Badische Neueste Nachrichten - 15. März 2004
Nibelungen-Schau mit Rekordergebnis
Karlsruhe (bl.) Wieder hat eine Karlsruher Ausstellung ein Rekordergebnis erzielt: 72 000 Besucher
kamen ins Badische Landesmuseum, um die große Präsentation der drei wichtigsten
Nibelungen-Handschriften samt ihrer kulturhistorischen Aufbereitung zu erleben. Das ist mehr als Harald
Siebenmorgen, der Direktor des Museums, und Peter Michael Ehrle, der Direktor der Badischen
Landesbibliothek (BLB), erwartet hatten. (Siehe auch Kultur.)
Die dreimonatige Schau wurde von beiden Institutionen gemeinsam erarbeitet. Bereits vor der
Eröffnung hatte die BLB ein digitalisiertes Faksimile der Handschrift C ins Internet gestellt.
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"Uns ist in alten Mären ...Das Nibelungenlied und seine Welt"
Eine gemeinsame Ausstellung von
Badischer Landesbibliothek
und Badischem Landesmuseum
vom 13.12.2003 - 14.03.2004
im Karlsruher Schloss
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72 000 sahen "Nibelungen"
Zeitweise stand der Hausherr selbst vor dem Eingang zum Karlsruher Schloss und freute sich am
großen Andrang, den die jüngste Ausstellung im Badischen Landesmuseum ausgelöst hatte.
Dessen Direktor, Harald Siebenmorgen, hatte auch durchaus allen Grund zur Freude: Die Ausstellung
"Uns ist in alten Mären ...Das Nibelungenlied und seine Welt", die das Museum zusammen mit der
Badischen Landesbibliothek (BLB) erarbeitet hatte, war immerhin interessant genug, um 72 000
Besucher anzulocken.
Ausgangspunkt dieses ehrgeizigen Unternehmens war die Handschrift C des Nibelungenliedes, die
2001 mit Mitteln der Landesbank Baden-Württemberg, des Bundes und einer Nachfahrin des
Freiherrn von Laßberg erworben wurde und die nun in der BLB aufbewahrt wird. Um diesem
Umstand einen würdigen Rahmen zu geben, vereinbarten Siebenmorgen und der Direktor der BLB,
Peter Michael Ehrle, eine Kooperation, dank derer es unter anderem möglich wurde, die beiden
anderen großen Nibelungen-Handschriften A und B aus der Bayrischen Staatsbibliothek
München und aus der Stiftsbibliothek Sankt Gallen zu entleihen.
A, B und C waren nun drei Monate lang nebeneinander zu sehen - neben zahlreichen anderen kostbaren
Schaustücken und Manuskripten. Zu ihrem besseren Verständnis wurden insgesamt rund 800
Führungen angeboten. Etwa die Hälfte davon wurde von Schulklassen wahrgenommen -
eine Zahl, über die sich Siebenmorgen besonders freute, "steht doch die mittelalterliche
Dichtung nicht mehr auf dem Lehrplan der Schulen," heißt es in einer Mitteilung des Museums.
Große Nachfrage herrschte auch nach dem Katalog zur Ausstellung. Er wird bereits in der
dritten Auflage nachgedruckt, die Erde März ausgeliefert werden soll (Bestellungen unter
Telefon 07 21/9 26 68 46). Neben zahlreichen Besuchern aus dem Ausland, nicht zuletzt aus Frankreich,
verzeichnete das Landesmuseum außergewöhnlich viele Zugriffe auf seine Internet-Seiten.
-bl.
Das aktuelle Buch
Mit einem letzten Ansturm ist jetzt die Karlsruher Ausstellung "Das Nibelungenlied und seine Welt"
zu Ende gegangen. Über das ebenso oft bewunderte wie missbrauchte Werk, seinen historischen
Hintergrund, seine literarische Bedeutung, seine reiche Überlieferung und problematische
Wirkungsgeschichte in Literatur, Bildender Kunst, Musik, Theater und Politik ist parallel zu der
Ausstellung ein gewichtiger Band erschienen, der auf jüngstem Stand der Forschung und mit
großzügiger Bebilderung zentrale Aspekte des komplexen "Nibelungenliedes" abhandelt.
Der thematische Bogen der Beiträge, für die renommierte Fachleute gewonnen wurden,
reicht weit: von europäischen Sagen und höfischer Dichtung des Mittelalters über
die großen Handschriften des Liedes und dessen "nationale Vereinnahmung" (wie in Görings
grausiger Stalingrad-Rede 1943) und schöpferische "Reformulierungen" (etwa bei Richard Wagner,
Friedrich Hebbel, Fritz Lang oder Heiner Müller) bis hin zur vielfältigen Aneignung durch
die Malerei. Ein umfangreicher Anhang mit (leider nur schwarz-weißen) Abbildungen schließt
diese solide, vorzüglich gemachte Würdigung ab.
K.
Joachim Heinzle, Klaus Klein und Ute Obhof (Hrsg.): Die Nibelungen. Sage - Epos - Mythos.
Reichert Verlag, 656 Seiten, 155 Abbildungen, gebunden 49 Euro.
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