Einladung zum Vortrag
Rom: Via Condotti 2008
Literarisch-musikalische Begegnungen mit Rita Fromm, Dr. Françoise Hammer und Prof. Sontraud Speidel
Einführung: Susanne Laugwitz M.A.
Dienstag, 15. April 2008, 20.00 Uhr
Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 4 Euro ( Kartenvorverkauf)
Veranstaltung im Rahmen der 19. Europäischen Kulturtage Karlsruhe 2008
Nach Rom reisten im 19. Jahrhundert erwartungs- und sehnsuchtsvoll Frauen aus vielen Ländern Europas. Die Malerin Angelika Kauffmann (1741-1807), die Schriftstellerinnen Germaine de Staël (1766-1817), Dorothea Schlegel (1764-1839), Ida Hahn-Hahn (1805-1880), Fanny Lewald (1811-1889) und auch die Komponistin Fanny Hensel (1805-1847) traf man dort. Rom zog sie magisch an.
Wie die berühmter gewordenen Goethe, Stendhal, Ingres oder Gounod wollten sie sich von der inspirierenden Kraft Roms und Italiens beflügeln lassen, ein selbstbestimmtes Leben führen und sich als Frauen und Künstlerinnen behaupten. Ihre Bilder, ihre literarischen und musikalischen Werke wurden von dem Aufenthalt in Rom deutlich geprägt. Die Fülle ihrer Eindrücke schrieben sie in Briefen und Tagebüchern nieder.
"Italien du Land der Sonnen
Und der Erinnerung!
Es flieht zu dir, wem Lebensglück zerronnen,
Wer einsam nur auf Gräber sieht.
Er findet Trost in deinem Schoße
Denn er vergisst sein eignes Leid -
Hier, wo erblühte alles Große
War's niedrem Untergang geweiht."
(Ida Hahn-Hahn)
In Rom erlebten sie eine wahre Befreiung aus der häuslichen Enge und den gesellschaftlichen Zwängen der Heimat. Sie lebten in Hotels - wie im Hotel d'Allemagne in der Via Condotti - und gemieteten Wohnungen, fanden Kontakte zur römischen Gesellschaft, den Künstlerkreisen und verkehrten in Salons, die in Rom, wie überall in Europa kosmopolitische Orte waren. Hier trafen sich Menschen unterschiedlichen Standes und verschiedener Religionen zu geistreichen Gesprächen, Lesungen und Musikabenden. Außerhalb ihrer Familien fanden Frauen eine Öffentlichkeit, in der sie ihre Ideen, Ansichten und Vorhaben mit Gelehrten und Künstlern austauschen und entwickeln konnten. Unbemerkt und still beeinflussten diese Frauen die Kunstentwicklung Europas.
Die Malerin Angelika Kauffmann hatte in Rom - 25 Jahre - bis zu ihrem Tod 1807 ein renommiertes Atelier und führte einen berühmten Salon, der eine wichtige Anlaufstelle der deutschen Romreisenden war.
Fanny Hensel reiste 1839 nach Rom. Ihr Aufenthalt spiegelt sich u.a. in ihrem Klavierzyklus "Das Jahr" und "Römische Klavierstücke" wieder.
Die Via Condotti ist eine beliebte Einkaufsstraße in Rom. Hier und in den angrenzenden Straßen befinden sich die Nobelgeschäfte von Bulgari, Gucci, Ferragamo und vielen anderen.
Das Bild zeigt den Blick von der Spanischen Treppe über den Brunnen Fontana della Barcaccia in die schmale Via Condotti.
Das Caffé Greco, eines der bekanntesten Cafés in Rom, wurde im Jahr 1760 in der Via Condotti Nr. 84 gegründet. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte u.a. von Stendhal, Goethe, Byron, Liszt und Keats besucht. [1]
In einem fiktiven Salon der Via Condotti 2008 lesen Rita Fromm und Françoise Hammer aus Briefen und Tagebüchern unserer Romreisenden. Die von Sontraud Speidel gespielten Klavierstücke von Fanny Hensel (1805-1847)
und Franz Liszt (1811-1886) entfalten sich zu einem musikalischen Echo und lassen längst vergessene Salonkultur wiederkehren. Es entsteht eine außergewöhnliche Begegnung zwischen Wort und Musik.
Klavierstücke
Fanny Hensel (1805-1847):
"Ponte molle" a-moll aus "Römische Klavierstücke",
"Il Saltarello Romano", op. 6 Nr. 4 aus "Vier Lieder für das Pianoforte",
Introduction und Capriccio h-moll aus "Römische Klavierstücke",
Franz Liszt (1811-1886):
"Ricordanza" (Andantino) aus "Etudes d'exécution transcendante",
"Les Jeux d'eaux à la Villa d'Este" aus "Années de Pèlerinage" (Troisième Année)
Rita Fromm
... seit 1985 als freiberufliche Seminarleiterin und Dozentin in der Erwachsenenbildung tätig, konzipiert und leitet Seminare und Workshops zur Frauengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zur Gesellschaftspolitik.
Seit 1989 schreibt sie Textbücher für literarisch-musikalische und szenische Lesungen; darin porträtiert sie bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten der Frauengeschichte und integriert Musik von Komponistinnen. Von Musik untermalt und begleitet, gewinnen die gesprochenen Worte eine enorme Intensität.
Dr. Françoise Hammer
... in Frankreich (Bretagne) geboren, hat die französische und deutsche Staatsangehörigkeit und ist heute in Karlsruhe zu Hause. Nach einem Studium der Sprachwissenschaft, Germanistik und Romanistik promovierte sie in Deutschland zum Dr. phil. Ihre vielseitige berufliche Erfahrung umfasst Universitätslehre, Unterricht in der Übersetzer- und Erwachsenen-Ausbildung in der Lehre (z.B. im Programm "Lerne die Sprache des Nachbarn"), eigene Tätigkeit als Übersetzerin und Dolmetscherin wie auch wissenschaftliche Publikationen über deutsch-französische Sprach- und Kulturvergleiche.
Ihr Ziel ist es, Brücken zu einem besseren Miteinander zu schlagen, so in ihrer interkulturellen Arbeit als Vorstandsmitglied der Deutsch-Französischen Gesellschaft und im Beirat der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe.
Prof. Sontraud Speidel
... studierte bei Irene Slavin und Yvonne Loriod-Messiaen in Karlsruhe, Branka Musulin in Frankfurt, Stefan Askenase in Brüssel und Géza Anda in Luzern. Sie ist Preisträgerin nationaler und internationaler Wettbewerbe (u.a. 1. Preis Internationaler Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb Washington/ USA, Jackson Prize des Boston Symphony Orchestra für Neue Musik). Fernsehauftritte, Konzerte und Meisterklassen führten sie durch Europa, in die USA, nach Kanada, Israel, Japan, Korea, Taiwan und Brasilien.
Sie ist Professorin für Klavier, Leiterin der Klavierabteilung sowie der Studienkommission "Künstlerische Ausbildung" an der Hochschule für Musik Karlsruhe.
19. Europäische Kulturtage 2008 "Rom"
Die Einheit in der Vielfalt ist das charakteristische Merkmal Europas - nicht nur, aber besonders auch im kulturellen Bereich. Erst aus der Begegnung unterschiedlicher Kulturen entsteht die gemeinsame kulturelle Identität der Europäer. Diesen Leitgedanken aus Artikel 151 des EG-Vertrages haben die Stadt Karlsruhe und das Badische Staatstheater bei der Gründung der Europäischen Kulturtage 1983 aufgegriffen und es sich zur Aufgabe gemacht, die gemeinsamen kulturellen Wurzeln Europas aufzuspüren, verbindende und gegensätzliche Entwicklungen zu erforschen und deren Einfluss auf unser heutiges Europa aufzuzeigen. Die Darstellung von Ländern, Städten und Regionen ist dabei ebenso Gegenstand der Europäischen Kulturtage wie die Beschreibung von Epochen und die Aufarbeitung von Sachthemen.
Rom, "die ewige Stadt", steht im Mittelpunkt der 19. Europäischen Kulturtage, die vom 4. bis 26. April in Karlsruhe stattfinden.
Das facettenreiche Programm, an dem sich zahlreiche lokale Kulturinstitutionen beteiligen, bietet Theater, Musik, Bildende Kunst, Filme und Literatur. Mit Gastspielen aktueller Theaterproduktionen aus Rom, Vorträgen und Konzerten wollen die Kulturtage ein Gesamtbild aus Historie und Gegenwart der italienischen Metropole zeichnen.
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Bereits im Jahr 2003 entstand die Idee, im Rahmen der Europäischen Kulturtage die geistesgeschichtliche Trilogie der "drei Roms" über die verschiedenen Kunstsparten darzustellen. Was 2004 mit Istanbul, dem "zweiten Rom" am Bosporus, begann und 2006 mit dem "dritten Rom" Moskau fortgesetzt wurde, findet nun mit der faszinierenden Kulturmetropole und Kapitale Italiens 2008 einen glanzvollen Abschluss.
Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein!
Badische Bibliotheksgesellschaft
Badische Landesbibliothek
Kulturamt der Stadt Karlsruhe
Literarische Gesellschaft e.V.
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