Die Handschriften des Klosters Reichenau
Die bedeutende Handschriftensammlung des Klosters Reichenau befindet sich seit 200 Jahren in der Badischen
Landesbibliothek in Karlsruhe. Im Zuge der Säkularisation ging der vollständige noch erhaltene
Handschriftenbestand des Klosters, d.h. 267 Pergamenthandschriften, 162 Papierhandschriften und
212 Fragmente, ebenso eine Auswahl der Inkunabeln, im Jahr 1805 in die Karlsruher Hof- und
spätere Landesbibliothek über.
Die Reichenau in karolingischer Zeit
Das Kloster auf der Insel Reichenau im Bodensee zählt neben St. Gallen und Fulda zu den bedeutendsten
Klöstern der karolingischen Zeit. Als Benediktinerkloster wurde es 724 von Bischof Pirmin gegründet,
der das Land von dem fränkischen Hausmeier Karl Martell geschenkt bekommen hatte. Die Motive dieser
Klostergründung lagen in der Christianisierung der Alemannen und der Festigung der fränkischen
Reichspolitik. Besonders in der Karolingerzeit stand das Kloster in enger Verbindung mit der
Reichspolitik. Die Äbte hatten Aufgaben am kaiserlichen Hof inne wie z.B. die eines Diplomaten oder
eines Erziehers der Fürstensöhne.
Schon in den ersten Jahrzehnten nach der Klostergründung wuchs die Bedeutung der Reichenau in
kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht. Ihr ausgedehnter Grundbesitz verhalf der Abtei zu
großem Reichtum. Auch war die Insel ein angesehener sakraler Ort und erhielt viele Besuche und
Schenkungen der Reichsfürsten. Besonders das karolingische Haus stattete das Kloster mit großzügigen
Gütern aus. Unter Karl dem Großen erfuhr die Abtei einen immensen Aufschwung, da der Kaiser vor
allem Wissenschaft und Kunst förderte. Hauptträger seiner Bildungsreform waren die Klöster, die
nun besonders unterstützt wurden.
Die Klosterbibliothek
Jedes Kloster sollte eine Bibliothek besitzen, forderte Benedikt von Nursia. Er war der Verfasser
der Ordensregel, auf die sich die Klöster des Benediktinerordens beriefen. Schon Pirmin und die
ersten Mönche brachten zur Klostergründung eigene Codices mit; auch später trugen wohl manche
Mönche, die aus dem süddeutschen Adel kamen, mit eigenen Büchern zum Heranwachsen der Bibliothek
bei. Der Bestand wuchs dann durch planmäßiges Abschreiben in der Klosterschule und durch
Schenkungen oder Kauf. Auch durch Tausch mit und Entleihungen aus anderen Bibliotheken wie
z.B. Fulda, Trier, Speyer oder Mainz erhielt die Reichenauer Klosterbibliothek geistige Anregungen.
Besonders mit dem nahe gelegenen St. Gallen unterhielt die Reichenau rege Beziehungen, so wurde
der berühmte St. Galler Klosterplan um 820/30 auf der Reichenau für St. Gallen gezeichnet.
In der Mitte des 10. Jahrhunderts, als St. Gallen von Ungarneinfällen heimgesucht wurde, lagerte
man präventiv den gesamten Bücherbestand auf die Insel Reichenau aus, was die dortigen Mönche für
zahlreiche Abschriften ausnutzten.
Die Reichenauer Handschriften
Schon in den Jahren 821/822 lag der Bestand bei 415 Bänden. Die karolingische Klosterbibliothek war
damit eine der umfangreichsten Sammlungen des Abendlandes. Vor allem durch die besondere
bibliothekarische Sorgfalt und Pflege erreichte diese Büchersammlung einen hohen Stellenwert.
Der größte Teil der Handschriften wurde im 8. und 9. Jahrhundert in einer für das Bodenseegebiet
charakteristischen karolingischen Minuskel geschrieben.
Reginbert von Reichenau, der unter vier Äbten vom Ende des 8. bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts
als Bibliothekar tätig war, trug ganz wesentlich zum Aufbau der bedeutenden Büchersammlung bei.
Neben einem Bestandskatalog verfassten er und seine Schüler u. a. zahlreiche liturgische,
hagiographische, grammatikalische und medizinische Texte. Viele Schriften von seiner Hand,
wie z.B. die "Bibliothek der Symbole", ein um 820 geschriebener Codex mit einer Sammlung von
Glaubensbekenntnissen, sind in der Badischen Landesbibliothek überliefert. [1]
Acht Codices sowie ein Fragment sind Palimpseste, d.h. neu beschriebenes Pergament, dessen
ursprünglicher Text abgeschabt worden war. Da Pergament teuer war, konnte es auf diese Art wieder verwendet werden.
Der Inhalt der Handschriften
Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf christlichen lateinischen Texten. Darunter befinden sich viele
liturgische Schriften, biblische Codices, Texte der Kirchenväter und frühmittelalterlicher
Kirchenschriftsteller wie Cassiodor, Isidor von Sevilla, Thomas von Aquin oder Hrabanus Maurus,
aber auch Werke der mittelalterlichen Geschichtsschreibung. Die Sammlung umfasst wenig profan-antike
Literatur, darunter jedoch Schriften der Grammatik, Rhetorik und Metrik. Ebenso haben sich
naturwissenschaftliche, praktisch-medizinische, geographische und astronomische Werke der Spätantike
erhalten.
Die weniger zahlreichen Papierhandschriften behandeln hauptsächlich Recht, Homiletik, Liturgik,
Rhetorik und Grammatik.
Die große Zahl der Fragmente beruht zum größten Teil auf dem Umstand, dass im 15. Jahrhundert
zahlreiche alte Handschriften neu gebunden worden waren. Scheinbar wertlose Pergamente wurden
makuliert und in den Buchdeckeln der Neubindungen verwendet. Diese Fragmente stammen u. a. von
liturgischen Handschriften, Bibelcodices, Grammatiken und Urkunden.
Walahfrid Strabo
Als bedeutendster Dichter und Schreiber der karolingischen Zeit ist der Abt Walahfrid Strabo
(808/09-849) zu nennen, der geistliche und weltliche Inhalte in einer ästhetisch anspruchsvollen
Form und in einer klaren Sprache vermittelte. In der Badischen Landesbibliothek sind u. a. eine
Psalmenerklärung [2], zwei Kommentare zu den katholischen
Briefen [3]
sowie eine Heiligenvita [4] aus dem
10. Jahrhundert überliefert. In einer Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts [5]
findet sich ein
Kommentar zu den Paulusbriefen.
Die Reichenau in ottonischer Zeit
In ottonischer Zeit, und besonders unter Otto III., erlebte das Kloster einen zweiten großen
kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung. Die Könige Heinrich I., Otto I. und Otto II. begünstigten
die Reichenau mit Privilegien (Immunität, Zollfreiheit, Wahlrecht etc.), Schenkungen und Besuchen. Von
Otto III. erhielt sie das Marktrecht und die Münze. Auch war die Abtei eng in die Politik Ottos III.
einbezogen und eng an Kaisertum und Papsttum gebunden. So gewährte der Papst dem Kloster das Privileg,
die Ehrenkleidung der päpstlichen Kardinäle zu tragen sowie die Abtsweihe vom Papst selbst entgegenzunehmen,
wodurch das Kloster der Gerichtsbarkeit des Bischofs entzogen war.
In Rang, Ansehen und Rechtsstellung stand die Reichenau zu dieser Zeit zusammen mit dem Kloster Fulda an
der Spitze der deutschen Reichsabteien und war damit ein großer Konkurrent des Bischofs von Konstanz.
Künstlerische Vermächtnisse der ottonischen Zeit sind die romanischen Kirchenbauten, vor allem St. Georg
mit seinen bedeutenden Wandmalereien, aber auch die illuminierten Codices, deren Malerei beispielgebend für die
Kunst ganz Europas waren. Ein Lektionar - ein liturgisches Buch, das nach in der Messe zu lesenden Abschnitten
geordnet ist - in der Badischen Landesbibliothek aus dem zweiten Drittel des
10. Jahrhunderts [6] enthält ornamentale
Initialen mit besonders kunstfertigen Rankenmotiven und Flechtwerken.
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Lektionar
[Reichenau, 2. Drittel des 10. Jahrhunderts]
Badische Landesbibliothek
Cod. Aug. perg. 16, Bl. 32r
Mit dieser H-Initiale beginnt die erste, von Fulgentius (467-533), Bischof von Ruspe, verfasste Lesung
des Stephanstags (26. Dezember): "Heri celebravimus ...".
Den linken, hohen Schaft der in Gold und Blau gehaltenen Initiale bildet ein Reiher. Der große Ansatz des H
nach rechts ist mit Flechtwerkknoten und Akanthusblättern gefüllt. Im Binnenfeld breitet sich eine große
goldene Kelchblüte auf blauem Grund mit Akanthusblättern im Zentrum aus.
Die Initialen dieses Codex leiten die Blütezeit der ottonischen Buchmalerei auf der Reichenau ein und
hängen stilistisch von der St. Galler Buchillustration des 9. Jahrhunderts ab.
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Figürliche Miniaturen befinden sich vor allem in Codices und einzelnen Blättern, die heute in Heidelberg,
München, Florenz, Wien, Montpellier oder Cleveland/Ohio aufbewahrt werden.
Diese qualitativen Zeugnisse der Kunstgeschichte waren Ausdruck des hohen Selbstverständnisses des
Klosters in der Zeit um 1000. Der Bau einer Kirche zu Ehren des heiligen Adalbert von Prag, der ein enger
Vertrauter Ottos III. war, demonstrierte ganz besonders die Verbundenheit mit den Ottonen (die Kirche
wurde 1832 abgerissen).
Abt Witigowo
Eine Biographie Witigowos, der von 985-997 Abt des Klosters war, befindet sich in der Badischen
Landesbibliothek. Die "Gesta Witigowonis" verfasste der Dichter Purchard von Reichenau am Ende des
10. Jahrhunderts. [7] Diese Biographie entstand zur Feier des zehnjährigen
Abtsjubiläums Witigowos im Jahr
995 und enthält ein Gedicht in Form eines Zwiegesprächs zwischen der personifizierten Reichenau und dem
Dichter Purchard.
Widmungsbild der "Gesta Witigowonis" des Purchard von Reichenau [Reichenau,
Ende des 10. Jahrhunderts]
Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. perg. 205, Bl. 72r
Im Bildzentrum thront die Muttergottes mit dem Christuskind auf dem Schoß. Rechts neben ihr
ist Witigowo zu sehen, links der Klostergründer Pirmin, der mit einem Heiligenschein gekennzeichnet
ist. Beide sind durch die Bogeninschrift identifiziert. Neben Pirmin treten die Mönche heran. Vor dem
Thron kniet mit einer Dedikationsgeste der sich selbst "bäuerischer Dichter" ("rusticus poeta")
nennende Purchard und blickt zur personifizierten Reichenau ("augia") auf. Diese trägt die schwere
Last der von Witigowo erbauten Kirchen, welche die Szene einrahmen, auf den Schultern.
An der Miniatur ist besonders deutlich zu sehen, wie vielfältig und umfangreich einmal die sakrale
Architektur auf der Klosterinsel gewesen war.
In diesem Dialog klagt die "Reichenau" über die häufige Abwesenheit des Abtes, der Otto III. im Jahr
996 zur Kaiserkrönung nach Rom begleitete und häufig in Angelegenheiten des Reiches unterwegs war.
Ebenso berichtet die personifizierte Klosterinsel aber auch von den regen Bautätigkeiten des
"aureus abbas", des "goldenen Abtes", wie Witigowo hier genannt wird. Der größte Teil seiner
Bauten ist heute jedoch nicht mehr erhalten; einzig das Langhaus des Marienmünsters geht noch
auf Witigowo zurück.
Die Volkssprache auf der Reichenau und in St. Gallen
Der volksprachige Aspekt hatte eine große Bedeutung in den Klöstern Reichenau und St. Gallen. In beiden
Abteien wurden lateinische Texte ins Althochdeutsche übertragen. So finden sich in Reichenauer Handschriften
zahlreiche althochdeutsche Interlinearversionen, die den lateinischen Text zumeist Wort für Wort
in die Volkssprache übersetzen. Eine dieser Glossenhandschriften ist der "Abrogans". Er beinhaltet
die Übersetzung eines aus spätantiker Tradition stammenden lateinisch-lateinischen Synonymenwörterbuchs
ins Althochdeutsche und entstand um die Mitte des 8. Jahrhunderts im oberdeutschen Sprachgebiet.
Eine der drei erhaltenen Abschriften befindet sich in der Badischen Landesbibliothek. [8]
Dieser Text in alemannischer Schreibsprache wurde zu Beginn des 9. Jahrhunderts geschrieben.
Im Kloster Reichenau wurde die Volkssprache auch unterrichtet, was durch Reginberts Bibliothekskatalog
bezeugt ist. Dort heißt es, dass sich in der Bibliothek verschiedene Lieder befanden, um die
Volkssprache zu lehren: "... et carmina diversa ad docendum Theodiscam linguam, ...". [9]
Notker III. von St. Gallen (ca. 950-1022) zählt zu den bedeutendsten Schreibern und Lehrern des
Klosters St. Gallen in der ottonischen Zeit. Große Bedeutung erlangte er durch seine umfangreichen
Übersetzungen ins Althochdeutsche, die dem besseren Verständnis im Schulunterricht dienen sollten
und einen immensen Wortschatz beinhalten. Zu ihnen gehören Artes-Literatur, Schullektüre,
Sprichwörter sowie biblische und theologische Texte. Mit Notkers Werken endet die Periode des
Althochdeutschen.
Hermann von Reichenau
Hermann von Reichenau (1013-1054) war einer der berühmtesten Gelehrten und Wissenschaftler des
11. Jahrhunderts. Er verfasste musiktheoretische und liturgische Werke und vertonte eigene Dichtungen.
Ebenso schrieb er Texte über den Gebrauch des Abacus und des Astrolabiums sowie eine Weltchronik.
Letztere ist in der Badischen Landesbibliothek in einem Codex des 11. Jahrhunderts
überliefert. [10]
Die Reichenauer Malerschule
Die Reichenauer Malerschule, die im 10. und 11. Jahrhundert aufwändig und besonders schmuckvoll
illustrierte Codices hervorbrachte, beeinflusste mit ihrem höchst qualitätvollen Anspruch die Kunst
in ganz Europa. Die in dieser Zeit entstandenen Werke waren zum größten Teil Auftragsarbeiten für
auswärtige Personen und Institutionen, d.h. für Klöster, Bischöfe, aber auch für Kaiser und dem Hof
nahe stehende Personen. So entstanden u. a. das Perikopenbuch Heinrichs II. (München, Bayerische
Staatsbibliothek), das Evangeliar Ottos III. (ebd.) oder der Codex Egberti für den Erzbischof
Egbert von Trier (Trier, Stadtbibliothek).
Charakteristisch für diese Buchmalerei ist die Gebärdenfigur, deren ausgeprägte Gestik wesentlicher
Teil der Darstellung ist und stärkere Bedeutung hat als die eigentliche Erzählung. Helle,
leuchtende und reine Farben, häufig verwendeter Goldgrund und eine Linearität der Konturen sind
dabei wesentliche Elemente. Vorbilder dafür waren spätantike, byzantinische und karolingische
Darstellungen. Initialen mit kunstfertigen Rankengewinden, Flechtwerk mit Verknotungen und
Akanthusblättern als Füllmaterial sind häufig zu findende ornamentale Illustrationen und wurden
durch die St. Galler Buchmalerei beeinflusst.
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Lektionar
[Reichenau, 2. Drittel des 10. Jahrhunderts]
Badische Landesbibliothek
Cod. Aug. perg. 16, Bl. 166r
Diese P-Initiale stellt den Beginn der dritten Lesung zum Fest Johannes' des Täufers (24. Juni)
dar, die vom Kirchenlehrer und Schriftsteller Beda (672/73-735) geschrieben wurde: "Praecursor
hic domini ...".
Der Schaft ist mit goldenen Lilien auf blauem Grund geschmückt. Der runde Buchstabenstamm des P ist
am Schaft verknotet und mit goldenem Flechtwerk, ebenfalls auf blauem Grund, dekoriert. Das Binnenfeld
wird von einer breiten, symmetrischen Ranke gefüllt. Aus allen Verknotungen wie auch aus den Endstellen
wachsen Staubgefäße und blaue Blüten an dünnen roten Stielen.
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Die Kaiserbildnisse in den Handschriften stellten den Herrscher als einen von Gott eingesetzten
Fürsten dar, der zugleich zum Schutz der Kirche berufen ist; andererseits wurde dadurch auch der
Einschluss des Kaisers in das Gebet der Mönche verdeutlicht.
Ob tatsächlich eine einheitliche Reichenauer Malerschule existierte, in der diese Prunkhandschriften
hergestellt wurden, oder ob sie doch in anderen Skriptorien wie in Trier oder Echternach entstanden sind,
ist Gegenstand der aktuellen Forschungsdiskussion (siehe beispielsweise
"Möge... Gott dein Herz kleiden durch dieses Buch..." -
Mythos und Geschichte der Reichenauer Buchmalerei).
Besonders die relativ rohe Zeichnung und die simple Farbgebung des Widmungsbildes der
"Gesta Witigowonis" (s. o.) ließ diese Zweifel aufkommen.
Die Reichenauer Handschriften in der Badischen Landesbibliothek
Im hohen Mittelalter, besonders nach dem großen Brand 1235, begann der kulturelle und wirtschaftliche
Niedergang der Reichenau, bis im Jahr 1540 dem Bischof von Konstanz die Abtswürde übertragen und das
Kloster 1757 schließlich vom Bischof aufgehoben wurde. Mit der Säkularisation 1803 gingen die
Besitztümer an Baden über.
Als Bestandteil der ehemaligen Karlsruher Hofbibliothek waren die dortigen Bibliothekare sehr um
eine Erschließung der Reichenauer Handschriften bemüht. Noch auf der Reichenau waren sie im Jahr 1760
von Martin Gerbert inventarisiert worden - sein Signaturensystem ist bis heute gültig. Es bezeichnet die
Handschriften mit Codex Augiensis (lat. augia insula: Insel Reichenau); die Pergamenthandschriften erhalten
den Zusatz perg, die Papierhandschriften den Zusatz pap.
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Alfred Theophil Holder (1840-1916), Leiter der Großherzoglichen
Hof- und Landesbibliothek (Handschriftenabteilung). Er katalogisierte die im Zuge der Säkularisation nach
Karlsruhe gekommenen
Reichenauer Handschriften. Diese Beschreibungen veröffentlichte er in dem von seinem Vorgänger Wilhelm Brambach
begonnenen Handschriftenkatalog.
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Alfred Holder, Leiter der Großherzoglichen Hof- und Landesbibliothek (Handschriftenabteilung) von 1904-16,
war der erste, der die Handschriften
ausführlich und detailliert beschrieb. Diese Ergebnisse veröffentlichte er im von seinem Vorgänger
Wilhelm Brambach begonnenen mehrbändigen Katalog über die Handschriften der Bibliothek. Holders
Katalog ist bis heute Standard geblieben.
Die Reichenau als Weltkulturerbe
Im Jahr 2000 wurde die ganze Insel von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Zusätzlich wurden
2003 zehn ausgewählte Handschriften der Reichenauer Malerschule, die sich heute in München,
Bamberg, Darmstadt, Trier, Aachen, Paris und Cividale del Friuli befinden, in das "Memory of the
World"-Programm der UNESCO aufgenommen.
Die Restaurierung der Reichenauer Fragmente
Die Badische Landesbibliothek nimmt am
Landesrestaurierungsprogramm teil, das vom Land Baden-Württemberg
beschlossen wurde. Dieses Programm hat den Erhalt alter Handschriften, Bücher, Urkunden, Nachlässe und
sonstiger Dokumente in Archiven und Bibliotheken des Landes Baden-Württemberg zum Inhalt.
Zurzeit werden die 212 Reichenauer Handschriftenfragmente restauriert und digitalisiert. Im Zuge der
Katalogisierung Alfred Holders wurden alle Fragmente neu eingebunden. Aus dieser Bindung mit
säurehaltigem Papier werden die Fragmente gelöst, anschließend trocken gereinigt und von eventuellen
Leimspuren und Klebestreifen befreit. Nach dem Fotografieren werden sie in Passepartouts und
säurefreien Mappen schonend aufbewahrt.
Dorothea Mayer, September 2005
Literatur:
[1] Cod. Aug. perg. 18, vgl. Alfred Holder: Die Reichenauer Handschriften, Bd.1: Die Pergamenthandschriften,
Leipzig 1906, Neudr. Wiesbaden 1970, S. 58-69.
[2] Cod. Aug. perg. 192, vgl. Holder Bd.1 S. 434-437.
[3] Cod. Aug. perg. 135, vgl. Holder Bd.1 S. 329-334 und Cod. Aug. perg. 250, vgl. Holder Bd.1 S. 562-566.
[4] Cod. Aug. perg. 37, vgl. Holder Bd.1 S. 140-155.
[5] Cod. Aug. pap. 28, vgl. Alfred Holder: Die Reichenauer Handschriften, Bd.2: Die Papierhandschriften -
Fragmenta - Nachträge, Leipzig 1914, Neudr. Wiesbaden 1971, S. 45-50.
[6] Cod. Aug. perg. 16, vgl. Ursmar Engelmann: Reichenauer Buchmalerei, Freiburg 1971.
[7] Cod. Aug. perg. 205, vgl. Holder Bd.1 S. 466-469.
[8] Cod. Aug. perg. 111, vgl. Holder Bd.1 S. 286-289.
[9] vgl. Alfred Holder: Die Reichenauer Handschriften, Bd.3: Register - Grundstock der Bibliothek - Die alten
Kataloge, Leipzig 1918, Neudr. Wiesbaden 1973, S. 94.
[10] Cod. Aug. perg. 175, vgl. Holder Bd.1 S. 409-412.
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