Franz Philipp
(geboren am 24. August 1890 in Freiburg im Breisgau,
gestorben am 2. Juni 1972 in Freiburg im Breisgau)
Franz Philipps musikalische Begabung trat sehr früh in Erscheinung
und so erhielt er seit seinem 7. Lebensjahr Klavierunterricht.
Schon als Gymnasiast hat Philipp eine Messe komponiert und bei Schulgottesdiensten
spielte er die Orgel. Seit 1908 - also noch während seiner Gymnasialzeit - belegte er am
Freiburger Konservatorium die Fächer Musiktheorie, Instrumentation, Komposition, Violine
und Klavier. Von 1911 bis 1912 studierte er die Fächer Literaturwissenschaft und
Philosophie an der Universität Freiburg und von 1912 bis 1913 dann das Fach Orgel
am Basler Konservatorium. Dort begegnete er seinem wohl wichtigsten Lehrmeister,
dem Reger- und Straube-Schüler Adolf Hamm, durch den er als Komponist und Kirchenmusiker
nachhaltig geprägt wurde. Bei Hamm erlernte er die Grundlagen für seine später
vielbewunderte Kunst der freien Improvisation und des souveränen Beherrschens des Kontrapunktes.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entstanden erste mit Opuszahlen
versehene Kompositionen wie die Lenau-Lieder op. 1, und auch während des Krieges
komponierte Philipp eine Reihe von Werken, die vom damaligen Zeitgeist geprägt waren,
wie z. B. die Kriegslieder op. 5. Im Jahr 1916 erregte der Komponist mit der Uraufführung
seines patriotischen Chorwerkes für Männerchor und Sinfonisches Orchester op. 10
Deutschlands Stunde in der Berliner Philharmonie erstmals größeres Aufsehen.
Im Ersten Weltkrieg wurde Franz Philipp verwundet, zurück blieb ein irreversibler
Hörschaden. Nach seiner Genesung kehrte Philipp nach Freiburg zurück und wirkte in
seiner Heimatstadt als Organist und Chorleiter, wo er sich rasch einen Ruf als
einfallsreicher und improvisationsfreudiger Komponist im Stil Anton Bruckners erwarb.
Neben seiner Tätigkeit als Kirchenmusiker wirkte er ab 1923 sehr erfolgreich als
staatlicher Musikpädagoge am Lehrerseminar.
|
Friedens / Messe / "Aus den Tiefen schreie ich zu Dir, o Herr!"/
Für gemischten Chor,
Sopran-Solo / Orchester und Orgel / von / Franz Philipp / Opus 12 / Orchester-Partitur
Karlsruhe: Süddeutscher Musikverlag 1928
mit gedruckter Widmung an Julius Finter, Oberbürgermeister in Karlsruhe
(BLB, Signatur Mus. O. 151)
|
|
Durch das große Ansehen Philipps als bedeutender katholischer Kirchenmusiker im In- und
Ausland wurde er 1924 zum Direktor des Badischen Konservatoriums Karlsruhe berufen, wo er
1925 die Badische Orgelschule und 1926 den Badischen Kammerchor sowie das Badische Kammerorchester
gründete. Unter seiner Leitung wurde das Konservatorium 1929 zur Badischen Hochschule für
Musik erhoben. Neben der Gewährung eines Ehrenhonorars wurde Philipp 1932 dann auch zum
Professor ernannt.
Franz Philipps Hauptarbeitsfeld lag vor 1933 und nach 1945 hauptsächlich auf dem
Gebiet der Kirchenmusik. Doch zwischen 1934 und 1944 entstanden Kompositionen, die dem
Nazi-Regime des Dritten Reiches huldigten (Volkskantate op. 32
oder Deutsche Volkshymne zum Lob der Arbeit op. 33, Kantate Ewiges Volk op. 45).
Solche Kompositionen versuchte Philipp später zurückzuziehen.
Angesichts politischer Schwierigkeiten aufgrund seiner starken Verwurzelung in der
katholischen Kirchenmusik trat der Komponist 1941 nach fast 18-jähriger Tätigkeit unter
Angabe gesundheitlicher Gründe von seinem Posten in Karlsruhe zurück. Innere und äußere
Spannungen und ein gesundheitlicher Zusammenbruch erzwangen diesen Schritt. Nach 1942 lebte
Philipp als freischaffender Komponist wieder in Freiburg.
Dort fand er im Elend des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit - sein Sohn war 1944 bei
Calais in der Normandie gefallen - die Kraft zu einem gewichtigen Spätwerk. Die Kantate
Zwischen Zeit und Ewigkeit op. 65 entstand (Uraufführung 1950), die er als sein Lebenswerk ansah.
Die Symphonische Kantate "De profundis" op. 83 und die Missa symphonica op. 85 setzten noch
neue Höhepunkte im Schaffen des damals 74-jährigen Komponisten.
Franz Philipp starb am 2. Juni 1972, als Ehrenvorsitzender unzähliger Chorvereinigungen und
Vereine in seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau.
|
Missa Symphonica /
Credo in unum Deum /
für / Gemischten Chor und Orchester / Opus 85
handschriftliche Partitur
Uraufführung am 23. Oktober 1960 im Freiburger Münster
(BLB, Musikabteilung,
Nachlass Franz Philipp)
|
|
Philipps musikalisches Schaffen ist stark von der sinfonischen Gestaltung Anton Bruckners
und der Harmonik Max Regers geprägt. Weitere Wurzeln seines musikalischen Schaffens liegen in
der Gregorianik und im bewussten Bezug auf das deutsche Volkslied. Sein Werk umfasst alle Phasen
der musikalischen Ausdrucksformen, vom einfachen Kinderlied über die Kammermusik bis zum groß
angelegten sinfonischen Chorwerk.
Philipps Gesamtwerk weist 98 Opuszahlen sowie einige Werke ohne Opuszahl auf. Den inneren
Antrieb seines künstlerischen Lebens erhielt der Komponist zum einen durch seine tiefe Religiosität,
zum anderen durch die Liebe zur alemannischen Heimat. Dies spiegelt sich dann auch in Philipps
Werken wider. Durch sein Schaffen für die katholische Kirchenmusik hat er eine Umorientierung
und Modernisierung vorangetrieben. Der Komponist verwendete als einer der ersten wieder
deutsche Texte auch für liturgische Kompositionen, wobei seine besondere Hinwendung dem
Gemeindegesang galt. In seinen Hauptwerken strebt er danach, Sinfonie und Kantate zu monumentaler
Einheit zu verschmelzen.
Kein geringerer als Reinhold Schneider hat das Gesamtwerk in einem Brief an Philipp ebenso
knapp wie umfassend geschildert: "Es war Ihnen vergönnt, das musikalische Münster Freiburgs zu
erbauen". 1960 erhielt der Komponist als erster Preisträger den Reinhold-Schneider-Preis der
Stadt Freiburg verliehen.
Der musikalische Nachlass von Franz Philipp wird heute in der Badischen Landesbibliothek
Karlsruhe aufbewahrt und der Forschung zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei um gedruckte
Notenausgaben seiner Werke sowie um handschriftliche Noten.
AUSWAHLBIBLIOGRAPHIE:
- Franz Philipp. 70 Jahre. Das Bild eines deutschen Musikers in Zeugnissen von
Zeitgenossen. Freiburg 1960.
- Horst Ferdinand: Philipp, Franz Joseph, Komponist. In: Baden-Württembergische
Biographien. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg.
Hrsg. von Bernd Ottnad. Bd. 1. Stuttgart 1994, S. 271- 274.
- Michael Gerhard Kaufmann: "... im Südwesten des Reichs Träger und Künder deutschen Geistes ...".
Die "Staatliche Hochschule für Musik Karlsruhe am Rhein" und ihr Direktor Franz Philipp.
In: Musik in Baden-Württemberg. Jahrbuch. Bd. 6 (1999), S. 27-48.
- Michael Gerhard Kaufmann: Franz Philipp : (1890-1972). "Ein deutscher Musiker".
In: Die Musikforschung. Jahrgang 51 (1998), S. 430-437.
- Jean Christophe Prümm: Franz Philipp und die Erneuerung der katholischen Kirchenmusik.
Magisterarbeit, Marburg, Univ., 2002.
- Judith Marcinczak: Nachlass Franz Philipp [in der Musikabteilung der Badischen Landesbibliothek].
Stand: September 2003. Karlsruhe 2003. (Das Verzeichnis enthält sämtliche der im Nachlass
befindlichen gedruckten Notenausgaben und handschriftlichen Noten der Werke F. Philipps.
Standort: nur im Lesesaal Sammlungen: Tz 1625w).
>>> Das könnte Sie auch interessieren:
im Internet:
|