Luise Adolpha Le Beau
(geboren am 25. April 1850 in Rastatt, gestorben am 17. Juli 1927 in Baden-Baden)
Die Komponistin und Pianistin Luise Adolpha Le Beau wurde am 25. April 1850 in Rastatt geboren.
Ihre musikalische Ausbildung in Violine und Klavier erhielt sie zunächst vor allem von ihrem
Vater Wilhelm Le Beau, der Offizier in badischen Diensten war und einen Chor in Rastatt leitete.
Nach einem Umzug nach Karlsruhe 1859 erhielt sie bei Hofkapellmeister Wilhelm Kalliwoda
Musikunterricht. Dort trat sie bereits 1867 erstmals als Pianistin auf. 1873 begann Luise Adolpha
Le Beau, Klavierunterricht bei Clara Schumann in Baden-Baden zu nehmen, doch verlief diese Begegnung
für beide Seiten wohl unbefriedigend und die Schülerin brach den Unterricht nach nur
zwölf Stunden ab.
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Luise Adolpha Le Beau (1850-1927)
Photographie aus dem Jahr 1872
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Von 1874 bis 1885 lebte Luise Adolpha Le Beau mit ihren Eltern in München und studierte
während dieser Zeit bei Ernst Melchior Sachs, Josef Rheinberger und schließlich bei
Franz Lachner. 1882 gewann sie einen internationalen Kompositionswettbewerb für Cello mit ihren
Vier Stücken op. 24. Die Jury (Niels W. Gade, Carl Reinecke und Julius von Bernuth) zeigte
sich erstaunt, dass sich hinter der Preiskomposition eine Komponistin verbarg.
1885 beschloss
Familie Le Beau, nach Wiesbaden überzusiedeln - das raue bayerische Klima bekam den Eltern
nicht gut - und seit 1890 lebte die Familie in Berlin, bis 1893 schließlich Baden-Baden der
neue und letzte Wohnsitz der Le Beaus wurde. Dort ist auch etwa ein Drittel ihres musikalischen
Werkes entstanden.
In Baden-Baden nahm die Komponistin aktiv am Musikleben ihrer Zeit teil,
schrieb Kritiken für das Badener Badeblatt und konzertierte regelmäßig in den
Baden-Badener Konzertreihen. Eines ihrer Verdienste war es auch, die Musikalienbibliothek der
Großherzogin Sophie geordnet zu haben, die jedoch im Zweiten Weltkrieg untergegangen ist.
Immer wieder musste Luise Adolpha Le Beau, die auch große Formen komponierte wie das
Oratorium Hadumoth (1894) oder die sinfonische Dichtung Hohenbaden (1897), Enttäuschungen
in ihrer Karriere hinnehmen. Dies hat sie in ihren Lebenserinnerungen einer Komponistin
niedergelegt, "um auf die vielen Schwierigkeiten hinzuweisen, welche einer Dame auf dem Gebiet
der musikalischen Komposition entgegenstehen, auf den Neid und die Missgunst der Kollegen, sowie
auf die Vorurteile und den Unverstand." 65 mit Opuszahlen versehene Werke sind im Laufe ihres
Lebens entstanden.
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Luise Adolpha Le Beau (1850-1927)
Stahlstich, um 1880
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Eine Rente - ausgesetzt von Fürst Hatzfeld, einem Gönner und Vater einer ehemaligen
Klavierschülerin - verschaffte ihr am Ende ihres Lebens die finanzielle Unabhängigkeit.
Am 17. Juli 1927 starb Luise Adolpha Le Beau in ihrer Wohnung in Baden-Baden. Noch zu Lebzeiten
hatte die Komponistin ihre Manuskripte und Erstausgaben der Königlichen Bibliothek Berlin,
der Königlichen Hof- und Staatsbibliothek in München und der Großherzoglich
Badischen Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe vermacht. Am zuletzt genannten Ort ging ihr
musikalischer Nachlass im Zweiten Weltkrieg unter.
Erhalten geblieben sind jedoch die seit 1933 in der Badischen Landesbibliothek verwahrten
Reisetagebücher, Exzerpthefte, Briefwechsel mit Verlegern, eine
"Übersicht der Versendung meiner
Kompositionen" (1874 - 1924) und andere Materialien des handschriftlichen Nachlasses (siehe hierzu Verzeichnis des Nachlasses von
Luise Adolpha Le Beau - PDF).
Schriften von Luise Adolpha Le Beau
- "Componistinnen des vorigen Jahrhunderts", in: Neue Zeitschrift für
Musik, Bd. 86, Nr. 51, 17. Dezember 1890, S. 569f. und Nr. 52, 24. Dezember 1890, S. 583f.
- Lebenserinnerungen einer Komponistin, Baden-Baden 1910, Reprint mit Vorwort,
Epilog und Werk- und Literaturverzeichnis, hrsg. von Ulrike Brigitte Keil und Willi Bauer, Gaggenau 1999.
- Die musikalische Bibliothek weiland Ihrer königlichen Hoheit der Großherzogin Sophie von
Baden und das Karlsruher Musikleben in den Jahren von 1830-1860, Karlsruhe [1908].
Schriften über Luise Adolpha Le Beau
- Ulrike Brigitte Keil, Luise Adolpha Le Beau und ihre Zeit, Untersuchungen zu ihrem Kammermusikstil
zwischen Traditionalismus und "Neudeutscher Schule", Frankfurt am Main [u. a.] 1996.
- Beatrix Borchard, "'Ein Frauenzimmer muß nicht komponieren wollen ...' - Bedingungen künstlerischer Arbeit
für Frauen im 19. Jahrhundert am Beispiel von Fanny Hensel, geb. Mendelssohn-Bartholdy, Clara Schumann und
Luise Adolpha Le Beau", in: Bruckner-Symposion: Zum Schaffensprozess in den Künsten, hrsg. von Renate
Grasberger, Wien 1997, S. 45-56.
- Dies., "Das Hirtenmädchen Hadumoth. Ein Oratorium nach Szenen aus Joseph Viktor Scheffels 'Ekkehard',
komponiert von Luise Adolpha Le Beau", in: Musik in Baden-Württemberg, Jahrbuch, hrsg. von Georg Günther
und Reiner Nägele, Stuttgart, Weimar, 4 (1997), S. 99-116.
- Luise Adolpha Le Beau. Eine Komponistin in Baden-Baden, hrsg. von der Stadt Baden-Baden, Katalog von
Joachim Draheim und Sonja Seebold, Baden-Baden 2000 (= Baden-Badener Beiträge zur Musikgeschichte, Bd. 5).
- Judith E. Olson, "Luise Adolpha Le Beau", in: Annäherung an sieben Komponistinnen, Bd. 13, hrsg. von
Brunhilde Sonntag, Kassel 2003, S. 137-168.
- Antje Tumat, Luise Adolpha Le Beau (1850-1927) - Die Symphonische Dichtung Hohen-Baden, in: Reiner Nägele
und Martina Rebmann (Hrsgg.), Klangwelten : Lebenswelten - Komponistinnen in Südwestdeutschland;
[eine Ausstellung der Badischen Landesbibliothek vom 6. Oktober 2004 bis 3. Januar 2005 und der
Württembergischen Landesbibliothek vom 2. Februar bis 24. März 2005], Stuttgart : Württembergische
Landesbibliothek, 2004, S. 125-149.
- Martina Rebmann, Luise Adolpha Le Beau: Lebenserinnerungen einer Komponistin. Gestaltete Biographie - geformte Erinnerung", in: Musik in Baden-Württemberg, Jahrbuch, hrsg. von Gabriele Busch-Salmen, Walter Salmen und Markus Zepf, München 14 (2007), S. 49-71.
- Martina Rebmann, Zum 80. Todestag von Luise Adolpha Le Beau (1850-1927): Erinnerungen an die Musikerin und Lehrerin, in: Vivavoce. Archivnachrichten des Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik, Frankfurt am Main, 79 (2007), S. 19-23 (als PDF)
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