Badische Bibliotheksgesellschaft
Zur Absicht der Landesregierung Baden-Württemberg, den Handschriftenbestand der Badischen Landesbibliothek zu verkaufen
Die Badische Bibliotheksgesellschaft, ein seit 40 Jahren bestehender Förderverein für die Badische Landesbibliothek
mit etwa 500 Mitgliedern, hat mit völligem Unverständnis die Pläne der Landesregierung über den Ausverkauf
unseren kulturellen Erbes zur Kenntnis genommen.
Die Mitglieder der Bibliotheksgesellschaft haben in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen,
durch großzügige Spenden den Bestand der Bibliothek an Handschriften und alten Drucken zu ergänzen sowie für die
Weiterführung der entsprechenden Katalogisierung zu sorgen, was international große Beachtung fand. Damit hat
Bürgersinn einmal mehr den Staat bei seinem Bemühen um den Erhalt und die Pflege von Kulturgütern unterstützt.
Der jetzt ins Auge gefasste Eingriff in den Bestand der Bibliothek karikiert alle bisherigen Beteuerungen
der Landesregierung, die Arbeit unserer Fördergesellschaft anzuerkennen und zu unterstützen.
Der Verkauf hochwertiger Kulturgüter, die seit Generationen in öffentlicher Obhut und im öffentlichen
Bewusstsein sind, darf in einem wohlhabenden Kulturland nicht möglich sein. Allfällige politische und
juristische Überlegungen und Vorhaben zwecks Unterstützung anderer kultureller Dinge (hier spielt der
Unterhalt von Salem die Hauptrolle) müssen solidarisch aus dem Gesamtetat des Landes gedeckt werden.
Wir sind ein einziges Land und kein Bund zweier Fürstentümer. Solidarität aller Landesteile ist
gefragt und muss von der Regierung organisiert werden. Eingriffe in unsere spezifische Kultur sind
tabu. Es gibt nur eine Gesamthaftung des Staates bei der Finanzierung dringender Aufgaben.
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Klose
Vorsitzender der Badischen Bibliotheksgesellschaft
|