Der Theuerdank Kaiser Maximilians I.
Kaiser Maximilian I., 'Theuerdank', Nürnberg 1517.
Hg. von Melchior Pfintzing u.a.
118 Holzschnitte nach L. Beck, J. Breu, H. Burgkmair, H. Schäufelein,
E. Schön, W. Traut, H. Weiditz und Meister N. H.
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, 100 B 77100 RH
Erworben mit Mitteln der Stiftung Kulturgut
Baden-Württemberg und der Badischen Bibliotheksgesellschaft.
Das Werk ist von Kaiser Maximilian I. (1459-1519) in der Tradition des
späthöfischen Versromanes zum Ruhm des Rittertums und seiner Dynastie
entworfen. Es stellt eine Allegorie auf seine Brautfahrt zu Maria von
Burgund dar. Die eigens dafür geschaffene Drucktype ahmt eine deutsche Kanzleischrift
nach.
|
Theuerdank
Kaiser Maximilians I.
Anfangsseite mit Exlibris
Foto: Badische Landesbibliothek
|
|
Die erste Auflage war ausschließlich zu Geschenkzwecken bestimmt. Lediglich
40 Exemplare sind für hochgestellte Persönlichkeiten des Reiches auf Pergament
gedruckt worden. Die Vergabe erfolgte erst nach Maximilians Tod auf Veranlassung
seines Enkels Erzherzog Ferdinand.
Das vorliegende Exemplar befand sich im 19. Jahrhundert wie die
'Nibelungenlied'-Handschrift C
im Besitz Josephs von Laßberg (1770-1855).
Spitzenstücke seiner Bibliothek stattete Laßberg mit einem eigenhändig gemalten
Wappenexlibris aus. Laßberg hat den wertvollen Band vielleicht über seine
Beziehungen zum Malteserorden erhalten. Wie wichtig Laßberg die
Zugehörigkeit zum Malteserorden war (1786 Ritterschlag auf der Burgruine Trifels),
ist hinlänglich bekannt.
Das im 'Theuerdank' eingetragene Wappenexlibris Laßbergs steht
in der Art der Ausformung hierarchisch weit oben. Es ist vergleichbar mit den Varianten,
die Laßberg in der 'Nibelungenlied'-Handschrift C und dem in Freiburg und Vörstetten
geschriebenen ältesten 'Schwabenspiegel'-Codex (beide 13. Jh.) angebracht hat:
Wappen und Helmzier (wie auf dem ersten Blatt des 'Nibelungenliedes') auf grauem Grund
mit der Umschrift Joseph von Laszberg Ritter (wie im 'Schwabenspiegel').
Die Pointierung
auf den Malteserorden kommt durch ein neben der Helmzier stehendes zusätzliches
Malteserkreuz zustande. Laßbergs Standesbewußtsein als Ritter des alten Reiches
wird in diesem Band bestätigt. Umgekehrt wird gerade in diesem Exemplar des 'Theuerdank'
augenfällig dokumentiert, dass Verleihung und Besitz des Buches noch Jahrhunderte nach
seiner Entstehung als hohe Auszeichnung empfunden wurden.
LITERATUR:
- Bibliotheca Palatina, Katalog zur Ausstellung 1986, Heiliggeistkirche Heidelberg,
hg. von Elmar Mittler in Zusammenarbeit mit Vera Trost u.a. (Heidelberger Bibliotheksschriften 24),
Heidelberg 1986, Textband, S. 207f.; Bildband, S. 155.
- Ute Obhof in Zusammenarbeit mit Rainer Fürst u.a., Joseph Freiherr von Laßberg (1770-1855)
und seine Bibliothek. Neuerwerbungen des Landes Baden-Württemberg in der Badischen
Landesbibliothek, I. Begleitbuch zur Ausstellung 2001 in der Badischen Landesbibliothek,
Karlsruhe 2001, S. 46-53.
Ute Obhof
>>> Das könnte Sie auch interessieren:
in der Badischen Landesbibliothek:
|