Szenenwechsel: In Karlsruhe, der ehemaligen Residenzstadt Badens, hatte man genau 62 Jahre zuvor ebenfalls
einen schweren Bibliotheksbrand zu beklagen. Bei einem Luftangriff in der Nacht des 2./3. Septembers 1942
wurde das Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz zerstört. Die Bibliothek verlor mit 360 000 Bänden fast ihren
gesamten Besitz. Neben den ausgelagerten Handschriften und Inkunabeln blieben nur noch wenige Drucke erhalten.
Zum Geretteten zählen bis heute 33 gewichtige Sammelbände, die so genannten Badensia-Bände. Sie enthalten
historische, politische, theologische, juristische und andere Klein- und Gelegenheitsschriften zur
badischen Geschichte aus dem 16.-19. Jahrhundert. Unzählbar ist die Zahl der Personen und Begebenheiten,
worüber die Inhalte der Bände berichten, immens ihr kultureller Wert.
Wohl im 19. Jahrhundert wurden die dünnen Einzelteile unterschiedlichster
Formate ohne Rücksicht auf ihre Beschaffenheit - sogar auf Seide wurde gelegentlich zu feierlichem Anlass
bei Hofe gedruckt - zu dicken Bänden zusammengefasst. Beispiele für dieses Zusammenfassen
unterschiedlichster Formate sind unter der Signatur
O42 B 62
zu finden.
So hatten sich größere Drucke an den Rändern um
kleinere gebogen, Risse entstanden, zarte Stoffe wurden durch feste Bindung und Benutzung in Fetzen
gerissen, feine Papiere verbogen und geknickt, Blattkanten fransten aus. Schmutz drang an den Seiten
ein, weil die unterschiedlich großen Teile keinen glatten Schnitt für die Seiten des Ganzen gaben.
In der Aufbauphase der Bibliothek nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg erhielten die Badensia-Bände
Schuber, die wenigstens das Einrieseln weiteren Schmutzes verhinderten.
Um den Fortbestand der Drucke zu sichern, führte die Badische Landesbibliothek eine Konservierungs-
und Restaurierungsmaßnahme durch. Die Schriften wurden aus der unsachgemäßen Bindung genommen und gereinigt, bei Bedarf wurden kleinere Reparaturen vorgenommen. Heute werden die Drucke in säurefreien Umschlägen einzeln in Archivboxen gelagert und können dann einzeln benutzt werden.
Die Maßnahme wurde im Rahmen des Landesrestaurierungsprogramms durchgeführt und von der Badischen Bibliotheksgesellschaft unterstützt.
Unsere Richtlinien bei der Bestandserhaltung
Durch unsachgemäßes Restaurieren kann erheblicher Schaden an Bibliotheksbeständen verursacht werden, auch wenn dies nicht beabsichtigt ist. "Gut gemeint", aber unnötig restauriert und rekonstruiert - solche Bände sind enttäuschend für Historiker, Literaturwissenschaftler, Handschriften- und Einbandforscher. Historische Bände sind Individuen.
Sie enthalten über den gedruckten Text hinaus Informationen über frühere Besitzer und historische
Zusammenhänge, zum Beispiel in Besitzeinträgen, in Marginalien, in zum Binden verwendeter Makulatur sowie in
Einbandformen - und techniken. Die besondere landeskundliche Bedeutung eines historischen Bandes besteht häufig gerade in diesen exemplarspezifischen Besonderheiten. Werden durch inadäquates Restaurieren oder großangelegtes
Neueinbinden historische Spuren vernichtet, gehen für die Landes- und Kulturgeschichte wichtige
Merkmale unnötig verloren.
Um derartige Verluste zu vermeiden, werden in der Badischen Landesbibliothek die sogenannten
"Blaubeurener Empfehlungen" angewendet. Diese Empfehlungen wurden 1992 gemeinsam von Restauratoren, Archivaren und Bibliothekaren
während eines Seminars der Universität Tübingen in Blaubeuren erarbeitet. Seither haben sie sich als
Maßstab für
zahlreiche Sanierungsprojekte bewährt und werden in Fachkreisen weithin anerkannt. Gemäß den
"Blaubeurener Empfehlungen" bleiben alle Spuren und Hinweise erhalten, die zur vollständigen Interpretation
eines historischen Bandes als Quelle notwendig sind.
Digitalisierung der Badensia-Bände
Mit ihren reichen Hand- und Druckschriftensammlungen leistet die Badische Landesbibliothek einen wertvollen Beitrag zu Pflege der kulturellen Überlieferung unserer Region. Um dieses Erbe für künftige Generationen zu bewahren, es aber zugleich der Wissenschaft und der literarisch interessierten Öffentlichkeit weltweit zur Verfügung zu stellen, hat die Badische Landesbibliothek am 1. Dezember 2010 ein neues Internetportal gestartet.
In den "Digitalen Sammlungen" präsentiert sie eine kontinuierlich wachsende Zahl gescannter, für die komfortable Betrachtung am Bildschirm aufbereiteter Werke aus ihrem Bestand. Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei zum einen die mittelalterlichen und neuzeitlichen Handschriften, zum anderen jene historischen Drucke, die als Quellen zur badischen Geschichte anzusehen sind. Aber auch regional bedeutsame Musikalien und Briefsammlungen werden berücksichtigt (s. Pressemitteilung vom 01.12.2010: Start der "Digitalen Sammlungen" - Neues Internetangebot der Badischen Landesbibliothek - http://digital.blb-karlsruhe.de)
Die Badensia-Bände liegen bereits in digitaler Form vor. Die Digitalisate werden innerhalb der "Digitalen Sammlungen" nachgewiesen unter
Drucke.
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