Kinderbuchsammlungen

Seit der Schenkung einer bibliophilen Sammlung von Kinderbüchern durch die Künstlerin Ida Kling im Jahr 1983 pflegt die Badische Landesbibliothek auch einen Bestand an Kinderbüchern, der sporadisch um weitere künstlerisch illustrierte Kinderbücher ergänzt wird.

Die Kinderbücher der badischen Verlage, die aufgrund des Pflichtexemplarrechts ins Haus kommen, bilden einen ebenso wichtigen und grundlegenden Bestand.

Im August 2016 wurde die Kinderbuchsammlung der Karlsruherin Waltraud Hardt (1921–2013) mit ca. 700 Titeln übernommen, die noch nicht bearbeitet sind.

Kinderbuchsammlung Ida Kling

Die Kinderbuchsammlung von Ida Marie Kling (1883–1960) erhielt die Badische Landesbibliothek 1983 als Schenkung. Die Bilderbuchliebhaberin hatte in der Zeit von 1908 bis 1960 eine Vielzahl von künstlerisch wertvollen Kinderbüchern zusammengetragen, unter denen auch sehr seltene illustrierte Werke zu finden sind. Die Sammlung wurde von ihrem Sohn Anton Kling noch bis 1977 um weitere Einzelstücke ergänzt.

Die Künstlerin Ida Kling wurde an der Kunstgewerbeschule Hamburg ausgebildet und engagierte sich neben ihrer eigenen Arbeit im Textilbereich stets auch für die Förderung anderer Künstler. Mit ihrem Mann Anton Kling (1881–1963) zog sie 1923 von Hamburg zunächst nach Pforzheim, wo Anton Kling an der Kunstgewerbeschule neue berufliche Aufgaben übernahm, und später nach Karlsruhe, wo sie 1960 starb.

Die Sammlung enthält 168 Bände aus den Jahren 1835 bis 1977, die vor allem unter buchkünstlerischem Aspekt zusammengestellt wurden. Die Hälfte davon ist vor 1945, die andere Hälfte danach erschienen. Das früheste Buch ist eine französische Märchenausgabe von Charles Perrault (1628–1703). Ein Schwerpunkt der Sammlung liegt auf den Kinderbüchern im Jugendstil Wiener Prägung. Es finden sich aber auch seltene Stücke aus den frühen Nachkriegsjahren, etwa Horst Janssens (1929–1995) Kasperlebilder (1948), und Klassiker wie Leo Lionnis (1910–1999) Das kleine Blau und das kleine Gelb (1962).

Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt und über den Katalog plus erschlossen.

Weiterführende Literatur

aus Joachim Ringelnatz: Für kleine Wesen, 1959
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Sign. 83 B 1616 RK

Archiv des Stuffer-Verlages

In den Jahren 2008 und 2011 erwarb die Badische Landesbibliothek eine weitere Sammlung von Kinder- und Jugendbüchern, die Belegexemplare aus dem Besitz des badischen Verlegers Herbert Stuffer (1892–1966) enthält und fast dessen gesamte Verlagsproduktion abbildet. Die rund 250 Kinder- und Jugendbücher sind überwiegend bebildert, oft durch namhafte Illustratoren der Zeit.

Der 1926 gegründete Stuffer-Verlag zählt zu den erfolgreichsten Kinderbuchverlagen der 1930er-Jahre. Sein Gründer Herbert Stuffer, der zahlreiche bekannte internationale Zeichner und Illustratoren der Zeit gewinnen konnte, war gebürtiger Badener. In der Zeit des Nationalsozialismus geriet der Verlag zunehmend in Schwierigkeiten. Doch trotz des auf ihn ausgeübten Drucks behielt er weiterhin jüdische und andere unerwünschte Künstler in seinem Programm. So enthielt die Verlagsliste u.a. Werke von Lisa Tetzner (1894–1963), die schon früh in die Schweiz emigrierte und deren Werke später verboten wurden. Auch die äußerst erfolgreiche Bibi-Reihe wurde 1940 aus dem Programm entfernt, nachdem die Werke ihrer Autorin Karin Michaelis (1872–1950) ebenfalls verboten worden waren.

Um der zunehmenden Unsicherheit in Berlin zu entkommen, verlegte Herbert Stuffer den Verlagssitz 1937 in seine Heimatstadt Baden-Baden. Nach Kriegsende erhielt er als einer der ersten Verleger in der französisch besetzten Zone eine Lizenz und konnte sich für den Neubeginn auf einige seiner alten Autoren und Illustratoren stützen. Er publizierte Neuauflagen der Bibi-Reihe und brachte mit Lisa Tetzners Die Kinder aus Nummer 67 schon früh Jugendbücher auf den Markt, die die jüngste Vergangenheit thematisierten. Doch ließen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der 1940er und frühen 1950er-Jahre sowie der Gesundheitszustand Stuffers den Verlag nicht mehr recht auf die Beine kommen. 1962 musste Stuffer die Verlagsleitung aufgeben, 1965 wurde der Verlag aufgelöst.

Zusammen mit der Büchersammlung gelangte auch das Archiv des Stuffer-Verlages in die Badische Landesbibliothek (K 3193). Es umfasst überwiegend Korrespondenzen mit Autoren, Lektoren, Behörden, Druckereien und anderen Verlagen, aber auch eingereichte Manuskripte, Zeitungsausschnitte, Druckfahnen sowie Umschlagentwürfe. Daneben enthält das Archiv eine Zettelkartei mit sämtlichen verlegten Werken sowie private Dokumente Herbert Stuffers, darunter Lebensdokumente, Fotos oder Kinoplakate.

Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt und über den Katalog plus erschlossen.

Weiterführende Literatur

  • Obhof, Ute: Die Publikationen eines Kinder- und Jugendbuchverlages. In: Dies.: HeRRReinspaziert! Die bunte Welt der Sammlungen in der Badischen Landesbibliothek, Luzern 2011, S. 31–37.
Monika im Strohdachhaus, 1941
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Sign. 108 A 71466 RK