Die Hohenems-Lassbergsche Nibelungenlied-Handschrift (C) in der Badischen Landesbibliothek
Jüngste Vorgeschichte
Seit Oktober 1999 wurden die Druckwerke [1] der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in
Donaueschingen in verschiedenen Auktionshäusern versteigert oder anderweitig auf dem
Antiquariatsmarkt angeboten [2]. Die Donaueschinger Bibliothek war seit 1855 auch Standort der
umfangreichen Büchersammlung des Gelehrten
Joseph Maria Christoph Freiherrn von Laßberg (1770-1855).
Das Land Baden-Württemberg hat große Anstrengungen unternommen, die wichtigsten Teile der
Laßbergschen Bibliothek zu erwerben und für die Öffentlichkeit zu bewahren. Diese Bücher haben
in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe eine neue Heimat gefunden, wo sich bereits ein
Teil seines Nachlasses, seiner Handschriften, vor allem die deutschsprachigen Schätze des
Mittelalters und deren Abschriften [3], und auch viele seiner
Inkunabeln [4] befinden.
Obwohl der Verkauf der Donaueschinger Bibliothek zum Jahreswechsel 2000/2001 noch nicht
völlig abgeschlossen war, präsentierte die Badische Landesbibliothek vom 17. Februar 2001
an die Ausstellung
" Joseph Freiherr von Laßberg und seine Bibliothek". Sie wurde auf Grund
des guten Besuches um einen Monat bis zum 12. Mai verlängert. Dem interessierten Bürger
sollte frühzeitig ein Einblick in die jüngst erworbenen und geretteten Schätze gewährt
werden. Das Begleitbuch zur Ausstellung [5] verstand sich daher als Band 1 einer Gesamtpublikation.
Ein geplanter Band 2 soll künftig weitere Aspekte der ehemaligen Bibliothek Laßbergs beleuchten
und die in Band 1 begonnene Titelliste aller Druckwerke aus Donaueschingen [6], die sich
heute in der Badischen Landesbibliothek befinden, vervollständigen [7]. Bestände aus der
Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen, die an andere Standorte im
In- und Ausland gelangt sind, beabsichtigt ein Internet-Projekt nachzuweisen [8].
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Hs. Don. 63
Nibelungen-Handschrift (C)
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Laßbergs bedeutendste Handschrift in Karlsruhe
Seit Dienstag, den 5. Juni 2001, befindet sich die älteste Handschrift des Nibelungenliedes (C)
in Karlsruhe. In einer Pressekonferenz des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst
in der Badischen Landesbibliothek stellten Herr Minister von Trotha und die Eigentümer der
Handschrift, Herr Sauer und Herr Haasis als Vertreter der Landesbank Baden-Württemberg,
die Handschrift vor. Das Geheimnis um den künftigen Aufbewahrungsort war von Seiten des
Wissenschaftsministeriums und der Bank bis zum Schluß gehütet worden. Allerdings war der
Presse schon einige Tage vorher zu entnehmen, daß nicht die Universitätsbibliothek Heidelberg
oder die Württembergische Landesbibliothek zum Zuge kämen, sondern die Badische
Landesbibliothek in Karlsruhe. Herr Dr. Ehrle, Leitender Bibliotheksdirektor, stellte heraus,
daß es sich für die Badische Landesbibliothek um den bedeutendsten Einzelzugang seit
der Säkularisation von 1803 handle. Der Codex ist zwar Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg,
mit deren Mitteln er vor allem finanziert wurde, wird jedoch der Badischen Landesbibliothek
als Leihgabe zur Verfügung gestellt.
Nach den Ankäufen wertvoller Bestände aus der Fürstlich Fürstenbergischen Bibliothek durch
das Land Baden-Württemberg, den Handschriften (1993), Inkunabeln (1994), der Musikaliensammlung
(1999) und schließlich, wie oben berichtet, weiterer Druckwerke Laßbergs (1999-2001), fügt sich
die von der Landesbank Baden-Württemberg erworbene Nibelungenlied-Handschrift nun ausgezeichnet
in den bestehenden Sammlungszusammenhang der Badischen Landesbibliothek ein.
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"Hohenemser Kulturlandschaft
um 1613"
Gemälde von Hans Jakob Noppis, 1613
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Die Handschrift ist der älteste Textzeuge des um 1200 entstandenen, aber auf ältere mündliche
Traditionen zurückgehenden Nibelungenliedes. Sie wurde im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts
im Südwesten des deutschsprachigen Raumes niedergeschrieben. Im 18. Jahrhundert im Schloß der
Grafen von Hohenems entdeckt, wurde der bereits berühmte Codex im Jahre 1815 durch Joseph von
Laßberg am Rande des Wiener Kongresses erworben. Die finanziellen Mittel dafür stellte ihm seine
heimliche Lebensgefährtin, Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg (1767-1822), zur Verfügung.
Vom 12. bis 14. Juli 2001 hatte die Öffentlichkeit die Gelegenheit, die Nibelungenlied-Handschrift
im Original zu sehen. Es wurde bewußt eine schlichte Präsentation gewählt, die eine erst später
realisierbare größere Ausstellung nicht ersetzen sollte. Die Veranstaltung fand so lebhaftes
Interesse, daß in dem knappen Zeitraum circa 1000 Besucher in die Badische Landesbibliothek
kamen, um das Schmuckstück der einstigen Bibliothek Laßbergs zu bestaunen.
Ute Obhof
(Publiziert in: Badische Heimat 81 (2001) S. 384-386)
[1] Ausgenommen die Inkunabeln, die bereits früher versteigert wurden, vgl. den
Auktionskatalog: Sotheby's. Incunabula from the Court Library at Donaueschingen.
Auction 1st July 1994, London 1994. Laut freundlichem Hinweis von Herrn Roland Folter,
Antiquariat H. P. Kraus, New York, gab es 1982 noch mehrere Sotheby-Auktionen in England,
Deutschland und der Schweiz, wo Buchgruppen aus Donaueschingen, zum Teil anonym, unter den Hammer kamen.
[2] Im einzelnen informieren darüber folgende Verkaufskataloge: Reiss und Sohn.
Aus einer süddeutschen Fürstenbibliothek, I. Auktion 68, 20. Oktober 1999; II. Auktion 70,
3.-4. Mai 2000; III. Auktion 73, 24. Oktober 2000; IV. Auktion 76, 25. April 2001, Königstein im
Taunus, 1999-2001. Peter Kiefer: Bücher und Graphik. Fürstenbibliothek aus Süddeutschland,
Auktion 40, 3.-5. Februar 2000; Auktion 41, 18.-20. Mai 2000; Auktion 42, 5.-7. Oktober 2000,
Pforzheim 2000. Bernard J. Shapero, Rare Books, London: A Collection of Books from the Fürstenberg
Library at Donaueschingen 16th-19th Century (I); A Collection of Continental Literature 16th-19th
Centuries from the Fürstenberg Library at Donaueschingen (II); Travel from Antiquity to Modern Times,
Books from the Fürstenberg Library (III); Education (IV), London 2000. Weitere Bände wurden
von den Antiquariaten Dr. Jörn Günther, Hamburg; U. Kolb & M. Weiers, Altstadt Antiquariat,
Freiburg i. Br.; Heritage Book Shop, Los Angeles, veräußert.
[3] Einen genauen Nachweis gibt Felix Heinzer, Die neuen Standorte der ehemals Donaueschinger
Handschriftensammlung, Scriptorium 49 (1995) 312-319. Vgl. "Unberechenbare Zinsen". Bewahrtes
Kulturerbe. Katalog zur Ausstellung der vom Land Baden-Württemberg erworbenen Handschriften der
Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek, hg. v. Felix Heinzer, Stuttgart, Karlsruhe 1993.
[4] Die Inkunabeln der Badischen Landesbibliothek werden im Rahmen des Baden-Württembergischen
Inkunabelprojektes erschlossen, http://www.uni-tuebingen.de/ub/kata/inkun.htm.
[5] Ute Obhof u. a., Joseph Freiherr von Laßberg (1770-1855) und seine Bibliothek,
I. ... vom 17. Februar bis 12. April 2001 in der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe 2001.
[6] Nicht nur der Laßbergiana, aber mit Ausnahme der Inkunabeln wie in der Anmerkung 4 angegeben.
[7] Alle bislang im Südwestverbund katalogisierten Druckwerke aus der Fürstlich
Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen sind auch im elektronischen Katalog
der Badischen Landesbibliothek über Internet auffindbar,
http://www.blb-karlsruhe.de/sua/ (Suchen - Expertensuche - az=dona).
[8] Klaus Graf, "Donaueschingen Digital", http://www.uni-koblenz.de/~graf/dondig.htm.
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