Berichte für die Jahre 2000 - 1993 aus der Musikabteilung
2000
Die Musikabteilung der Badischen Landesbibliothek (BLB) hatte im Jahr 2000 wenige Notenzugänge zu
verzeichnen bedingt durch die allgemein schlechte finanzielle Situation. Es konnten jedoch die
Gesamtausgaben von Hildegard von Bingen, Louise Farrenc, Jean-Baptiste Lully, Carl Nielsen und Jean
Sibelius erworben bzw. subskribiert werden.
Im Januar 2000 erhielt die BLB aus Karlsruher Privatbesitz einige Stücke aus dem Nachlass des
Komponisten Johann Wenzel Kalliwoda,
der 1866 in Karlsruhe starb. Darunter befanden sich eine in der
Kalliwoda-Forschung bislang unbekannte Gipsbüste sowie Werkverzeichnisse des Komponisten,
zusammengestellt von seinem Sohn Emil Kalliwoda, viele Zeitungsausschnitte und Konzertprogramme,
die die Aufführungen von Werken des Donaueschinger Kapellmeisters bis in unsere Zeit hinein
dokumentieren. Im Spätherbst konnte die Bibliothek dann aus derselben Quelle noch 20 Briefe an
Wilhelm Kalliwoda (1827-1893) erwerben. Wilhelm Kalliwoda war der Sohn Johann Wenzel Kalliwodas,
und er wirkte in Karlsruhe als Hofkapellmeister. So erhielt die BLB nun u. a. zwei Briefe von
Richard Wagner, fünf von Clara Schumann und je einen von Hans von Bülow und Ignaz Lachner.
Der April bot Gelegenheit, Sacrae cantiones und Deutsche Motetten des württembergischen
Hofkapellmeisters Balduin Hoyoul (um 1548-1594) in einem Konzert in der BLB mit dem "Ensemble
Hofkapelle" anzuhören. Die Einführung zu diesem Konzert übernahm Dr. Andreas Traub.
Im Mai und Juni wurde eine Ausstellung über die Sängerin und Komponistin Pauline Viardot-Garcia
(1821-1910) gezeigt. Die Ausstellung gab durch zahlreiche Dokumente wie Bilder, Briefe und
Musikalien ein umfassendes und farbiges Bild des Lebens und Wirkens der Musikerin. Im Mittelpunkt
standen die sieben Jahre in Baden-Baden, wohl die glücklichsten in ihrem ganzen Leben, und ihre
Gastspiele sowie ihr Aufenthalt in Karlsruhe im Winter 1868/69. Der Katalog
( Pauline Viardot in
Baden-Baden und Karlsruhe, hrsg. von Ute Lange-Brachmann und Joachim Draheim, Baden-Baden 1999) ist
im Buchhandel für DM 39,-- erhältlich. Sowohl bei der Ausstellungseröffnung als auch bei einem
weiteren Konzert während der Dauer der Ausstellung wurden Lieder der Komponistin aufgeführt.
Ein knappes Jahr nach dem Ankauf der Musikaliensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen
Hofbibliothek Donaueschingen durch die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg zeigte die BLB, in der
die Sammlung nun verwahrt wird, etwa 100 der schönsten und spektakulärsten Stücke. Von September bis
zum Jahresende waren die Schätze - eine Auswahl aus dem Musikalienbestand, der mehr als 3.500
Handschriften und fast 4.000 Drucke umfasst - zu sehen. Der begleitende Katalog
( "... Liebhaber und
Beschützer der Musik" - Die neu erworbene Musikaliensammlung der Fürsten zu Fürstenberg in der
Badischen Landesbibliothek, Redaktion und Katalogbearbeitung: Matthias Miller und Martina Rebmann,
Karlsruhe 2000) erschien als Band 188 in der Reihe Patrimonia der Kulturstiftung der Länder. Die
Stiftung hat einen bedeutenden finanziellen Zuschuss zur Erwerbung der Musikaliensammlung geleistet.
Der Katalog ist für € 20,- über das Sekretariat der BLB, Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe zu
beziehen, Tel. 0721/175-2201, Fax 0721/175-2333, e-Mail: sekretariat blb-karlsruhe.de.
Martina Rebmann
1999
Das Jahr 1999 zeichnet sich durch den bisher größten Zuwachs an Musikalien in der Geschichte der
Badischen Landesbibliothek aus: Die
Musikalien
der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen wurden vom Land Baden-Württemberg im Herbst angekauft
und der Bibliothek übergeben.
Dabei handelt es sich um die stattliche Anzahl von 3.612 Handschriften und 3.920 Drucke - die
Donaueschinger Musikalien bilden damit eine der bedeutendsten und umfangreichsten Sammlungen im
süddeutschen Bereich aus fürstlichem Besitz. Durch ihre Geschlossenheit und die ausgewogene Mischung
nahezu aller musikalischer Gattungen (Kirchenmusik, Kammermusik, Konzerte, Opern usw.) stellt die
Sammlung insgesamt eine wichtige Quelle für die Musikpflege an einem regional bedeutenden Hof dar.
Besonders hervorzuheben sind unter den Donaueschinger Hofkapellmeistern Conradin Kreutzer
(1780-1849) und
Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866).
Von beiden ist im Musikalienbestand
umfangreiches handschriftliches und gedrucktes Material vorhanden. Von Kalliwoda haben sich allein
über 200 Kompositionen in der Musikaliensammlung erhalten, die nun eine hervorragende Ergänzung zu
dem bereits in der Badischen Landesbibliothek verwahrten Teilnachlass des in Karlsruhe verstorbenen
Komponisten bilden.
Weitere Komponisten, von denen sich in der Sammlung bedeutendes musikalisches Material befindet,
sind u. a. Carl Philipp Emanuel Bach, Ludwig van Beethoven, Georg Benda, Joseph Fiala, Joseph und
Michael Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Valentin Rathgeber.
Die Bestände der Donaueschinger Musikaliensammlung sind durch einen handschriftlichen Katalog
erschlossen. Der größte Teil der Handschriften ist außerdem in RISM verzeichnet (recherchierbar mit
der CD-ROM "RISM, Serie A/II, Musikhandschriften nach 1600").
Im September 2000 wird eine Ausstellung in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe eröffnet, bei
der ausgewählte Stücke aus der ehemals Donaueschinger Musikaliensammlung gezeigt werden. Zur
Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.
Martina Rebmann
1998
Seit dem 1. Oktober 1998 ist das Fachreferat Musik an der Badischen Landesbibliothek nach dem
Ausscheiden von Dr. Klaus Häfner Ende 1996 wieder besetzt mit Martina Rebmann M.A. Damit endete eine
knapp zweijährige Vakanz der Stelle mit den Aufgaben der Betreuung der handschriftlichen und
gedruckten Musikalienbestände, des Musiklesesaales und der Erwerbung und Erschließung im Bereich von
Musikschrifttum zu den Gebieten Musikwissenschaft und Musikpädagogik sowie Musikalien.
Als eine erste wichtige Aufgabe erwies sich die Überarbeitung der
Systematik des Musiklesesaals.
Diese Systematik wurde bedeutend erweitert, der Bestand des Musiklesesaals, der derzeit 8.115 Bände
an Monographien, Zeitschriften, Jahrbüchern und Noten umfasst (Stand 31.12.1998), soll insgesamt
vermehrt und überarbeitet werden. Im Musiklesesaal zeigt sich als großer Pluspunkt die gemeinsame
räumliche Nutzung mit der Mediothek der Badischen Landesbibliothek. In der Mediothek können
Musikkassetten, CDs und Platten angehört sowie Videos und Dias angesehen werden. Für den
Musikbereich besonders interessant ist die Aufstellung eines umfassenden Bestands an
Eulenburg-Taschenpartituren, die so beim Abhören von Musiktonträgern problemlos mitgelesen werden
können. Der Bestand an Tonträgern der Mediothek umfasste zum Jahresschluss 1998 6.903 Einheiten, den
größten Anteil dabei haben CDs (5.450 Stück).
Eine besondere Schwierigkeit stellt für jede Bibliothek die Katalogisierung von Noten und Tonträgern
dar, die spezielle Kenntnisse beim Personal voraussetzt. Nachdem in der Badischen Landesbibliothek
aus personellen Gründen einige Monate keine Noten katalogisiert werden konnten, ist diese missliche
Lage inzwischen behoben. Seit 1997 werden kontinuierlich Noten online katalogisiert, wobei
gleichzeitig ein erfreulicher Rückgang der Notenrückstände zu beobachten ist. Besonders wichtig ist
auch die Katalogisierung der Tonträger, um eine Benutzung in der Mediothek möglich zu machen. Auch
hier ist 1998 eine beachtliche Anzahl an Neuzugängen in den Online-Katalog aufgenommen worden
(beides über Internet recherchierbar unter
http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/hylib/blb_suchmaske.html.
Viele Aktivitäten, die die Badische Landesbibliothek veranstaltet, haben enge Beziehung zur Musik.
So fand im Frühjahr 1998 im Rahmen der 14. Europäischen Kulturtage Karlsruhe mit dem Schwerpunkt
"Revolution 1848 in Baden und Europa" eine Ausstellung der Badischen Landesbibliothek statt, die
sich dem Thema Der Revolutionär und die Komponistin - Gottfried und Johanna Kinkel widmete.
Konzipiert wurde die Ausstellung von Dr. Joachim Draheim, eröffnet wurde sie mit einem Konzert, bei
dem u. a. die Vogelkantate von Johanna Kinkel sowie Duette und Lieder erklangen.
Im September 1998 öffnete die Badische Landesbibliothek für den Internationalen Reger-Kongress
Karlsruhe mit dem Titel Musikalische Moderne und Tradition ihre Pforten. Außerdem fand vom 16.
September bis 14. November 1998 eine Reger-Ausstellung unter dem Titel Auf der Suche nach dem Werk:
Max Reger - sein Schaffen - seine Sammlung statt. Anlass der Veranstaltungen war der 125. Geburtstag
des Komponisten. In der Ausstellung war eine außergewöhnliche Zahl an Autographen Regers gezeigt
worden, die die unterschiedlichen, von Reger gepflegten Werkgattungen repräsentierten. Ihr Schöpfer
zeigt sich darin "auf der Suche nach dem Werk". Als in allen Lebensäußerungen höchst farbige und zu
Extremen neigende Persönlichkeit wurde der Komponist vorgestellt. Es erschien ein
Ausstellungskatalog, der zum Preis von € 16,- (zzgl. Porto und Verpackung) im Sekretariat der
Badischen Landesbibliothek, Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe bzw. an der Garderobe der
Bibliothek erhältlich ist. Die Ausstellung wurde erarbeitet vom Max-Reger-Institut, das Anfang 1996
von Bonn nach Karlsruhe übergesiedelt ist und 1997 sein 50jähriges Bestehen feiern konnte. Die
wertvolle Autographensammlung aus dem Besitz des Max-Reger-Institutes wird übrigens im Tresor der
Badischen Landesbibliothek verwahrt.
Martina Rebmann
1996 und 1997
Das Jahr 1996 war für die Badische Landesbibliothek im Hinblick auf musikalische Ereignisse von zwei
großen Ausstellung und mehreren Konzerten geprägt.
Die erste Ausstellung wurde im Februar aus Anlass des 300. Geburtstags des badischen
Hofkapellmeisters
Johann Melchior Molter (1696-165) eröffnet.
Konzipiert wurde sie von Dr. Klaus
Häfner, der damit Leben und Werk des heute wieder zu entdeckenden Komponisten vorstellte. Molters
Schaffen, das sich vor allem in den Beständen der BLB erhalten hat, erstreckt sich von Oratorien und
Kantaten über Kammermusik bis zu Konzerten und Sinfonien für Orchester.
Zur Ausstellung erschien ein reich bebilderter Katalog
(Klaus Häfner, Der badische Hofkapellmeister
Johann Melchior Molter (1695-1765) in seiner Zeit. Dokumente und Bilder zu Leben und Werk, mit einem
Beitrag von Rainer Fürst, Karlsruhe 1996, € 16,-), der der Öffentlichkeit im Rahmen eines Konzertes
mit Solo- und Kammersonaten von Molter vorgestellt wurde. Er enthält neben einer Biographie des
Komponisten u. a. die Aufstellung der Dokumente seines Lebens, ein vollständiges Werkverzeichnis und
die Beschreibung der Exponate.
Die zweite Ausstellung in der BLB widmete sich der Musiklandschaft St. Petersburg und fand im Rahmen
der 13. Europäischen Kulturtage statt. Die Ausstellung, die im April eröffnet wurde und von Dr.
Joachim Draheim und Dr. Detlef Gojowy erarbeitet worden war, beschäftigte sich einerseits mit dem
"mächtigen Häuflein", jener Gruppe von fünf Musikern, die in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts in
St. Petersburg lebten und eine neue russisch-nationale Schule begründeten (Milij Balakirew,
Alexander Borodin, César Cui, Modest Mussorgskij und Nokolay Rimskij-Korsakow). Ein zweiter
Schwerpunkt der Ausstellung lag auf dem Werk des in St. Petersburg geborenen Komponisten Artuhr
Lourié (1892-1966). Lourié gilt als einer der frühesten Entwickler der Zwölftontechnik und muss
bislang zu den vergessenen Komponisten unseres Jahrhunderts gezählt werden.
Neben Bildern, Photographien und Autographen zeigte die Ausstellung vor allem seltene Erstdrucke der
Noten aus Petersburger Verlagen, die sich durch künstlerisch gestaltete Titelblätter auszeichnen.
Die Ausstellung wurde von einem Konzert mit Werken der genannten Komponisten eröffnet und war von
Führungen begleitet.
Nicht nur im Rahmen von Ausstellungseröffnungen kam die Musik in der BLB zu ihrem Recht. Im Januar
fand unter dem Titel "If music be the food of love" ein musikalischer Abend statt, der der Epoche
der Renaissance verpflichtet war. Neben der Lesung von Shakespeare-Sonetten erklangen Lautenwerke
aus elisabethanischer Zeit. Außerdem fand im Oktober im Rahmen der Ausstellung "Aesop-Fabeln von der
Antike bis zu Aufklärung" ein musikalisch literarischer Abend statt, bei dem unter anderem vertonte
Fabeln von Jacques Offenbach, Jean Françaix und Anton Rubinstein zu Gehör kamen. So leistet die BLB
mit ihren musikalischen Veranstaltungen einen bedeutsamen Beitrag in der Karlsruher
Kulturlandschaft.
Schließlich ist noch zu erwähnen, dass in der Badischen Landesbibliothek eine personelle Änderung
eintrat. Der Fachreferent für Musik, Dr. Klaus Häfner, ging zum Endes des Jahres 1996 in den
Ruhestand, steht aber der Bibliothek noch stundenweise zur Verfügung. Seine vielfältigen Pläne wird
er weithin in die Tat umsetzen, so z. B. durch die Mitwirkung an Ausstellungen. Außerdem führt er
die Arbeit am thematischen Molter-Werkverzeichnis fort, das, wie geplant, möglichst bald
veröffentlich werden soll. Durch diese Vorhaben macht sich Herr Dr. Häfner weiter um die
Erschließung der reichen musikalischen Quellen der BLB verdient. Die Früchte seiner Arbeit werden
hoffentlich bald bekannt gemacht.
Martina Rebmann
1995
Das Geschäftsjahr 1995 wäre im Fachbereich Musik der Badischen Landesbibliothek ohne besondere
Ereignisse verlaufen, wenn es nicht im Herbst des Jahres zu einer unerwarteten und nahezu
spektakulären Erwerbung gekommen wäre. In buchstäblich letzter Minute vor der Versteigerung der
markgräflichen Sammlungen in Baden-Baden durch das Londoner Auktionshaus Sotheby's kaufte das Land
Baden-Württemberg dem Markgrafen Max von Baden neben zahlreichen Archivalien die Privatbibliothek
der badischen Großherzöge ab, die sich im neuen Schloss zu Baden-Baden befand, und deren Existenz
der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt war. Die Bibliothek, die etwa 40.000 Bände, vorwiegend aus
dem 19. Jahrhundert umfasst, kam geschlossen in die Badische Landesbibliothek nach Karlsruhe, wo
durch sie erhebliche kriegsbedingte Lücken geschlossen werden konnten. Einen Teil der Sammlung,
schätzungsweise 1000 bis 1500 Titel, bilden Musikalien, die - vor allem unter landesgeschichtlichen
Aspekten - einen äußert wertvollen
Zuwachs für die Musiksammlung der BLB bedeuten.
Die Musikalien, ausschließlich aus dem frühen 19. bis 20. Jahrhundert, gliedern sich in zwei
Gruppen:
- Dedikationsexemplare für die großherzogliche Familie,
- Gebrauchsmusikalien aus dem Besitz der Großherzogin Luise (1838 bis 1923) und ihrer Mutter,
der Kaiserin Augusta (1811-1890).
Die Widmungsexemplare, oft in prachtvollen Einbänden, bestehen aus in der Regel kalligraphisch
eindrucksvoll gestalteten Handschriften und Drucken: Sie waren Einzelpersonen wie Großherzog
Leopold, seinem Sohn Friedrich I. und dessen Gemahlin Luise zugedacht, oder sind dem Badischen
Herrscherhaus zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Trauerfälle, Regierungsjubiläen usw. überreicht
worden. Inhaltlich sind sie mit wenigen Ausnahmen zwar nur von lokaler Bedeutung, gerade deshalb
aber in einer landeskundlich orientierten Sammlung von besonderem Wert; außerdem handelt es sich in
den meisten Fällen wohl um Unikate, etwa bei Orgelwerken des Hoforganisten Andreas Barner usw.,
vielleicht auch bei einem Marsch für Großherzog Friedrich I. von Franz Lehár.
Der sicherlich nur lückenhaft erhaltene Bestand an Gebrauchsmusikalien der beiden Fürstinnen -
Kaiserin Augusta war übrigens Schülerin von J. N. Hummel, Großherzogin Luise von Wilhelm Kalliwoda -
spiegelt deren Klavierrepertoire und persönliches Interesse wider. So besaß Luise fast alle Opern
Wagners in Klavierauszügen ohne Worte, aber auch - mit Widmung ihrer Schwägerin, der Kronprinzessin
Victoria von Preußen - die Erstausgabe des "Tristan". Dieser Teil der Sammlung ersetzt zwar nicht
den Verlust der bedeutenden Notenbibliothek der Großherzogin Sophie (1801-1865), die zu den
unwiederbringlichen Verlusten von 1942 gehört, füllt jedoch wenigstens ein wenig diese schmerzliche
Lücke aus.
Der neu zugegangene Notenbestand ist auf jeden Fall eine Bereicherung der Karlsruher Musiksammlung.
Er wird in nächster Zeit gesichtet und erschlossen werden. Vielleicht kann schon in einer der
nächsten Ausgaben des Jahrbuchs ein genaues Bestandsverzeichnis vorgelegt werden. Von Interesse für
die Musikkultur im späten 19. Jahrhundert in Baden und darüber hinaus wäre es mit Sicherheit.
Klaus Häfner
1993
1993 war für die Musikabteilung der BLB kein sehr ereignisreiches Jahr. Im Gegensatz zu früheren
Jahren wurden größere Käufe auf musikalischem Sektor nicht getätigt. Erworben werden konnte ein
Adagio e Variazioni für Fagott und kleines Orchester von Johann Evangelist Brandl (1760-1837) in
handschriftlichen Stimmer der Zeit (um 1820). Diese Neuerwerbung ist umso wertvoller, als sämtliche
im Besitz der BLB befindlichen Werke (Handschriften und Drucke) des in Karlsruhe wirkenden
Komponisten 1942 vernichtet worden sind. Ein weiterer bedeutender Zugang war ein Konvolut von
Autographen und Notendrucken (meist Widmungsexemplare) der mit Albert Schweitzer befreundeten
Karlsruher Komponistin
Clara Faisst (1872-1948), das der Verkäufer nach eigner Angabe auf den
Sperrmüll gefunden hatte (ein zugehöriges Pakte mit Korrespondenzen ließ er liegen!): Diese Sammlung
ergänzte ein ähnliches Konvolut, das die BLB einige Jahre zuvor hatte erwerben können, aufs
glücklichste.
Für die Grundausstattung der 1992 eröffneten Mediothek mit Musik-CDs wurde ein einmaliger
Sonderbetrag von 30.000,- DM aus dem Etat für AV-Medien zur Verfügung gestellt.
Die neu angelaufenen musikalischen Gesamtausgaben (z. B. Tschaikowskij) wurden subskribiert, so dass
die BLB auch weiterhin über nahezu alle
wissenschaftlichen Gesamtausgaben und
Denkmäler-Reihen, die
seit dem Zweiten Weltkrieg erschienen sind, verfügt. Sie werden im Musiklesesaal bereitgehalten.
Die Arbeit an dem ersten des auf drei Bände veranschlagten Katalogs der Karlsruher
Musikhandschriften, der den Nachlass des badischen Hofkapellmeisters
Johann Melchior Molter
(1696-1765) verzeichnet, wurde weitergeführt: Die Erstellung und Korrektur der Notenincipits der
über 500 Werke sind abgeschlossen. Der Band soll rechtzeitig zu Molters 300. Geburtstag (Februar
1996) vorgelegt werden.
Das Projekt einer bereits weitgehend fertig gestellten Monographie über den Karlsruher Kapellmeister
Wilhelm Kalliwoda (1827-1893), die im Rahmen einer Ausstellung zum 100. Todestag des Komponisten
veröffentlicht werden sollte, musste auf Grund der unterwarteten Haushaltskürzungen Mitte 1993
zurückgestellt werden; sie wird voraussichtlich zum Jahresende 1994 erscheinen können.
Klaus Häfner
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