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Die Handschrift C des Nibelungenliedes wurde 1755 durch den Lindauer Arzt Jacob Hermann Obereit in der Schlossbibliothek der Grafen von Hohenems in Vorarlberg entdeckt. Sie ist die älteste überlieferte Handschrift des Nibelungenliedes überhaupt, auch wenn sie vom Text her eine jüngere Fassung des Epos wiedergibt. Entstanden ist sie im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts im alemannisch-bairischen Raum.

Die Handschrift ist von der Hand eines einzigen Schreibers sehr sorgfältig ausgeführt worden. Der Beginn einer Aventiure ist jeweils durch eine mit roter und blauer Tinte gezeichnete Initiale markiert. Mit Rotschrift ist die Überschrift der Aventiure eingetragen. Die Verse und Strophen des Textes sind nicht, wie der moderne Leser erwarten würde, voneinander abgesetzt, sondern fortlaufend hintereinander geschrieben, aber durch Punkte getrennt.

Während des Wiener Kongresses tauchte die Handschrift in Wien auf, wo sie Joseph Freiherr von Laßberg 1815 mit Mitteln seiner Mäzenin Elisabeth zu Fürstenberg zum Preis von 250 Dukaten für seine Privatsammlung erwarb. Er hat auf dem ersten Blatt der Handschrift sein Exlibris mit dem Familienwappen angebracht, das sich auch in anderen Handschriften aus seinem Besitz wiederfindet.

Joseph von Laßberg (1770–1855) war Sohn eines Fürstlich Fürstenbergischen Geheimen Rates in Donaueschingen und stand selbst viele Jahre lang im Dienst der Fürsten zu Fürstenberg. Seit 1817 lebte er als Privatmann in der Schweiz und später in Meersburg am Bodensee. Er betätigte sich als Sammler mittelhochdeutscher Handschriften, baute eine wertvolle Bibliothek auf, pflegte seine gelehrten Interessen und korrespondierte mit den namhaftesten Germanisten seiner Zeit. Mit 300 Handschriften und 11.000 Druckschriften ging seine Bibliothek nach seinem Tod in das Eigentum der Familie zu Fürstenberg über und wurde in die Hofbibliothek Donaueschingen überführt.

Seit 2001 befindet sich die Handschrift C als Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland in der Badischen Landesbibliothek. Sie wurde damals mit Mitteln der Landesbank, der Kulturstiftung der Länder, der Bundesregierung und der Christina Freifrau von Laßberg erworben. Zuvor bereits hatte das Land Baden-Württemberg wertvolle Bestände aus der Fürstlich Fürstenbergischen Bibliothek für die Badische Landesbibliothek gekauft, darunter die deutschsprachigen Handschriften (1993), Inkunabeln (1994), die Musikaliensammlung (1999) und Druckwerke aus der Bibliothek Josephs von Laßberg (1999–2001). Das spektakulärste Stück aus Laßbergs Sammlung gelangte somit in seinen früheren Sammlungszusammenhang zurück. Die Handschrift wurde sofort digitalisiert und auf der Website der Badischen Landesbibliothek zugänglich gemacht.

Im Winter 2003/2004 standen die drei Handschriften A, B und C zusammen mit der Handschrift D aus dem 14. Jahrhundert und erhaltenen Fragmenten im Mittelpunkt der Ausstellung „Uns ist in alten Maeren … Das Nibelungenlied und seine Welt”, die von der Badischen Landesbibliothek und dem Badischen Landesmuseum erarbeitet und im Karlsruher Schloss gezeigt wurde. 72.000 Besucher haben die Ausstellung gesehen.

Nibelungenlied-Handschrift C
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Hs. Don. 63, fol. 97v.

Literatur:

Ausführliche Beschreibung der Handschrift: Obhof, Ute: Die „Nibelungenlied“-Handschrift C, Codex Donaueschingen 63 / Badische Landesbibliothek, Karlsruhe. - Karlsruhe : Kulturstiftung der Länder, 2005. - 45 S. : Ill. - (Kulturstiftung der Länder - Patrimonia ; 289). - Erhältlich im Shop. Bestellnr. S 09

„Uns ist in alten Mären ...“ : das Nibelungenlied und seine Welt : [Ausstellung im Badischen Landesmuseum, Schloss Karlsruhe, 13.12.2003 – 14.03.2004]. - Darmstadt : Primus Verlag, 2003.

Die Nibelungen: Sage, Epos, Mythos / Hrsg. von Joachim Heinzle, Klaus Klein und Ute Obhof. - Wiesbaden : Reichert, 2003.

Das Nibelungenlied : Sonderausstellung ; Karlsruher Handschrift jetzt UNESCO-Weltdokumentenerbe ; Katalog der Badischen Landesbibliothek zur Sonderausstellung ... 28.–31. Januar 2010 / Text: Julia Hiller von Gaertringen. Gestaltung: Raina Saalmann. - Karlsruhe : Badische Landesbibliothek, 2010.