JOHANN WENZEL KALLIWODA auf einer zeitgenössischen Darstellung.
Repro: BLB
In der Musikgeschichte des deutschen Südwestens gibt es nicht viele Namen von Bedeutung, doch
sicher gehört der Fürstlich Fürstenbergische Hofkapellmeister Johann Wenzel
Kalliwoda dazu. Heute jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal. Mehr als 40 Jahre
war der Komponist als Hofkapellmeister in den Diensten des Fürsten Carl Egon II. zu Fürstenberg
in Donaueschingen. Dort sind auch die meisten seiner zahlreichen Werke entstanden.
Kalliwodas umfangreicher musikalischer Nachlass wird vollständig in der Badischen Landesbibliothek
in Karlsruhe verwahrt.
Johann Wenzel Kalliwoda wurde am 21. Februar 1801 in Prag geboren, seine musikalische Begabung
früh erkannt. Bereits mit zehn Jahren trat er in das neu gegründete
Konservatorium in Prag ein. Mit 14 Jahren hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt als
Geiger. Konzertreisen führten den jungen Musiker nach Linz und
München, wo ihn 1821 auch Carl Egon hörte und kurze Zeit später für seinen Hof in
Donaueschingen engagierte. "Mit einem ausgezeichneten Talente für die Komposition
verbindet er einen Grad von Virtuosität auf der Violine, der ihm bei mancher größeren
Kapelle den ersten Rang gewiß unbestritten ließ. Dabei ist er ein fertiger Klavierspieler:
3 Talente, die man in diesem Grad von Ausbildung selten beisammen findet." So wurden im
Jahr 1822 die Vorzüge Kalliwodas gelobt, kurz bevor er mit seiner jungen Frau, der
talentierten Prager Sängerin Therese Brunetti (1803 bis 1892), in die Stadt auf der Baar zog.
Im Anstellungsvertrag wurden die Pflichten und Rechte des Kapellmeisters benannt:
Kalliwoda musste sich nicht nur um die Musik am Hof kümmern - Opernaufführungen,
Konzerte, Tafelmusik u.a. -, sondern war auch noch für die Kirchenmusik
zuständig. Die Einrichtung einer Singschule gehörte ebenso zu seinen Pflichten wie jährliche
Konzertreisen und eine musikalische Bildungsreise nach Italien. Offenbar war Carl Egon
daran gelegen, mit einem renommierten Hofkapellmeister und Violinvirtuosen glänzen zu
können, der seine Ausbildung in Italien vervollkommnet
hatte.
Kalliwodas Leben in Donaueschingen verlief insgesamt wohl in ruhigen Bahnen. Seine Familie
vergrößerte sich im Lauf der Zeit auf acht Kinder, von denen jedoch nur sechs das
Erwachsenenalter erreichten und nur ein Sohn die musikalische Laufbahn einschlug:
Wilhelm Kalliwoda (1827 bis 1893) wurde badischer Hofkapellmeister in Karlsruhe.
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Johann Wenzel Kalliwoda komponierte viel, darunter neben herausragenden Werken auf dem Gebiet
der Instrumentalmusik aber auch manches, das damals wie heute strengen Maßstäben nicht
genügen kann. Seine frühen Orchesterwerke erhielten jedoch positive Kritik. Zu einer
Sinfonie schrieb kein Geringerer als Robert Schumann: "Über die Sinfonie von Kalliwoda,
seine 5te, berichteten wir schon in einer kleinen Notiz, wie sie uns innig wohlgefallen
habe; sie ist eine ganz besondere und, was die von Anfang bis zum Schluß sich gleichbleibende
Zärte und Lieblichkeit anlangt, wohl einzig in der Sinfonienwelt."
Spätestens 1848 waren die ruhigen Zeiten für die fürstenbergischen Lande vorüber,
der Hof floh vor revolutionären Übergriffen und kam erst im Jahr 1853 wieder nach Donaueschingen
zurück. In den Jahren der Abwesenheit des Hofes wurde kaum Musik aufgeführt.
Ein weiteres großes Unglück war der
Brand des Hoftheaters im Jahr 1850, mit dem den Opernaufführungen und Konzerten im großen
Stil ein Ende gesetzt wurde. Glücklicherweise kam dabei jedoch kein Mensch zu Schaden und
das Notenmaterial blieb ebenfalls verschont.
Kalliwoda hatte 1853 gerade mit der Reorganisation der Hofmusik begonnen, als sein Gönner
im folgenden Jahr starb. Da dem neuen Fürsten, Carl Egon III. (1820 bis 1892), an der
Musikausübung am Hof weniger lag, lebte der Hofkapellmeister ab 1855 dann hauptsächlich
in der badischen Residenz Karlsruhe, wo inzwischen auch einige seiner Kinder wohnten.
Im Frühjahr 1866 wurde Kalliwoda in den Ruhestand versetzt, bereits im Herbst desselben
Jahres erlag er einem Herzschlag. Auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe befindet sich sein
Grab, in das er zusammen mit seiner Gattin gebettet wurde. Nicht zuletzt zeugt eine nach
ihm benannte Straße in Karlsruhe von seinem Wirken in Baden.
Von den etwa 250 mit Opuszahl versehenen Werken und weiteren 50 Werken ohne Opuszahl
sind in den letzten Jahren einige durch Neuausgaben, Einspielungen und Aufführungen aus
der Vergessenheit gerissen worden. Neben zwei Opern hat Kalliwoda sieben
Sinfonien und 17 Ouvertüren
sowie große Messen und kleinere Werke der Kirchenmusik komponiert. Sein umfangreiches
Schaffen weist jedoch auch Klaviermusik zu zwei und vier Händen auf. Mehr als 150 Lieder
und zahlreiche Chöre haben sich erhalten - im Zentrum seines Schaffens standen jedoch
besonders die Werke für Violine - sein eigenes Instrument.
Die Badische Landesbibliothek wird den Komponisten mit einem Konzert am 26. Juni 2001
ehren. Dabei wird das Klavierduo Eriko Takezawa-Sischka und Christoph Sischka Kalliwodas
Musik spielen. Außerdem wird eine CD mit Werken des Komponisten vorgestellt,
die in Zusammenarbeit mit der BLB produziert wird.
DIE SINFONIEN Kalliwodas, hier das Titelblatt zum Klavierarrangement der ersten
von Carl Czerny, wurden auch von Robert Schumann wohlwollend beurteilt.
Repro: BLB
Martina Rebmann
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