Besondere Neuerwerbungen 2009
Stargardt-Auktion am 23./24.6.2009 in Berlin
Der Badischen Landesbibliothek gelangen bei einer Autographenauktion in Berlin bedeutende Neuerwerbungen. Die große Sommerauktion im Opernpalais in Berlin konnte die Bibliothek zu ihrem Besten nutzen. Die traditionsreiche Firma Stargardt versteigerte Unter den Linden Briefe und Manuskripte bedeutender Persönlichkeiten.
Den Zuschlag erhielt die Badische Landesbibliothek zum Beispiel für Postkarten mit signierten Werken des Grafikers, Schriftstellers und Buchillustrators Alfred Kubin an den "alten Freund und Collegen" Gustav Wolf in Karlsruhe in der Hoffstraße.
Postkarte von Alfred Kubin aus seinem Wohnort Zwickledt (1917) an den Maler und Grafiker Gustav Wolf (1887-1947) in Karlsruhe
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Gustav Wolf wurde 1887 in Östringen im Kraichgau geboren. Der jüdische Maler, Grafiker, Radierer und Lithograph war Schüler von Hans Thoma. Im Jahre 1919 gründete er mit Alfred Mombert und Richard Benz in Heidelberg die "Gemeinschaft der Pforte" und lehrte später u. a. an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe. 1933 trat er aus allen Verbänden und Vereinigungen, etwa aus der Badischen Sezession aus, um einem Ausschluss aus "rassischen" Gründen zuvorzukommen. Er trat den Weg in die Emigration an.
Seit 1938 lebte er in den USA. 1947 erhielt er noch die Berufung an die Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe, musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen ablehnen und starb noch im selben Jahr 60jährig in Northfield/Massachussetts. Eine von Kubin signierte Federzeichnung zeigt, wohl in Anspielung an den Nachnamen seines Freundes, einen Wolf, der einen Vogel reißt, mit dem Zusatz "Wohl zu speisen!"
Alfred Kubin an den Maler und Grafiker Gustav Wolf (1887-1947) in Karlsruhe. Eine signierte Federzeichnung zeigt einen Wolf, einen Vogel reißend, mit dem Zusatz "Wohl zu speisen!"
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Ein anderes Beispiel ist ein Brief des Chemikers Robert Wilhelm Bunsen (1811-1899) aus dem Jahre 1872. Das Schreiben Bunsens zeugt von frühesten Bemühungen einer Frau, sich Zugang zu universitären Einrichtungen in Heidelberg zu verschaffen. Es sollte noch lange dauern, bis der Durchbruch gelang.
Das Großherzogtum Baden war im Jahre 1900 der erste deutsche Teilstaat, der Frauen offiziell immatrikulierte und damit "gleichberechtigt", nicht nur als Hörerinnen, zum Universitätsstudium zuließ.
Insgesamt sicherte sich die Badische Landesbibliothek 16 Positionen der Briefe und Konvolute, die in Berlin unter den Hammer kamen. Die Schriftstücke stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Sie wurden geschrieben von badischen Schriftstellern, Künstlern, Wissenschaftlern und/oder überregional bekannten Persönlichkeiten. Die Neuerwerbungen ergänzen Sammelschwerpunkte der Badischen Landesbibliothek wie den Bestand Joseph von Laßberg (1770-1855) oder die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen des 20. Jahrhunderts, die im Reinhold-Schneider-Archiv der Badischen Landesbibliothek ihren Nucleus haben.
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Eigenhändiger Vermerk von Hans Thoma, Karlsruhe 7.XI.1917, unter einem gedruckten Schriftstück Lübecker Künstler. Thoma unterstützt die Protestnote Lübecker Künstler gegen einen Anbau an das Holstentor in Lübeck. Das Holstentor solle "in seiner jetzigen Form auf dem Platze, auf dem es sich frei erhebt, erhalten" bleiben.
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Übersicht über die neuerworbenen Autographen der Badischen Landesbibliothek
- Eigenhändiges Gedicht von Heinrich Böll, dazu ein Begleitbrief, 22.XII.1948, an eine Freundin mit der Bitte, ihm ihre "Schriftkünste ... zu 'leihen' und den angehefteten Spruch abzuschreiben".
- Offener Brief Bölls, (Köln) 21.I.1975, an Erich Gottgetreu in Jerusalem. Beiliegend ein weiterer Brief vom gleichen Tag an denselben Adressaten bei Übersendung dieser "Antwort, die Sie natürlich publizieren können" - aber nicht in "irgendeiner Springer-Zeitung". Mit "diesen Leuten" wolle er nichts zu tun haben.
- Eigenhändiges Gedicht von Gottfried August Bürger (1747-1794) mit vier Strophen: "Gegenliebe". Das im Frühjahr 1774 entstandene Gedicht erschien zum ersten Mal im Göttinger Musenalmanach für 1775.
- 15 Briefe von Hans Rothe (1894-1963) und 2 Schriftstücke. Meist Chapel Hill, NC 1.VIII.1947 bis 18.VI.1948, noch aus der Emigration an den Bühnenverlag Felix Bloch Erben (u.a. an Hanna Wreede) in Berlin, sehr ausführlich über seine Shakespeare- und Giraudoux-Übersetzungen, ferner über seine Theaterarbeit in den USA, seine Auseinandersetzungen mit Walter Rilla, die "Devisenschwierigkeiten" etc.
- Drei eigenhändige Briefe von Joseph Victor von Scheffel, Karlsruhe 27.XII.1855 bis 4.I.1859. Frühe Briefe an den Historiker und liberalen Politiker Ludwig Häusser in Heidelberg, der wie Scheffel der Heidelberger Gesellschaft des "Engern" angehörte. Beiliegend ein weiterer Brief, eine Postkarte und eine Widmung auf einem Druck (an seinen Freund Schleuning bzw. dessen Tochter).
- Ein Brief von Scheffel an Elise Schmidt in Mannheim, die seinen "Ekkehard" ins Italienische übersetzen wollte.
- Ein Brief von dem Chemiker Robert Wilhelm Bunsen, Heidelberg 9.X.1872, an eine Dame in Angelegenheiten der Heidelberger Universitätsbibliothek.
- Ein Brief von Jakob Grimm, mit seinem Bruder Wilhelm Begründer der Germanistik, Göttingen 20.I.1834, an den Germanisten Josef Freiherrn von Laßberg (1770-1855), dem er eine Exemplar seines "Reinhart Fuchs" (Berlin, Reimer 1834) sendet.
- Widmung von Friedrich August Freiherr von Ungern-Sternberg (1817-1895), badischer Geheimer Kabinettsrat: "Briefe von Alexander von Humboldt an Christian Carl Josias Freiherr von Bunsen". Leipzig, F.A. Brockhaus 1869. Auf dem Vorsatzblatt die eigenhändige Widmung: "Dem theuern Freunde Jacob Lamey zum Weihnachtsfeste 1869. / In aufrichtiger Dankbarkeit / FAvUngernSternberg". Friedrich August von Ungern-Sternberg war Bunsens Schwiegersohn.
- Ein Brief von Martin Niemöller, 1933 Gründer des Pfarrernotbundes, aus dem die Bekennende Kirche hervorging, Wiesbaden 20.I.1951, an den Schriftsteller Ludwig Bäte (1892 - 1977), der ihm ein Werk schenken wollte.
- Ein charmanter Brief des Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775-1854) an Madame de Stael, die am 15.Dezember auf ihrer Reise nach Wien in München eingetroffen war und die Gelegenheit genutzt hatte, um Schelling - dessen Philosophie sie seit langem kennenlernen wollte - zu einem Souper (am 19. Dezember) einzuladen. Madame de Stael hatte Schelling gebeten, ein "physikalisches Frühstück" mit dem romantischen Physiker Johann Wilhelm Ritter zu arrangieren; in Ihrem Buch "De l'allemagne" findet sich eine Erinnerung daran im Kapitel "Über den Einfluß der neuen Philosophie auf die Wissenschaften".
- Eine Postkarte von Alfred Kubin aus seinem Wohnort Zwickledt (1917), mit gedruckter Ansicht seines Hauses an den Maler und Grafiker Gustav Wolf (1887-1947) in Karlsruhe, mit einer signierten Federzeichnung: ein Wolf, einen Vogel reißend, mit dem Zusatz "Wohl zu speisen!" Beiliegend eine gedruckte Danksagung, 1947, mit dem Zusatz "Dem alten Freund und Collegen Gustav Wolf".
- Eigenhändiger Vermerk von Hans Thoma, Karlsruhe 7.XI.1917, unter einem gedruckten Schriftstück Lübecker Künstler. Thoma unterstützt die Protestnote Lübecker Künstler gegen einen Anbau an das Holstentor in Lübeck. Das Holstentor solle "in seiner jetzigen Form auf dem Platze, auf dem es sich frei erhebt, erhalten" bleiben.
- Ein Brief Thomas, Karlsruhe 31.VII.1919, an den Schriftsteller Wilhelm Büring, der ihm sein Buch "Zwischen Spruch und Widersprüchen" gesandt hatte.
- Brief von Johann Wenzel Kalliwoda, Karlsruhe 15.VI.1845, an den Musikverleger Carl Böhme in Leipzig; es geht u. a. um seinen Sohn Wilhelm, den späteren Karlsruher Kapellmeister.
- Drei Briefe Kalliwodas an seinen Sohn Wilhelm in Karlsruhe, Donaueschingen 18.X.1865 bis Januar 1866.
Pressebericht
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