Bibliothek des Karlsruher Bismarck-Gymnasiums
Geschichte des Gymnasiums
Das "Gymnasium illustre" wurde 1586 unter Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach gegründet.
Das Stammhaus befindet sich noch heute im Zentrum von Durlach zwischen Stadtkirche und Basler Tor
(Am Zwinger 7-11).
Kupferstich von M. Merian (1643)
Schulgebäude rechts im Bild
[1]
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Humanismus und Reformation bestimmten den Geist der Schule bis ins 19. Jahrhundert hinein, Schwerpunkt der
Ausbildung waren der Unterricht in den klassischen Sprachen und in Religion.
Nachdem 1689 Durlach durch die Franzosen zerstört worden war, verlegte im Jahre 1724
Markgraf Karl Wilhelm das Gymnasium in die neugegründete Residenzstadt Karlsruhe. Es war zuerst
in einem Gebäude in der Langen Straße (Kaiserstraße) untergebracht.
Das Gymnasium erfuhr während der Regierungszeit des Markgrafen und späteren Großherzogs
Karl Friedrich (1738-1811) eine starke Förderung. Er erteilte dem Gymnasium das Privileg zum Druck
des Badischen Landkalenders. Das Gymnasium besaß jedoch keine eigene Druckerei, sondern verpachtete dieses
"Gymnasialdruckprivilegium", und aus der nicht geringen Pacht flossen die Einnahmen.
[2]
Ein Neubau südlich und nördlich der Stadtkirche wurde in den Jahren 1807 (Südflügel)
und 1824 (Nordflügel)
bezogen. Diese zentrale Lage am von Friedrich Weinbrenner gestalteten Zentrum der Stadt, dem Marktplatz,
zeigt die Bedeutung, die die ab 1806 Lyceum genannte Schule damals hatte.
1808-1814 war der Dichter, Philologe und evangelische Theologe Johann Peter Hebel (1760 - 1826)
Direktor der Lyceums. Die Auflage des Badischen
Landkalenders stieg beträchtlich an, als Johann Peter Hebel daraus den
"Rheinländischen Hausfreund" gestaltete,
der von den literarisch Interessierten im ganzen deutschen Sprachraum gelesen wurde.
Er sollte zur Bildung und Aufklärung des Volkes beitragen,
eine überarbeitete Fassung erschien 1811 im "Schatzkästlein für den Rheinischen Hausfreund".
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Der Rheinländische Hausfreund oder Neuer Calender auf das Schaltjahr 1808,
mit lehrreichen Nachrichten und lustigen Erzählungen. - Carlsruhe,
im Verlag des Großherzogl. Lyceums
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1872 erhielt das Lyceum den Namen "Großherzoglich Badisches Gymnasium".
1874, nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges, bezog man das neuerbaute Schulhaus in der
Bismarckstraße, in dem sich das Gymnasium heute noch befindet. Direktor in dieser Zeit war Dr. Gustav
Wendt, der das Schulwesen im Geiste Humboldts reformierte.
1938 wurde das Gymnasium in "Bismarck-Gymnasium" umbenannt.
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Der Haupteingang des Bismarck-Gymnasiums in Karlsruhe
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In der jüngeren Geschichte bedeuten vor allem die Reformen der 70er Jahre einen Einschnitt
für die Geschichte des Bismarck-Gymnasiums. Neben dem altsprachlichen Zug wurde ein
mathematisch-naturwissenschaftlicher und ein neusprachlicher Zug eingeführt.
Erhebliche Bedeutung wird dem musischen Bereich zugemessen. Das Kammerorchester der Schule,
mehrfacher Wettbewerbspreisträger, hat bereits Gastauftritte in Japan, St. Petersburg, Paris und
Spanien hinter sich.
Die Bibliothek des Gymnasiums
Mit der Bibliothek des traditionsreichen Gymnasiums konnte die Badische Landesbibliothek einen
bedeutenden Altbestand erwerben. In den Jahren 1953 und 1958 wurden insgesamt mehr als 1000 Titel
fast ausschließlich älterer Drucke (vor 1800) übergeben. Im Jahr 1970 folgten etwa 7500
weitere Drucke, unter denen das 19. Jahrhundert besonders reich vertreten ist. Die Gymnasialbibliothek
erhielt in der Badischen Landesbibliothek einen Sonderstandort (Gym), der jedoch die 1953 und
1958 erworbenen Titelbestände mit Normalsignaturen nicht umfasst.
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Band aus der Bibliothek des Gymnasiums:
Sibyllen Schwarzin/ Vohn Greiffswald aus Pommern/ Deutsche Poëtische Gedichte/ Nuhn Zum ersten mahl/ auß ihren eignen Handschrifften/ herauß gegeben und verleget/ Durch M. Samuel Gerlach/ auß dem Herzogtuhm Würtemberg.
Enthält außerdem:
Sibyllen Schwarzin/ Vohn Greiffswald aus Pommern/ Ander Teil Deutscher Poëtischer Gedichten/ Nuhn zuhm ersten mahl/ Auß ihren eignen Handschriften/ herauß gegeben und verleget/ Vohn M. Samuel Gerlach/ auß dem Herzogtuhm Würtemberg.
2 Teile in 1 Band, Danzig 1650.
Standortnummer in der Badischen Landesbibliothek:
Gym 55
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Besitzvermerk in diesem Band:
Ex Bibliotheca illustris Caroli Hesychei
[Caroli Hesycheum, antikisierend für Karlsruhe. Anmerkung]
Sibylla Schwarz (1621 - 1638) stammte aus einer angesehenen pommerschen Familie.
In Fretow schrieb die Zwölfjährige 1633 ihr erstes datierbares Gedicht "Fretowische Fröligkeit", erste literarische Versuche hatte sie wohl aber schon früher unternommen. Das Mädchen erhielt trotz der Kriegswirren eine vorzügliche Bildung.
Sie verfasste, den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend, vor allem zahlreiche Anlassgedichte, zu Hochzeiten, Namens- und Geburtstagen, Beerdigungen, Feiern und Festlichkeiten. Dass sich eine junge Frau mit eigenen Gedichten in die Öffentlichkeit wagte, war damals durchaus nicht selbstverständlich und hat ihr viel Missgunst und Ablehnung eingebracht.
Nach ihrem Tod hat Samuel Gerlach, der damals Prediger bei Danzig war, ihre Gedichte herausgegeben (Deutsche Poëtische Gedichte, Danzig 1650). Das Buch, das die bisher einzige Ausgabe blieb, ist heute von großer Seltenheit und findet sich nur noch in wenigen Bibliotheken (so in der Universitätsbibliothek Greifswald, in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, in der Badischen Landesbibliothek, in der British Library London und in der Yale University Library, New Haven, Connecticut).
Ein Kupferstich von Jacob Sandrart (1630-1708), der dem ersten Teil der Gedichte vorangestellt ist, trägt die Inschrift "Die Deutsche Sibylle", das Porträt der jungen Frau ist umrahmt von den Bildnissen der anderen Sibyllen. In der Vorrede von Gerlach heißt es: "Ich übergebe dihr/ lieb= und geneigter Leser/ ein Werklein/ dergleichen du vohn einer Weibspersohn zu unser Zeit/ in unserm Vaterland/ und deutscher Mutter=Sprache/ vihlleicht wenig/ auch wohl gahr nicht gesehen hast." - Daniel Georg Morhof besprach ihr Schaffen ausführlich in seiner 1682 erschienenen Literaturgeschichte: "Vor allen Dingen muß allhier nicht vorbey gegangen werden, daß wir in Teutschland Frauenpersonen gehabt, und auch noch zur Zeit haben, die die Männer selbst in der Tichtkunst beschämen können. Umb das Jahr 1638 lebte Sibylla Schwartzin... Diese war traun ein Wunder ihrer Zeit, denn sie hat von dem dreyzehenten Jahre ihres Alters bis zum siebenzehenden, worinnen sie seeligen Todes verblichen, Verse geschrieben, die vor solche zarte Jugend, und zwar eine Jungfer, unvergleichlich sind."
aus: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon: SCHWARZ, Sibylla
Die Sammlung enthält Werke aller Wissensgebiete. Schwerpunkte sind dabei
Altphilologie, Geschichte und Theologie, aber auch die Fächer Deutsch, Französisch und
Englisch, Philosphie, Pädagogik, Mathematik und Naturwissenschaften, Geographie und
Altertumskunde.
Informationen zum Bestand der Gymnasialbibliothek sind im
Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland [3]
aufgeführt, aus dem im folgenden auszugsweise - die drei größten Fachgruppen betreffend - zitiert wird.
Eine große Gruppe sind mit über 1000 Titeln die Klassischen Altertumswissenschaften, wobei die
lateinischen Textausgaben die größte Untergruppe bilden. Von den Schulautoren Caesar, Cicero,
Horaz, Plautus, Ovid, Seneca, Tacitus, Terenz und Vergil
liegen einschließlich Übersetzungen z. T. jeweils über 100 Ausgaben vor.
Seltenere Drucke sind die Satirae von Persius Flaccus (Amsterdam: Elzevier 1664),
Plautus' Comoediae viginti (Antwerpen: Plantin 1609) und Silius Italicus' De bello punico
(Venedig: Aldus Manutius et Asulanus 1523).
Auch die Fächer Philosophie, Psychologie und Pädagogik beinhalten mehr als 1000 "Gym"-Titel.
In Ausgaben des 16. Jahrhunderts sind Schriften von Jean Bodin (Les six livres de la Republique,
Lyon 1580), Rudolf Goclenius, Petrus Ramus und Gregor Reisch (Straßburg: Grüninger 1512)
vorhanden.
Der Bestand aus dem 17. Jahrhundert setzt sich aus philosophischen Traktaten zur Logik, Politischen
Philosophie, Moralphilosophie (z. B. von Wolfgang Heider, Christian Liebenthal und John Case),
zur Rechtsphilosophie (Pufendorff, John Selden, Grotius) und zur Dialektik (Johann Konrad
Dannhauer, Johann H. Rapp u. a.) zusammen. Bei den Titeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert handelt es
sich vorwiegend um Werke von Kant, Fichte, Hegel, Schelfng und Schleiermacher einschließlich
Sekundärliteratur. Kants Zerstreute Aufsätze sind in der Erstausgabe (Frankfurt 1793)
vorhanden.
Die Geschichte weist über 700 Titel aus dem 16. bis 19. Jahrhundert auf. Die frühen Drucke
(16. und 17. Jahrhundert)
sind in den Untergruppen Allgemeine Weltgeschichte, Deutsche Geschichte (Gesamtdarstellungen)
und Allgemeine Münzgeschichte zu finden. Darunter befinden sich die Chronik von Huldreich Mutius,
De Germanorum prima origine (Erstdruck Basel: Petri 1539) und Johannes Trithernius'
De origine regum et gentis Francorum (ebda), Nikolaus Reusners Principum Sacri Romani
Irnperij Septemuirorum ... libri tres (Augsburg 1578), Sleidans De statu religionis et
reipublicae, Carolo Quinto Caesare, commentarii, lateinisch und deutsch, und die von
Sleidan ins Lateinische übertragenen französischen Chroniken von Froissard und Commines
(in einem Buch, Hannover 1619).
Literatur:
[1]
Staffhorst, Ulrich:
Festschrift / Bismarck-Gymnasium Karlsruhe / [Hrsg.: Fördergemeinschaft des Bismarck-Gymnasiums
Karlsruhe. Schriftleitung: Ulrich Staffhorst]. - Karlsruhe : Fördergemeinschaft d.
Bismarck-Gymnasiums, 1986. - XIX, 431 S.; (dt.)
[2]
Fürst, Rainer:
Die Karlsruher Drucker und Verleger von Johann Peter Hebel und C. F. Müller als
der Hebel-Verlag : eine Dokumentation zur Verlagsgeschichte ; [eine Dokumentation
als Beitrag zum Stadtjubiläum]. - Limitierte Ausg.. -
Karlsruhe : Müller, 1990. - 44 S. : Ill.; (dt.). -
(Publikationen zur Verlagsgeschichte C. F. Müller ; 3). -
ISBN 3-7880-9835-X
[3]
Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland / hrsg. von Bernhard Fabian -
Band 8; Baden-Württemberg und Saarland, I - S / hrsg. von Wolfgang Kehr. - 1994. - 356 S.; (dt.)
ISBN 3-487-09582-3
Anmerkung:
Viele Bände der Bibliothek tragen den Besitzvermerk "Ex Bibliotheca illustris Caroli Hesychei". Zurückzuführen ist der Name "Caroli Hesycheum"
auf Professor Johann Caspar Malsch (1673-1742). Der Prorektor des "Gymnasium illustre" in Durlach stellte ausführliche Erwägungen über einen Namen für die neugegründete Stadt Karlsruhe in der Gelehrtensprache an. Unter Verwendung des altgriechischen Wortes "hesyche - Ruhe" schlägt er "Caroli Hesychia" oder einfach "Hesychia" vor, später abgewandelt in "Caroli Hesycheum".
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