedächtnis der Menschheit" erklärt. Anlässlich der Einweihung der neuen Museen hat die Badische Landesbibliothek Karlsruhe das Original des über 1000 Jahre alten Kloster-"Hausbuches" als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Diese Sammlung von Heiligenlegenden wird auf der Reichenau bis Anfang Juni ausgestellt. ...
  • Stuttgarter Zeitung, 31.03.2007: Ein Hausbuch aus dem zehnten Jahrhundert als Attraktion - Mit drei neuen Museumspavillons will die Insel Reichenau ihren Besuchern vermitteln, warum sie zum Unesco-Weltkulturerbe gehört
    ... Hauptattraktion aber wird ein so genanntes Hausbuch aus dem 10. Jahrhundert sein. Darin enthalten sind lateinische Texte über den Evangelisten Markus und weitere verehrte Heilige sowie eine Geschichte über eine Heilig-Blut-Reliquie von Jesus.
    Der in Schweinsleder gebundene Band wurde der Reichenau überraschend bis Mitte Juni als Leihgabe von der Landesbibliothek Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Die Reichenau soll künftig jedes Jahr von Karlsruhe ein bis zwei Originalhandschriften aus der frühen Klosterbibliothek ausgeliehen bekommen. Die Handschriften gelten durch einen befürchteten Ausverkauf der badischen Kunstschätze durch den Markgrafen von Baden als bedroht. Der für den Handel mit dem Markgrafen gescholtene Ministerpräsident habe sich, so heißt es nun, für die Leihgabe an die Reichenau stark gemacht.
  • Pforzheimer Zeitung, 31.03.2007: Drei neue Museumspavillons auf der Insel Reichenau - Auf der Weltkulturerbe-Insel Reichenau werden künftig drei neue Museumspavillons über die historische Bedeutung informieren. Die Mini-Museen auf der Bodenseeinsel wurden am Samstag von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) eingeweiht.
    ... Berühmt sind vor allem die kunstvoll illustrierten Reichenauer Handschriften. Zehn davon hat die UNESCO zum «Gedächtnis der Menschheit» erklärt. Anlässlich der Einweihung der neuen Museen hat die Badische Landesbibliothek Karlsruhe das Original des über 1000 Jahre alten Kloster-«Hausbuches» als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Diese Sammlung von Heiligenlegenden wird auf der Reichenau bis Anfang Juni ausgestellt. ...
  • SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 31.03.2007: Drei neue Museumspavillons auf der Insel Reichenau - Auf der Weltkulturerbe-Insel Reichenau werden künftig drei neue Museumspavillons über die historische Bedeutung informieren. Die Mini-Museen auf der Bodenseeinsel wurden am Samstag von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) eingeweiht.
30.03.2007:
  • FAZ, 30.03.2007: Wer weitere Schwabenstreiche verhindern will, lese dieses Buch! - Damit der Staat nicht Kunstwerke kauft, die ihm schon gehören: Winfried Klein hält dem Haus Baden den rechtshistorischen Spiegel vor
    Wenn ehemals regierende Häuser ihren Bestand an Grundbesitz, Schlössern, Bibliotheken sowie Kunst & Krempel mustern, der nun die großen Auktionen bedient, erwacht die Öffentlichkeit. Was die Häuser Hannover, Fürstenberg, Thurn und Taxis in den letzten Jahren sowie neuerdings das Haus Baden zu Markte tragen, sind Millionenwerte. Sie werden benötigt, um die verbleibenden Bauwerke und Wirtschaftsbetriebe zu sanieren, vielleicht auch nur ums sich von einem Übermaß an silbernen Zuckerzangen zu befreien. Oft sind Spitzenstücke von nationaler Bedeutung dabei, etwa die Markgrafentafel von Hans Baldung Grien. Damit nicht solche Schwabenstreiche passieren, dass der Staat Dinge noch einmal kauft, die ihm von Rechts wegen schon gehören, muss man Bescheid wissen, wie die Verfassungsgeschichte der deutschen Einzelstaaten seit dem späten achtzehnten Jahrhundert verlaufen ist. ...
    Damit ist die Doktorarbeit beim gegenwärtigen Streitfall Baden-Württemberg angekommen, zu dem auch Mußgnug in dieser Zeitung Stellung genommen hat (F.A.Z. vom 29. September 2006). Was die von der Landesregierung eingesetzte Expertenkommission im Detail aus den badischen Verträgen ermitteln wird, weiß man noch nicht. Aber man kann schon aus dieser Doktorarbeit ablesen, wo die generelle historische Entwicklungslinie von 1803/1806 bis in die Gegenwart verläuft: vom Privatbesitz zum Staatseigentum, vom standesgemäßen Regentenaufwand zum allgemeinen Staatshaushalt, vom Einspruchsrecht der fürstlichen Verwandtschaft zum Alleinbestimmungsrecht der Parlamente. Warum auch nicht - die herrlichen Handschriften, Gemälde und Porzellansammlungen sind schon seinerzeit mit dem Schweiß der Untertanen erworben worden. Die heutigen Steuerzahler sollten sie nicht ein zweites Mal bezahlen.
    Winfried Klein: "Die Domänenfrage im deutschen Verfassungsrecht des 19. Jahrhunderts". Schriften zur Verfassungsgeschichte, Band 78, Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2007. 242 S., br., 69,80 €.
  • Stuttgarter Zeitung, 30.03.2007: Ein Lehrstück in Sachen Kulturpolitik - Über den "Handschriftenstreit" zwischen der Landesregierung und dem Haus Baden informiert ein neues Buch
    Ein schmales, aber substanzreiches Buch, das noch einmal alle Aspekte des Streits um die badischen Kulturgüter darstellt, ist jetzt in Karlsruhe präsentiert worden. Der Konflikt, der beinahe zu einem badisch-schwäbischen Kulturkampf wurde, ist noch immer nicht ausgestanden. Das waren noch Zeiten, als die Landesregierung immer betonte, dass die Kultur etwas wert sei. Noch vor wenigen Jahren war es überhaupt keine Frage, dass man die Handschriften aus der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek oder die Schlossbibliothek Baden-Baden kaufen muss, damit sie uns erhalten bleiben: Kulturschätze erster Güte, unersetzlich. Niemand kam damals auf die Idee, diese Sache etwa nach Haushaltssituation zu entscheiden. Es waren andere Zeiten. Heute wird ganz offen darüber geredet, dass man doch einfach mal ein paar Handschriften oder Bilder verkaufen kann, sie werden doch wohl nicht so wichtig sein. Der Streit zwischen der Stuttgarter Landesregierung und der Badischen Landesbibliothek tobt seit September: Seit bekannt wurde, dass sich die Landesregierung mit dem markgräflichen Haus in nicht öffentlichen Verhandlungen darauf geeinigt hat, dass das Land einige der wertvollen Karlsruher Handschriften verkaufen will, dass der Markgraf das Geld bekommt und dafür auf alle weiteren Ansprüche gegen das Land verzichtet.
  • SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 30.03.2007: 1000 Jahre altes Buch fürs neue Museum
    Der berühmte Mönch Hermann der Lahme (1013 - 54) dürfte darin mit großem Interesse geschmökert haben - ebenso wie viele andere Klosterbrüder seiner Zeit und in den Jahrhunderten danach: Das so genannte "Hausbuch" des Benediktiner-Klosters Reichenau war ein Standardwerk für die Gemeinschaft, sozusagen das Einmaleins der Abtei. In ihm hatte man die Geschichten der auf der Insel verehrten Heiligen und der im Kloster verwahrten Reliquien in einem Band versammelt. Zur Eröffnung der neuen Museumseinheiten am morgigen Samstag kehrt das rund 1000 Jahre alte Originalbuch an seinen Ursprungsort zurück. Als Leihgabe der Landesbibliothek Karlsruhe, wohin das "Hausbuch" und die übrigen Schriften des Klosters nach der Säkularisation Anfang des 19.Jahrhunderts gebracht wurden, dürfen die Reichenauer es nun als besondere Attraktion bis Anfang Juni zeigen.
    ... Das Hausbuch war dagegen sozusagen für den täglichen Gebrauch im Kloster selbst gedacht. "Das wurde sicher den Mönchen in die Hand gedrückt", meint der Reichenauer Kulturamtsleiter Karl Wehrle, vielleicht mit den Worten: "Da hast Du noch was zu lesen, nimm's mit auf Dein Zimmer." Denn die Reliquien bildeten sozusagen das "Bindeglied zu Christus und Gott". Die Geschichten der Heiligen, vom Evangelisten Markus oder dem auf der Insel verstorbenen Griechen Symeon, von Meinrad, Findan oder Gangulf hatten für die Reichenauer Abtei im Mittelalter zudem eine ganz besondere Bedeutung wegen eines großen Mankos, erläutert Wehrle: Anders als in vielen anderen Klöstern gab und gibt es kein Grab des Gründers, des Wanderbischofs Pirmin. "Das Hausbuch war ein Identifikationsobjekt für das Kloster Reichenau", meint daher Wehrle.
  • SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 30.03.2007: Geist der Reichenau in Buchform
    ... Nun können die Reichenauer aber unverhofft in der mit rund 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche größten der drei neuen Museumseinheiten, die hierfür eingerichtet wurden und morgen eröffnet werden, doch eine Originalhandschrift aus der früheren Klosterbibliothek zeigen: Das so genannte Hausbuch der vom Wanderbischof Pirmin 724 gegründeten Abtei, das im 10. und 11.Jahrhundert geschrieben wurde und nun in dem architektonisch unspektakulären, nahezu fensterlosen Neubau in Mittelzell bis Anfang Juni zu sehen sein wird.
    ... Das Hausbuch war aber fürs Kloster selbst eines der wichtigsten Werke. Im "Codex domesticus" hatten die Mönche die lateinischen Texte über alle auf der Reichenau verehrten Heiligen beisammen: den Evangelisten Markus zum Beispiel, nachdem das Inselmünster benannt ist, oder auch heute eher Unbekannte wie den heiligen Wynnebald, Kilian oder Burkhard. "Das war ein Buch für den täglichen Gebrauch", sagt der Reichenauer Kulturamtsleiter Karl Wehrle. ...
  • Archivalia, 30.03.2007: Aus der Kommission Altes Buch (KAB) im BVB
    ... (Aus der 8. Sitzung vom 6.11.2006)
    (TOP 3 Informationen zu Projekten)
    Badische Handschriften (Dr. Fabian)
    Eine Sammlung von Zeitungsausschnitten wurde in der BSB angelegt. Für den Kulturgüterschutz wie auch die Öffentlichkeitsarbeit von Bibliotheken werden Konsequenzen gezogen werden müssen. ...
29.03.2007:
  • Badische Neueste Nachrichten, 29.03.2007: Pflichtlektüre zu einer kostbaren Bücherwelt - Handschriften der Landesbibliothek als bedrohtes Kulturerbe: Neuer Band vorgestellt
    Eine Kampfschrift? Beileibe nicht, sagte der Karlsruher Bibliotheksdirektor Peter Michael Ehrle gestern bei der Vorstellung eines neuen Buchs in der Badischen Landesbibliothek, dessen brisanter Anlass den Verdacht einer kämpferischen Absicht zunächst durchaus nahelegt. Für den sorgenvollen Titel des Bandes gibt es denn auch Gründe genug: "Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek - Bedrohtes Kulturerbe?" Vor dem Hindergrund des noch immer schwelenden "Kulturgüterstreits" (wir berichteten mehrfach) hat die Frage allemal ihre Berechtigung. Derzeit, so klärte der Bibliotheksdirektor seine Zuhörer auf, befasst sich eine Expertengruppe, zu der er selbst gehört, mit der Klärung hochkomplexer Eigentumsfragen - in "sehr mühsamer Kleinarbeit", wie er hinzufügte. Immerhin müssten "Hunderte von Akten" gewälzt und Berge von staatsrechtlicher Literatur aufgearbeitet werden, um herauszufinden, wem die betroffenen Objekte, darunter eben auch die Zimelien der Landesbibliothek, eigentlich wirklich gehören, dem Land oder dem Haus Baden, das nach wie vor um die Bestände ringt, um mit dem Erlös den maroden Familiensitz Salem zu sanieren.
  • Archivalia, 29.03.2007: Neue Parlamentaria zur Causa Karlsruhe
  • Archivalia, 29.03.2007: Dieter Mertens erhält Schillerpreis der Stadt Marbach
    Dieter Mertens erhält Schillerpreis der Stadt Marbach Der Historiker Dieter Mertens erhält den mit 5000 Euro dotierten Preis für sein Lebenswerk, aber die Jury würdigte insbesondere den Baldung-"Scoop": http://archiv.twoday.net/stories/2880867/
  • Landesvereinigung Baden in Europa, 29.03.2007: Ein Buch zu dem Thema Handschriftensammlung
    "Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek: Bedrohtes Kulturerbe?"
28.03.2007:
  • Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek
    Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek
    Auf einer Pressekonferenz am 28.03.2007 in der Badischen Landesbibliothek wurde eine Neuerscheinung vorgestellt:

    Peter Michael Ehrle und Ute Obhof (Hrsg.)
    Die Handschriftensammlung der Badischen Landesbibliothek: Bedrohtes Kulturerbe?
    Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2007
    ISBN 978-3-938047-25-5
    160 Seiten, gebunden, Preis: EUR 19.80
    (im Buchhandel und an der Garderobe der Landesbibliothek erhältlich)

    Die Handschriftensammlung der ehemals Großherzoglichen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe ging nach dem Thronverzicht des letzten Großherzogs Friedrich II. von Baden 1918 in den Besitz der Republik Baden und in den Bestand der Badischen Landesbibliothek über. Sie ist ein historisch gewachsenes Ensemble von europäischer Bedeutung, das im Herbst 2006 wegen Eigentumsansprüchen des Hauses Baden teilweise vom Verkauf bedroht war und das bis heute noch nicht gänzlich gesichert ist.
    Die Autoren stellen die Handschriftensammlung vor, sie zeichnen die Porträts einiger fürstlicher Vorbesitzer aus dem Hause Baden, und sie gehen auf die komplizierten Eigentumsfragen ein. Der badische "Kulturgüterstreit" wird eingehend betrachtet und in einen größeren kulturpolitischen Zusammenhang gestellt.
    Weitere Informationen:

  • F.A.Z., 28.03.2007: Jetzt steht die Handschriftenaffäre schon in der Bibliothek - Der Skandal ist zum Buch geworden, gehört aber lange noch nicht zu den Akten: Die Stuttgarter Landesregierung lässt die Kultur prophylaktisch bluten / Von Rose-Maria Gropp
    Gut Ding will Weile haben. Wenn schlechte Entscheidungen in Hast gefallen sind, brauchen die sorgfältig erwogenen Urteile desto mehr Zeit. Seit Ende November beschäftigt sich eine Gruppe von Wissenschaftlern mit den Fragen um das Eigentum an Kulturgütern, die zwischen dem ehemals regierenden Haus Baden und dem Land Baden-Württemberg umstritten sind. Es kann noch bis zum Herbst dauern, ehe die Ergebnisse vorliegen.
    ... Heute wird in der Landesbibliothek in Karlsruhe ein Buch vorgestellt, herausgegeben von deren Direktor Peter Michael Ehrle und Ute Obhof, der Leiterin der Abteilung Sammlungen, das unter dem Titel "Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek - Bedrohtes Kulturerbe?" (erschienen im Casimir Katz Verlag, Gernsbach) die sogenannte "Handschriftenaffäre" minutiös dokumentiert bis zum jüngsten Stand, eingebettet in die Geschichte von Haus und Land Baden. Dass das dreist freigegebene "Altpapier" aus der Schusslinie kam und dafür die Forderungen des Adelshauses in Visier gerieten, verdankt sich dem Freiburger Historiker Dieter Mertens, der in dieser Zeitung nachwies, dass vor allem Hans Baldung Griens bedeutende "Markgrafentafel" in der Karlsruher Kunsthalle, ein millionenschweres Herzstück des von Bernhard Prinz von Baden reklamierten Bestands, längst dem Land Baden gehörte.
    ... So ganz eingefroren ist aber doch nicht alles; denn das "Drei-Säulen-Modell" der Regierung, das immer noch dreißig Millionen Euro für Salem vorsieht, wird prophylaktisch schon angeschoben. Davon sind auch die Badische und die Württembergische Landesbibliothek betroffen: Die Erstere soll, im Fall des Falles, zu dessen Finanzierung 600 000 Euro einsparen, die zweite 400 000 Euro. Seltsam dabei nur, dass die Bibliotheken bereits in diesem Jahr gehalten sind, "eine Teilsumme in Form von Resten vorsorglich frei zu halten". Soll das heißen: Wer seine Handschriften behalten will, soll auch sehen, wie er das finanziert? Am Ende würden die Bibliotheksbenutzer dafür büßen, dass dem Land kein vernünftiger Plan einfällt, sein Kulturgut Salem zu retten. Vor allem aber ist die der Kommission vorauseilende Einsparung nicht logisch; denn noch ist ihre Notwendigkeit gar nicht ausgemacht. Oder muss man das Kind endlich beim Namen nennen: Zahlen für die markgräfliche Immobilie soll, so oder so, die Kultur. Wieso eigentlich?
  • F.A.Z, 28.03.2007: Dieter Mertens - Schillerpreis der Stadt Marbach
    Der Historiker Dieter Mertens erhält den Schillerpreis der Stadt Marbach. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wird Mertens, der zuletzt einen Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte in Freiburg innehatte, für seine Forschungen zur südwestdeutschen Landesgeschichte zurkannt. Besonders würdigt die Jury seinen Beitrag in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 2. November), in dem es "ihm gelang, im Streit um die Handschriften der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe und die Kulturgüter des Hauses Baden den Beweis zu führen, dass, entgegen der Ansicht der baden-württembergischen Landesregierung, die Markgrafentafel von Hans Baldung Grien nicht dem Haus Baden, sondern seit 1930 dem Land Baden-Württember gehört."
  • Archivalia, 28.03.2007: Buchpräsentation zu den Handschriften der Badischen Landesbibliothek und der Causa Karlsruhe
  • Archivalia, 28.03.2007: "Die bedeutendste fürstliche Büchersammlung der frühen Neuzeit soll verhökert werden"
  • Archivalia, 28.03.2007: Protestschreiben des Ulmer Vereins zur geplanten Zerschlagung des Bestandes der Karlsruher Handschriften
27.03.2007:
  • Landtag von Baden-Württemberg, Neue Dokumente: Protokoll der 21. Sitzung vom 14. März 2007
    7. a) Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Der geplante Verkauf von badischen Kultur-gütern; hier: Die rechtliche Stellung der Zähringer-Stiftung - Drucksache 14/507
    b) Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Stiftungsaufsichtsrechtliche Maßnahmen und Zusammenarbeit der Landesregierung mit der Zähringer-Stiftung - Drucksache 14/669
    c) Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Neubenennung des Vertreters der Landesregierung im Stiftungsrat der Zähringer-Stiftung - Drucksache 14/743
    d) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes und insbesondere seine Handhabung in Bezug auf die Kulturgüter im Eigentum des Hauses Baden - Drucksache 14/510
    e) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Sachstand und Arbeitsplanung des ad hoc-Expertengremiums zu den badischen Kulturgütern - Drucksache 14/744
    f) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Die Entwicklung beim Drei-Säulen-Modell der Landesregierung zur Finanzierung der badischen Kulturgüter - Drucksache 14/847

    [Seiten 1226-1239]
    ... Abg. Jürgen Walter GRÜNE: Herr Präsident, meine Damen und Herren, so viel Zustimmung wie bei der Ferienregelung können Sie bei diesem Tagesordnungspunkt von uns leider nicht erwarten. Im Herbst vergangenen Jahres ist die Landesregierung - aber auch die CDU-Fraktion - hier aufgetreten mit der Haltung: "Einen Untersuchungsausschuss wollen wir nicht, aber wir sind natürlich sehr daran interessiert, zu der Aufklärung des ganzen Skandals beizutragen." "Skandal" habt ihr nicht gesagt; das haben wir gesagt; das gebe ich zu. "Wir haben nichts zu verbergen! Schaut doch in die Akten hinein. Es ist alles wunderbar gelaufen." So haben Sie argumentiert. Von dieser Haltung ist im neuen Jahr bzw. schon gegen Ende letzten Jahres nichts mehr übrig geblieben, meine Damen und Herren. Erstens haben Sie mit extrem fadenscheinigen Begründungen einen Untersuchungsausschuss abgelehnt. Zweitens haben Sie im neuen Jahr gesagt - das war dann die neue Dimension -: "Wir gewähren auch keine Akteneinsicht mehr" - immer mit derselben Begründung. Sie kommen daher und sagen: Das ist noch kein abgeschlossenes Verwaltungshandeln. ...
  • Kulturinformationszentrum des Deutschen Kulturrates und der ConBrio Verlagsgesellschaft, 27.3.2007: Kulturpolitik braucht engagierten Journalismus
    Der politik und kultur-Journalistenpreis (puk-Journalistenpreis) wird zum vierten Mal ausgeschrieben. Mit dem puk-Journalistenpreis wird die allgemeinverständliche Vermittlung kulturpolitischer Inhalte in Print-Medien, dem Hörfunk, dem Fernsehen und dem Internet ausgezeichnet. politik und kultur ist die Zeitung des Deutschen Kulturrates und erscheint sechs Mal im Jahr.
    ... Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von politik und kultur, Olaf Zimmermann, sagt: "Kulturpolitik braucht engagierten Journalismus. Kulturpolitikjournalisten decken kulturpolitische Skandale wie z.B. den im letzten Jahr geplanten Verkauf der Badischen Handschriften auf. Kulturpolitikjournalisten begleiten kritisch die Gestaltung der Rahmenbedingungen von Kunst und Kultur. Kulturpolitikjournalisten zeigen kulturpolitischen Handlungsbedarf auf. Kulturpolitik-journalismus bewegt sich im Wechselspiel zwischen Kunstszene, Politik, Nutzern und Interessenvertretern."
25.03.2007:
  • Der Tagesspiegel, 25.3.2007: Aus der Vergangenheit zurück - Wettiner fordern wieder Dresdner Kunstschätze
    Als das Deutsche Kaiserreich 1918 unterging und mit ihm all die regierenden Fürstenhäuser, unterließ es die Republik, den Adelsbesitz kurzerhand zu übernehmen. Es bedurfte mannigfaltiger Verhandlungen, die zumindest in Sachsen zufriedenstellend ausfielen. ... Das Problem ist kein nur sächsisches. In den neuen Bundesländern gibt es allenthalben ungeklärte Fälle. In Weimar mussten wertvolle Bibliotheksbestände abgegeben werden, in Gotha liegen Forderungen vor, auf Thüringens Gebiet gab es eine Reihe kleinerer Fürstentümer, die Rechnungen offen haben. Aber auch in der alten Bundesrepublik ist nicht alles zufriedenstellend geregelt, wie der Streit Baden-Württembergs mit dem Haus Baden zeigt. Die Markgrafen, von Enteignungen nach 1945 verschont, fordern 70 Millionen Euro für überaus wertvolle Handschriften aus dem Bestand der Landesbibliothek, bei denen - wie jüngst aufgezeigt - die Eigentumsverhältnisse durchaus strittig sind. In keinem Fall hat es bundesdeutsche Politik vermocht, die Alt-Aristokratie zu abschließenden Regelungen zu bewegen. Stets waren es Einzelfallentscheidungen, die mit zunehmend höheren öffentlichen Mitteln erkauft werden mussten.
23.03.2007:
  • Landtag von Baden-Württemberg, Antrag der Abg. Johannes Stober u. a. SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Eingegangen: 22. 02. 2007 / Ausgegeben: 23. 03. 2007: Der Beitrag der beiden Landesbibliotheken zur Umsetzung des Drei-Säulen-Modells für die Finanzierung der badischen Kulturgüter (PDF)

    Der Landtag wolle beschließen,
    die Landesregierung zu ersuchen
    zu berichten,
    1. ob ein Bericht der Badischen Neuesten Nachrichten vom 21. Februar 2007 zutrifft, nach dem die beiden Landesbibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart mit zusammen einer Million Euro an der Verwirklichung des Drei-Säulen-Modells zur Finanzierung der badischen Kulturgüter beteiligt sein werden, wer diese Entscheidung zu welchem Zeitpunkt getroffen hat und wann diese Inanspruchnahme den beiden Bibliotheken mitgeteilt wurde und ob deren Einverständnis dazu vorliegt;
    Vor der Einsetzung der Expertengruppe, deren konkreter Arbeitsauftrag sich aus der Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst in der Landtagsdrucksache 14/744 ergibt, war geplant, einen Vergleich gegebenenfalls durch Einsatz von Mitteln der Landesstiftung, durch Einwerbung privater Mittel und durch den Einsatz von Haushaltsmitteln zu finanzieren. Diese Haushaltsmittel sollten in Höhe von 10 Mio. € im Rahmen der vorhandenen Ansätze umgeschichtet werden. Im Einzelplan 14 ("Kunst- und Bibliotheksbereich") des Staatshaushaltsplanes 2007/2008 wurden hierfür bereits 6,1 Mio. € als Beitrag für die 3. Säule vorgemerkt. Der für die beiden Landesbibliotheken vorgesehene Beitrag belief sich auf insgesamt eine Million Euro. Die Leiter der Landesbibliotheken wurden am 13. Oktober 2006 bzw. am 13. November 2006 entsprechend informiert. Bis zum Abschluss der Arbeit der Expertengruppe sind die Vergleichsverhandlungen mit dem Haus Baden ausgesetzt. Es ist deshalb derzeit offen, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe Finanzierungsbeiträge aus verschiedenen Quellen erforderlich werden können.
    2. wie sich dieser Betrag von einer Million Euro auf die beiden Bibliotheken sowie die einzelnen Haushaltsjahre verteilt und welche Haushaltskapitel im Staatshaushaltsplan 2007/2008 dies im Einzelnen und in welcher Höhe betreffen soll;
    3. ob die beiden Landesbibliotheken, nachdem die Vereinbarung mit dem Haus Baden durch die Einsetzung der Expertenkommission zur Klärung des Eigentums auf unabsehbare Frist aufgeschoben ist, bis zum Abschluss einer endgültigen Vereinbarung mit dem Haus Baden ungeschmälert über ihre Etats verfügen können oder ob sie bis dahin haushaltsbewirtschaftenden Maßnahmen i. S. einer Ausgabensperre unterliegen, mit denen die oben genannten Summen für die Verwirklichung des Drei-Säulen-Modells gesichert werden sollen;

    Sofern ein Solidaritätsbeitrag der Landesbibliotheken in Höhe von einer Million Euro erforderlich werden sollte, wären 600 T€ aus Kapitel 1424 und 400 T€ aus Kapitel 1425 zu erbringen. In Abhängigkeit von weiteren Erkenntnissen ist vorgesehen, die Mittel erforderlichenfalls überwiegend in den Haushaltsjahren 2008/2009 zu erbringen, wobei bereits in 2007 eine Teilsumme in Form von Resten vorsorglich frei gehalten werden soll. ...
    Anmerkung: Kapitel im Staatshaushaltsplan
    Kapitel 1424 - Landesbibliothek Karlsruhe
    Kapitel 1425 - Landesbibliothek Stuttgart
  • Bietigheimer Zeitung, 23.03.2007: SCHILLERPREIS - Marbach ehrt Historiker Mertens
    Der Historiker Dieter Mertens ist der Schillerpreisträger 2007 der Stadt Marbach. Der 67-jährige emeritierte Professor soll für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. ... Aufsehen erregte Mertens im November 2006, als er im Streit um die Handschriften der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe und die Kulturgüter des Hauses Baden den Beweis führte, dass die Markgrafentafel von Hans Baldung Grien nicht dem Haus Baden, sondern seit 1930 dem Land Baden-Württemberg gehört. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.
22.03.2007:
  • Stadt Marbach am Neckar, 22.03.2007: Schillerpreisträger 2007 steht fest - Die Schillerstadt hat sich für Prof. Dr. Dieter Mertens entschieden
    ... Aufsehen erregte Mertens Anfang November 2006, als es ihm gelang, im Streit um die Handschriften der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe und die Kulturgüter des Hauses Baden den Beweis zu führen, dass, entgegen der Ansicht baden-württembergischen Landesregierung, die Markgrafentafel von Hans Baldung Grien nicht dem Haus Baden, sondern seit 1930 dem Land Baden-Württemberg gehört. ...
20.03.2007: 19.03.2007:
  • bwWoche, 19.03.2007: Tag + Landtag + Land
    ... Das Thema "Kunstschätze Baden" gehört inzwischen zu den Dauerbrennern im Landtag. Eine Ursache dafür ist, dass immer wieder Neuigkeiten auf den Tisch kommen. Der Grüne Jürgen Walter hat jetzt herausgefunden, dass bereits 1995 vom Haus Baden zwei Bilder verkauft worden sind, die ihm nicht gehörten. Dies musste Kunstminister Peter Frankenberg (CDU) einräumen. Dennoch forderten er und die Sprecher der Regierungskoalition die Opposition dazu auf, die Ergebnisse der Expertenkommission abzuwarten. Ihr gehören Wissenschaftler an, die endgültig klären sollen, welche Kunstschätze dem Land gehören. Bis wann sie zu Potte kommen werden, ist unklar. Frankenberg hofft auf den Herbst.
17.03.2007:
  • Archivalia, 17.03.2007: Genialste Fälschung seit der Konstantinischen Schenkung
  • Stuttgarter Zeitung, 17.03.2007: Die Schenkung / Von Reiner Ruf
    ... Salem war ein Problem gewesen, lange hatten Frankenberg und Stratthaus gezerft. Der für die Schlösser im Land zuständige Finanzminister wollte die gewaltige Anlage partout nicht haben, weil es zum Dach hereinregnete und die Sanierung eine Menge von Geld kostete, das er für ein neues Regierungsviertel in Stuttgart vorhalten musste. Schließlich verfiel Stratthaus auf die Idee, Salem der Universität Freiburg zu vermachen. Für die war Frankenberg zuständig, also musste der Kunstminister, der im Hauptberuf Wissenschaftsminister war, die Sanierung von Salem bezahlen. Natürlich sträubte sich Frankenberg. Bis ihm Stratthaus vorschlug, die Studiengebühren zu erhöhen. "Einem Notgroschen Salem kann sich kein humanistisch gebildeter Student entziehen", argumentierte er. "Hhmm", summte Frankenberg. "Hhmm." Und: "Bei den Studiengebühren ist tatsächlich noch Luft drin." Die beiden wurden handelseinig. ...
    (siehe auch Archivalia, 17.03.2007, Genialste Fälschung seit der Konstantinischen Schenkung)
16.03.2007: 15.03.2007:
  • Badische Neueste Nachrichten, 15.03.2007: Kulturgüterstreit: Druck steigt weiter
    Eine Verquickung der Zukunftssicherung von Schloss Salem mit der Frage nach den Besitzverhältnissen von Kulturgütern des Hauses Baden ist nach Ansicht der SPD im Landtag nicht akzeptabel. Das hat gestern der Karlsruher Abgeordnete Johannes Stober im Landtag deutlich gemacht. Auch die Grünen sind dieser Ansicht. In der Debatte warf die Opposition der Landesregierung abermals dilettantisches Vorgehen vor und erhöhte den Druck. Unterdessen räumte Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) ein, dass bei der Sotheby's-Versteigerung 1995 auf dem Neuen Schloss in Baden-Baden gleich zwei Bilder aus den Beständen der Zähringer-Stiftung veräußert wurden. Neben dem Stück "Hirtenidylle" kam auch ein Portrait des Stifters Louis Jüncke unter den Hammer, das die ungarische Malerin Vilma Parlaghy 1895 geschaffen hatte.
  • Badische Zeitung, 15.03.2007: Vor Juli keine Entscheidung - Staatsgerichtshof braucht Zeit
    Erst im Juli wird der Staatsgerichtshof entscheiden, ob der von der SPD im Landtag beantragte Untersuchungsausschuss zum Streit um die badischen Kunstschätze eingesetzt werden muss oder nicht, erklärte Gerichtspräsident Eberhard Stilz auf Anfrage. Die Regierungsparteien CDU und FDP hatten den Antrag abgeleht, weil es sich bei dem zwischen Land und dem Haus Baden ins Auge gefassten millionenschweren Vergleich zum Erhalt von Schloss Salem um noch nicht abgeschlossenes Regierungshandeln gehe. Die SPD erhob darauf Klage vor dem Staatsgerichtshof. Auch die wissenschaftliche Aufarbeitung der zwischen Land und Haus Baden strittigen Eigentumsfragen im Zusammenhang mit den badischen Kunstschätzen zieht sich hin.
  • ka-news, 15.03.2007: Verkauf von Kulturgütern - Regierungsakten bleiben geschlossen
    Die Regierung im Stuttgarter Landtag will sich nicht in die Karten schauen lassen, wenn es um den umstrittenen Verkauf von Handschriften aus dem Besitz der Zähringer-Stiftung geht. Die Akten bleiben geschlossen, entschied gestern die CDU/FDP-Koalition im Landtag. Die Grünen hatten in Stuttgart einen entsprechenden Antrag gestellt. Sie forderten Akteneinsicht in die Papiere der Stiftung. Ziel war es, Klarheit zu schaffen über die bereits erfolgten Versteigerungen verschiedener Kulturgüter aus dem Besitz der Stiftung. Die vollständige Aufklärung wird jedoch weiter auf sich warten lassen. Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) erklärte gestern im Plenum, dass man mit definitiven Ergebnissen erst im Herbst rechnen könne.
  • Bönnigheimer Zeitung, 15.03.2007: KULTURGÜTERSTREIT / Staatsgerichtshofurteil erst im Juli - Landtag muss warten
    Die Aufklärung im Kulturgüterstreit zieht sich. Ob ein Untersuchungsausschuss legal ist, wird man erst im Juli wissen. Und die Baden-Experten brauchen wohl bis Herbst. Erst im Juli wird der Staatsgerichtshof entscheiden, ob der von der SPD im Landtag beantragte Untersuchungsausschuss zum Streit um die badischen Kunstschätze eingesetzt werden muss oder nicht. Das erklärte Gerichtspräsident Eberhard Stilz auf Anfrage. Die Regierungsmehrheit hatte den Antrag Mitte Dezember abgelehnt. Als Begründung war angeführt worden, bei dem zwischen Land und dem Adelshaus Baden vergangenes Jahr ins Auge gefassten millionenschweren Vergleich zum Erhalt des Schlosses Salem handele es sich noch nicht um ein abgeschlossenes Regierungshandeln. Das aber verlange das Untersuchungsausschussgesetz. Die SPD erhob daraufhin Klage vor dem Staatsgerichtshof.
14.03.2007:
  • 14. LANDTAG VON BADEN-WÜRTTEMBERG, 21. Sitzung, 14.03.2007: TAGESORDNUNG ...
    7. a) Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Der geplante Verkauf von badischen Kultur-gütern; hier: Die rechtliche Stellung der Zähringer-Stiftung - Drucksache 14/507
    b) Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Stiftungsaufsichtsrechtliche Maßnahmen und Zusammenarbeit der Landesregierung mit der Zähringer-Stiftung - Drucksache 14/669
    c) Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Neubenennung des Vertreters der Landesregierung im Stiftungsrat der Zähringer-Stiftung - Drucksache 14/743
    d) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes und insbesondere seine Handhabung in Bezug auf die Kulturgüter im Eigentum des Hauses Baden - Drucksache 14/510
    e) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Sachstand und Arbeitsplanung des ad hoc-Expertengremiums zu den badischen Kulturgütern - Drucksache 14/744
    f) Antrag der Fraktion der SPD und Stellungnahme des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst - Die Entwicklung beim Drei-Säulen-Modell der Landesregierung zur Finanzierung der badischen Kulturgüter - Drucksache 14/847
    ...
  • swr.de, 14.03.2007: Keine Einsicht in Akten der Zähringer-Stiftung
    Die Regierungsakten zu den umstrittenen Plänen zum Verkauf von Handschriften der Zähringer-Stiftung bleiben nach dem Willen der meisten Landtagsabgeordneten geschlossen. Die CDU/FDP-Mehrheit lehnte Anträge der Grünen auf Einsicht in die Papiere zur Stiftung ab. Derzeit klärt eine Expertenkommission die Frage, welche Gemälde und Handschriften dem Land gehören, welche dem Haus Baden und welche der Zähringer-Stiftung. Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) kündigte im Landtag an, dass die Expertenkommission im Herbst ihre Ergebnisse vorlegen soll. Bis dahin bleibt wohl unklar, wer die Sanierung von Schloss Salem finanzieren soll.
  • swr.de, 14.03.2007: Landtag debattiert über RAF und Kinderbetreuung
    ...Weitere Themen für die Abgeordneten sind die Ferienregelung im Land, die Finanzierung für den Erhalt der badischen Kulturgüter und das geplante Rauchverbot an den Schulen.
  • südwest presse, 14.03.2007: Akten zu Zähringer-Stiftung bleiben zu - Landtag lehnt Einsicht ab
    Trotz neuer Gerüchte bleiben die Regierungsakten zur umstrittenen Zähringer-Stiftung nach dem Willen der meisten Landtagsabgeordneten geschlossen. Die CDU/FDP-Mehrheit lehnte am Mittwoch Anträge der Grünen auf Einsicht in die Papiere zur Stiftung ab. CDU und FDP wollen die Arbeit einer Expertenkommission abwarten, die im Streit um Kunstschätze die Besitzverhältnisse klären soll.
13.03.2007:
  • Damals, 13.03.2007: Voller Veranstaltungskalender in Salem - Barock- und Zisterziensertage im Schloß am Bodensee
    Im Rahmen einer Pressekonferenz im Stuttgarter Haus der Geschichte hat Bernhard Prinz von Baden das Veranstaltungsprogramm des Schlosses Salem für das Jahr 2007 vorgestellt. Das vielfältige Programm sieht neben zahlreichen Musik- und Gastronomie-Events auch poetische Lesungen und mehrere Ausstellungen vor. Musik und Weinkultur stehen in Salem dieses Jahr im Vordergrund, doch auch Geschichtsinteressierte kommen bei den Barocktagen im Juli und den Zisterziensertagen in September auf ihre Kosten. ... Das zuletzt wegen der Auseinandersetzungen um ungeklärte Besitzverhältnisse zwischen Land und Familie in die Schlagzeilen geratene Haus Baden möchte die Öffentlichkeit auch für die Problematik der Schloßinstandhaltung sensibilisieren und veranstaltet am 22. April in Salem einen Tag der offenen Tür. Geplant sind mehrere Sonderführungen zu der Baugeschichte der Anlage, des historischen und modernen Brandschutzes, sowie die Besichtigung der ehemaligen Klosterbibliothek, die Vorführung der Salemer Orgel und mehrere Aktionen und Führungen für Kinder. ...
12.03.2007:
  • bwWoche, 12.03.2007: Oettinger wartet im Kulturgüter-Streit Gutachten ab
    Die Landesregierung von Baden-Württemberg will sich im Kulturgüter-Streit mit dem Markgrafenhaus Baden nicht unter Druck setzen lassen. Die Landesregierung halte daran fest, zunächst die Eigentumsfragen von Experten klären zu lassen, sagte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) in Stuttgart. Er stellte jedoch in Aussicht, dass die hierfür eingesetzte Kommission ihre Arbeit in weniger als einem halben Jahr beenden werde. Der Generalbevollmächtigte des Adelshauses, Bernhard Prinz von Baden, hatte eine schnelle Lösung in der Auseinandersetzung angemahnt.
  • bwWoche, 12.03.2007: Stuttgarter Nachrichten: Bedrängt
    Adel schützt vor Pleite nicht. Das Haus Baden ist ein Wirtschaftsbetrieb, der in den letzten Jahren eher schlecht als recht über die Runden kam. Warum auch sollte es der früheren Herrscherfamilie besser ergehen als anderen Mittelständlern? Wenn dann noch ein Erbe der Größe Salems die Bilanz trübt, spürt auch ein einstmals so reiches Haus wie das badische die Macht der Banken. Das neuerliche Drängen, das Land möge sich endlich am Erhalt des Schlosses beteiligen, lässt den Griff der Gläubiger erahnen.
11.03.2007:
  • Der Sonntag, 11.03.2007: Vom reichen Kloster zum teuren Erbe
    Es war eine Drohung im gepflegten Stil, mit der Prinz Bernhard von Baden an die Öffentlichkeit ging. Seine Familie sehe sich außerstande, die Anlage von Schloss Salem am Bodensee weiter zu finanzieren, die Banken drängen (DER SONNTAG berichtete). Für den Fall, dass die Verhandlungen mit dem Land Baden-Württemberg scheitern, kündigte er an: "Das Kulturgut wird dann zum Wirtschaftsgut". Noch sei der Zug zur Rettung von Salem nicht abgefahren, doch die Verhandlungen müssten zeitnah wieder aufgenommen werden. Die politischen Verantwortungsträger wollen sich aber nicht unter Druck setzen lassen. Noch mehr Pleiten, Pech und Pannen im "Kulturgüterstreit" kann sich die Landesregierung schlicht nicht leisten.
10.03.2007:
  • F.A.Z., 10.03.2007: Tricks im Hause Baden - Verkauf von fremdem Eigentum
    Der Streit um den Verkauf badischer Kunstgegenstände hört nicht auf. Die Landesregierung hat auf eine Anfrage der Fraktion der Grünen jetzt eingeräumt, dass vom Haus Baden im Jahr 1995 zwei Gemälde bei Sotheby's versteigert worden sind, die Eigentum der Zähringer-Stiftung waren. Damit hätte vor zwölf Jahren schon einmal stattgefunden, was auch im vergangenen November versucht worden war: Kunstgegenstände privat zu veräußern, die gar nicht mehr Eigenmtum des Hauses Baden waren. Zuletzt sollte das Land die sogenannte Markgrafentafel von Baldung Grien erwerben, die nach Recherchen des Historikers Dieter Mertens aber längst Landeseigentum war (F.A.Z. vom 2. November 2006). ...
09.03.2007:
  • Badische Neueste Nachrichten, 09.03.2007: Wilder Wirbel um die Stiftung - Kurioser Handschriftenstreit
    Der Streit um die Eigentumsverhältnisse wertvoller Kunstschätze im so genannten Handschriftenstreit treibt immer seltsamere Blüten. Nachdem Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Versteigerung kostbarer Gemälde Mitte der 90er Jahre aufgekommen waren, wird inzwischen sogar die legale Existenz der Zähringer-Stiftung selbst infrage gestellt. Zunächst war die Stiftung als Eigentümerin der Kunstwerke ausgeschlossen und der Verkauf damit erlaubt worden. Inzwischen gibt es Vermutungen, die Bilder hätten doch der Stiftung gehört. "Uns liegt ein unabhängiges Gutachten eines Juristen vor, der die Stiftung für nicht wirksam errichtet hält", sagte jetzt eine Sprecherin des Stuttgarter Wissenschaftsministeriums.
  • ka-news.de, 09.03.2007: Ausverkauf von Kulturgütern? - Haus Baden versteigerte Stiftungs-Gemälde
    Wie in dieser Woche bekannt wurde, ist im Jahre 1995 das Gemälde "Hirtenidylle" aus den Beständen der Zähringer-Stiftung bei Sotheby's versteigert worden. "Im Wissenschaftsministerium geht es in der Frage der badischen Kulturgüter nur noch drunter und drüber", kommentiert Jürgen Walter, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, die Vorgänge um die Versteigerung. Mit der Versteigerung des Gemäldes "Hirtenidylle" aus den Beständen der Zähringer-Stiftung geht es in die nächste Runde beim Streit um den Verkauf von badischen Kulturgütern. Auf eine erste Anfrage der Grünen, ob denn stiftungseigene Gemälde versteigert worden sind, wurde Anfang Januar - unter Bezugnahme auf Äußerungen des Markgrafen von Baden - noch mit einem klaren "Nein" seitens des Wissenschaftsministeriums geantwortet. Nach einer erneute Anfrage der Grünen beim Landtag räumte die Landesregierung jetzt jedoch ein, dass mit dem Gemälde "Hirtenidylle" von Otto Eduard Saal (1817-1870) tatsächlich ein Objekt aus der Stiftung versteigert worden ist. Das Gemälde, das im Auktionskatalog unter der Nummer 4293 geführt wurde, brachte einen Erlös von 60.000 DM ein. Mit dem auf das Jahr 1895 datierte Bild "Vilma Parlaghy" des Malers Louis Jüncke (1838-1900) wechselte 1995 ein weiteres Objekt des Zähringer Stiftungsvermögens den Besitzer.
  • Badische Zeitung, 09.03.2007: Die Lage wird immer verzwickter - Hat das Haus Baden ein Kunstwerk verkauft, das ihm gar nicht gehörte? / Zweifel an der Rechtsgültigkeit der Zähringer-Stiftung
    Die Rechtsverhältnisse zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Haus Baden sind verzwickt. Wie verzwickt, hat der Streit zu Tage gefördert, wem die Kunstschätze des ehemaligen badischen Großherzogtums gehören. Weil so vieles unklar ist, wird macher Verkauf von Kunstwerken durch das Haus Baden in seiner Rechtmäßigkeit fragwürdig. Etwa die Versteigerung eines Gemäldes, das 1995 bei Sotheby's in London 60 000 Mark (31 000 Euro) gebracht hat.
  • Archivalia, 09.03.2007: Zähringer-Stiftung: Presse vermeldet aufgeregt Neuigkeiten, die für uns keine sind
  • Kulturinformationszentrum des Deutschen Kulturrates und der ConBrio Verlagsgesellschaft, 09.03.2007: Bundesrat billigt UNESCO-Kulturgut-Übereinkommen
    Der Bundesrat hat den Weg zur Ratifizierung des UNESCO-Kulturgut-Übereinkommens vom November 1970 frei gemacht. Mehr als 36 Jahre nach der Annahme des Vertragswerkes durch die UNESCO-Generalkonferenz billigte die Länderkammer am Freitag in Berlin eine entsprechende Gesetzesvorlage der Bundesregierung. Der Bundestag hatte den Regierungsentwurf bereits Anfang Februar verabschiedet.
08.03.2007:
  • Landtag von Baden-Württemberg, neue Dokumente, Kleine Anfrage des Abg. Jürgen Walter GRÜNE und Antwort des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst: Versteigerung eines Gemäldes der Zähringer-Stiftung
    Mit Schreiben vom 5. März 2007 Nr. 7962.7-12/58 beantwortet das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst im Einvernehmen mit dem Staatsministerium und dem Finanzministerium die Kleine Anfrage wie folgt:
    Ich frage die Landesregierung:
    1. Wurde im Rahmen der Auktion der Firma Sotheby's 1995 das Bild "Hirtenidylle" von Georg Otto Eduard Saal versteigert?
    2. Welcher Erlös wurde für das Bild erzielt?

    Das Bild "Hirtenidylle" ist im Auktionskatalog "Band V: Gemälde und Drukkgraphik" unter der Nummer 4293 aufgeführt. Diese Nummer ist auch in der Liste mit den Versteigerungsergebnissen enthalten. Der Erlös betrug 60.000 DM.
    3. Ist das Bild "Hirtenidylle" identisch mit dem Bild, das in der 2. Auflage des Beschreibenden Verzeichnisses der Großherzoglichen Gemälde-Sammlung (Louis Jüncke'sche Stiftung) aus dem Jahre 1905, als "Zigeunerfamilie" bezeichnet wird und damit Teil der Louis Jüncke'schen Gemäldesammlung ist?

    Das Wissenschaftsministerium geht davon aus, dass die beiden Bilder identisch sind.
    4. Ist das Bild damit Teil der Sammlungen, welche in die Zähringer-Stiftung eingebracht wurden?
    5. War die Versteigerung dieses Bildes somit rechtswidrig?
    6. Falls ja, weshalb wurde dies von der zuständigen Stiftungsaufsicht nicht verhindert?

    Laut Stiftungssatzung § 2 Absatz 3 ist die Louis Jüncke'sche Gemäldesammlung Teil der Zähringer-Stiftung. Bis heute ist allerdings unklar, ob und inwieweit die Stiftung wirksam entstanden ist und Eigentum an den in der Stiftungssatzung genannten Sammlungen erlangt hat. Auf die Antwort zu Frage 1 und 2 der Landtagsdrucksache 14/507 wird verwiesen. Die Klärung von Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Zähringer-Stiftung ist Teil des Arbeitsauftrags der Expertenarbeitsgruppe "Eigentumsfragen Baden". Auf die Antwort zu Frage 1 und 2 der Landtagsdrucksache 14/744 wird verwiesen. Derzeit liegen dem Ministerium noch keine neuen Erkenntnisse vor. ...
  • Badische Neueste Nachrichten, 08.03.2007: "Hui Buh" der Landesregierung
    Mit scharfer Kritik am Stuttgarter Kunstministerium haben Grüne und SPD im Landtag auf die neueste Entwicklung im Kulturgüterstreit reagiert. Von einem Chaos im Hause des Wissenschaftsministers Peter Frankenberg spricht der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Jürgen Walter. Frankenberg habe offenbar selbst den Überblick verloren, mutmaßt Walter. Für die SPD forderte Johannes Stober die Regierung auf, ihre "Strategie der vertrauensseligen Übereinkunft" mit dem Haus Baden aufzugeben. Wie berichtet, wurde entgegen früheren Beteuerungen anlässlich der Versteigerung 1995 zumindest ein Gemälde der Zähringer-Stiftung versteigert.
  • SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 08.03.2007: Salem - Streit um Kulturgüter verschärft
    Der Streit um den Verkauf badischer Kunstgegenstände erhält neue Nahrung. Inzwischen wird bekannt, dass schon 1995 ein wertvolles Gemälde der Zähringer-Stiftung trotz eines Verbotes bei Sotheby's versteigert wurde.
    Bernhard Prinz von Baden ist nicht zu beneiden. Die politischen Querelen um den gewünschten Verkauf von Kulturgütern, deren Besitz er für sein Haus reklamiert, und die finanziellen Probleme im Zusammenhang mit der Instandhaltung alter Gebäude machen ihm zu schaffen.
    60.000 Mark für ein Bild
    Jetzt könnte eine Nachricht den Streit um die badischen Kulturgüter einmal mehr verschärfen. Bereits 1995, als das Adelshaus in einer finanziellen Schieflage war, wurde bei Sotheby's in London das Gemälde "Hirtenidylle" des naturalistischen Landschaftsmalers Georg Otto Eduard Saal (1817 bis 1870) versteigert. Das Bild brachte damals 60.000 Mark. Bernhard Prinz von Baden führte noch nicht die Geschäfte des Hauses. In einer Antwort auf die parlamentarische Anfrage der Grünen räumt jetzt die Landesregierung entgegen einer früheren Äußerung ein, dass das Gemälde damals versteigert wurde. Auch ein zweites Bild des Malers Louis Jüncke aus dem Jahr 1895 habe den Besitzer gewechselt. Das Bildnis stammte ebenfalls aus dem Zähringer Stiftungsvermögen.
    "Nachträglich eine besondere Note"
    Die Landesregierung, damals unter Ministerpräsident Erwin Teufel, hatte im Vorfeld der Versteigerung 1995 das Haus Baden darauf hingewiesen, dass kein Gegenstand der Zähringer Sammlung verkauft werden dürfe. Das hatten die Badener auch zugesichert. Für die SPD im Stuttgarter Landtag ist dies ein ungeheuerlicher Vorgang. Sie stellt inzwischen eine Regressforderung.
  • Stuttgarter Zeitung, 08.03.2007: Markgrafen im Zwielicht
    Das Kunstministerium hat gegenüber dem Grünen-Abgeordneten Jürgen Walter bestätigt, dass das badische Markgrafenhaus 1995 mindestens ein Gemälde womöglich rechtswidrig versteigert hat. Die Ermittlungen sind eingeleitet.
    Bei dem großem Ausverkauf der Adelsfamilie 1995 in Baden-Baden ist nach Auskunft des Kunstministeriums ein Bild für 60 000 Mark versteigert worden, das mit großer Wahrscheinlichkeit niemals hätte verkauft werden dürfen. Es handelt sich um das Gemälde "Zigeunerfamilie" von Otto Eduard Saal aus der Louis Jüncke'schen Stiftung der Großherzoglichen Sammlung. Einer Sammlung, die einst in die Zähringer-Stiftung eingebracht worden war und damit dem Zugriff der Adelsfamilie entzogen ist.
  • Sindelfinger/Böblinger Zeitung, 08.03.2007: Streit um Baden-Kunst zieht Kreise / von Arnold Rieger
    Das Haus Baden hat bei der großen Auktion 1995 auch Kunstwerke versteigert, die ihm wahrscheinlich gar nicht gehörten. Die Landesregierung räumte jetzt ein, dass dabei auch zwei Gemälde aus der Zähringerstiftung unter den Hammer kamen. Zähringerstiftung: Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Sammlung, die der badische Großherzog Friedrich II. eingerichtet hat, um darin seine Kunstwerke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gemälde, Bücher, Münzen, Handschriften - hunderte Objekte gingen damit im Jahr 1954 in öffentlichen Besitz über. Dennoch hat das Adelshaus, als es vor zwölf Jahren das komplette Inventar des Neuen Schlosses zu Baden-Baden versteigerte, auch zwei Bilder aus dieser Stiftung verkauft. Das bestätigte jetzt das Wissenschaftsministerium gegenüber den Landtags-Grünen. Noch im Januar hatte der Abgeordnete Jürgen Walter ein klares Nein auf die Frage erhalten, ob es zu diesem seit Jahren vermuteten, widerrechtlichen Verkauf kam. Erst auf eine weitere Anfrage hin antwortet nun Wissenschaftsminister Peter Frankenberg, es gebe Hinweise, "dass vielleicht doch Gegenstände aus dem Bestand der Zähringerstiftung versteigert worden sein könnten". Dabei handelt es sich um das Gemälde "Hirtenidylle" von Otto Eduard Saal, für das die Adelsfamilie damals 60 000 DM erlöste, sowie um ein Gemälde der Porträtmalerin Vilma Parlaghy.
  • Bönnigheimer Zeitung, 08.03.2007: KULTURGÜTERSTREIT / DOCH GEMÄLDE DER ZÄHRINGER-STIFTUNG VERKAUFT - Grünen-Kritik: Chaos im Wissenschaftsministerium
    Dem Wissenschaftsministerium fehlt in Sachen badische Kulturgüter offenbar seit langem der Überblick. Auf Anfrage des Grünen-Abgeordneten Jürgen Walter musste es jetzt doch eine falsche Beurteilung aus dem Jahr 1995 einräumen, die noch im Januar wiederholt worden war. Damals habe eine Überprüfung ergeben, dass unter den vom Haus Baden zur Versteigerung ausgeschriebenen Kunstwerken keine Gegenstände aus der Zähringer-Stiftung waren. Die hätten nicht verkauft werden dürfen. Jetzt korrigierte sich das Ministerium. Das Bild "Hirtenidylle", für das das Adelshaus 60 000 Mark erlöste, war Teil der Zähringer-Stiftung. Es gebe auch Hinweise auf ein weiteres Bild. Inzwischen sei die Stiftungsaufsicht eingeschaltet. Andererseits werde derzeit von der Expertengruppe "Eigentumsfragen Baden" geprüft, ob die Zähringer-Stiftung überhaupt rechtswirksam errichtet worden sei.
  • Schwäbische Zeitung online, 08.03.2007: Seltsame Blüten im Handschriftenstreit
    Der Streit um die Eigentumsverhältnisse wertvoller Kunstschätze im so genannten Handschriftenstreit in Baden-Württemberg treibt immer seltsamere Blüten. Nachdem Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Versteigerung kostbarer Gemälde Mitte der 90er Jahre aufgekommen waren, wird inzwischen sogar die legale Existenz der Zähringer-Stiftung selbst in Frage gestellt. Von den Besitzverhältnissen innerhalb dieser Stiftung hing damals der Verkauf der Bilder ab. Zunächst war die Stiftung als Eigentümerin der Kunstwerke ausgeschlossen und der Verkauf damit erlaubt worden. Inzwischen gibt es Vermutungen, die Bilder hätten doch der Stiftung gehört. «Uns liegt ein unabhängiges Gutachten eines Juristen vor, der die Stiftung für nicht wirksam errichtet hält», sagte am Donnerstag eine Sprecherin des Stuttgarter Wissenschaftsministeriums. Im Jahr 1995 waren zwei Bilder vom Londoner Auktionshaus Sotheby's veräußert worden, die zumindest nach damaligen Erkenntnissen des Ministeriums nicht im Besitz der Stiftung waren. Vor wenigen Monaten räumte das Ministerium allerdings ein, dass vielleicht doch Gegenstände aus dem Bestand der Stiftung versteigert wurden. «Es ist allerdings unklar, inwieweit die Stiftung wirksam entstanden ist», hieß es in der Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Landtag.
07.03.2007:
  • SPD-Landtagsfraktion, 07.03.2007: Nun also doch: Gemälde aus dem Bestand der Zähringer-Stiftung vom Haus Baden versteigert
    MdL Johannes Stober: "Nachdem sich Zusicherungen des Hauses Baden über die Unversehrtheit der Zähringer-Stiftung in Luft auflösen, muss das Land seine vertrauensselige Strategie endgültig aufgeben"
    Landesregierung soll umgehend Regress-Ansprüche prüfen
    Die heute bekannt gewordene Versteigerung eines Bildes aus den Beständen der Zähringer-Stiftung durch das Haus Baden wirft nach Auffassung des Karlsruher SPD-Abgeordneten Johannes Stober ein neues Licht auf die beabsichtigte Übereinkunft zwischen dem Land und dem Haus Baden. Denn das Land hatte im Jahr 1995 im Vorfeld der Versteigerung das Haus Baden schriftlich darauf hingewiesen, dass Sammlungsgegenstände aus der Zähringer-Stiftung nicht veräußert werden dürfen. Das Haus Baden hatte daraufhin zugesichert, dass die Bestände der Zähringer-Stiftung unversehrt blieben.
  • Die Grünen / Landtag von Baden-Württemberg, Pressemitteilung, 07.03.2007: Nächste Runde im Handschriftenstreit: Nun wohl doch Gemälde der Zähringer Stiftung versteigert
    Jürgen Walter: "Chaos im Wissenschaftsministerium"
    "Im Wissenschaftsministerium geht's in der Frage der badischen Kulturgüter nur noch drunter und drüber. Im heillosen Chaos, das da offensichtlich herrscht, hat auch der zuständige Minister Frankenberg längst den Überblick verloren", erklärte der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Landtag Jürgen Walter. Nur so könne er sich das hin und her erklären, das sich um eine "eigentlich ganz simple Frage" entwickelt habe, ob nämlich bei einer Versteigerung von Sothebys Besitzgegenstände der Zähringer Stiftung veräußert wurden. Bei der ersten Anfrage der Landtagsgrünen von Dezember letzten Jahres, so Walter, gab es Anfang Januar von Seiten des Wissenschaftsministers dazu noch ein klares nein. Mit Bezugnahme auf Äußerungen des Markgrafen von Baden wurde erklärt, kein einziges Gemälde sei bei der besagten Auktion zur Versteigerung angestanden. Walter:"Unsere eigenen Recherchen in Karlsruhe ergaben dann allerdings klare Hinweise darauf, dass sehr wohl mindestens ein Bild der Zähringerstiftung bei der damaligen Auktion versteigert wurde": das Gemälde "Hirtenidylle" von Otto Eduard Saal war im Auktionskatalog aufgeführt; in den Verzeichnissen der Großherzoglichen Gemäldesammlung aus dem Jahr firmiert dieses Gemälde unter dem Titel Zigeunerfamilie.
  • Badische Neueste Nachrichten, 07.03.2007: Das Haus Baden muss erst einmal warten - Staatssekretär Dietrich Birk vor der Kulturkonferenz der Technologieregion
    "Das Land kann sich nicht unter Druck setzen lassen", erklärte jetzt Dietrich Birk vor der Kulturkonferenz der Technologieregion Karlsruhe. Der Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst nahm mit seiner Aussage Bezug auf die neuerlichen Bemühungen der Adelsfamilie von Baden, vom Land Baden-Württemberg 70 Millionen Euro zu erhalten. Dieser Betrag wird zum Teil als eine Art Aufwandsentschädung (30 Millionen), zum Teil als Finanzsockel für eine Stiftung zum Erhalt von Schloss Salem (40 Millionen) verstanden. Die Forderung des Hauses Baden hatte im Herbst zum so genannten Handschriftenstreit geführt. In dessen Verlauf hatte sich gezeigt, dass sich offenbar einiges von dem, was die Familie als Kompensation für den Millionenbetrag anbot, im Eigentum der öffentlichen Hand befindet. Daraufhin wurde eine Expertenkommission eingerichtet, deren Arbeit jetzt nicht gestört werden soll. Birk: "Wir können jetzt nicht so tun, als ob nichts passiert wäre." Selbstverständlich sei seitens der Landesregierung die Tür "nicht zugeschlagen". Allerdings brauche die sorgfältige Begutachtung der Sachverhalte ebenso Zeit wie die anschließende Bewertung des Sachverständigenberichts und die daraus folgenden politischen Konsequenzen. Ähnlich argumentierte gestern Ministerpräsident Günther H. Oettinger. ...
  • Badische Neueste Nachrichten, 07.03.2007: Kommt Zeit, kommt Rat / von Michael Hübl
    Im so genannten Kulturgüterstreit kommen gegenwärtig aus Stuttgart klare Signale: Die Arbeit der Expertengruppe, die prüfen soll, welche der vom Haus Baden als Eigentum reklamierten Gegenstände überhaupt noch im Besitz der Adelsfamilie sein könnten, braucht Zeit. Diese Zeit werde man sich nehmen, erklärte dieser Tage Dietrich Birk, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Recht so. Denn inzwischen hat sich gezeigt, dass offenbar auch bei der Versteigerung von badischen Besitztümern vor zwölf Jahren in Baden-Baden die Eigentumsverhältnisse durchaus nicht so eindeutig waren, wie lange angenommen wurde.
  • Badische Neueste Nachrichten, 07.03.2007: Bild aus Zähringer-Stiftung versteigert Entgegen bisherigen Beteuerungen ist bei der Sotheby's-Versteigerung 1995 auf dem Neuen Schloss in Baden-Baden mindestens ein Gemälde aus Beständen der so genannten Zähringer- Stiftung unter den Hammer gekommen. Das geht aus einer Antwort des Kunstministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor. Bei dem Werk handelt es sich um das Stück "Hirtenidylle" von Georg Otto Eduard Saal. Es ist in Band fünf des Auktionskatalogs unter der Nummer 4293 aufgeführt und erzielte einen Erlös von 60 000 Mark. ...
    siehe hierzu Archivalia, 9.2.2007: Kleine Anfrage zur Versteigerung eines Bilds aus der Zähringer Stiftung
  • Badische Zeitung, 07.03.2007: Land bleibt auf Kurs gegenüber Haus Baden
    Im Streit um die Zukunft von Schloss Salem sowie um den Finanzausgleich zwischen dem Lamd und dem Haus Baden hat sich Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) gesprächsbereit gezeigt. In der Sache will er aber hart bleiben. "Der Prinz von Baden hat jederzeit die Möglichkeit, mit der Regierung zu sprechen", sagte er. Am Ablauf ändere das aber nichts.
  • Damals, 07.03.2007: Karlsruher Tulpenbuch im Internet
    Blumenzucht und Blumenmalerei waren eine zeittypische Liebhaberei barocker Fürsten. Insbesondere die Tulpe, erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Europa bekannt geworden, erfreute sich wegen ihrer fast unübersehbaren Sortenvielfalt größter Beliebtheit. Für ihre Zwiebeln wurden zeitweise phantastische Preise gezahlt. Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (1679 - 1738), selbst ein passionierter Gärtner, den man oft schon im Morgengrauen mit dem Spaten hantieren sah, konnte gegen Ende seines Lebens im Karlsruher Schlossgarten mehr als 5000 Tulpensorten bewundern. Die Badische Landesbibliothek bewahrt einen Band mit 72 Blumendarstellungen aus der Zeit Karl Wilhelms (um 1730). Dieses berühmte Karlsruher Tulpenbuch ist jetzt im Internet frei zugänglich.
  • Bönnigheimer Zeitung, 07.03.2007: HAUS BADEN - Oettinger ist gesprächsbereit
    Im Streit über die Zukunft von Schloss Salem hat sich Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) gesprächsbereit gezeigt, in der Sache will er aber hart bleiben. "Der Prinz von Baden hat jederzeit die Möglichkeit, mit der Regierung zu sprechen", sagte Oettinger gestern in Stuttgart zur Forderung von Bernhard Prinz von Baden, die Gespräche über badische Kulturgüter wieder aufzunehmen. Am Ablauf ändere das aber nichts, sagte der Regierungschef. "Erst die Gutachter, dann die Folgerungen und dann die Entscheidungen." Oettinger sagte, die Prüfung der Eigentumsfragen werde spätestens in einem halben Jahr abgeschlossen sein. Er rechne nicht damit, dass das Haus Baden das Schloss mit seinen Sammlungen verkaufen wolle. "Ich glaube nicht, dass das eine Drohung war", sagte der Ministerpräsident.
06.03.2007:
  • Archivalia, 06.03.2007: Salemer Lügenmärchen
  • live-pr, 06.03.2007: Baden-württembergische Regierung will sich im Kulturgüter-Streit nicht unter Druck setzen lassen - Oettinger wartet im Kulturgüter-Streit Gutachten ab
    Die baden-württembergische Landesregierung will sich im Kulturgüter-Streit mit dem Markgrafenhaus Baden nicht unter Druck setzen lassen. Das Land halte an seinem Vorgehen fest, zunächst die Eigentumsfragen von Experten klären zu lassen, sagte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) am Dienstag in Stuttgart.
    Die baden-württembergische Landesregierung will sich im Kulturgüter-Streit mit dem Markgrafenhaus Baden nicht unter Druck setzen lassen. Das Land halte an seinem Vorgehen fest, zunächst die Eigentumsfragen von Experten klären zu lassen, sagte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) am Dienstag in Stuttgart. Er stellte jedoch in Aussicht, dass die hierfür eingesetzte Kommission ihre Arbeit in weniger als einem halben Jahr beenden wird. Dann könne über die Schlussfolgerungen beraten werden.
  • Kulturinformationszentrum des Deutschen Kulturrates und der ConBrio Verlagsgesellschaft, 06.03.2007: Oettinger wartet im Kulturgüter-Streit Gutachten ab
    Die baden-württembergische Landesregierung will sich im Kulturgüter-Streit mit dem Markgrafenhaus Baden nicht unter Druck setzen lassen. Das Land halte an seinem Vorgehen fest, zunächst die Eigentumsfragen von Experten klären zu lassen, sagte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) am Dienstag in Stuttgart. Er stellte jedoch in Aussicht, dass die hierfür eingesetzte Kommission ihre Arbeit in weniger als einem halben Jahr beenden wird. Dann könne über die Schlussfolgerungen beraten werden. Der Generalbevollmächtigte des Adelshauses, Bernhard Prinz von Baden, hatte in der vergangenen Woche eine schnelle Lösung in der Auseinandersetzung angemahnt. Er forderte das Land auf, den ursprünglich geplanten Vergleich einzugehen, wonach das Markgrafenhaus für den Erhalt von Schloss Salem 70 Millionen Euro erhalten soll und im Gegenzug zahlreiche Kunstgegenstände in Landesbesitz übergehen würden. Allerdings ist strittig, ob die Kulturgüter überhaupt noch dem Haus Baden gehören oder nicht zumindest teilweise längst Landeseigentum sind.
  • südwest presse, 06.03.2007: Oettinger: Prinz von Baden kann jederzeit mit Regierung sprechen
    Im Streit über die Zukunft von Schloss Salem hat sich Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) gesprächsbereit gezeigt, in der Sache will er aber hart bleiben. «Der Prinz von Baden hat jederzeit die Möglichkeit mit der Regierung zu sprechen», sagte Oettinger am Dienstag in Stuttgart zur Forderung von Bernhard Prinz von Baden, die Gespräche über badische Kulturgüter wieder aufzunehmen. Am Ablauf ändere das aber nichts, sagte der Regierungschef. «
05.03.2007:
  • Archivalia, 05.03.2007: "Computergenealogie" lobt ARCHIVALIA
    ... Ein wirkliches Verdienst hat sich dieses Weblog durch die akribische Aufklärungsarbeit zu unrühmlichen Vorgängen im Umgang mit Kulturgut erworben. Dies reicht von der Dokumentation fragwürdiger Angebote historischer Dokumente, so z. B. Angebote von Kirchenbüchern bei Ebay, bis hin zur Aufdeckung und kritischen Aufarbeitung von Vorgängen der Zerstörung von Kulturgut im großen Stil. Aktuell wird die Vernichtung eines Teils einer Kapuzinerbibliothek an der Universitätsbibliothek Eichstätt thematisiert. Es geht in diesem Fall um 83 Tonnen (!) historischer Bücher, schätzungsweise 100.000 Bücher sind im Altpapier gelandet. Spätestens jedoch seit dem "Badischen Handschriftenskandal", der zunächst Provinzposse zu sein schien, dann jedoch national wie international in der Fachwelt und bei der interessierten Öffentlichkeit für Aufsehen sorgte, ist Archivalia zum Wächter von solchen Kulturgütern avanciert, die im Allgemeinen weniger Aufmerksamkeit finden. ...
04.03.2007:
  • Der Sonntag, 04.03.2007: Prinz Bernhard macht Druck
    Das von Geldnöten gebeutelte Adelshaus Baden fordert mehr Tempo in Sachen "Schloss Salem am Bodensee". Prinz Bernhard von Baden hat jetzt öffentlich an die Politik appelliert, sich für die langfristige Sicherung der Anlage einzusetzen. Der Zug zur Rettung sei noch nicht abgefahren, sagte der älteste Sohn von Markgraf Max bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. "Aber dieser Zug sollte sich auch nicht durch immer neue politische Manöver auf ein Abstellgleis geschoben werden." Das Geld für den langfristigen Unterhalt der Anlage könne von der Familie nicht alleine aufgebracht werden: "Ein Mäzenatentum wie in den vergangenen Jahrzehnten wird unserem Haus künftig nicht mehr möglich sein." Die Verhandlungen mit der Stuttgarter Landesregierung und dem Haus Baden über die Einbringung des Schlosses in eine Stiftung liegen zurzeit auf Eis. Hintergrund ist der Streit über den Umgang mit badischen Kulturgütern.
  • Archivalia, 04.03.2007: Badische Verfassung von 1818
  • Archivalia, 04.03.2007: Ettlingers Studie zu den Urprovenienzen der Karlsruher Handschriften
03.03.2007:
  • F.A.Z., 03.03.2007: Zurück auf Los - Prinz Bernhard will mit Oettinger wieder über die badischen Kunstschätze verhandeln
    Fast hätte man glauben können, Prinz Bernhard von Baden hätte die finanziellen Schwierigkeiten seiner Familie ohne die Hilfe des Landes gelöst. Seitdem Historiker und Juristen über die strittigen Eigentumsfragen der badischen Kunstschätze in einer eigens hierfür eingerichteten Kommission beraten, war von dem früheren markgräflichen Herrscherhaus wenig zu hören. Nun hat sich Bernhard Prinz von Baden zurückgemeldet: mit der Broschüre "5 vor 12", in der gleich auf der ersten Seite die restaurierte Turmuhr des Salemer Münsters gezeigt wird, und mit einem Appell an die baden-württembergische Landesregierung: "Ich kann nicht warten, es wäre ein Signal, wenn die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Ein Mäzenatentum wie in den vergangenen Jahrzehnten wird unserem Haus künftig nicht mehr möglich sein", sagte Prinz Bernhard.
  • Badische Neueste Nachrichten, 03.03.2007: "Zaudern und Zagen gefährdet die Zukunft" - Prinz Bernhard fordert Verhandlungen über Salem
    Die Uhr am Münster der Salemer Schlossanlage zeigt fünf vor zwölf. Das doppelseitige Fotomotiv in der Imagebroschüre ist mit dramaturgischem Gespür gewählt. Genauso wie der Ort für den Appell: Das Stuttgarter Haus der Geschichte. Hier, einen Steinwurf vom Landtag entfernt, zieht sich Bernhard Prinz von Baden noch einmal den Windsorknoten der weinroten Krawatte zurecht, dann begrüßt er routiniert Dutzende Journalisten, Fotografen und Kameraleute. Der Presserummel im sonst eher stillen Museum überrascht allenfalls die Pförtner. "Da müssen wir groß einsteigen", meldet einer der Reporter schon mal per Handy an seine Redaktion: "Ein Prinz mit Geldsorgen - das wollen die Leute sehen." Der Bevollmächtigte des Hauses Baden bevorzugt erst einmal andere Worte. Er wirbt für einen "fairen Ausgleich" und schildert den Wunsch seiner Familie, Schloss Salem in eine gemeinnützige Kulturstiftung zu überführen, die aus privaten Mitteln finanziert werden soll. "Dazu wäre meine Familie im Stande, wenn sie als Ausgleich für ihren Verzicht auf die ehemals großherzoglichen Sammlungen 70 Millionen Euro erhält." Das Land, so sagt der Prinz, bekommt dann Kunstschätze, deren tatsächlicher Wert weit über der Vergleichssumme liege.
  • Badische Neueste Nachrichten, 03.03.2007: Schaden auf beiden Seiten
    Eines muss man dem künftigen Familienoberhaupt des Hauses Baden schon lassen: Im Gegensatz zu seinem Vater Markgraf Max versteht Prinz Bernhard die Klaviatur der Mediengesellschaft zu bedienen. Imagebroschüren, musikalische Open-Air-Veranstaltungen, ein Tag der offenen Tür: Der Erbprinz weiß mittlerweile ganz genau, dass er die Menschen gewinnen muss, wenn er Schloss Salem retten will. Mittlerweile. Denn der Erkenntnis ging ein unangenehmer Lernprozess voraus. Zunächst nämlich meinten sowohl die Verantwortlichen auf Schloss Salem als auch in der Villa Reitzenstein, sie könnten im stillen Kämmerlein einen millionenschweren Deal aufs Gleis setzen: Badisches Kulturgut würde veräußert, und Geld käme in die Kasse der Adelsfamilie, damit das Schloss am Bodensee fit gemacht werden kann für die Zukunft. Dass solches Jonglieren mit viel Steuergeld unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Irrtum war, räumte der badische Prinz gestern ein.
  • Süddeutsche Zeitung, 03.03.2007: Prinzenrolle - Handschriftenstreit: Haus von Baden setzt Landesregierung unter Druck
    Im vergangenen Jahr schien es manchen so, als sitze da ein Prinz am Bodensee, der Baden-Württembergs Kunstschätze verkaufen will, die dem Land schon gehören. Ein Prinz, der mittelalterliche Handschriften verkaufen möchte, um die Familienkasse aufzubessern. An diesem Freitag ist Bernhard Prinz von Baden nach Stuttgart gekommen und sagt: "Wir haben unser Kernanliegen, den Erhalt von Schloss Salem, nicht richtig deutlich machen können." Um sein Kernanliegen zu verdeutlichen hat er eine schöne Broschüre mitgebracht, die auf vielen Seiten die Historie und Nutzung von Schloss Salem dokumentiert, dessen Hausherr er ist.
  • BILD, 03.03.2007: Verkauft der Prinz von Baden Schloss Salem? - Der Adel verliert die Geduld ...
    Bernhard Prinz von Baden (38) reiste gestern in Stuttgart an, machte Druck für die Rettung von Schloss Salem. Grund: Die Markgrafen-Familie will das Anwesen in eine Stiftung umwandeln, verlangt aber dafür 70 Mio. Euro vom Land. Als Ministerpräsident Günther Oettinger (53, CDU) dafür wertvolle Handschriften verkaufen wollte, brach Streit aus. Seit vergangenen Herbst liegen die Verhandlungen mit dem Haus Baden auf Eis (BILD berichtete).
  • Stuttgarter Zeitung, 03.03.2007: Haus Baden: Für Salem ist es fünf Minuten vor zwölf - Adelsfamilie dringt auf neue Verhandlungen mit dem Land / Von Reiner Ruf
    Das Markgrafenhaus Baden hat die Landesregierung aufgefordert, die Gespräche über die badischen Kulturgüter wieder aufzunehmen. Für das Schloss Salem stehe die Uhr auf fünf Minuten vor zwölf. Das Kunstressort reagierte reserviert. Derzeit herrscht Funkstille zwischen der Landesregierung und der Adelsfamilie, die einst die Großherzöge von Baden stellte. Doch dem Markgrafenhaus scheint die Zeit davonzulaufen. Bei einem Presseauftritt gestern in Stuttgart verwies der Generalbevollmächtigte der Familie, Bernhard von Baden, auf seine Verhandlungen mit den Banken, die "in der Phase des Stillstands der Gespräche mit dem Land nicht immer angenehm" verliefen. Der Vorstoß der Markgrafenfamilie überraschte, arbeiten doch gerade Experten im Auftrag der Landesregierung daran, die Eigentumsverhältnisse diverser Kunst- und Kulturgütersammlungen zwischen Land und Adelshaus abschließend zu klären. Aus dem Wissenschaftsressort verlautete denn auch, für die Arbeit der Kommission gelte der Grundsatz: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Im vergangenen Jahr hatten die Landesregierung und das Markgrafenhaus einen Vergleich ausgehandelt, der aber nach einem Proteststurm ausgesetzt wurde. Beide Seiten hatten beabsichtigt, Handschriften und frühe Drucke aus der badischen Landesbibliothek im Wert von etwa 70 Millionen Euro zu verkaufen. Im Gegenzug wollte die Adelsfamilie auf Kunstsammlungen und andere Kulturgüter wie zum Beispiel Waffen und Münzen endgültig zu Gunsten des Landes verzichten.
  • Badische Zeitung, 03.03.2007: Prinz von Baden droht mit dem Verkauf Salems
    Bernhard Prinz von Baden macht Druck: Wenn das Land nicht bald zu einem "fairen Ausgleich" mit seiner Familie bereit sei, müsse die Familie die kulturhistorisch wertvolle Schlossanlage Salem verkaufen. Andernfalls drohe der Ruin des Familienunternehmens.
  • Badische Zeitung, 03.03.2007: Land, Haus Baden und Salem - Kein Grund zur Hast
    Da geht es dem Prinzen von Baden wie bürgerlichen Leuten: Wenn die Zinsen ticken, wird man nervös. Zumal bei so hohen Schulden, wie sie das Haus Baden hat. So selbstverständlich es also ist, dass Bernhard von Baden das Land zum raschen Handeln auffordert - seine private Notlage rechtfertigt keine unnötige Eile. Denn was Hast dem Land einbrockt, hat das erste Kapitel beim Versuch gezeigt, eine Adelsfamilie vor dem Ruin zu retten.
  • Badische Zeitung, 03.03.2007: Für den Prinzen ist es "fünf vor zwölf" - Haus Baden dringt auf baldigen "fairen Ausgleich" mit dem Land / Imagekampagne soll Öffentlichkeit sensibilisieren
    Symbolträchtig hatte Bernhard Prinz von Baden die Presse gestern ins Stuttgarter Haus der Geschichte eingeladen, wo er Vorstandsmitglied des Kuratoriums ist. In Sichtweite von Landtag und Landesregierung fordert der 36-jährige dazu auf, rasch wieder das "politische Fenster" zu öffnen für einen "fairen Ausgleich" der Interessen des Landes und der des Hauses Baden.
  • SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 03.03.2007: Haus Baden geht in Offensive - Prinz Bernhard droht mit Verkauf - Neue Broschüre wirbt für "kulturhistorisches Erbe"
    Prinz Bernhard von Baden reiste dorthin, wo seiner Meinung nach "über die Zukunft Salems entschieden" wird: nach Stuttgart. Dort machte er gestern vor den Landesmedien Druck Richtung Landesregierung, wieder zu verhandeln. Andernfalls drohe der Verkauf.
    "Salem. Wirtschaftlicher Motor der Region. Seit rund 900 Jahren. Die Zisterzienser kamen. Kontemplation. Gotteslob. Aber auch: Ständige Arbeit. (...) Salem heute: In vielen Bereichen am Puls der Zeit. Einfallsreichtum und Schaffenskraft aus dem Musterländle. Wirtschaftliche Impulse für die gesamte Region" heißt sie. Solche Sätze finden sich in einer neuen Broschüre: "Von hier aus... - Verantwortung für die Zukunft des kulturhistorischen Erbes Salem". Dass sie erscheint, kommt nicht von ungefähr. Es gilt, positive Stimmung für das Haus Baden zu machen. Seit die Verhandlungen über den Vergleich mit dem Land geplatzt sind, wehrt sich der Prinz gegen den Ruf, in abzockerischer Manier beim Land vorstellig geworden zu sein. Zunächst verhalten, nun offensiver. Deshalb auch die Broschüre, die keinen Winkel der Schlossanlage Salem unfotografiert lässt. Alles soll dokumentiert und gezeigt werden zu dem Zweck, die Werthaltigkeit dieser Gemäuer der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Nicht nur das kleine Dokumentenbuch dient dazu. Auch ein Tag der offenen Tür am 22. April soll den Menschen die Schönheiten und die Vielfalt der Nutzung (Tradition, Bildung, Arbeit) zeigen, ihnen vermitteln, was der Unterhalt einer solch "gewaltigen Anlage" mit sich bringt. Über genaue Zahlen spricht Prinz Bernhard nicht. Das, retourniert er auf Journalistenfragen, sei Bestandteil der Steuererklärung seines Vaters. Wichtig sei, dass das Haus Baden kein Geld für den Unterhalt habe.
  • SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 03.03.2007: Der Prinz droht mit "Plan B"
    Bernhard Prinz von Baden macht Druck: Werde die Landesregierung die Verhandlungen über eine Salem-Stiftung nicht bald wieder aufnehmen, drohe ein Verkauf der Schlossanlage.
    Die Broschüre ist stattlich - und einmalig. Auf fast 50 Seiten im Hochformat dokumentiert das Haus Baden erstmals Tun und Wirken in Salem. "Von hier aus" heißt das Werk und will beweisen, warum es verantwortungslos wäre, dieses kulturhistorische Erbe am Bodensee zu verschleudern. Mehr als 30 Millionen Euro kostete die Renovierung der historischen Anlage in den letzten beiden Jahrzehnten - 30 Millionen Euro, die der forst- und landwirtschaftliche Betrieb des Hauses Baden nicht abwarf. Schulden waren die Folge. Nun steht man bei den Banken in der Kreide. Seit Details eines angestrebten Vergleichs ruchbar wurden, wonach das Land 70 Millionen Euro aus Verkäufen von Kunstschätzen an den Markgrafen überweist und dieser daraus nicht nur Schulden abträgt, sondern auch eine gemeinnützige Stiftung ins Leben ruft, schlugen die Wellen hoch. Die Folge war das Aussetzen weiterer Verhandlungen. Noch gilt ein zwischen Haus Baden und den Geldhäusern ausgehandeltes Moratorium - ein Stillhalteabkommen, das laut Prinz Bernhard aber brüchig zu werden droht.
  • SÜDKURIER, Tageszeitung für Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein, 03.03.2007: Haus Baden
    Prinz Bernhard von Baden steht seit 1998 mit damals 28 Jahren als Generalbevollmächtigter an der Spitze der ehemaligen Fürstenfamilie. Zuvor lenkte dessen Vater Markgraf Max von Baden die Geschicke des Hauses - nicht durchgängig erfolgreich. Die Sanierung der mit 264 Millionen Euro hoch verschuldeten markgräflichen Betriebe begann 1993. Es kam zu Entlassungen großen Stils. Beteiligungen und Schlösser - unter anderem das Alte Schloss in Baden-Baden - wurden verkauft. Heute sieht sich das Haus Baden als "land- und forstwirtschaftliches Unternehmen" mit 4000 Hektar Waldfläche, 700 Hektar landwirtschaftlicher Fläche sowie 130 Hektar Weingütern.
  • Bönnigheimer Zeitung, 03.03.2007: KULTURGÜTERSTREIT / AUSGLEICH GEFORDERT - Haus Baden geht in die Offensive / Schloss Salem nicht länger zu halten
    Das Haus Baden wird ungeduldig: Das Land müsse jetzt zügig den geplanten Ausgleich suchen, sonst sei Schloss Salem für die Öffentlichkeit verloren. Symbolträchtig hatte Bernhard Prinz von Baden die Presse gestern ins Stuttgarter Haus der Geschichte geladen, wo er Vorstandsmitglied des Kuratoriums ist. In Sichtweite von Landtag und Regierung forderte der 36-Jährige dazu auf, rasch wieder das "politische Fenster" zu öffnen für einen "fairen Ausgleich" der Interessen des Landes und denen des Hauses Baden. Gelinge dies nicht bald, müsse "das kulturhistorische Erbe Schloss Salem in letzter Konsequenz aufgelöst und verkauft werden", sagte der Prinz: "Es ist fünf vor zwölf." Er schloss auch nicht aus, dann schon vorher das seiner Familie gehörende Schloss für den intensiven Publikumsverkehr - jährlich kommen an die 130 000 Besucher - zu schließen, um auf diese Weise kurzfristig die laufenden Kosten zu senken.
  • Böblinger/Sindelfinger Zeitung, 03.03.2007: Haus Baden droht mit Verkauf von Schloss Salem
    Das badische Adelshaus droht mit dem Verkauf von Schloss Salem, falls ein Vergleich mit dem Land im Streit um den markgräflichen Kunstbesitz scheitert. Die Adelsfamilie sieht sich außer Stande, die Anlage weiter zu finanzieren. Zuletzt ist es ruhig geworden an dieser Front. Das Thema liegt auf Eis, seit sich die Landesregierung im Herbst die Finger beim Versuch verbrannte, den Vergleich mit dem Verkauf historischer Handschriften zu finanzieren: Geld für das frühere Fürstenhaus, das seinerseits alle Kunstwerke an das Land abtreten wollte. Als sich dann aber herausstellte, dass mindestens zwei der vielen Gemälde ohnehin schon dem Land gehören, setzte die Regierung erst einmal eine Expertenkommission ein: Diese prüft gerade, wie es um die Besitzrechte von Bildern, Büchern und früherer Kriegsbeute wirklich bestellt ist. Vor September, so ist zu hören, ist nicht mit einem Ergebnis zu rechnen. Das aber dauert Bernhard Prinz von Baden zu lang. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Stuttgarter Haus der Geschichte warb der 36-Jährige noch einmal für das Modell, wie er es im vergangenen Jahr mit Landesvertretern ausgehandelt hat: Seine Familie erhält 70 Millionen Euro und verzichtet dafür im Gegenzug auf alle Besitzansprüche an den umstrittenen Kunstwerken: "Wie das bezahlt wird, kann ich nicht beantworten, klar ist aber, dass wir das politische Fenster für Verhandlungen wieder öffnen müssen."
  • Böblinger/Sindelfinger Zeitung, 03.03.2007: Zweiter Anlauf
    Adel schützt vor Pleite nicht. Das Haus Baden ist ein Wirtschaftsbetrieb, der in den letzten Jahren eher schlecht als recht über die Runden kam. Warum auch sollte es der früheren Herrscherfamilie besser ergehen als anderen Mittelständlern? Wenn dann noch ein Erbe der Größe Salems die Bilanz trübt, spürt auch ein einstmals so reiches Haus wie das badische die Macht der Banken. Das neuerliche Drängen, das Land möge sich endlich am Erhalt des Schlosses beteiligen, lässt den Griff der Gläubiger erahnen. Das Land kann seine Hilfe letztlich nicht verweigern, denn die kulturhistorisch herausragende Anlage überfordert die Kräfte eines Privatmanns. Es liegt auch nahe, dies zusammen mit den Besitzrechten an anderen Kunstwerken zu regeln. Die ursprüngliche Idee der beiden Verhandlungspartner, einen Vergleich zu suchen, macht also immer noch Sinn. Doch diesmal bitte mit mehr Professionalität. Ein zweites Mal darf es den Unterhändlern des Landes nicht mehr passieren, dass sie um Bilder feilschen, deren Eigentumsrechte längst geklärt sind. Wenn sie sich mit den Badenern erneut an den Tisch setzen, sollten sie wissen, wovon sie reden. Diese Information muss aber nun erst einmal eine Historikerkommission nachliefern, die Kunstwerk für Kunstwerk unter die Lupe nimmt.
02.03.2007:
  • Die Grünen / Landtag von Baden-Württemberg, Pressemitteilung, 02.03.2007: Jürgen Walter: "Druck des Prinzen ist nicht hinnehmbar"
    Jürgen Walter, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, kritisierte den Versuch von Bernhard Prinz von Baden, das Land durch die Androhung einer Umwidmung und nachfolgenden Verkaufs von Schloss Salem zu einer zügigen Zahlung von 70 Mio. € zu bewegen. Jürgen Walter: "Der Prinz ist offensichtlich nicht bereit, zu einem fairen Ausgleich zwischen Land und dem Haus Baden zu kommen. Erst die Ergebnisse der Expertenkommission werden zeigen, was dem Haus Baden wirklich zusteht. Die Behauptung des Hauses Baden, dass ihm Kunstschätze gehörten, die weit über dem angepeilten Vergleichswert von 70 Mio. € liegen, ist nach den Einschätzungen einzelner Kunstwerken, aber auch im Hinblick auf die Rechtskräftigkeit der Zähringer-Stiftung, höchst zweifelhaft. Jetzt rächt sich, dass die Landesregierung dem Hause Baden offensichtliche Versprechungen gemacht hat, die sie jetzt angesichts der vielen Erkenntnisse nicht mehr halten kann."
    Walter betonte, dass endlich eine klare Trennung zwischen der unstrittig erforderlichen Erhaltung des Schloss Salem als öffentlichem Kulturgut und der Klärung der Eigentumsverhältnisse der Großherzoglichen Sammlungen erfolgen muss: "Durch die sachlich nicht gerechtfertigte Verbindung zwischen den badischen Kunstschätzen und der Erhaltung von Salem versucht der Prinz offensichtlich, das Land unter Druck zu setzen und dies zu einer ungeprüften Zahlung von 70 Mio. € zu bewegen." Walter forderte den Prinzen auf, zunächst die Ergebnisse der Expertenkommission abzuwarten. Walter: "Wir sperren uns nicht gegen einen Vergleich, dieser muss aber auf einer rechtlich einwandfreien Grundlage stattfinden und den Erhalt aller badischer Kunstschätze für die Öffentlichkeit sicher stellen."
  • swr, 02.03.2007: Prinz von Baden mahnt Einigung über Schloss Salem an
    In der Diskussion um den Erhalt von Schloss Salem am Bodensee hat Bernhard Prinz von Baden an die Politik appelliert, sich für die langfristige Sicherung der Anlage einzusetzen. Das Geld für den langfristigen Unterhalt der Anlage könne von der Familie nicht alleine aufgebracht werden.
    "Ein Mäzenatentum wie in den vergangenen Jahrzehnten wird unserem Haus künftig nicht mehr möglich sein", so von Baden. "Es ist fünf vor zwölf für den Fortbestand des kulturhistorischen Erbes von Schloss Salem. Der Zug zur Rettung ist noch nicht abgefahren, sollte aber auch nicht durch immer neue politische Manöver auf ein Abstellgleis geschoben werden."
    Haus Baden verlangt 70 Millionen Euro für Kunstschätze
    Die Verhandlungen zwischen der Stuttgarter Landesregierung und dem Haus Baden über die Einbringung des Schlosses in eine Stiftung liegen zurzeit auf Eis. Hintergrund ist der Streit über den Umgang mit den badischen Kulturgütern. Von Baden bekräftigte, sein Haus sei im Sinne eines fairen Ausgleichs bereit, auf die ehemals großherzoglichen Sammlungen rechtsverbindlich zu verzichten. Schloss Salem würde in eine gemeinnützige Kulturstiftung übertragen und aus privaten Mitteln des Hauses Baden finanziert. "Hierzu wäre meine Familie im Stande, wenn sie als Ausgleich für ihren Verzicht auf die Sammlungen 70 Millionen Euro erhält." Er schloss aber auch eine rechtliche Auseinandersetzung nicht aus. ...
  • Archivalia, 02.03.2007: Bernhard Markgraf von Baden schließt rechtliche Auseinandersetzung nicht mehr aus
  • Kulturinformationszentrum des Deutschen Kulturrates und der ConBrio Verlagsgesellschaft, 02.03.2007: Markgrafenhaus verlangt im Kulturgüter-Streit schnelle Lösung
    Im Kulturgüter-Streit in Baden-Württemberg fordert das Markgrafenhaus Baden die Landesregierung zu einer schnellen Lösung auf. Der Generalbevollmächtigte des Adelshauses, Bernhard Prinz von Baden, sagte am Freitag in Stuttgart, der geplante Vergleich mit dem Land über Eigentumsverhältnisse an Kulturgütern müsse zügig zu Stande kommen. Das Schloss Salem sei ansonsten als Kulturgut nicht mehr zu halten, warnte er. Eine Auflösung und einen Verkauf des Ensembles schloss der Generalbevollmächtigte dabei nicht aus. Der ursprünglich geplante Vergleich sieht vor, dass das Markgrafenhaus 70 Millionen Euro für bereits erbrachte Sanierungskosten sowie den dauerhaften Erhalt seines Schlosses erhält. Im Gegenzug sollen Kunstgegenstände, deren Eigentumsverhältnisse allerdings strittig sind, in Landesbesitz übergehen. Als bekannt wurde, dass das Land vermutlich einzelne Kunstschätze zurückkaufen wollte, die ihm längst gehören, hatte die Landesregierung die Verhandlungen mit dem Markgrafenhaus ausgesetzt. Derzeit überprüft eine Kommission die Besitzverhältnisse. Bernhard von Baden betonte, für den Fortbestand des kulturhistorischen Erbes von Schloss Salem sei es «fünf vor zwölf». Er blieb dabei bei der Haltung, dass die ehemals großherzogliche Sammlung dem Markgrafenhaus gehöre. Bei den 70 Millionen Euro handle es sich um einen «fairen Ausgleich» für den Verzicht auf die Sammlung, deren tatsächlicher Wert deutlich darüber liege. ...
  • ka-news.de, 02.03.2007: Grüne kritisieren Adelshaus - Prinz will 70 Millionen für Kunstschätze
    In der Diskussion um den Erhalt der badischen Kunstschätze des Hauses Baden und über die Einbringung des Schloss Salem in eine Stiftung, gibt es weiter Unstimmigkeiten. Jürgen Walter, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, kritisiert vor allem den Versuch Bernhards Prinz von Baden, die Landesregierung unter Druck setzen zu wollen. Dieser fordert eine schnelle Lösung und versucht die Landesregierung mit Androhung einer Umwidmung sowie dem Verkauf des Schlosses zu einer Zahlung von 70 Millionen Euro zu bewegen. "Der Prinz ist offensichtlich nicht bereit, zu einem fairen Ausgleich zwischen Land und dem Haus Baden zu kommen", so Walter. Er habe zudem Bedenken an der Behauptung des Hauses Baden, dass ihm Kunstschätze gehören, die weit über dem angepeilten Vergleichswert von 70 Millionen Euro liegen. Nach Einschätzung einzelner Kunstwerke sowie im Hinblick auf die Rechtskräftigkeit der Zähringer-Stiftung sei dies höchst zweifelhaft. Daher fordert er den Prinzen auf, zunächst die Ergebnisse der Expertenkomission abzuwarten, bevor es zu einer ungeprüften Zahlung kommt. Dabei sei es allerdings wichtig, die Erhaltung des Schloss Salem als öffentliches Kulturgut von der Klärung der Großherzoglichen Sammlungen zu trennen. Er sieht darin eine nicht gerechtfertigte Verbindung, mit welcher der Prinz das Land unter Druck setzen möchte. "Wir sperren uns nicht gegen einen Vergleich, dieser muss aber auf einer rechtlich einwandfreien Grundlage stattfinden und den Erhalt aller badischen Kunstschätze für die Öffentlichkeit sicher stellen", so Walter.
  • Märkische Oderzeitung, 02.03.2007: Bernhard Prinz von Baden mahnt zügige Lösung im Kulturgüter-Streit an
    Der Kulturgüter-Streit in Baden-Württemberg nimmt nach einer kurzen Ruhepause wieder an Schärfe zu. Das Markgrafenhaus Baden forderte am Freitag die baden-württembergische Landesregierung auf, sich auf den angedachten Vergleich einzulassen und 70 Millionen Euro zur Rettung von Schloss Salem zur Verfügung zu stellen. "Es ist fünf vor zwölf", warnte der Generalbevollmächtigte, Bernhard Prinz von Baden. Er schloss einen Verkauf des Ensembles nicht aus. Im Stuttgarter Kunstministerium hieß es, "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit". Die Grünen wiesen die Drohungen des Adeligen als "nicht hinnehmbar" zurück. In der Auseinandersetzung geht es um die ehemalige großherzogliche Sammlung, die wertvolle Kunstgüter wie die Markgrafentafel von Hans Baldung Grien umfasst. Ein geplanter Vergleich sieht vor, dass das Markgrafenhaus vom Land 70 Millionen Euro für den Erhalt des Schlosses erhält und die Sammlung im Gegenzug in Landesbesitz übergeht. Allerdings ist strittig, ob die Sammlung oder Teile davon nicht längst dem Land gehören. Die Vergleichsverhandlungen liegen deshalb auf Eis. Derzeit überprüft eine Kommission die Besitzverhältnisse.
  • net-tribune, 02.03.2007: Zukunft von Schloss Salem weiter offen
    In der Diskussion um den Erhalt von Schloss Salem am Bodensee hat Bernhard Prinz von Baden an die Politik appelliert, sich für die langfristige Sicherung der Anlage einzusetzen. Von Baden sagte am Freitag in Stuttgart, der Zug zur Rettung sei noch nicht abgefahren. «Aber dieser Zug sollte sich auch nicht durch immer neue politische Manöver auf ein Abstellgleis geschoben werden.» Das Geld für den langfristigen Unterhalt der Anlage könne von der Familie nicht alleine aufgebracht werden. Der Adelige sagte: «Ein Mäzenatentum wie in den vergangenen Jahrzehnten wird unserem Haus künftig nicht mehr möglich sein.»
  • südwest presse, 02.03.2007: Prinz von Baden: Gespräche über Zukunft von Salem wieder aufnehmen
    Bernhard Prinz von Baden hat die Landesregierung zur Wiederaufnahme der Gespräche über die Zukunft von Schloss Salem aufgerufen. «Es ist fünf vor zwölf für den Fortbestand der kulturhistorischen Erbes von Schloss Salem», sagte der Prinz am Freitag in Stuttgart. Er schloss auch rechtliche Auseinandesetzungen nicht aus. «Das ist aber überhaupt nicht unser Ziel.» Das Haus Baden sei weiter zu einem fairen Ausgleich bereit. Mit einer Imagekampagne sollen Bürger über Salem informiert werden. ...
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