Badische Landesbibliothek
   


Neuerwerbungen des Monats - Jahr 2013

Neuerwerbung im Dezember:
Osiander-Bibel

Die sogenannte Osianderbibel ist eine Lutherbibel, der ein umfangreicher Bibelkommentar des württembergischen Theologen Lukas Osiander d. Älteren (1534-1604) beigefügt wurde. Dieser ursprünglich in Latein abgefasste Kommentar ist hier in seiner deutschen Übersetzung enthalten. Illustrationen fehlen in dieser Ausgabe fast völlig, wohl um - ganz in protestantischer Tradition - nicht vom Wort Gottes abzulenken. Die hier gezeigte erste Ausgabe dieser Bibel in einem Band entstand 1650. Sie fand, kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, vor allem als Altarbuch in Pfarrkirchen Verwendung.

Gedruckt wurde die Osianderbibel vom in der Hansestadt Lüneburg ansässigen Verlag der Familie Stern. Dieser begann 1612 mit dem Druck von Bibeln und stellte über zwei Jahrhunderte hinweg über 70 Bibelaus¬gaben in hohen Auflagen her. Zusammen mit der Druckerei Endter in Nürnberg galten die "Sterne" als die besten Bibeldrucker Deutschlands.

Die Badische Landesbibliothek bedankt sich herzlich bei Frau Elisabeth Anders für dieses Geschenk, mit dem ein weiteres Stück der 1942 zerstörten Bibliotheksbestände ersetzt werden konnte (das im Krieg verbrannte Exemplar der BLB trug die Signatur Th II, 9,13).

Biblia Mit der Außlegung, Das ist: Die gantze heilige Schrifft Altes und Neues Testaments Des Hocherleuchten und theuren Mannes Gottes D. Martini Lutheri : Mit einer kurtzen jedoch gründlichen Erklärung des Textes ... Summarien ... aus des ... LUCAE OSIANDRI ... EXEMPLAR / Martin Luther [Übers.] ; David Förter [Übers.] ; Lucas Osiander. - ... in die Hochdeutsche Sprache ... gebracht und in ... Stuttgart in Sieben Theilen ... verfertiget und an Tag geben durch ... DAVID FÖRTERN ... Anitzo aber ... von neuem zu einem Bande eingerichtet ... mit ... Versikeln ... Concordantzien ... Registern .. Land=Taffeln ... zu Ende gebracht. - Lüneburg : Die Sterne, 1650.
Osiander-Bibel

Osiander-Bibel
Osiander-Bibel
Badische Landesbibliothek,
Signatur 112 C 75002 R




Neuerwerbung im November:
Typographie : Kunst und Design im Buchdruckerhandwerk

Der "Fürst der Typographie" Giambattista Bodoni (1740-1813) ist der bedeutendste Typograph des europäischen Klassizismus. Er entwickelte eine nach ihm benannte Antiqua mit streng symmetrischem Aufbau, die die europäische Schriftkultur des gesamten 19. Jahrhunderts maßgeblich prägte. Die vielgerühmte Schönheit seiner Drucke resultiert neben der von Bodoni entworfenen Schrifttype aus seinem feinen Gespür für die Proportion, aus dem ausgewogenen Verhältnis der verschiedenen Elemente einer Seite. Auch das Papier ist stets sorgfältig gewählt.

Das hier gezeigte Beispiel seiner Kunst ist eine elegante Ausgabe von Gedichten des Giovanni Gherardo de Rossi (1754-1827). Bodoni druckte sie 1795 auf starkem Bütten mit viel Weißraum um Text und Illustrationen. Die Ausgabe gelangte, wie damals üblich, unbeschnitten in den Verkauf und wurde in einen schönen blauen Marmorpapiereinband gebunden. Den Epigrammen und Sonetten sind Kupferstiche in klassizistischer Manier beigegeben. Aufgeschlagen ist das Sonett "Die Liebe im Haus der Bescheidenheit".

Giovanni Gherardo de Rossi: Scherzi poetici e pittorici
Giovanni Gherardo de Rossi: Scherzi poetici e pittorici. Illustrator: Giuseppe Tekeira. Stecher: Francesco Rosaspina. - Parma : Bodoni, 1795.
Badische Landesbibliothek, Signatur 112 B 71247 R




Neuerwerbung im Oktober:
Reformationsdrucke

Passend zum Reformationstag am 31. Oktober konnte die BLB dank der Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg vor kurzem einen Sammelband mit Schriften der Reformations- und Nachreformationszeit erwerben. Er enthält insgesamt fünfzehn deutschsprachige Drucke, von denen die meisten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden und aus oberrheinischen Druckereien in Straßburg, Colmar und Basel stammen.

Die enthaltenen Texte sind unter anderen mehrere programmatische Schriften Martin Luthers, Übersetzungen lateinischer Texte zum (katholischen) Kirchenrecht sowie ein Druck des Karsthans, einer der meistgelesenen und wirkungsmächtigsten reformatorischen Flugschriften. Zahlreiche altkolorierte Holzschnitte ergänzen den wertvollen Band, der laut einem Besitzvermerk schon früh in Hohenlohe und damit auf baden-württembergischem Gebiet beheimatet war.

In der Vitrine im Hauptlesesaal ist die Titelseite von Martin Luthers Sermon oder Predig von dem ablasz vnd gnade aufgeschlagen, einer Flugschrift zu einem der Kernthemen der Reformation, dem Ablasshandel. Die vorliegende Ausgabe ist der frühe und sehr seltene Druck aus der Werkstatt des Pamphilus Gengenbach in Basel von 1518.

Sammelband mit Schriften der Reformations- und Nachreformationszeit
Sammelband mit Schriften der Reformations- und Nachreformationszeit.
Badische Landesbibliothek, Signatur 113 E 2653 R

Werke des Sammelbandes in den Digitalen Sammlungen:
  1. Newe Zeitung Eine grawsame erschreckliche und wunderbarliche Geschicht, welche warhafftig geschehen ist, in disem M. D. LIX Jar, zur Platten, zwo meil wegs vom Joachimsthal. Alda hat ein Schmidt eine Tochter, ..., welches sie täglich für sie zu Gott gethan haben; Den frommen Gottsförchtigen Christen etwas tröstlich, Aber den Gottlosen vnd vnbuszfertigen etwas schrecklicher, ... vnd anzeigen müssen
  2. Warhaffte abgschrifft der Artickle[n], so Römische künigkliche Mayestatt an die von Costantz, als sy durch erzeygte vngehorsamm inn acht vnd aberacht kommen, erfordert hatt
  3. Warnunge D. Martini Luther an seine lieben Deutschen, vor etlichen Jaren geschriben auff disen fall, so die feinde Christlicher Warheit dise Kirchen vnd Land, darinne reine Lere des Euangelij geprediget würd, mit Krieg vberziehen vnnd zerstören wolten / Mit einer Vorrede Philippi Melanthon
  4. Contract vnnd bericht, wie die statt Santdisier in Franckrych Key. Ma. übergeben vnd überlifert sey : Nechst verschinen Augsten, des 44. jars verloffen
  5. WArhafftige Copy der protestation, von Keyserlicher Maiestat zu Rom, vnserm aller gnedigsten herren, im offentlichen Consistorio geschehen : Vsz Jtalianischer zungen ins Dütsch bracht
  6. Newe zeitung des ratschlags vnd reysz der kriegszrüstung, so der Türck newlich wider Karolum den Römischen Keyser vnd die Christen fürgenommen, mit anzeygung der niderlag, so er von dem Sophi erlitten hat auch mit warhafftige[n] beschreyben der religion vnnd weys zu kriegen, so die Persier gebrauchend
  7. Dje Ordnung der Widertauffer zu Münster : Item was sich daselbs nebenzu verlauffen hat, von der zeyt an, als die Statt belegert ist worden
  8. Das ander teyl wider die himlischen Propheten vom Sacrament / Martin. Luth.
  9. Ein vnd achtzigk Artyckhel so Kaisserlicher maiestatt stathallter vnnd weltliche kurfürsten vnd fürsten hochen vnd nydern Reichstend von dem Bapst vnnd allen gaystlichen beschwert sint vnnd bitten Solich artyckel alle bestendig vnnd Entlich von den geystlichen ab zustellen vnnd wo das auff das fürderlichst nit abgestelt würt So will das Keysserlich Regemendt solich artyckel abstelle[n] auff denn jetz gehalten Reychstag beschlossen zu Nürenberg
  10. Vergleychung der Bäpst satzung, gegen der leer Christi Jhesu
  11. Handlung der versamlung in der löbliche statt Zürich vff den xxix tag Jenners, vonn wegen des heyligen Euangelij : zwische[n] der ersamen treffenlichen bottschafft von Costentz: Huldrichen Zwingli predigers des Euangelii Christi: vn[d] gemeiner priesterschafft des gantzen gebiets der egenanten statt Zürich vor gesesznem radt beschehe[n]: im M. D. xxiij. Jar / [Erhard Hegenwald]
  12. Die verteütschte[n] Text aus den Bebstlichen Rechten vnd vil andren glaubwirdigen geschriffte[n]: daraus sich menilich allerley mag erku[n]den wie erbarlich bisher mitt gemeiner Christenheyt ist gehandlet worden
  13. Karsthans
  14. Ejn kurtze vnderwisung Wie man beichte[n] sol / Auß Doctor Martinus Luthers, Augustiner wolmeinunge gezogen, zu Wittemburck
  15. EJn Sermon oder Predig von dem ablasz vnd gnade / durch den wirdigen doctorem Martinum Luther Augustiner zu wittenbergk gemacht vnd geprediget.



Neuerwerbung im September:
"Ausweichungs-Tabellen" von Philipp Joseph Frick

Philipp Joseph Frick wurde 1742 in Willanzheim bei Würzburg geboren. Ab 1762 war er als Hoforganist im Dienst des Markgrafen von Baden-Baden in Rastatt angestellt. 1768 lernte er dort bei einem Gastspiel der Glasharmonikavirtuosin Marianne Davies das von Benjamin Franklin erfundene Instrument kennen und baute es gemeinsam mit Joseph Aloys Schmittbaur, der damals Kapellmeister in Rastatt war, nach.

Ab 1769 reiste er durch Deutschland und Europa und gab Konzerte auf einer von ihm selbst gebauten Glasharmonika. Außerdem bot er eigene Instrumente zum Verkauf an. Nach 1780 lebte Philipp Joseph Frick in London. Er gab das Glasharmonikaspiel auf und veröffentlichte einige musiktheoretische Abhandlungen, die z.T. in Neuauflagen bis in das 19. Jahrhundert hinein nachgedruckt wurden. Er starb 1798 in London.

Sein Werk "Ausweichungs-Tabellen" wurde zuerst 1772 in Wien gedruckt. Es gab zahlreiche spätere Auflagen.


Philipp Joseph Frick: Ausweichungs-Tabellen
Philipp Joseph Frick: Ausweichungs-Tabellen : Worinne gezeiget wird, wie man aus einer Tonart in einer andere, sie sey nahe, oder weit entfernet, geschwind übergehen könne; zum beliebigen Gebrauch für Clavier und Orgelspieler. Wien : Kurzböck, 1772.
Badische Landesbibliothek, Signatur M 25948 RH
Die aufgeschlagene Seite "Tabella VI" zeigt den Weg
  • von F-Dur zu Dur-Tonarten (1. Zeile)
  • von F-Dur zu Moll-Tonarten (2. Zeile)
  • von f-Moll zu Moll-Tonarten (3. Zeile)
  • von f-Moll zu Dur-Tonarten (4. Zeile)




Neuerwerbung im August:
Dichter der Bukowina

Gleich zwei Nachlässe, die in letzter Zeit in die BLB kamen, betreffen ganz oder zu großen Teilen Künstler, die ihre Wurzeln in der Bukowina hatten, einer deutschsprachigen Region auf heute rumänisch-ukrainischem Gebiet, aus der zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele namhafte Dichter kamen.

Im Nachlass des Freiburger Germanisten Gerhart Baumann, der mit vielen von ihnen in Kontakt stand, finden sich Briefe von einigen dieser Dichter, darunter von Paul Celan, Immanuel Weissglas und die hier gezeigten sowie viele weitere von Rose Ausländer, die vor 25 Jahren starb.

Ebenfalls stark geprägt von ihrem langjährigen Aufenthalt in Czernowitz, von wo sie Anfang der 40er Jahre flüchten musste, war die Künstlerin Helene Marcarover. Nach ihrer Flucht verschlug es sie auf Umwegen ins nordbadische Tauberbischofsheim. Obwohl sie ihr ganzes Leben lang malte, zeichnete und dichtete, gelang es ihr im Gegensatz zu ihren berühmteren Zeitgenossen nicht recht, sich künstlerisch durchzusetzen. Die beiden hier gezeigten Dokumente stammen aus ihrem Nachlass, der sich ebenfalls in der BLB befindet.

Dichter der Bukowina

Exponate:
  • Rose Ausländer an Gerhart Baumann. Brief vom 24. November 1974.
    Badische Landesbibliothek, K 3239 I, 6, 1
    Der Brief führt den Gedanken auf der zweiten, hier nicht gezeigten Seite fort und endet mit einem Kommentar zu ihrem neuen Buch Andere Zeichen, das 1974 erschien und zum Zeitpunkt des Briefes bereits von Marie Luise Kaschnitz "beworben" worden war.
  • Rose Ausländer an Gerhart Baumann. Brief vom 28. Juni 1975.
    Badische Landesbibliothek, K 3239 I, 6, 7
    "Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Baumann, ich freue mich, daß Sie meine Skizze zu Czernowitz schätzen. Hoffentlich hat meine Liebe zur Heimatstadt und ihrem Vorkriegsmilieu meine Objektivität nicht wesentlich beeinträchtigt. Auch Paul Celan hatte eine herzliche Beziehung zu unserer Stadt. [...]"
  • Helene Marcarover: Tagebuch.
    Badische Landesbibliothek, K 3238, III
    "27/I 1942
    Wenn ich Menschen in Lumpen sehe, die, wie graue Schatten über die weissen Strassen huschen möchte ich ihnen weinend um den Hals fallen. Wieviel Schmerz, Erniederung, getrettener Menschenwürde sich unter diesen Lumpen verbergen. Mir ist, als ob der gesammte, greise Weltschmerz sich in meinem Herzen zusammen getan hat. Menschheit, blinde, gierige, taube Menschheit, was kann dich aufrütteln? Was dich zum Bewustsein bringen? Je schwerer die Zeiten, desto härter die Herzen der Besitzender. Keinen Einsatz wollen sie! Jedes Opfer scheuten sie! Über allem ist ihnen ihre Eigenliebe u. ihre Bequemlichkeit! Wehe euch, Satten! Wehe auch, Blinden, wehe euch, Tauben! Wehe Euch, um die Bitternis, die Verzweiflung, den Kummer der Armen, die ihr nicht gelindert, nicht gemindert u. an die ihr nie gedacht habt!"
  • Helene Marcarover: Skizze und Aquarell.
    Badische Landesbibliothek, K 3238, IV
    Der zunächst in Tusche ausgeführte Entwurf diente in der späteren Aquarell-Version als Postkarte an einen langjährigen engen Freund Marcarovers, den Wiener Kunsthistoriker und Puppenspieler Wladimir Zaloziecky. Die doppelgesichtige Figur stellt sehr wahrscheinlich eben diesen Freund dar. Auf der Rückseite steht zu dem Bild: " 'Die Schaukel zwischen Himmel u. Hölle' - frei nach Picasso. [...]"



Neuerwerbung im Juli:
Wasseranalyse im 16. Jahrhundert

Leonhart Thurneisser (1531-1596) war als Arzt, Astrologe, Arzneimittel- und Chemikalienfabrikant sowie als Buchdrucker in Berlin sehr erfolgreich. Er verstand sich als Alchemist in der magischen Tradition. Sein Hauptwerk "Pison" war das erste wissenschaftliche Buch über Wasseruntersuchungen. Es enthält nach einleitenden Teilen über Wasser im allgemeinen einzelne Kapitel über deutsche Flüsse und ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften sowie die Beschreibung der Untersuchungsmethoden und der dazu nötigen Apparate.

Die Erstausgabe von 1572 war schon in der alten Karlsruher Hofbibliothek vorhanden und verbrannte 1942 zusammen mit 98% des Buchbestandes der Badischen Landesbibliothek. Sie konnte kürzlich wiederbeschafft werden. Aufgeschlagen ist das Portrait des Autors in blattgroßer Holzschnitteinfassung mit dem nebenstehenden Lobgedicht auf seine Kunstfertigkeit.

Die zweite Ausgabe, gedruckt in Straßburg 1612, wurde um eine Beschreibung des Heilbads in Seelbach (Ortenaukreis) ergänzt. Im heutigen badischen Luftkurort ist allerdings von Heilwasser nichts mehr bekannt.


Wasseranalyse im 16. Jahrhundert
Exponate:
  • Von Kalten, Warmen, Minerischen vnd Metallischen Wassern, sampt der vergleichunge der Plantarum vnd Erdgewechsen 10. Bücher / Durch Leonhart Thurneisser zum Thurn, mit grosser mühe vnd arbeit, gemeinem nutz zu gut an tag geben. Franckfurt an der Oder: Eichorn, 1572.
    Badische Landesbibliothek, 112 B 71252 R1
  • Zehen Bücher von kalten, warmen, minerischen und mettalischen Wassern samt deren Vergleichung mit den Plantis oder Erdgewächsen / durch Leonhart Thurneissern zum Thurn ... an Tag gegeben. Straßburg: Zetzner, 1612.
    Badische Landesbibliothek, 112 B 71251 R



Neuerwerbung im Juni:
Musikhandschriften der Komponistin Ursula Euteneuer-Rohrer

Ursula Euteneuer-Rohrer arbeitet als Komponistin, Pianistin und Improvisationsmusikerin. Sie studierte an der Musikhochschule Karlsruhe Komposition und Musiktheorie bei Prof. Eugen Werner Velte sowie Klavier bei Prof. Valentin Rybing und Prof. Herbert Seidemann. Von 1993 bis 2012 unterrichtete sie als Lehrerin am Badischen Konservatorium Karlsruhe die Fächer Musiktheorie, Klavier und Komposition.

Sie gewann Preise und Stipendien auf internationaler Ebene. Ihre Werke wurden bisher in Deutschland, Frankreich, Mexiko, USA, Italien und Belgien aufgeführt und erschienen in mehreren Verlagen. Rundfunk-, Schallplatten- und CD-Produktionen, Konzertreisen und Publikationen zur Neuen Musik zeigen den großen Umfang ihrer künstlerischen Arbeit.

Ursula Euteneuer-Rohrer übergab in den Jahren 2012 und 2013 den größten Teil der bisher entstandenen Werke an die Badische Landesbibliothek. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Originale der Musikhandschriften. Die Werke stehen damit der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.


Ursula Euteneuer-Rohrer: Symphonie des îles
Ursula Euteneuer-Rohrer: Symphonie des îles (2011). 5 Sätze für sinfonisches Blasorchester und Schlaginstrumente (4 Spieler). I Prélude du ciel, II Couleurs fantastiques, III Montagne des vaches, IV Le rouge sonor, V Lac mort - village englouti.
Ausgestellt sind die ersten Partiturseiten der ersten beiden Sätze. Badische Landesbibliothek, Standortnummer Mus. Hs. 1448, D,10




Neuerwerbung im Mai:
Gästebücher der Konzertdirektion Neufeldt

Kurt Neufeldt übernahm 1911 die Hofmusikalienhandlung und Konzertdirektion Hugo Kuntz. Bis 1952 betrieb er das Geschäft unter seinem Namen und prägte mit mehr als 2500 Veranstaltungen unter seiner Direktion das Karlsruher Musikleben. Das Spektrum war breit: Neufeldt engagierte die Berliner Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler, die Dresdener Hofkapelle unter Fritz Busch, den Komponisten Max Reger als Interpreten eigener Werke im Zusammenspiel mit der Meininger Hofkapelle, aber auch die Ausdruckstänzerinnen Mary Wigman und Gret Palucca, die Chansonsängerin Claire Waldoff, den Komödianten Theo Lingen und viele andere. Auch holte er Autoren zu Lesungen nach Karlsruhe, darunter auch Thomas Mann.

Die Gästebücher hat Neufeldt von Anfang an geführt. In ihnen hat sich die ganze europäische Prominenz der Musik, der Tanz- und Vortragskunst verewigt. Nun sollen sie in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt werden, wo sie für die Forschung und die interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werden.

Eva Quesenberry, die Tochter von Kurt Neufeldt, lebt heute in den USA. Bei einem Besuch in Karlsruhe übergab sie die Gästebücher der Badischen Landesbibliothek als Geschenk. Den Kontakt zu Eva Quesenberry stellte die bekannte Karlsruher Pianistin Prof. Sontraud Speidel her.


Gästebücher der Konzertdirektion Neufeldt
Gästebücher der Konzertdirektion Neufeldt
Band 7 (1938-1942) mit einem Eintrag von Wilhelm Furtwängler und Band 12 (1950-1953) mit einem Eintrag der Wiener Hofmusikkapelle. Badische Landesbibliothek, K 3283

Weitere Informationen:


Neuerwerbung im April:
Deutsche Gedenkhalle - ein historisches Geschichtsbuch

Die Gedenkhalle mit dem Untertitel Bilder aus der vaterländischen Geschichte ist eine Darstellung der Geschichte Deutschlands von der Zeit der Germanen bis zu Kaiser Wilhelm II., in dessen Regierungszeit sie entstand, nämlich 1907. Das Werk erfreute sich großer Beliebtheit und wurde jahrzehntelang immer wieder neu aufgelegt. Das lag wohl nicht zuletzt an der aufwändigen Ausstattung: Zu den mit vielen Ornamenten verzierten Textseiten kam eine Vielzahl ganzseitiger Illustrationen, die mit großer Detailfreude Szenen der Geschichte zeigen, etwa die Schlacht im Teutoburger Wald, den Gang nach Canossa oder die Gefangennahme Luthers.

Die Texte stammen von Autoren, die zu ihrer Zeit als Koryphäen galten, auch wenn ihre Sicht der Geschichte mittlerweile größtenteils überholt ist. Unter ihnen finden sich Namen wie Friedrich Meinecke, Carl Schuchardt oder Felix Dahn, der heute hauptsächlich noch als Autor des Romans "Ein Kampf um Rom" bekannt ist.

Das gezeigte Buch ist eine besonders reich ausgestattet Prachtversion der Erstausgabe. Neben den goldfarbenen Verzierungen des Einbands besteht die Besonderheit dieser Ausgabe darin, dass die Illustrationen an den passenden Stellen direkt eingebunden und nicht, wie bei den meisten anderen Ausgaben des Werks, als Mappe lose beigegeben wurden.


Deutsche Gedenkhalle : Bilder aus der vaterländischen Geschichte
Deutsche Gedenkhalle : Bilder aus der vaterländischen Geschichte. Schriftleitung: Julius v. Pflugk-Harttung. Leitung des illustrativen Teiles: Hugo von Tschudi. Veranstaltet von Max Herzig. Berlin: Verlags-Anstalt "Vaterland", [1907].
Badische Landesbibliothek, 113 C 10 RE



Neuerwerbung im März:
Georg Friedrich Händel: Der Messias in der Bearbeitung von W.A. Mozart

Georg Friedrich Händel komponierte das Oratorium "Messiah" im Jahr 1741. Wolfgang Amadeus Mozarts Bearbeitung und Aufführung des Werks im Jahr 1789 gilt als Höhepunkt in der Auseinandersetzung des Wiener Klassikers mit der Barockmusik. Die Badische Landesbibliothek hat die Partitur aus dem Jahr 1803 nun als Geschenk erhalten.

Wolfgang Amadeus Mozart beschäftigte sich seit 1782 mit den Werken barocker Komponisten. Ein Kreis musikinteressierter Adliger um seinen Mäzen Gottfried van Swieten beauftragte ihn mit der Überarbeitung von Händel-Kompositionen. Mozarts Bearbeitungen mussten auf den veränderten Musikgeschmack Rücksicht nehmen. Bei Händel hatten Bibelpassagen in einer englischsprachigen Zusammenstellung als Text gedient, die Besetzung bestand aus Sopran, Alt, Tenor, Bass, Chor und Orchester. Mozart stärkte im Orchester die Holzbläser, änderte freizügig die Arien und nutzte Christoph Daniel Ebelings (1741-1817) deutsche Übersetzung der englischen Bibelpassagen als Text. Mozarts Bearbeitung des "Messias" geht über eine Anpassung der Komposition an die zeitgenössischen Aufführungsbedingungen weit hinaus und kann als seine persönliche Interpretation des Werkes verstanden werden. Dies erscheint heute als eigenmächtig, war es aber keinesfalls für Mozart und seine Zeitgenossen.

Im deutschen Sprachraum galt Mozarts Bearbeitung des "Messias" im 19. Jahrhundert als die verbindliche Fassung. Sie erschien 1803 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig im Druck. Für viele Jahre blieb diese Edition die einzige deutschsprachige Ausgabe des "Messias" und bestimmte die Überlieferung.

Die Badische Landesbibliothek erhielt die Partitur im Jahr 2013 als Geschenk von Frau Anne Kern, aka-musikverlag Karlsruhe. Die Partitur stammt aus dem Besitz ihres Großvaters Eugen Walter, der von 1936 bis 1952 als Chordirektor am Münster zum Heiligen Kreuz in Schwäbisch Gmünd wirkte. Am 20. März 1921 führte er den Messias erstmals mit dem "Walterquartett" auf.

Georg Friedrich Händel: Der Messias in der Bearbeitung von W.A. Mozart
F. G. Händel's Oratorium "Der Messias" : nach W. A. Mozart's Bearbeitung; [Teil 1 - 3]. - Partitur. - Leipzig : Breitkopf & Härtel, [1803]. - RISM A/I H 723.
Badische Landesbibliothek, M 26001 RH



Neuerwerbung im Februar:
Prachtwerk aus dem 18. Jahrhundert über Pilze

Zwei Bände eines Prachtwerks aus dem 18. Jahrhundert über Pilze gelangten kürzlich zurück in die BLB. Sie wurden vermutlich vor mehr als hundert Jahren aus der damals noch Großherzoglichen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe entliehen und kamen nun dank der alten Bibliotheksstempel hierher zurück. Da der historische Buchbestand der Bibliothek beim Luftangriff des 3. September 1942 fast vollständig vernichtet wurde, ist die Rückkehr dieser Bände ein ganz besonderes Ereignis für die BLB.

Ursprünglich erschien das Werk in den Jahren 1762 bis 1774 in vier Bänden, von denen die Bände 3 und 4 nun wieder in die BLB zurückkamen. Es handelt sich um ein Kupferstichwerk, in dem die Pilze Bayerns rund um Regensburg und der Oberpfalz beschrieben und abgebildet sind. Die vier Bände enthalten über 330 kolorierte Kupferstichtafeln, die verschiedene Entwicklungsstadien der beschriebenen Pilze naturgerecht abbilden, ebenso die zugehörigen Sporen.

Das Werk wurde verfasst vom Regensburger Pfarrer Jacob Christian Schaeffer (1718-1790), einem der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit - kein Wunder also, dass auch die badischen Markgrafen die meisten seiner Werke besaßen.



Berühmte Pilzbücher zurück in der Badischen Landesbibliothek
D. Iacobi Christiani Schaefferi ... Fvngorum qvi in Bavaria et Palatinatv circa Ratisbonam nascvntvr icones nativis coloribvs expressae
Band 3: Ratisbonae : Schäffer, 1770, Signatur 113 F 1,3 R
Band 4: Ratisbonae : Schäffer, 1774, Signatur 113 F 1,4 R



Neuerwerbung im Januar:
Le monde en estampes


Le monde en estampes: choix de descriptions monumentales, d'articles litteraires, de géographie,d'histoire, d'histoire naturelle, No. 1-26, Carlsruhe: Müller 1832.

Die Welt in Bildern: Auswahl an Beschreibungen von Bauwerken, literarischen, geographischen, historischen und naturgeschichtlichen Artikeln, Nr. 1-26, Carlsruhe: Müller 1832.

Erschienen nur der erste Band. Badische Landesbibliothek, 112 B 75024 R.

Aufgeschagen: Le porc-épic - Das Stachelschwein.
Le monde en estampes


Christian Friedrich Müller (1797-1821) hatte mit der Eröffnung seiner Buchhandlung in Karlsruhe den Grundstein für den ältesten badischen Verlag gelegt, der noch heute unter dem Namen seines Gründers besteht. Das ist der mittlerweile bei der Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH in Heidelberg angesiedelte Verlag C. F. Müller.

Ähnlich wie bei den Bemühungen um eine eigene hebräische Druckerei war die bereits ansässige Konkurrenz, nämlich Schmieder und Macklots Erben, mit allen nur erdenklichen Machenschaften gegen C. F. Müller vorgegangen. Sie hatten aber die Erteilung eines Privilegs am 1. September 1797 nicht zu verhindern vermocht. Damit war die bis heute als solche angesehene Geburtsurkunde des Verlags C. F. Müller ausgestellt.

Weitere Informationen:
  • Ausstellung in der Badischen Landesbibliothek von Juni - September 2012: Buch und Druck in der Residenz. Verlage in Karlsruhe 1719 - 1806. Von den Anfängen bis zur Gründung des Großherzogtums. Mit einem Ausblick auf das 19. Jahrhundert


Weitere Informationen




Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Postfach 1429, 76003 Karlsruhe
Telefonnummern und E-Mail-Adressen


Öffnungszeiten
Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Wissenstor:
Mo - Fr 9.00 - 24.00 Uhr,
Sa, So 10.00 - 24.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
Mo - Mi, Fr 9.30 - 16.00 Uhr,
Do 9.30 - 18.00 Uhr


Valid HTML 4.01! Valid CSS!