Badische Landesbibliothek
   


Buchtipp

Die Macht der Wahrheit : Reinhold Schneiders »Gedenkwort zum 20. Juli« in Reaktionen von Hinterbliebenen des Widerstandes

Neuerscheinung zum 50. Todesjahr Reinhold Schneiders

Die Macht der Wahrheit : Reinhold Schneiders »Gedenkwort zum 20. Juli« in Reaktionen von Hinterbliebenen des Widerstandes
hrsg. von Babette Stadie
Berlin : Lukas Verlag f. Kunst- u. Geistesgeschichte
ISBN 978-3-86732-033-7
Preis: 19,80 €
Die Macht der Wahrheit : Reaktionen von Hinterbliebenen des Widerstandes auf das 'Gedenkwort zum 20. Juli' von Reinhold Schneider


Reinhold Schneiders 1946 verfasstes 'Gedenkwort zum 20. Juli' gehört zu den bemerkenswert frühen Versuchen eines deutschen Schriftstellers, unmittelbar nach dem Untergang des NS-Staates die Motive und Leistungen des Widerstandes gegen Hitlers Herrschaft zu benennen. Er provozierte seine Zeitgenossen, grundsätzlich und selbstkritisch über die Leistung derjenigen nachzudenken, die sich Hitlers Herrschaft widersetzten und dafür ihr Leben verloren.

Einleitend erläutert Peter Steinbach die Bedeutung von Schneiders Annäherung an den Widerstand und seines Gedenkwortes. Die Herausgeberin, Babette Stadie, untersucht die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Gedenkwortes sowie die Dankesbriefe, die Schneider von Hinterbliebenen der Regimegegner des 20. Juli erhielt. Letztere sind ein bewegendes Zeugnis tiefer innerer Übereinstimmung mit der Tat ihrer Angehörigen. Überdies machen sie die Verbindungen sichtbar, die zwischen den Angehörigen aufgrund der gemeinsamen Verfolgung vor dem Kriegsende entstanden waren und danach in der Geschichte des Hilfswerks 20. Juli ihre Fortsetzung fanden.

Aus dem Inhaltsverzeichnis:
  • »Distanz - eine bändigende Kraft« (Peter Steinbach)
  • Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Gedenkwortes (Babette Stadie)
  • Briefe I - Briefalbum »20. Juli 1944«
  • Briefe II - Briefe zum 20. Juli 1944 aus der Korrespondenz Schneiders
  • Totenliste der Widerstand-Bewegung 20. Juli 1944
  • Reinhold Schneider: Gedenkwort zum 20. Juli
  • Reinhold Schneider: Die Toten des 20. Juli
Ein Register erschließt den Band (254 Seiten), der zudem zahlreiche Reproduktionen handschriftlicher Briefe enthält, die alle transkribiert wurden. Alle Briefe stammen aus dem Reinhold-Schneider-Archiv in der Badischen Landesbibliothek.


Abgedruckt sind Briefe nachstehender Personen:
Käthe von Boehmer, Albert Freiherr von Boeselager, Emilie Bonhoeffer, Erika Canaris, Charlotte Cramer, Friedrich Carl Nicolaus Constantin von Dietze, Maria Agnes Gräfin zu Dohna-Tolksdorf, Karl August Graf von Drechsel, Marie Elsas, Annemarie Finckh, Heinz Flügel, Fritz Gehre, Therese Freifrau von und zu Guttenberg, Barbara von Haeften, Hertha von Halem, Mary Renate Gräfin von Hardenberg-Neuhardenberg, Anna von Harnack, Alexander von Hase, Ilse von Hassell, Edmund Haupt, Heinz Haushofer, Otto Hermann Heuschele, Rose von Hösslin, Alice Kißling, Else Klamroth, Marie-Sibylle Klausing, Alice von Kleist, Annemarie Koch, Gerda Kuenzer, Käthe Kuhn, Elisabeth Leuschner, Hermann Freiherr von Lüninck, Ilse Gräfin zu Lynar, Maria Gräfin zu Lynar, Eleonore Mertz von Quirnheim, Hilde Mertz von Quirnheim, Freya Gräfin von Moltke, Ingrid von Oertzen, Karl Peters, Nelly Planck, Arianne Baronin von Plettenberg, Eva von Rabenau, Rosemarie Reichwein, Edelgarde von Reimer-von Witzleben, Elfriede Sadrozinski, Gräfin von Salviati, Christine Scholz-Babisch, Charlotte Gräfin von der Schulenburg, Marianne Gräfin Schwerin von Schwanenfeld, Elisabeth Strünck, Hermann Teske, Elisabeth von Thadden-Triegloff, Hanna Träuptmann, Erika von Tresckow, Clarita von Trott zu Solz und Carla-Luise Wagner


Leseprobe

Plettenberg, Arianne Baronin von, geb. Freiin von Maltzahn (1909 - 29.04.1983), verh. Kurt Freiherr von Plettenberg (31.01.1891 - 10.03.1945); Manuskript, 2 Bl.


Bückeburg 9. VIII. 47

Sehr verehrter Herr Schneider,

über die Betreuungsstelle des Grafen Hardenberg in Nörten bekam ich das Büchlein "Gedenkwort zum 20. Juli" mit Ihrer Widmung zugeschickt. - Es ist mir ein Bedürfnis Ihnen ganz besonders dafür zu danken und Ihnen zu sagen, daß mich dieses Büchlein sehr bewegt hat. Es ist das Erste dieser Art, was ich gelesen habe, in dem nicht der äußere Ablauf der Dinge, der ja an sich mit dem eigentlich Wesentlichen so wenig zu tun hat, beschrieben wird, sondern in dem auf die eigentlich inneren Gründe eingegangen wird.

Die ganzen schweren Gewissensqualen und Kämpfe, die meinen Mann Tag und Nacht beschäftigten, dieses bewußt Schuldigwerden müssen um der Wiederherstellung des Rufes willen diese grauenvolle Verstrickung von Gut und Böse, unter der er so litt, und dann doch dieses sich zur Tat durch kämpfen mit der sicheren Ahnung, daß das alles zu spät war und doch getan werden mußte, dies alles haben Sie so eindringlich dargestellt.

Es ist so schwer Menschen, die nicht um all diese Dinge und in entsetzlicher Not und dazu um das Schicksal des Vaterlandes gelitten haben, weil sie nicht klar sahen, zum Teil nicht sehen konnten, wohin dies alles führt, - nachträglich klar zu machen, worum es diesen Männern ging.

Es ist wohl fast unmöglich sich nachträglich in all dies heineinzuversetzen, und ich persönlich hatte es eigentlich aufgegeben mit anderen Menschen, die nicht in dieser Arbeit gestanden hatten, darüber zu sprechen. Ich hatte das Gefühl, sie verstehen dich nicht, und es ist so ganz zwecklos. -

Ihr Büchlein hat mir wieder Mut gemacht. Vielleicht, daß doch dieser oder Jener von dem Geist, der aus ihm spricht, angerührt wird. Und daß er dann die Verpflichtung versteht, die vom Tode dieser Männer für uns alle entsteht. Ich danke Ihnen sehr für dieses Geschenk, in dem mein Mann mir wieder so sehr lebendig wurde.

Mit meiner Empfehlung bin ich Ihre
sehr ergebene
Arianne Baronin Plettenberg.

Schreiben von Arianne Baronin von Plettenberg (1909 - 29.04.1983) an Reinhold Schneider.
Schreiben von Arianne Baronin von Plettenberg (1909 - 29.04.1983) an Reinhold Schneider. Abgebildet ist die letzte Seite des Schreibens.

Download des gesamten Schreibens (Seiten 1-4; PDF - 2,6 Mbyte)


Kurt Freiherr von Plettenberg (31.01.1891 - 10.03.1945) war an den Vorbereitungen für den Staatsstreich am 20. Juli 1944 beteiligt. Anfang März 1945 wurde er verhaftet. Im Hausgefängnis der Gestapo in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße 8 stürzte er sich aus einem Fenster des dritten Stockwerkes.
Kurzbiographie von Kurt Freiherr von Plettenberg auf den Seiten der Gedenkstätte Deutscher Widerstand



Pressestimmen

  • Die Mahnung, Zentralorgan demokratischer Widerstandskämpfer und Verfolgten-Organisationen, 55. Jahrgang, Nr. 7, 01.07.2008: Wahrheit, Klarheit und Verantwortung - Reinhold Schneider zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus / Von Peter Steinbach (PDF - 2,7 Mbyte)
    Rechtzeitig zum Jahrestag des Anschlags vom 20. Juli 1944, der der Würdigung des gesamten Widerstands dient, sind die in der Handschriftenabteilung der Badischen Landesbibliothek liegenden Dankesbriefe von deren wissenschaftlicher Mitarbeiterin Dr. Babette Stadie gemeinsam mit der Forschungsstelle Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten ediert worden. Das Werk wird zum 20. Juli 2008 im Lukas-Verlag, Berlin erscheinen.
    Diese Briefe der Angehörigen der Widerstandskämpfer vom 20. Juli 1944 sind ein beeindruckendes Beispiel für die tröstende Wirkung, die unmittelbar nach dem Kriege die Anerkennung des Widerstands durch einen der angesehensten Schriftsteller der vierziger und auch der fünfziger Jahre für die überlebenden Angehörigen haben konnte. ...
  • Badische Neueste Nachrichten, 19.07.2008: Trost und Befreiung - Reinhold Schneider und "Die Toten des 20. Juli"
    Es ist eine, buchstäblich genommen, schmale Schrift, die Reinhold Schneider im Juni 1949 herausbrachte, aber es ist ein Text, der zumindest bei denen, die er unmittelbar ansprach und die noch lebten, direkt ins Herz traf. ...
  • Die Welt, 19.07.2008: Als der Widerstand noch als unmoralisch galt
    Weil Reinhard Schneider 1946 seine Rede auf die Männer des 20. Juli nicht halten konnte, veröffentlichte er sie. Erst jetzt erscheinen die Reaktionen als Buch
    Widerstand bewegt sich immer auf einem schmalen Grat zwischen tiefen Abgründen - einerseits Landes- und andererseits Hochverrat. "Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich verbrecherischer, dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet, um mich zu beseitigen und zugleich mit mir den Stab der deutschen Wehrmachtsführung auszurotten", verkündete Adolf Hitler in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1944 in einer reichsweit ausgestrahlten Ansprache. ...
  • Badisches Tagblatt, 19.07.2008: Reinhold Schneiders "Gedenkwort zum 20. Juli" - Widerstand: Neue Veröffentlichung der Badischen Landesbibliothek steht im Mittelpunkt einer Ausstellung in Karlsruhe
    Die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe rückt nach ihrer großen Reinhold-Schneider-Ausstellung 2003 erneut einen Aspekt aus dem Schaffen dieses fast vergessenen Schriftstellers in den Mittelpunkt, diesmal in einer Kabinettausstellung. Im Mittelpunkt steht ein neues Buch, das sich mit Reinhold Schneiders 1946 verfasstem "Gedenkwort zum 20. Juli" beschäftigt. Herausgeberin ist Babette Stadie vom Reinhold-Schneider-Archiv der Landesbibliothek. Sie untersucht die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Textes sowie die Dankesbriefe, die Schneider von den Hinterbliebenen der Regimegegner erhielt. ...


Verkauf in der Badischen Landesbibliothek

Während der Dauer der Ausstellung Erinnerung an Reinhold Schneider und Leopold Ziegler 1958 - 2008 (vom 15. Juli - 31. Oktober 2008 im Informationszentrum der Badischen Landesbibliothek) ist das Buch zum Preis von 15,00 € (statt 19,80 €) an der Garderobe der Badischen Landesbibliothek erhältlich.


Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Postfach 1429, 76003 Karlsruhe
Telefonnummern und E-Mail-Adressen


Öffnungszeiten
Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
Mo - Fr 9.30 - 13.00 Uhr, 14.00 - 16.00 Uhr
Do 9.30 - 13.00 Uhr, 14.00 - 18.00 Uhr


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