Musikalien der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen
Die Musikaliensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen wird nun in der
Badischen Landesbibliothek Karlsruhe verwahrt. Das Land Baden-Württemberg hat die Sammlung Ende Oktober
1999 für 2,9 Mio. DM erworben. Finanziert wurde die Erwerbung überwiegend aus Mitteln der Stiftung
Kulturgut Baden-Württemberg und mit Beiträgen der Kulturstiftung der Länder und der Badischen
Bibliotheksgesellschaft e.V., Karlsruhe.
Die Donaueschinger Musikalien bilden eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art im süddeutschen Bereich
aus fürstlichem Besitz. Mit 3.612 Handschriften und 3.920 Drucken zählt die Sammlung zu den umfangreichen.
Durch ihre Geschlossenheit und die ausgewogene Mischung nahezu aller musikalischen Gattungen (Kirchenmusik,
Kammermusik, Konzerte, Opern usw.) stellt die Donaueschinger Sammlung insgesamt eine wichtige Quelle für
die Musikpflege an einem regional bedeutenden Hof dar.
Erhalten haben sich u. a. viele instrumentale sowie musikdramatische Werke aus der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da seit 1762 eine Hofkapelle bestand und
sich die Fürstenfamilie 1784 ein eigenes Hoftheater bauen ließ. Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph
Haydn, Gioachino Rossini, Daniel François Esprit Auber und Vincenzo Bellini wurden in Donaueschingen
aufgeführt, das Notenmaterial ging anschließend in die Musikaliensammlung ein.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):
Don Giovanni (Il dissoluto punito, ossia Il Don Giovanni), KV 527.
Opera buffa in 2 Akten.
Verschiedene Abschriften, Partitur und Stimmen, Klavierauszüge.
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Don Mus. Ms. 1386 [u. a.]
Foto: Badische Landesbibliothek
Besonders reich ist der Bestand auch an Streichquartetten von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart,
Bläsermusik von Joseph Fiala und Sinfonien und Konzerten wiederum von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus
Mozart und Antonio Rosetti.
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):
Brief vom 8. August 1786 aus Wien an Sebastian Winter in Donaueschingen mit Liste der angebotenen Werke für Orchester
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Don Mus. Autogr. 44
Foto: Badische Landesbibliothek
Zahlreiche Hofkapellmeister versahen ihren Dienst am Fürstenberger Hof, besonders wichtig waren darunter
Conradin Kreutzer (1780-1849) und Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866). Von Kalliwoda haben sich allein
über 200 Kompositionen in der Musikaliensammlung erhalten. Dieser Bestand stellt nun eine hervorragende
Ergänzung zu dem bereits in der Badischen Landesbibliothek verwahrten Teilnachlass des in Karlsruhe
verstorbenen Komponisten dar.
Viele durchreisende Künstler besuchten den musikliebenden Hof, dessen Fürsten jeweils als großzügig
gegenüber Musikern galten. Ein besonderer Höhepunkt stellte der Auftritt von Franz Liszt in Donaueschingen
1843 dar: Der berühmte Pianist und Komponist weilte drei Tage am Hof und konzertierte mehrfach vor der
Hofgesellschaft. Zum Abschied ließ er einen Ländler für Klavier zurück.
Franz Liszt (1811-1886):
Ländler für Klavier, Autograph,
gewidmet der Fürstin Amalie zu Fürstenberg, geb. Prinzessin von Baden, datiert
auf den 25.11.1843
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Don Mus. Autogr. 39
Foto: Badische Landesbibliothek
Nach dem Brand des Hoftheaters im Jahr 1850, bei dem glücklicherweise keine Notenverluste zu beklagen
waren, wurde vor allem Musik im privaten Kreis der fürstlichen Familie gepflegt. Hiervon haben sich in der
Sammlung Noten für Kammermusik (z. B. handgeschriebene Liederbücher und Klavierbearbeitungen) erhalten.
Verschiedene sogenannte "Amalie"-Bände aus der Musikaliensammlung
der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen,
jetzt: Badische Landesbibliothek, Karlsruhe.
Fürstin Amalie (1795-1869), geborene Prinzessin von Baden, Gemahlin von Carl Egon II.
Fürst zu Fürstenberg, ließ gedruckte Klavierauszüge von Opern einheitlich in grüne Einbände
mit rotem Lederrücken binden. Davon haben sich in der Sammlung mehr als 150 Bände erhalten.
Foto: Badische Landesbibliothek
Erst im 20. Jahrhundert wurde unter Fürst Max Egon II. wieder öffentliches musikalisches Leben nach
Donaueschingen geholt. Er förderte seit 1921 die von Musikdirektor Heinrich Burkhard ins Leben gerufene
Gesellschaft der Musikfreunde, die in Donaueschingen Kammermusikaufführungen zur Förderung zeitgenössischer
Tonkunst veranstaltet. Den Ehrenvorsitz hatte dabei Richard Strauss inne. In diesen Konzerten erlebten
u. a. Werke von Paul Hindemith, Arnold Schönberg und Anton von Webern Uraufführungen, die zum Teil
ebenfalls in den Musikalienbestand eingingen.
Weitere Hinweise zum Bestand
Zusätzlich wurden im Jahr 2000 noch mehrere hundert Theaterprogramme des Donaueschinger Hoftheaters von der Badischen Landesbibliothek aus dem Antiquariatshandel erworben, ebenso ein Musikalienverzeichnis der Prinzessin Amélie zu Fürstenberg von 1874 (Signatur: K 3194).
Eine Handschrift (eine um 1580-1595 entstande Lautentabulatur,
Signatur: Cod. Don. G I 4) kam nicht nach Karlsruhe, sondern an die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart.
In Donaueschingen verblieben sind mehrere Autographen, die von " Komponisten der Donaueschinger Kammermusikaufführungen" Maximilian Egon II., Fürst zu Fürstenberg, anlässlich dessen 60. Geburtstag am 13.10.1923 zum Geschenk gemacht wurden. Es handelt sich u.a. um Werke von Alban Berg, Paul Hindemith und Richard Strauß.
In Donaueschingen verblieben sind auch (zumindest zum größten Teil) die ebenfalls von RISM in den entsprechenden Publikationen verzeichneten musiktheoretischen Werke, Libretti und Gesangbücher sowie die (nicht von RISM aufgenommenen) Theaterzettel.
Erschließung der Donaueschinger Musikhandschriften
Die Donaueschinger Musikhandschriften sind in der Datenbank von RISM ( Répertoire International des Sources Musicales) verzeichnet. Diese Datenbank ist frei zugänglich im Internet unter http://opac.rism.info/.
Die Donaueschinger Musikhandschriften waren zwischen 1977 und 1980 von Dr. Gertraut Haberkamp für RISM katalogisiert worden. Die Titelaufnahmen waren dann von der RISM Zentralredaktion in die Datenbank eingegeben worden. Diese Titelaufnahmen wurden mit dem Bibliothekssigel "D-DO" aufgenommen.
Im Zuge der Katalogisierung der historischen Bestände der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (Signaturen "Mus. Hs.") wurden von Dr. Armin Brinzing noch einige Angaben zu den Donaueschinger Handschriften ergänzt. Vor allem wurden auch mehrere Handschriften neu aufgefunden, die Gertraut Haberkamp seinerzeit nicht vorgelegen hatten. Diese Ergänzungen sind ebenfalls über den RISM OPAC verfügbar. Es handelt sich um insgesamt ca. 1.400 zusätzliche Titelaufnahmen, die mit dem Bibliothekssigel "D-KA" aufgenommen und mit dem Vorbesitzer "Fürstlich Fürstenbergische Hofbibliothek" verzeichnet wurden.
Den gesamten Bestand der ehemals Donaueschinger Musikhandschriften in Karlsruhe finden Sie in RISM durch eine Suche nach Signaturen, die mit "Don Mus" beginnen. Diese Signaturen sind entweder unter dem Bibliothekssigel "D-KA" oder "D-DO" aufgenommen.
Die Donaueschinger Musikhandschriften sind außerdem durch einen Katalog erschlossen:
Der Musikalienbestand der ehemaligen Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe (Aus: RISM : Serie A : 2, Musikhandschriften nach 1600).
Standortnummer im Lesesaal Sammlungen: ML : Tz0/02697
Weitere Informationen auf den Webseiten von RISM:
Erschließung der Donaueschinger Musikdrucke
Die Musikdrucke mit den Signaturbezeichnungen "Don Mus. Dr. 1 - 3352" sind vollständig im Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds nachgewiesen. Dieser Bestand kann damit über das Abrufzeichen "donm" auch im Online-Katalog der Badischen Landesbibliothek recherchiert werden.
Die Donaueschinger Musikdrucke sind außerdem durch einen Katalog erschlossen:
"Katalog der Fürstlich-Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen im Bestand der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe" (Enth. in Xerokopie die größtenteils handschr. Titelbeschreibungen der Donaueschinger Orig.-Katalogkarten der Musiksammlung).
Standortnummer im Lesesaal Sammlungen: ML : Tz0/02696
Zitierweise der Signaturen
Die offizielle Zitierweise der Signaturen beginnt immer mit Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, ...
Bei den Donaueschinger Musikalien existieren folgende Signaturengruppen:
- Don Mus. Ms. [Signaturen 1-2859]
- Don Mus. Dr. [Signaturen 1-3352]
- Don Mus. Ded. [Signaturen 1-142]
- Don Mus. Autogr. [Signaturen 1-51]
- Don Mus. S. B. [Signaturen 1-10]
Beispiel: Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Don Mus. Ms. 1386
WEITERFÜHRENDE LITERATUR:
- Felix Loy: Harmoniemusik in der Fürstenbergischen Hofkapelle zu Donaueschingen. Tübingen, Universität, Dissertation, 2009
- Matthias Miller und Martina Rebmann:
" ... die Praecision
und der grosse Effect dieses kleinen Orchesters" -
Musik bei den Fürsten zu Fürstenberg in Donaueschingen
In: Momente - Beiträge zur Landeskunde Baden-Württemberg - 04/2005
- Ausstellungskatalog "... Liebhaber und Beschützer der Musik" :
die neu erworbene Musikaliensammlung der Fürsten zu Fürstenberg in der Badischen Landesbibliothek ;
hrsg. von der Kulturstiftung der Länder zusammen mit der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe 2000 (ISSN 0941-7036).
Mit Beiträgen von Albrecht Dürr, Reiner Nägele, Manfred Hermann Schmid, Manfred Schuler und László
Strauß-Németh. Katalogbearbeitung: Matthias Miller und Martina Rebmann. 296 Seiten mit zahlreichen, meist
farbigen Abbildungen (erschienen in der Reihe Patrimonia, Bd. 188)
Preis: € 20,00; (Mitglieder der Badischen Bibliotheksgesellschaft € 18,00)
Erhältlich über den Online-Shop der Badischen Landesbibliothek.
- Felix Heinzer: Donaueschinger Handschriften und Inkunabeln, in: Zukunft braucht Herkunft - Bedeutsame Erwerbungen der Württembergischen Landesbibliothek seit 1970, Stuttgart 1997, S. 37-39.
- Gertraut Haberkamp: Autographe Musikhandschriften des 19. und 20. Jahrhunderts in der F. Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen, in: Ars iocundissima. Festschrift Kurt Dorfmüller, Tutzing 1984, S. 97-113
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