Reinhold Schneider
(geboren am 13. Mai 1903, gestorben am 6. April 1958)
Reinhold Schneider wurde am 13. Mai 1903 als zweiter Sohn des Hoteliers
Wilhelm Schneider (1867-1922) und der Louise Wilhelma Augusta, geb. Messmer
(1879-1955), in Baden-Baden geboren.
Zwischen 1909 und 1921 besuchte er in seiner Heimatstadt zunächst eine
private Grundschule, später die staatliche Oberrealschule, wo er 1921 das
Abitur ablegte. Im selben Jahr begann er ein landwirtschaftliches Praktikum am
Bodensee, das er nach kurzer Zeit abbrach und zu den Eltern nach Baden-Baden
zurückkehrte. Von dort siedelte Schneider zu seinem älteren Bruder
Willy (1900-1973) nach Dresden um, wo er eine kaufmännische Ausbildung
absolvierte. Einschneidendes Erlebnis dieser Zeit war der Freitod seines Vaters
im Jahr 1922, der in den eigenen seelischen Zusammenbruch und Selbstmordversuch
mündete.
Von 1923 bis 1928 arbeitete Schneider im erlernten Beruf bei der Kunstanstalt
Stengel & Co. in Dresden. Daneben betrieb er intensive Studien der spanischen,
portugiesischen, englischen, französischen und italienischen Sprache. Er
zog zu seinem Bruder als Untermieter von Anna Maria Baumgarten, die später
seine Lebensgefährtin wurde.
Im Jahr 1928 gab Schneider seinen Brotberuf auf und wagte den Schritt, sich als
freier Schriftsteller zu etablieren. Zwischen 1929 und 1937 lebte er in
Loschwitz bei Dresden sowie in Potsdam, unternahm viele Reisen und arbeitete an
zahlreichen Schriften, darunter: "Das Leiden des Camões", "Philipp der Zweite
oder Religion und Macht", "Fichte. Der Weg zur Nation", "Die Hohenzollern.
Tragik und Königtum", "Das Inselreich. Gesetz und Größe der
britischen Macht". Schneider gründete in dieser Zeit Beziehungen zu
wichtigen Persönlichkeiten wie Leopold Ziegler (dessen Nachlass ebenfalls
in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt wird), Werner Bergengruen, Gerhart
Hauptmann und vielen anderen, wovon seine außerordentlich ausgedehnte
Korrespondenz eindrucksvolles Zeugnis gibt.
Im Jahr 1937 fasste Schneider den Entschluss, in seine badische Heimat
zurückzukehren, zog vorübergehend nach Hinterzarten/Schwarzwald, ein
Jahr später aber bereits in seine Wohnung in der Mercystraße 2 in
Freiburg i. Br., wo er bis zu seinem Tod lebte. Es erschien sein wichtiges Werk
"Las Casas vor Karl V. Szenen aus der Konquistadorenzeit". Seit dieser Zeit
kämpfte Schneider mit seinen immer schwerer werdenden chronischen Leiden,
die auch Kuraufenthalte und Reisen nicht lindern konnten.
Nach der Entziehung der Druckerlaubnis im Kriegsjahr 1941 publizierte Schneider
bis zum Ende des Krieges im Alsatia-Verlag/Colmar. Eine seiner bekanntesten und
am weitesten auch an der Front verbreiteten religiösen Trostschriften ist
"Das Vaterunser". Noch im letzten Kriegsjahr wurde Schneider aufgrund der
Schrift "Das Gottesreich in der Zeit" wegen Hochverrates angeklagt.
Nach dem 2. Weltkrieg konzentrierte sich Schneiders religiöses und
ethisches Wirken auf Vorträge und Buchpublikationen. Zahlreiche Ehrungen
folgten: Die Universitäten Freiburg i. Br. und Münster verliehen ihm
1946 den philosophischen und juristischen Ehrendoktortitel, 1948 erhielt er
gemeinsam mit Gertrud von Le Fort den Gedenkpreis der Badischen Landesregierung
anlässlich des 100. Geburtstages von Annette von Droste-Hülshoff, 1949
folgte die Aufnahme als Ordentliches Mitglied in die Akademie der Wissenschaften
und der Literatur in Mainz, 1952 in die Bayerische Akademie der Schönen
Künste, 1955 in die Akademie der Künste Berlin. Schneider setzte sich
nach dem Krieg konsequent gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands sowie gegen
atomare Aufrüstung ein, was ihm politische Anfeindungen eintrug. Der "Fall
Reinhold Schneider", in dem es um die Beschuldigung kommunistischer Konspiration
ging, scheint bis heute nicht restlos geklärt. Im Jahr 1952 wurde Schneider
auf Vorschlag von Theodor Heuss zum Ritter des Ordens "Pour le mérite"
Friedensklasse ernannt.
Nach dem Erscheinen der ausgewählten Schriften im Jahr 1953 erfolgte die
erste Deutung seines Werkes durch Hans Urs von Balthasar. In den letzten Jahren
seines Lebens, auf denen Schneider noch einige längere Reisen unternahm,
entstanden die autobiographischen Werke "Verhüllter Tag", "Der Balkon" und
"Winter in Wien". Zu den höchsten Ehrungen zählte schließlich
die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Jahr 1956. Nach
plötzlichem Zusammenbruch starb Schneider am Ostersonntag 1958 in Freiburg.
Der Aufbahrung im Freiburger Münster folgte die Bestattung in seiner
Heimatstadt Baden-Baden. Seit 1970 pflegt die Reinhold-Schneider-Gesellschaft
die Erinnerung an den bedeutenden badischen Schriftsteller, dessen Nachlass in
der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt wird.
Die Nachlassbibliothek Reinhold Schneiders
Die unter der Signatur "RS" gesondert aufgestellte Nachlassbibliothek des Dichters
und Schriftstellers Reinhold Schneider, die 1960 von der Badischen Landesbibliothek erworben wurde,
umfasst bei insgesamt ca. 9200 Titeln 535 vor 1900. 36 Titel sind vor 1800
erschienen, darunter eine Inkunabel und 2 Drucke des 16. Jahrhunderts in Italienisch und
Französisch. Unter den 7 Titeln des 17. und 27 des 18. Jahrhunderts finden sich neben
theologischen und historiographischen Werken solche zur italienischen, französischen
und deutschen Literatur; sie bilden die Schwerpunkte des älteren Bestandes. Neben 357
deutschsprachigen Werken sind 103 französische, 12 englische und 28 italienische
vorhanden.
Dem Systematischen Katalog zufolge liegen die Schwerpunkte der Sammlung
bei der Literatur (338 Titel: 139 zur deutschen Literatur, 18 vor 1800; 60 zur
englischen Literatur und 133 zu den romanischen Literaturen, 16 vor 1800). Die
Theologie betreffen 42 Titel (5 vor 1800), die Geschichte und Geographie 75
(4 vor 1800), die klassische Altertumswissenschaft 11 und die Kunst 10.
[1]
Literatur:
[1]
Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland / hrsg. von Bernhard Fabian -
Band 8; Baden-Württemberg und Saarland, I - S / hrsg. von Wolfgang Kehr. - 1994. - 356 S.; (dt.). -
ISBN 3-487-09582-3
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