Überregionale Anerkennung erfuhr "der Meister mit dem Zauberstab" - so das schwärmerische Urteil der Zeitgenossen - als gern gesehener und gefeierter Festdirigent großer Musik- und Sängerfeste.
In die Ferne [Musikdruck] : Lied von H. Kletke ; für eine Singstimme mit Clavier-Begleitung / von 1. Julius Otto ; 2. Vincenz Lachner. - Mannheim : Heckel [u.a.], [1838]
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Don Mus. Dr. 2226 und M 193
In seiner 37-jährigen Kapellmeistertätigkeit am Mannheimer Nationaltheater erwarb sich Lachner große Verdienste um das dortige Musikleben, in dem er sich verantwortungsbewusst und aufgeschlossen mit den musikalischen Strömungen seiner Zeit auseinandersetzte.
Lachner gehörte noch zu der Generation der Kapellmeister, die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt hatten.
Er beherrschte die wichtigsten Orchesterinstrumente, spielte ausgezeichnet Klavier und hatte darüber hinaus in Wien, während der Kapellmeisterzeit am Kärntnertor-Theater, Gesangsunterricht genommen.
Reisepass Vinzenz Lachners. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, K 2917
Getreu seiner Devise pflegte er in seiner Eigenschaft als musikalischer Leiter eines traditionsreichen Hauses das Alte und prüfte alles Neue, wobei die Beschäftigung mit den Musikdramen Richard Wagners von geradezu existenzieller Bedeutung für ihn sein sollte. Die Kontroverse mit dem Bayreuther Meister und dessen Anhängern prägten Lachners letzte Kapellmeisterjahre in Mannheim.
Zum Aufgabenbereich eines musikalischen Leiters gehörte selbstverständlich auch die Ausbildung junger Talente. Lachner nahm sich der ihm anvertrauten jungen Musiker mit größter Gewissenhaftigkeit an. Zu seinem Schülerkreis gehörten u.a. Julie Schumann, Jean Becker, Max Bruch, Robert Kahn, Ferdinand Langer und Hermann Levi. Berühmte Zeitgenossen, wie etwa Clara Schumann und Johannes Brahms, schätzten ihn darüber hinaus als brillanten Analytiker und umfassend gebildeten Musiker.
Die wichtigsten Stationen dieser bewegten und bewegenden Künstlerbiographie mit Hilfe von überwiegend originalen Dokumenten darzustellen, ist das Anliegen dieser Ausstellung. Dazu werden nicht nur Raritäten des wertvollen Teilnachlasses des Musikers aus dem Bestand der Landesbibliothek größtenteils erstmals gezeigt, auch Leihgaben und Reproduktionen aus Baden-Baden, Frankfurt, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, München, Rain am Lech und Schwetzingen laden zu dieser musikalischen Zeitreise in das 19. Jahrhundert ein.
Die großen Themen der Musikwelt finden hier im Kleinen ihren Niederschlag. Somit darf die Ausstellung auch als ein beredtes Zeitdokument einer vergangenen musikalischen Epoche gelten.
Programm bei der Eröffnung der Ausstellung am Dienstag, dem 19. Juli
Dr. Bärbel Pelker
Dr. Bärbel Pelker studierte zunächst Schulmusik an der Staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim (1977/79 erstes und zweites Staatsexamen); es folgte das Studium der Musikwissenschaft und Germanistik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (1990 Promotion); von 1990 bis 2006 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin der Forschungsstelle Mannheimer Hofkapelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, seit 2006 arbeitet sie in der gleichen Funktion in der Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik, einem Forschungsprojekt des Landes Baden-Württemberg, das ebenfalls bei der Heidelberger Akademie Wissenschaften angesiedelt ist.
Zahlreiche Publikationen zum Thema Mannheimer Schule erschienen überwiegend in der Schriftenreihe Quellen und Studien zur Geschichte der Mannheimer Hofkapelle (ab 1994, Verlag Peter Lang) sowie in der Denkmälerreihe Musik der Mannheimer Hofkapelle (1999, Carus-Verlag); im Auftrag der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg erarbeitete sie ein kommentiertes Faksimile der Oper Günther von Schwarzburg von Ignaz Holzbauer (2000, Strube Verlag); an wichtigen Herausgaben sind der Band Hofoper in Schwetzingen. Musik - Bühnenkunst - Architektur (zusammen mit Silke Leopold; Heidelberg, Universitätsverlag Winter 2004) sowie das Begleitbuch zur Ausstellung Theater um Mozart (Universitätsverlag Winter 2006) zu nennen, das von dem Verein Europäische Mozartwege/European Mozart Ways in der Kategorie »Wissenschaftliche Editionen« 2006 den Ehrenpreis erhielt.
Katharina Olivia Brand
Katharina Olivia Brand ist Pianistin auf modernem Flügel und Hammerflügeln. Schwerpunkte bilden die Musik des 18. Jahrhunderts und die des 20./21. Jahrhunderts. Ihre Ausbildung erhielt Katharina O. Brand an der Musikhochschule Karlsruhe und an der University of California Los Angeles (UCLA), wo sie bei Vitaly Margulis modernes Klavier und bei Tom Beghin Historische Tasteninstrumente studierte. 2001 wurde sie mit einer Arbeit zur Rhetorik in Mozarts Klavierwerken promoviert.
Konzerte, Vorträge und eigene Meisterkurse führten Katharina O. Brand in viele Länder Europas, in die USA, nach Mexiko und Südostasien. Als Pianistin für Neue Musik pflegt sie den Austausch mit zeitgenössischen Komponisten.
Neben ihren Konzerten als Solistin und Kammermusikpartnerin ist sie seit 2003 Lehrbeauftragte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und seit 2006 Dozentin für Hammerklavier an der Kunstuniversität Graz. Sie ist Pianistin des Ensembles Omega (Karlsruhe) und gründete 2007 die Formation Chambre d'écoute, die zentrale Positionen heutigen Komponierens in Verbindung mit Musik vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte erlebbar macht.
Wir bedanken uns ...
.. bei allen Bibliotheken, Archiven und privaten Leihgebern, die Exponate und Bildvorlagen zur Verfügung gestellt haben:
Zu dieser Veranstaltung laden wir Sie und Ihre Freunde sehr herzlich ein! Badische Bibliotheksgesellschaft Badische Landesbibliothek >>> Das könnte Sie auch interessieren:
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