Handschrift C des Nibelungenliedes kommt nach Karlsruhe
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Pressemitteilung vom 05.06.2001:
Wissenschaftsminister von Trotha: Epos wird wieder in seinen ursprünglichen
Sammlungszusammenhang eingereiht
Die von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erworbene
Nibelungenhandschrift C findet ihre neue Heimat in der Badischen
Landesbibliothek in Karlsruhe. Diese Entscheidung gaben am 5. Juni 2001
Wissenschaftsminister Klaus von Trotha, Hans Dietmar Sauer (Vorsitzender des
Vorstands der Landesbank Baden-Württemberg) und Heinrich Haasis (Vorsitzender
des Verwaltungsrats der Landesbank Baden-Württemberg) vor der Presse in
Karlsruhe bekannt. "Den Ausschlag für die Standortentscheidung gaben rein
fachliche Kriterien, insbesondere der für die Germanistik relevante
Dokumentations- und Sammlungszusammenhang mittelalterlicher Handschriften,
der in Bezug auf das Nibelungenlied bei der Badischen Landesbibliothek in
besonders dichter Form vorhanden ist", sagte Wissenschaftsminister von Trotha.
Die Badische Landesbibliothek ist seit der Säkularisation im Besitz umfangreicher mittelalterlicher
deutschsprachiger Handschriftenbestände aus dem Bodenseeraum sowie aus dem süd- und südwestdeutschen Raum
insgesamt. Mit der Zuweisung der deutschen Handschriften des Mittelalters bis ca. 1500 aus der Fürstlich
Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen konnte dieser Sammlungsschwerpunkt 1994 erheblich
ausgebaut werden.
Von besonderer Bedeutung ist die enge inhaltliche Verzahnung des in der Badischen Landesbibliothek
vorhandenen Nachlasses des Joseph Freiherr von Laßberg mit den von ihm erworbenen Handschriften der
Donaueschinger Hofbibliothek. Laßberg hatte in seiner Handbibliothek zahlreiche Einträge, Lesevermerke und
Aufzeichnungen zum Nibelungenlied hinterlassen. "In der Badischen Landesbibliothek wird das einstige Juwel
der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek wieder in seinen ursprünglichen Sammlungszusammenhang
eingereiht, zu dem auch das Fragment einer anderen Nibelungenliedhandschrift aus dem gleichen Zeitraum und
vom gleichen Typus gehört", unterstrich Minister von Trotha. Darüber hinaus verkörpere sich im
Nibelungenlied nicht nur nationales, sondern auch gesamteuropäisches Kulturerbe, das zur europaweiten
Profilierung der Stadt Karlsruhe beitragen und damit auch deren Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas für
das Jahr 2010 unterstützen werde.
Die Landesbank Baden-Württemberg hat die Handschrift erworben und stellt sie dem Land als Leihgabe zur
Verfügung. "Damit ist das Ziel der Landesregierung erreicht worden, die Nibelungenhandschrift im Land
fachgerecht aufzubewahren, zu betreuen und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen", betonte
Wissenschaftsminister von Trotha. Seit 1993 habe das Land insgesamt 54,5 Millionen Mark aufgewendet, um
Handschriften, Inkunabeln, Musikalien und Drucke aus der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in
Donaueschingen zu erwerben. Auch die zwischen 1200 und 1230 im Bodensee-/Oberrheingebiet entstandene
Handschrift C des Nibelungenliedes, die 1815 am Rande des Wiener Kongresses von Joseph Freiherr von
Laßberg erworben wurde, befand sich seit 1853 im Besitz der Fürstenbergischen Hofbibliothek. "Dass es
durch die Unterstützung der Landesbank, der Kulturstiftung der Länder, des Bundes und durch eine Spende
von Christina Freifrau von Laßberg gelungen ist, die Handschrift in Baden-Württemberg zu halten, erfüllt
mich mit großer Freude und Dankbarkeit", sagte Minister von Trotha.
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Pressemitteilung vom 05.06.2001
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