Einladung zur Ausstellung
Büchersammlung U. und K. Schulz: Die Totentänze
Dauer der Ausstellung: 4. Juli - 22. September 2007
Ausstellungsraum der Badischen Landesbibliothek
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9.00-18.00 Uhr, Sa 9.30-12.30 Uhr
- Eintritt frei -
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Plakat zur Veranstaltung
(PDF - 1,3 Mbyte)
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Albrecht Dürer:
Tod und Landsknecht.
1511.
Holzschnitt (82 x 120 mm)
Künstlermonogramm unten rechts und Jahreszahl "1510" oben in der Darstellung.
Den vorliegenden Holzschnitt hatte A. Dürer, in ein Flugblatt intergriert, erstmals 1511 im Selbstverlag herausgegeben.
In dem überaus seltenen Holzschnitt hat Dürer eine eindrucksvolle Konfrontationsszene gestaltet, in der er auf einem, durch
Totenbrett und Beinknochen kenntlichen Friedhof, den personifizierten Tod einem aufwendig gekleideten Landsknecht mit Schwert
und Hellebarde die Sanduhr zeigen lässt. Da diese noch nicht abgelaufen ist, also dessen Lebensende noch nicht gekommen ist,
weist der Tod ihn nur auf seine Endlichkeit und auf sein jederzeit mögliches Sterben hin. In diesem
Sinne liegt hier mehr eine Memento Mori- als eine Totentanzdarstellung vor.
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Totentänze, in denen die Metaphern vom jederzeit möglichen Tod und der Gleichheit aller Menschen vor ihm thematisiert sind, wurden
seit dem 15. Jahrhundert von einer Vielzahl von Künstlern gestaltet. Im Bereich der bildenden Kunst waren es zumeist graphische
Folgen oder Einzeldarstellungen, in denen die Konfrontation von Menschen der unterschiedlichsten Stände mit dem personifizierten
Tod dargestellt wird.
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Hans Holbein.
Hans Holbeins Totentanz neu herausgegeben zu Berlin 1907.
Berlin, Fischer und Franke Verlag, 1907.
In den Jahren 1523-26 hatte sich H. Holbein intensiv mit der Totentanzthematik auseinandergesetzt. Es entstanden das
Totentanzalphabet, der Totentanzreigen auf dem Schweizerdolch und die unvergleichliche Totentanzfolge. Zum großen
Erfolg und der eindrucksvollen Wirkungsgeschichte des Totentanzes hat sicher auch der Mainzer Formschneider H. Lützelburger
beigetragen, der die Druckstöcke geschnitten hatte.
Die heute als "Probedrucke" bezeichnete Abzüge der Lützelburger'schen Druckstöcke sind in Basel angefertigt worden. Diese überaus seltenen
Probedrucke liegen hier als Faksimile der Exemplare des Berliner Kupferstichkabinetts vor.
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Sind Totentänze zunächst in den heilsgeschichtlichen Kontext eingebunden und streng im Sinne der spätmittelalterlichen
Ständeordnung gegliedert, so spiegeln sie im Laufe der Jahrhunderte eine Vielzahl von gesellschaftlichen Veränderungen wider.
Sie zeigen u.a. die Tendenzen der Aufklärung, den Verlust der Ständeordnung, Revolution und das massenhafte Sterben im Krieg bis
hin zur atomaren Bedrohung unserer Tage.
Unbekannter Künstler: Der Kavalier und der Tod/Der Freidank. Worms, S. Wagner, 1538.
Folio (200 x 300 mm), 1 Titelbl. mit Bordüre und 2 Abb., 2 nn. Bl. mit Vorrede und Register, 40 n. Bl. mit 50 Abb.
Die im vorliegenden Druck enthaltenen 50 Holzschnitte wurden von einem vermutlich unbekannten Künstler aus dem
Umkreis H. Baldung Griens geschaffen.
Die Abbildung zeigt die Konfrontationsszene "Der Kavalier und der Tod". In einem Garten sitzen zwei junge,
festlich gekleidete Paare zu Tisch, als der Tod hinzutritt und einen der Kavaliere mit seinem Todespfeil bedroht. Während
die anderen Personen flüchten oder eine abwehrende Haltung einnehmen, greift der Betroffene nach dem hinter ihm liegenden
Schwert, um sich gegen den als Mumie auftretenden Tod verteidigen zu können.
In der Ausstellung werden Totentänze des 15. bis 21. Jahrhunderts der Sammlung K. und U. Schulz gezeigt. Die Bandbreite der
vertretenen Künstler reicht von Dürer, Holbein und Merian über Rethel, Moritz von Schwind und Käthe Kollwitz bis zu Tomi Ungerer.
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Matthäus Merian/Jacques Antony Chovin: La Danse des Morts, comme elle de peinte Dans la louable et celebre ville de
Basle, pour servir de Miroir de la Nature Humaine. Basel, J.R. Imhof, 1789.
Oktav (165 x 205 mm), 2 Titelbl., 93 n. Bl. mit 43 Abb. u. 5 Textvignetten.
Maroquineinband mit Blindprägungen.
Die immer wieder neu abgedruckten Platten von M. Merians 1616 entstandenem Totentanz wurden 1744 von J.A. Chovin und
dann im 19. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler erneut aufgestochen und mit Änderungen und Ergänzungen versehen.
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Die Darstellungen müssen also all die Jahre einen derartigen Anklang gefunden haben, dass die Druckplatten mehr als 200
Jahre lang fast unverändert Verwendung fanden.
In der hier vorliegenden dritten Ausgabe ist auch das am Schluss des Totentanzes eingefügte bemerkenswerte
Vexierbild vorhanden. Das von zwei Seiten lesbare Bild stellt zunächst das Portrait eines Mannes mit breitem Spitzenkragen,
vermutlich das von Merian selbst dar, aus dem, um 180° gedreht, ein grinsender Totenschädel wird.
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Prof. Dr. Ing. Ulrich Schulz und seine Tochter Katrin sammeln seit vielen Jahren engagiert Bücher, Graphiken und Skulpturen.
Neben den 2000 und 2002 in der Badischen Landesbibliothek ausgestellten Inkunabeln und Holzschnittbüchern des 16. Jahrhunderts
haben sie ihre umfangreiche Skulpturensammlung 2006 im Edwin-Scharff-Museum in Neu-Ulm gezeigt.
Anryo/Yasuyoshi: Ein Oni und der Tod. Japan, Anfang 20. Jahrhundert.
Schmucknetsuke (H. 29 mm), Elfenbein.
Signatur unter dem rechten Bein des Oni, gemäß Signaturverzeichnis von Davey kommen als Künstler Anryo (Nr. 27) oder
Yasuyoshi (Nr. 3221) infrage.
Die im japanischen Volksleben seit Jahrhunderten verwendeten Netsuke sind knebel- oder knopfartige Gebilde, die es, mit einer
Kordel am Tabaksbeutel, der Geldbörse, am Schreibbehältnis u.ä. verknotet, ermöglichten, dass diese am Gürtel des Besitzers
verankert werden konnten. Ab dem 16. Jahrhundert wurden diese Netsuke künstlerisch gestaltet und als modisches Requisit angesehen.
Eine derartige, sehr sorgfältig ausgearbeitete Schmucknetsuke liegt hier mit ihrem Behältnis vor. Der personifizierte Tod und der
breit grinsende Teufel (Oni), der auch als Dämon im Dienste der zehn Höllenkönige aufgefasst wird, sitzen sich gegenüber und
beginnen mit einem Kräftemessen. Ähnlich wie beim Armdrücken oder Fingerhakeln, ist hier jeder von ihnen bemüht, den anderen
mit einem um den Hals gelegten Seil zu sich herüber zu ziehen und so seine überlegene Stärke zu demonstrieren.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.
Darin wird zunächst auf die Entstehung der Totentanzsammlung eingegangen, und es wird der Wandel
des Totentanzthemas im Laufe der Jahrhunderte aufgezeigt. Danach werden die vorliegenden Totentänze beschrieben und jeweils
abgebildet. Der Katalog ist während der Dauer der Ausstellung an der Garderobe der Badischen Landesbibliothek erhältlich.
Zu dieser Ausstellung laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein!
Badische Bibliotheksgesellschaft
Badische Landesbibliothek
Pressestimmen
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Der Knochenmann im Spiegel der Kunst
- "Die Totentänze" aus der Sammlung Schulz in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe
(Badische Neueste Nachrichten, 12.07.2007)
Der alte Mann weist den Knochenmann, der vor seiner Tür steht, mit dem Zeigefinger in
Richtung der Tür nebenan. Der Tod ist selten ein willkommener Gast, aber abweisen lässt er
sich nicht. Tomi Ungerer treibt auf seiner Zeichnung makabren Scherz mit dem Motiv
des Totentanzes, dem tradierten Bild vom unvermeidlichen Tod, vor dem alle gleich sind.
...
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