Johann Melchior Molter
(geboren am 10. Februar 1696 in Tiefenort bei Eisenach, gestorben am 12. Januar 1765 in Karlsruhe)
Der ursprünglich aus dem thüringisch-sächsischen Kulturkreis stammende Komponist erhielt seine erste
musikalische Ausbildung vermutlich durch seinen Vater, den Lehrer und Kantor Valentin Molter in
Tiefenort/Werratal. Anschließend folgte der Besuch des Eisenacher Gymnasiums, dessen Schüler 20 Jahre
zuvor Johann Sebastian Bach gewesen war. Durch den von Johann Conrad Geisthirt geleiteten Chorus musicus
oder symphoniacus lernte Molter die französisch geprägte Kunst des 1708 bis 1712 von Georg Philipp Telemann
geleiteten Eisenacher Hoforchesters kennen.
Um das Jahr 1715 Eisenach verlassend, trat Molter - möglicherweise nach einer zweijährigen Weiterbildung
an nicht zweifelsfrei nachweisbaren Orten - als Violinist 1717 in den Dienst des Markgrafen Carl Wilhelm
von Baden-Durlach (1679-1738), der zu dieser Zeit in die benachbarte, von ihm gerade neu gegründete
Residenz Carols-Ruhe umgezogen war. Nach seiner Heirat mit Maria Salome Rollwagen aus Hagsfeld bei
Karlsruhe am 12. Juli 1718 wurde Molter am 16. Oktober 1719 bei vollem Gehalt beurlaubt, um sich zu einem
zweijährigen Studienaufenthalt nach Italien zu begeben. Bis 1721 lernte er insbesondere in Venedig und Rom
die Kunst Vivaldis sowie zeitgenössische italienische Musik kennen und schuf eigene Kompositionen.
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Ansicht von Schloss und Stadt Karlsruhe
Blick nach Norden, Kupferstich von Christian Thran, 1739
(Original im Stadtarchiv Karlsruhe,
8/PBS o XVI 15)
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Nach der Entlassung von Johann Philipp Käfer (1672-1728) wurde Molter am 23. April 1722 dessen Nachfolger
als markgräflicher Kapellmeister im alten Schloss zu Durlach und in der neuen Residenz in Karlsruhe, wo er
mit nur 26 Jahren für die unterschiedlichsten musikalischen Aktivitäten in den Bereichen Kirche, Theater
und Kammer allein verantwortlich war. Aus dieser Periode stammen zahlreiche Kompositionen wie Oratorien,
Kantaten, Orchesterwerke, Kammermusik und möglicherweise auch Opern.
Der Ausbruch des polnischen Thronfolgekrieges 1733, infolgedessen der Markgraf seine Karlsruher Residenz
aufgab und ins Exil nach Basel floh, bedeutete auch für Molter das Ende seiner Tätigkeit. Er kehrte in
seine Heimat zurück und trat am Hof von Sachsen-Eisenach als Hofkapellmeister die Nachfolge des 1733
verstorbenen Johann Adam Birckenstock (1687-1733) an. In seiner alten Heimat entfaltete er erneut ein
reiches musikalisches Schaffen. Nach dem Tod seiner Frau 1737 hielt sich Molter wiederum zu Studienzwecken
ein Jahr in Italien auf. Auf die Nachricht vom Tod seines alten Gönners, des Markgrafen Carl Wilhelm, am
12. Mai 1738 begab sich Molter unverzüglich nach Karlsruhe, um diesen durch eine Trauermusik ("Wenn
Fürsten ihre Häupter neigen"; MWV I/52, Musik verschollen) zu ehren. Anschließend kehrte er wieder nach
Italien zurück und traf erst im Oktober 1738 wieder in Eisenach ein. Dort begründete Molter eine zweite
Ehe mit Maria Christina Wagner.
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Johann Melchior Molter
Federzeichnung von Pier Leone Ghezzi (1674-1755),
datiert: Rom 5. April 1738
es handelt sich um die einzige bekannte bildliche Darstellung Molters
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Nach Auflösung der Eisenacher Hofkapelle 1741 ging Molter im darauffolgenden Jahr erneut nach Karlsruhe,
wo er durch den glücklichen Wechsel der dortigen Verhältnisse am 11. Februar 1743 in badische Dienste
genommen wurde. Während dieser Zeit der Leitung eines kleinen Orchesters und der Lehrtätigkeit am
Karlsruher Gymnasium widmete sich Molter erneut der Komposition zahlreicher Werke. Der aufgeklärte,
vielfältig interessierte Markgraf Carl Friedrich (1728-1811) entschloss sich nach seinem Regierungsantritt
1746 zur Reorganisation der Hofmusik und betraute Molter mit der erneuten Einrichtung einer Hofkapelle,
die 1747 genehmigt wurde und deren Leitung dieser bis zu seinem Tod 1765 innehatte. Während dieser Zeit
gelangte die Karlsruher Hofmusik zu erneuter Blüte, die Molter selbst durch zahlreiche Kompositionen -
Symphonien, Konzerte, Kammermusik - bereicherte, aber auch Werke anderer zeitgenössischer Komponisten
aufführte. Nicht zuletzt durch die Hochzeit Carl Friedrichs mit Caroline Luise von Hessen-Darmstadt
(1723-1783) wurde das Karlsruher Hofleben durch eine Frau geprägt, die für Kunst und Kultur in jeder
Hinsicht aufgeschlossen war.
Molters musikalisches Schaffen umfasst alle zeitgenössischen Gattungen. Er war mit Werken der
italienischen, französischen und deutschen Opern- und Instrumentalmusik vertraut und blieb in seinem
Schaffen ihren Einflüssen gegenüber stets offen. In Karlsruhe besaß Molter im Hinblick auf musikalische
Angelegenheiten eine unangefochtene Autorität, als Mensch hingegen bleibt er hinter seinem reichen und
vielfältigen Werk verborgen. Molters Musik geriet nach seinem Tod schnell in Vergessenheit.
Erst im 20. Jahrhundert wurde mit ihrer systematischen Erschließung und Erforschung begonnen.
Zudem sind schon zahlreiche
Editionen der Musik Molters entstanden.
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Johann Melchior Molter
Violinkonzert h-moll MWV VI/1, um 1720, autographe Partitur
(Badische Landesbibliothek, Karlsruhe: Mus. Hs. 670)
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Durch seinen Sohn Friedrich Valentin Molter (1722-1808), erster Bibliothekar der Hofbibliothek, gelangte
beinahe der vollständige Nachlass des Komponisten in die Hofbibliothek und spätere Badische
Landesbibliothek Karlsruhe. Ein Werkverzeichnis (MWV=Molter-Werkverzeichnis) ist von Klaus Häfner
erarbeitet worden.
AUSWAHLBIBLIOGRAPHIE:
- Armin Brinzing und Martina Rebmann, Molter, Johann Melchior. In: Die Musik in Geschichte und
Gegenwart. Bd. 12. Hrsg. von Ludwig Finscher. - Kassel, Stuttgart [u. a.] 2004, Sp. 324-327.
[Biographie und Werkverzeichnis]
- Friedrich Hermann: Johann Melchior Molter. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Bd. 9. Hrsg. von
Friedrich Blume. - Kassel; Basel; London; New York 1961, Sp. 446-448.
- Klaus Häfner: Johann Melchior Molter. In: The New Grove. Dictionary of Music and Musicians. Second
Edition. Edited by Stanley Sadie. Volume 16. - New York 2001, S. 908-910.
- Klaus Häfner: Der badische Hofkapellmeister Johann Melchior Molter (1696-1765) in seiner Zeit.
Hrsg. von der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. - Karlsruhe 1996.
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