Badische Landesbibliothek
   


Einladung zum Vortrag

Vom 'Buoch von guoter spîse' zu Marx Rumpolt, Anna Wecker, Bartholomäus Platina und Co.: Zur Kochbuch-Überlieferung des Spätmittelalters

Vortrag von Prof. Dr. Trude Ehlert, Würzburg
Dienstag, 17. Juni 2008, 19.30 Uhr
Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek
- Eintritt frei -

Plakat zur Veranstaltung (Format:PDF - Größe:478 kbyte)


Mit dem "Buoch von guoter spîse" (Würzburg, um 1350) beginnt die Überlieferung von deutschsprachige Kochrezeptsammlungen, die sich mit 53 bislang bekannten Handschriften bis zum Ende des 15. Jahrhunderts als die umfangreichste aller europäischen Sprachen erweist. Viele dieser Handschriften zeigen Rezeptgemeinschaften, die auf regen Austausch und schriftliche Weitergabe solcher Rezepte hindeuten.


Daz buoch von guoter spise. - Faks.-Ausg. des ältesten deutschen Kochbuchs von 1350 Daz buoch von guoter spise. - Faks.-Ausg. des ältesten deutschen Kochbuchs von 1350
Ehlert, Trude: Daz buoch von guoter spise. - Faks.-Ausg. des ältesten deutschen Kochbuchs von 1350. - Donauwörth : Auer, 1994. - 61 S. & Beil.: Das Buch von guter spîse: kulinarische Bedeutung und kulturhistorischer Wert von Trude Ehlert. Einband und erste Textseite.
Standortnummer in der Badischen Landesbibliothek: 94 B 50666
Diese Sammlung von etwa 100 Rezepten ist Teil eines Hausbuches, in dem sich weitere deutsche und lateinische Texte finden, darunter eine Sammlung von Liedern des Walther von der Vogelweide. Die Rezeptsammlung ist das älteste deutschsprachige Kochbuch. Es enthält vorwiegend Festtagsrezepte, einfache Gerichte wie Gemüse oder Getreidebrei fehlen.

Daz buoch von guoter spise. - Faks.-Ausg. des ältesten deutschen Kochbuchs von 1350
Ehlert, Trude: Daz buoch von guoter spise. - Faks.-Ausg. des ältesten deutschen Kochbuchs von 1350. Ausschnitt aus der ersten Textseite.
Diz buoch sagt von guoter spise,
Daz machet die vnverrihtigen koeche wise.
Ich wil vech vnderwisen
von den kochespisen:
der sin niht versten kan,
der sol diz buoch sehen an,
wie er groz gerihte kuenne machen
von vil kleinen sachen. ...


Reichenauer Kochbuch
Cod. Aug. Pap. 125, Blatt 113v. Badische Landesbibliothek.

Die Karlsruher Handschrift Aug. Pap. 125 gehört zu den Handschriften, die 1805 aus dem Kloster Reichenau in die Badische Hof- und Landesbibliothek kamen. Es handelt sich um eine spätmittelalterliche Gebrauchsschrift aus dem 15. Jahrhundert. Die Handschrift enthält Schriften für Geistliche, wie z.B. Entwürfe von Predigttexten. Auf den Blättern 108r bis 120r sind Kochrezepte wiedergegeben.
Reichenauer Kochbuch. Cod. Aug. Pap. 125, Blatt 113v. Badische Landesbibliothek.

Reichenauer Kochbuch. Cod. Aug. Pap. 125, Blatt 113v. Badische Landesbibliothek.
Reichenauer Kochbuch Cod. Aug. Pap. 125, Blatt 113v. Badische Landesbibliothek. Der abgebildete Ausschnitt zeigt das Rezept zu einem "Mus von Krebsen".

Krebs
Muß von krepsen
Zu ainem kreps muß nim kreps vnd schnid den kopf zu den ougen da von vnd stoß daz ander in ainen morser vnd nem ain wiß brosem dar vnder vnd trib es mit milch durch ein tuch vnd tu es in ain pfannen vnd mach ain muß dar uß, daz wirt rot.
[1]
Literatur: Das Reichenauer Kochbuch aus der Badischen Landesbibliothek. Edition und Kommentar. Von Trude Ehlert in Verbindung mit Patrick Benz, Rick Chamberlin, Diana Finkele, Barbara Gölz, Erwin Heidt, Wolfgang Höhne, Ruth Karasek, Heike Kränkel, Birgit Mayer, Eberhard Müller, Annette Roser und Nicole Wolf. In: Mediävistik 9/1996, S. 135-188.


Merkwürdigerweise brechen diese Rezeptgemeinschaften mit Beginn der Buchdrucks ab, mit Ausnahme von zwei Handschriften, welche aufgrund ihrer Rezeptidentität als Vorläufer des ersten gedruckten deutschen Kochbuchs, der "Küchenmeisterei" (Passau, 1486; 1. Nachdruck Nürnberg, 1490), anzusehen sind.

Zugleich vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel in der Gestaltung der Rezeptsammlungen: Waren die Rezepte in den Handschriften meist ohne erkennbare Prinzipien aneinandergereiht, so weisen die gedruckten Kochbücher deutliche Ordnungsprinzipien auf, nach denen inhaltlich zusammengehörende Rezepte zueinander gestellt werden. Auch Nummerierungen und Indizes tragen zu größerer Übersichtlichkeit bei.

Wecker, Anna: Neu, köstlich vnd nutzliches Koch-Buch
Wecker, Anna: Neu, köstlich vnd nutzliches Koch-Buch : Jn welchem kurtzlich begriffen, Wie allerhand künstliche Speisen, so wol von zahmen als wilden Thieren: Vögel vnd Federwildprät, grün- vnd gedörtem Fischwerck: Wie auch allerley Gebachens, als Darten, Marcipanen-Pasteten vnd dergleichen; Beneben von viel- vnd mancherley Obs, von Gemüß, für Gesunde vnd Krancke / in allerley Beschwärungen und Gebresten / Auch für schwangere Weiber / Kindbetterinnen / Alt-betagte schwache Personen ... Weyland fleissig beschrieben Durch Frau Anna Weckerin. ... - Basel, 1667.
"Ein new Kochbuch", 1598 von der in Basel geborenen Anna Wecker geschrieben, ist das erste gedruckte deutsche Kochbuch, das von einer Frau geschrieben wurde. Sie war die Ehefrau des Arztes Johann Jacob Wecker in Colmar. Den medizinischen Hintergrund merkt man ihrem Kochbuch an. Sie widmet sich in ihrem Buch auch "Kranken und Pflegebedürftigen" und die Rezepte enthalten weniger Fleisch, dafür aber mehr Gemüse und Getreide.

Fast immer werden Grundzüge der (noch immer mittelalterlichen) Vorstellung von der Gesunderhaltung des Leibs mitgeliefert, so dass der Leser diese medizinischen Ratschläge bei der Auswahl seiner Gerichte berücksichtigen kann. Vielfach bieten gedruckte Kochbücher zudem ausdrücklich Rezepte für Krankenkost. Vorschläge für die Gestaltung von Menüs aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Anlässen oder für verschiedene gesellschaftliche Gruppen geben darüber hinaus dem Gastgeber Orientierung. Inhalt und Gliederung der gedruckten Kochbücher verweisen so auf einen Funktionswandel der Gattung Kochbuch.

Prof. Dr. Trude Ehlert

Trude Ehlert ist Professorin am Lehrstuhl für deutsche Philologie der Universität Würzburg. Die Edition von mittelalterlichen Kochrezeptsammlungen bildet einen ihrer Forschungsschwerpunkte.


Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein!

Badische Bibliotheksgesellschaft
Badische Landesbibliothek
EPIDAURIS-Kulturverlag Baden-Baden


Abbildung:
[1] Quelle: Wikipedia - Krebs

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