Die "Nibelungenlied"-Handschrift C in der Badischen Landesbibliothek ist die älteste und für die Überlieferungsgeschichte des "Nibelungenlieds" bedeutendste Handschrift.
Nibelungen-Handschrift C, Blatt 1r (Ausschnitt), Badische Landesbibliothek
Mit der Entscheidung des UNESCO-Kommitees fanden die erfolgreichen Bemühungen aus dem Jahr 2001, die
"Nibelungenlied"-Handschrift C in ihrem Sammlungszusammenhang für Baden-Württemberg zu erhalten, Anerkennung.
Seit dem Jahre 2001 befindet sich der Codex als Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg und der
Bundesrepublik Deutschland in der Badischen Landesbibliothek. Die aus der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek
Donaueschingen stammende Handschrift kam am 15. Juni 2001 nach Karlsruhe. Die Badische Landesbibliothek
wurde als endgültiger Standort bestimmt. Sie hatte bereits 1994 die deutschsprachigen mittelalterlichen
Handschriften der Donaueschinger Bibliothek erhalten.
Die Auszeichnung der UNESCO wird in einem offiziellen Festakt am 25. Januar 2010 in München vergeben werden.
Die Badische Landesbibliothek präsentiert die Handschrift aus diesem Anlass an vier Tagen der Öffentlichkeit.
Von Donnerstag, dem 28. Januar, bis zum Sonntag, dem 31. Januar 2010, wird sie zwischen 10 und 22 Uhr in
einer Sonderausstellung zu sehen sein.
Das "Nibelungenlied" gilt als herausragendes Beispiel der europäischen Heldenepik. Es beruht auf älteren mündlichen
Traditionen und wurde um oder kurz nach dem Jahr 1200 von einem unbekannten Dichter am Hof des Passauer
Bischofs Wolfger von Erla niedergeschrieben. In zwei Teilen wird zunächst die Geschichte von Siegfrieds
Tod, dann die vom Untergang der Burgunden erzählt. Die strophische Dichtung in 39 Aventiuren bildet einen gewichtigen
Bestandteil der deutschsprachigen Literatur der Jahrzehnte vor 1200, der so genannten klassischen Zeit
des Mittelhochdeutschen. Es handelt sich um ein Kulturdenkmal höchster Güte. In Karlsruhe ist es das einzige von
der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnete Kulturzeugnis.
Nibelungen-Handschrift C, Blatt 89r (Ausschnitt), Badische Landesbibliothek
Der Drachenkampf ist eines der zentralen Themen der Nibelungensage. Das Nibelungenlied selbst erwähnt den Drachen nur zweimal im ganzen Epos. Und doch kennt jeder den Drachentöter Siegfried, der in seiner Jugend einen Lindwurm bezwang, den Hort der Nibelungen erwarb und nach seinem Bad im Drachenblut unverwundbar war - bis auf eine Stelle am Rücken, an der ein Lindenblatt geklebt hatte. Die Sonderausstellung begibt sich auf die Spur des Drachen-Motivs in der mittelalterlichen Literatur, sie zeigt dabei neben der "Nibelungenlied"-Handschrift weitere mittelalterliche Kostbarkeiten aus den Sammlungen der Badischen Landesbibliothek.
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Reichenau perg. 63, 14. Jh., Blatt 53r, Randzeichnung. Drachenjagd
Zu sehen ist unter anderem die berühmte "Weltchronik" des Rudolf von Ems, eines der populärsten Werke des Spätmittelalters. Als erstes deutschsprachiges Geschichtswerk erzählt sie, nicht bis in die Gegenwart ihres Entstehungstermins um 1255 durchgeführt, die Geschichte der Menschheit von der Schöpfung bis zum Tod des Königs Salomo. Die Karlsruher Prachthandschrift aus dem Jahr 1365 ist mit 184 in Deckfarben und Gold auf Pergament ausgeführten Miniaturen reich ausgestattet.
Ebenfalls aus der früheren Donaueschinger Handschriftensammlung stammt die berühmte Karlsruher "Parzival"-Handschrift. Die hier überlieferte Fassung des höfischen Versromans von Wolfram von Eschenbach bemüht sich um eine möglichst umfassende Ergänzung des Romans um alle bekannten Varianten des Parzival-Stoffes. Sie wurde in den Jahren 1331-1336 in Straßburg für Ulrich von Rappoltstein als Auftraggeber zusammengestellt.
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 97, 1331-1336, 'Rappoltsteiner Parzifal', Blatt 115va:
Gleichnis vom Splitter im Auge des Nächsten
Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. In der Ausstellung werden halbstündlich Führungen angeboten.
Am Freitag, dem 22. Januar 2010, führt die Leiterin der Abteilung Sammlungen der Badischen Landesbibliothek, Dr. Ute Obhof, unter dem Titel "Siegfried und Parzival - von der Entstehung mittelalterlicher Handschriften" im Vortragssaal der Bibliothek in die Ausstellung ein.
Termine:
Auf Nachfrage bieten wir Ihnen gern weitere Führungen an.
Bitte melden Sie sich bei Interesse im Sekretariat.
Zu dieser Ausstellung laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein!
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