Alfred Mombert
(geboren am 6. Februar 1872, gestorben am 8. April 1942)
Der gebürtige Karlsruher Alfred Mombert studierte nach seinem 1890 in Karlsruhe abgelegten Abitur und
einem einjährigen Militärdienst zwischen 1891 und 1896 Rechtswissenschaften in Heidelberg, Leipzig und
Berlin. Nach der 1897 erfolgten Promotion legte er 1899 nach einer Praktikantenzeit das zweite Staatsexamen
ab. Zwischen 1899 und 1906 war Mombert als Rechtsanwalt in Heidelberg tätig, gab jedoch seinen Beruf auf,
um sich ausschließlich der schriftstellerischen Tätigkeit sowie den Studien zur Geographie, Ethnologie,
Orientalistik, Philosophie und Religionswissenschaft zu widmen. Er unternahm weite Reisen, lebte zwischen
1909 und 1911 in München und Berlin, kehrte dann jedoch nach Heidelberg zurück.
In seinem mystischen Denken und visionären Weltverständnis steht Momberts Dichtung in der
Tradition F. Hölderlins und F. Nietzsches, nähert sich andererseits in ihrer Geschlossenheit und Esoterik
dem Werk S. Georges und R. M. Rilkes an. Dadurch wurde zwar eine wirkliche Popularität Momberts verhindert,
seine Lyrik dennoch ins Polnische, Tschechische, Englische und Französische übersetzt. Wie sein
künstlerischer Antipode S. George kann Mombert einer zeitgenössischen Kunstströmung nicht eindeutig
zugeordnet werden.
Von prominenten Literaten wie M. Buber, R. Dehmel, H. Carossa und O. Loerke hoch geschätzt, wurde Mombert
1928 in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung
1933 wurde er als Jude aus der Akademie wieder ausgeschlossen, 1934 die Verbreitung seiner Bücher verboten.
Mombert zog jedoch nicht dieselbe Konsequenz wie andere deutsche Schriftsteller, die während des Dritten
Reiches ins Ausland emigrierten, sondern lebte zurückgezogen auch weiterhin in Deutschland und pflegte
einen ausgedehnten Briefwechsel mit seinen Freunden.
Am 22. Oktober 1940 wurde Mombert in das Konzentrationslager Gurs (Südfrankreich) verschleppt und dort bis
zum April 1941 festgehalten. Aufgrund der Fürsprache von Freunden konnte der schwerkranke Schriftsteller
in das Internierten-Sanatorium Idron-par-Pau verlegt werden, bis der Schweizer Hans Reinhart im Oktober
1941 für seinen Freund Mombert die Einreise in die Schweiz erwirken konnte. Mombert starb während der
Überarbeitung seiner Gedichte am 8. April 1942 in Winterthur.
Die Nachlassbibliothek Alfred Momberts
Die Büchersammlung des deutsch-jüdischen Dichters Alfred Mombert kam 1950
in die Badische Landesbibliothek. Sie wurde gesondert aufgestellt (Signatur "Mo") und umfasst
etwa 3730 Titel, davon 1564 vor 1900.
Davon stammen 7 aus dem 16. Jahrhundert, 15 aus dem 17. Jahrhundert und 98 aus dem 18.
Jahrhundert.
Der thematisch
breitgestreute Nachlass des Juristen und zeitweise als Anwalt tätigen Mombert enthält fast
keine juristische Literatur, aber über 70 naturwissenschaftlich-mathematische Titel (6 vor 1800)
und über 105 ältere Reiseführer.
Das Sammelinteresse Momberts richtete sich vornehmlich auf die europäische Literatur
und ihre Geschichte. Zur deutschen Literatur liegen 260 Titel vor, zur französischen 122,
zur englischen 70, zur italienischen 44, zur spanischen 23, zu den slawischen und
asiatischen Literaturen 36 und 76. Mit 184 Titeln aus der Klassischen Philologie
macht dies über die Hälfte der Sammlung aus.
Entsprechend ist die Verteilung nach
Sprachen: Neben 1260 deutschen Titeln liegen 150 französische (33 vor 1800), 57
griechisch-lateinische (32 vor 1800), 27 englische sowie 4 spanisch-portugiesische und
3 arabisch-persische vor. Weitere größere Bereiche sind die Theologie (190 Titel), die
Philosophie (116, davon 28 vor 1800) sowie Geschichte (137) und Geographie (von 146 Titeln
sind 105 Reiseführer, davon 30 vor 1800).
Literatur:
[1]
Weber, Ulrich:
Alfred Mombert : Ausstellung zum 25. Todestag ; Badische Landesbibliothek, 10. April bis 8. Juli 1967 /
[Katalog und Ausstellung: Ulrich Weber. Im Auftr. der Badischen Bibliotheksgesellschaft e.V.]. -
Karlsruhe : Mueller, 1967. - 208 S. : Ill.; (dt.)
[2]
Alfred Mombert : (1872 - 1942) ; eine Ausstellung des Deutsch-Amerikanischen
Instituts in Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg, Alte Universität Heidelberg
vom 27. Juni bis 31. Juli 1993 / Susanne Himmelheber ... (Hrsg.).
Mit Beitr. von Michael Buselmeier .... - Heidelberg : Wunderhorn, 1993. - 158 S. : Ill.; (dt.). -
ISBN 3-88423-086-7
[3]
Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland / hrsg. von Bernhard Fabian -
Band 8; Baden-Württemberg und Saarland, I - S / hrsg. von Wolfgang Kehr. - 1994. - 356 S.; (dt.). -
ISBN 3-487-09582-3
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