Donaueschingen

Im Frühjahr 1993 gelang es dem Land Baden-Württemberg, die bedeutende private Handschriftensammlung der Fürsten von Fürstenberg aus Donaueschingen zu erwerben. Die Handschriften wurden gemäß Beschluss der Landesregierung vom 14. März 1994 zwischen der Badischen und der Württembergischen Landesbibliothek aufgeteilt. Die BLB bewahrt seitdem die deutschsprachigen Texte bis 1500 und deren Abschriften auf, die WLB alle übrigen Handschriften. Ausnahmen von diesem Prinzip wurden nur in einigen wenigen Fällen mit ausgesprochenem Regionalbezug gemacht. Unter den in Karlsruhe verwahrten Handschriften befinden sich viele wichtige Texte aus der Frühzeit der deutschen Literatur.

Nibelungenlied-Handschrift C mit dem Wappen Joseph von Laßbergs (1770–1855)
Süddeutschland, 2. Viertel des 13. Jahrhunderts
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Hs. Don. 63, fol. 1r

Eng verbunden ist diese Sammlung mit dem deutschen Germanisten Joseph von Laßberg (1770–1855), der einen großen Teil der Handschriften zusammentrug. Am prominentesten unter ihnen ist die älteste bekannte Abschrift des Nibelungenliedes, die sog. Handschrift C. Sie gelangte im Jahr 2001 als Einzelstück in die Badische Landesbibliothek und gehört seit 2009 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Für die BLB war dies der bedeutendste Zugang seit der Säkularisation von 1803. Der Codex ist Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland, mit deren Mitteln der Kauf größtenteils finanziert wurde. Als Dauerleihgabe wird er in der BLB aufbewahrt. Die Handschrift ist das älteste Textzeugnis des Nibelungenliedes, das um 1200 entstand, aber auf ältere mündliche Traditionen zurückgeht. Es gilt als eine der ältesten deutschen Literaturschöpfungen und wurde im 19. Jahrhundert zum deutschen „Nationalepos“. Die Handschrift C wurde im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts im alemannisch-bairischen Raum niedergeschrieben. Im Jahr 1755 im Schloss der Grafen von Hohenems in Vorarlberg wiederentdeckt, konnte Joseph von Laßberg (1770–1855) den berühmten Codex am Rande des Wiener Kongresses im Jahr 1815 für seine Privatsammlung erwerben. Die finanziellen Mittel dafür stellte ihm die Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg (1767–1822) zur Verfügung. Auf dem ersten Blatt der Handschrift brachte Laßberg sein Exlibris mit dem Familienwappen an, das sich auch in anderen Handschriften aus seinem Besitz wiederfindet.

Die Donaueschinger Handschriften tragen die Signatur Cod. Don. und wurden als eigener Bestand aufgestellt. Die alte Nummerierung wurde dabei beibehalten, so dass die Nummernfolge der Karlsruher Handschriften durch die vorgenommene Aufteilung des Bestandes heute nicht lückenlos ist. Eine Übersicht der heutigen Standorte der Donaueschinger Handschriften finden Sie hier.

Weiterführende Literatur

  • Geh, Hans-Peter: Der Erwerb der Handschriften der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen. In: Bücher für die Wissenschaft: Bibliotheken zwischen Tradition und Fortschritt. Festschrift für Günter Gattermann zum 65. Geburtstag. München 1994, S. 283–291.
  • Heinzer, Felix: Die neuen Standorte der ehemals Donaueschinger Handschriftensammlung. In: Scriptorium 49 (1995), S. 312–319.
  • Obhof, Ute: Uns ist in alten Mären...: Die Überlieferungsgeschichte der Nibelungenlied-Handschrift C. In: Momente: Beiträge zur Landeskunde von Baden-Württemberg (2004) 1, S. 2–8.