Zusammen mit dem Badischen Landesmuseum präsentiert die Badische Landesbibliothek
im Karlsruher Schloss eine einzigartige Sonderausstellung.
Im Jahr 2001 wurde die so genannte
Handschrift C des Nibelungenliedes
aus der Bibliothek der Fürsten von Fürstenberg in Donaueschingen
erworben. Sie wird seitdem als Besitz der Landesbank Baden-Württemberg und der
Bundesrepublik Deutschland in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt.
Erstmals kann die Öffentlichkeit nun das kostbare Werk in Augenschein nehmen.
Doch damit nicht genug. Die Bayerische Staatsbibliothek
in München leiht ihre
Handschrift A aus,
aus der Stiftsbibliothek St. Gallen
in der Schweiz kommt die
Handschrift B.
Weitere kostbare, nur selten gezeigte Handschriften der mittelhochdeutschen Literatur, Fragmente und
selbst jüngste Funde sollen zum Verständnis des Textes beitragen
(Presseberichte zu den Funden: "Kostbarer Abklatsch",
"Und Kriemhilds Name erschien im Damenspiegel").
Die Ausstellung folgt der Handlung des Nibelungenliedes, der Geschichte um Siegfried, Kriemhild,
Brünhild, Hagen und den Schatz der Nibelungen. In spannenden Inszenierungen werden Auszüge des
Epos präsentiert. Exponate aus der Entstehungszeit des Liedes geben Einblick in die mittelalterliche
Kultur.
So entsteht mit Themen wie Rittertum, Burgen, Drachen, Jagd und Festwesen, Kirche, Musik und Kleidung ein
lebendiges Bild des hohen Mittelalters.
Zusätzlich zu den Originalexponaten
visualisieren Fotos die jeweiligen Schauplätze und Themen, ergänzt durch ausgewählte
Textpassagen in
Mittelhochdeutsch und zeitgemäßer Übersetzung.
Die erste von insgesamt rund 2.400 Strophen:
Uns ist in alten Mæren wunders vil geseit
von Helden lobebæren, von grôzer arebeit, von freuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen, von küener recken strîten muget ír nu wunder hœren sagen. Die Übertragung von Helmut Brackert:
In alten Geschichten wird uns vieles Wunderbare berichtet:
von ruhmreichen Helden, von hartem Streit, von glücklichen Tagen und Festen, von Schmerz und Klage, vom Kampf tapferer Recken: Davon könnt auch Ihr jetzt Wunderbares berichten hören.
Diesem Teil der Ausstellung geht ein Prolog voraus, der in knapper Form die Zeit der Handlung, die Welt
des 5. Jahrhunderts, vorstellt. Ein abrundender Epilog erschließt dem Besucher die Zeit der
Wiederentdeckung des Nibelungenliedes und seiner Erhebung zum Nationalepos im 18./19. Jahrhundert genauso
wie die Bedeutung des Stoffes als Inspirationsquelle für Theater, Film und Musik bis in die heutige
Zeit.
Detail eines romanischen Einbandes (BLB: Cod. Aug. perg 242).
Die dynamische Anordnung der Blindstempel zeigt Motive, die auch in Nibelungenlied und -sage vorkommen:
Krieger, Reiter, Zinnen, Kirche und Drachen (weitere Informationen).
Das Juwel der Ausstellung ist jedoch die
Handschrift C.
Sie gilt als die älteste der drei vollständigen,
im 13. Jahrhundert entstandenen Handschriften und hat eine besonders prominente Geschichte. Im Jahre 1755
im Palast von Hohenems (Geschichte der Stadt Hohenems)
aufgefunden, wurde sie schließlich 1815 durch
Joseph Freiherrn von Laßberg in Wien
erworben. Laßberg hatte damals Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg zum Wiener Kongress begleitet, welcher er
die finanziellen Mittel zum Kauf der Handschrift verdankte.
Führungen durch die Ausstellung
Badische Landesbibliothek: Führungen Nibelungenlied
(Format:PDF - Größe:886 kbyte)
Badisches Landesmuseum: Öffentliche Führungen - Themenführungen Literatur zur Ausstellung
Der Katalog zur Ausstellung (240 Seiten mit ca. 250 farbigen Abbildungen) mit dem Titel
"Uns ist in alten Mären ... Das Nibelungenlied und seine Welt" erscheint im
Primus-Verlag:
Museumsausgabe 24,90 € (broschiert) - nur an der Museumskasse erhältlich Buchhandelsausgabe 29,90 € (gebunden) - ab 1.7.2004 34,90 € Ein umfangreicher Aufsatzband (796 Seiten mit 155 s/w-Abbildungen, gebunden, 49 €) zur Ausstellung mit dem Titel "Die Nibelungen - Sage, Epos, Mythos" erscheint im Dr. Ludwig Reichert Verlag. Buchprospekt: "Die Nibelungen - Sage, Epos, Mythos" (2 Abbildungen - Größe:78 kbyte / 114 kbyte) Kontakt
Dr. Peter Michael Ehrle - Erbprinzenstr. 15 - 76133 Karlsruhe
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