Badische Landesbibliothek
   


Einladung zum Vortrag

Christian Theophil Schuch - Ein badischer Gelehrter des 19. Jahrhunderts im Spiegel seines Nachlasses

Nachlässe der Badischen Landesbibliothek. 2

Vortrag von Dr. Sabine Lütkemeyer

Dienstag, 20. April 2010, 19.30 Uhr
Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek

- Eintritt frei -

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Eine Korrektur der überlieferten Vorstellung von einer ständig zänkischen Xanthippe verdanken wir dem Schullehrer und Altertumswissenschaftler Christian Theophil Schuch (1803-1857). Und dennoch ist er heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Ein großer Teil von Schuchs Nachlass befindet sich heute in der Badischen Landesbibliothek.

Plakat zur Veranstaltung
Plakat zur Veranstaltung


Bei der eingehenden Sichtung dieses umfänglichen Materials hat sich gezeigt, dass es einen vielseitig interessierten und produktiven Gelehrten zu entdecken gilt. Stationen seines Wirkens waren Sinsheim, Ladenburg, Tauberbischofsheim, Bruchsal und Donaueschingen. Seine zahlreichen Publikationen weisen Schuch als eine wissenschaftshistorisch relevante Persönlichkeit aus. Und seine Kontakte zu bedeutenden Zeitgenossen, wie etwa den Altertumsforschern Karl Friedrich Hermann (1804-1855) und Ernst Friedrich Wüstemann (1799-1856), belegen, dass er eine feste Größe im Diskurs seiner Zeit war.

Zu Beginn seines Forscherlebens wandte Schuch sich hauptsächlich den griechischen und römischen Altertümern sowie regionalhistorischen Themen zu. Einem breiteren Publikum wurde er durch seine Schriften zur Geschichte Badens bekannt, wobei Karlsruhe und Ladenburg seine besondere Aufmerksamkeit erfuhren. Später konzentrierte Schuch sein Schaffen dann auf Herausgabe und Kommentierung medizingeschichtlich und kulturhistorisch relevanter lateinischer Texte.

Nachdem Schuch zunächst als Privatlehrer und später als ordentlich angestellter Lehrer am Pädagogium in Tauberbischofheim tätig gewesen war, wechselte er im Jahr 1838 an das Gymnasium in Bruchsal, wo er bis 1848 blieb. In dieser Zeit entstanden nicht nur sein Lehr- und Handbuch zu den römischen Privataltertümern, das später eine zweite Auflage erfuhr, sondern auch seine regionalgeschichtlichen Schriften zum Großherzogtum Baden und zu Ladenburg und der Neckarpfalz.

Das Gymnasium neben dem Campanile der Schloßkirche in Bruchsal nach dem Umzug im Jahr 1845
Das Gymnasium neben dem Campanile der Schloßkirche in Bruchsal nach dem Umzug im Jahr 1845 (Quelle: Stadtarchiv Bruchsal)


Einen weiten Raum im Spektrum von Schuchs Interessen nahm auch die Naturkunde ein. Besonders gerne ging er dabei Fragen der Ernährung in der Antike nach. In den Jahren 1853 und 1854, in denen Schuch bereits in Donaueschingen lebte und lehrte, erschien in zwei Teilen der Anfang seiner Studie zu essbaren Pflanzen und ihrer Verwendung bei den Griechen und Römern.

Manuskript zu 'Gemüse und Salate der Alten in gesunden und kranken Tagen' (Karlsruhe, BLB, K 3180 N 2,4)
Manuskript zu 'Gemüse und Salate der Alten in gesunden und kranken Tagen' (Karlsruhe, BLB, K 3180 N 2,4)


Den meisten Platz im Schaffen Schuchs beanspruchte jedoch seine Beschäftigung mit den antiken Texten. Schon früh entwickelte er eine Neigung zu Autoren und Werken, die im Schulunterricht wenig Berücksichtigung fanden. Später verschmolzen dann Schuchs literarische Interessen mit seinen naturkundlichen.

Er verschrieb sich ganz der Herausgabe medizingeschichtlich interessanter lateinischer Texte sowie eines in lateinischer Sprache verfassten Kochbuchs aus dem vierten Jahrhundert, das seit humanistischer Zeit dem Feinschmecker Marcus Gavius Apicius (1. Jhd.) zugeschrieben wurde. Besonders stolz war Schuch darauf, sich als erster an eine Übertragung des verderbt überlieferten und schwierigen Textes ins Deutsche gewagt zu haben. Sein plötzlicher Tod verhinderte Fertigstellung und Erscheinen der Übersetzung, die Textausgabe jedoch wurde posthum publiziert und erlebte zwei Auflagen.

Das Kochbuch des Apicius in der Übersetzung von Schuch (Karlsruhe, BLB, K 3180 L 1,11)
Das Kochbuch des Apicius in der Übersetzung von Schuch (Karlsruhe, BLB, K 3180 L 1,11)


Der Nachlass Schuchs zeugt von seiner systematischen und professionellen Arbeitsweise. Er bewahrte seine Aufzeichnungen und Manuskripte gerne zwischen aussortierten alten Buchdeckeln auf. Die so entstehenden "Bände" ermöglichten es ihm, die Unterlagen in Bücherschränken aufzustellen, so dass ihm eine stets übersichtlich gegliederte Arbeitsbibliothek zur Verfügung stand.

Materialsammlung zu griechischen Wörtern (Karlsruhe, BLB, K 3180 H 3,12)
Materialsammlung zu griechischen Wörtern (Karlsruhe, BLB, K 3180 H 3,12)


Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein!

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