Kunst am Bau

Kunst am Bau

Als integrales Element des Bibliotheksgebäudes findet sich Kunst am Bau im Lesesaal der Badischen Landesbibliothek mehrfach als gezieltes Gestaltungsmittel eingesetzt. Im Foyer markiert LibrARTy den Platz, an dem einst gedruckte Bibliographiegeschichte stand. Auch die Wände des Offenen Magazins sind mit zeitgenössischer Kunst ausgestattet.

Günther Förg

Über zwei Reihen von Fenstern des Lesesaals, die den Blick in das Offene Magazin der Badischen Landesbibliothek freigeben, sind 20 graue Quadrate des deutschen Malers, Bildhauers und Fotokünstlers Günther Förg (1952–2013) zu sehen, der von 1992 bis 1999 an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe Malerei lehrte. Als Reaktion auf die Kunst der „Jungen Wilden“ widmete Förg sich vor allem der monochromen Malerei, die er mitunter zu großformatigen Wandmalereien wie hier im Lesesaal der Badischen Landesbibliothek ausdehnte. Die quadratischen Farbfelder, von denen jedes in einem differenten Grauton gestaltet ist, betonen die geometrische Leitform des Bibliotheksgebäudes und heben die räumliche Qualität der Architektur hervor.

Wandmalereien von Günter Förg (1952–2013)

Ian Hamilton Finlay

Der schottische Lyriker, Schriftsteller und Künstler Ian Hamilton Finlay (1925–2006) arbeitete vielfach mit dem Wiederaufgreifen längst vergangener Zeiten in Form von Zitaten oder Aphorismen. Mit seinen insgesamt 16 antik anmutenden Steinfragmenten an den zentralen Pfeilern des Lesesaales verweist er auf die Verknüpfung des Wissens durch die großen Bibliotheken der Welt.

Um diese Verbindung der geistigen Schatzkammern darzustellen, verwendete Finlay Steinplatten, die wie antike Fundstücke aussehen, und versah diese mit einer Kombination aus römischen und arabischen Ziffern. Die auf diese Weise gebildeten Vorwahlnummern beziehen sich auf sechzehn Städte auf allen sechs Kontinenten, in denen es noch immer bedeutende Bibliotheken gibt oder bereits in der Antike gab.

Links vom Eingang zum Lesesaal beginnt die Abfolge mit 00 44 71 London, es folgen 00 32 2 Brüssel, 00 7 059 Moskau, 00 42 2 Prag, 00 36 1 Budapest und 00 43 222 Wien; an der Rückseite des Lesesaals finden sich 00 34 1 Madrid, 00 39 6 Rom, 00 20 3 Alexandria und 00 30 1 Athen, an der Westseite 00 55 21 Rio de Janeiro, 00 81 3 Tokio, 00 61 62 Canberra und 00 1 202 Washington , rechts des Lesesaaleingangs 00 33 1 Paris und 00 41 31 Bern.

Steinfragmente des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay (1925–2006)

Werner Stötzer

Der märkische Bildhauer Werner Stötzer (1931–2010) gestaltete für den zentralen Durchgang zwischen Kuppelbau und hinterem Bereich des Lesesaales gemeinsam mit seinen Schülern sechs auf Sandsteinstelen platzierte Bronzebüsten. Diese Portraitbüsten zeigen regionale Schriftstellerpersönlichkeiten aus fünf verschiedenen Jahrhunderten mit wichtigem Bezug für die Badische Landesbibliothek. Bei den Dargestellten handelt es sich um Philipp Melanchthon (1497–1560), Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (um 1622–1676), Abraham a Sancta Clara (1644–1709), Johann Peter Hebel (1760–1826), Joseph Victor von Scheffel (1826–1886) sowie Alexander von Bernus (1880–1965). Von all diesen Persönlichkeiten der badischen Literaturgeschichte bewahrt die Badische Landesbibliothek Nachlässe oder ganze Bibliotheken.

Sechs Bronzebüsten des Künstlers Werner Stötzer (1931–2010) 

LibrARTy

Mit der Karlsruher Museumsnacht 2012 wurde im Foyer der Badischen Landesbibliothek die Ausstellung LibrARTy eröffnet. Bei diesem einzigartigen Kunstprojekt wurde das BLB-Exemplar des National Union Catalog der Library of Congress in Kunst verwandelt. Generationen von Wissenschaftlerinnen und Bibliothekaren haben mit diesem gedruckten Bandkatalog gearbeitet. Der „NUC“ war der Gesamtkatalog von fast 1.000 nordamerikanischen und kanadischen Bibliotheken, den die Library of Congress in Washington zwischen 1968 und 1981 in den Druck gab. Nun, da es ihn auch online gab, war er als Nachschlagewerk in seiner gedruckten Form überflüssig geworden. Statt die 70 Regalmeter umfassenden Bände dem Altpapier zu übergeben, führte die Badische Landesbibliothek Kunst, Wissenschaft und Bibliothek zusammen und gab die Bände für LibrARTy frei. Künstlerinnen und Künstler aus der Region erstellten aus den Bänden Kunstobjekte, die in der Badischen Landesbibliothek ausgestellt wurden.

Um nach Ende der Ausstellung die entstandene „Leerstelle“ am Ort des früheren Bibliographischen Apparats, dem der NUC zugehörte, sichtbar zu halten, entschied die Badische Landesbibliothek, einige der Ausstellungsobjekte dauerhaft zu übernehmen und im Foyer zu präsentieren. Die Badische Bibliotheksgesellschaft erwarb von der Künstlerin Seping das Objekt Große Freiheit und von der Künstlerin Lola das Objekt Touching White. Weitere LibrARTy-Kunstwerke – Buchobjekt 639_12 von Markus Jäger, Pas de deux von OMI Riesterer und Die Unendlichkeit letzter Rätsel von Anja Wiebelt – verblieben als Dauerleihgaben in der Badischen Landesbibliothek.

 

 

 

 

 

 

Lola: Touching White, 2012