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UNESCO-Weltdokumentenerbe

Am 30. Juli 2009 wurde das Nibelungenlied zum UNESCO-Weltdokumentenerbe ernannt. Das Internationale Komitee des Programms „Memory of the World“ traf in Bridgetown (Barbados) die entsprechende Entscheidung: „The Nibelungenlied (the Song of the Nibelungs) is probably the most famous heroic poem in Middle High German. It is comparable with other world-famous epics such as the epic of Gilgamesh of Ancient Babylonia, the Mahabharata of Ancient India, or the Heike Monogatari in mediaeval Japan. It tells the story of dragon-slayer Siegfried from his childhood days and his marriage to Kriemhild to his murder and the subsequent story of Kriemhild's revenge, finally culminating in the extinction of the Burgundians or Nibelungs at the court of the Huns.”

Das Register „Memory of the World“ zeichnet mit der Anerkennung aber nicht einen literarischen Text aus, sondern deren Überlieferungsträger. Es listet kulturell bedeutsame und historisch wichtige Dokumente von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen. Es verpflichtet ihre Herkunftsländer, das ihnen anvertraute Erbe vor Gedächtnisverlust und Zerstörung zu sichern. Es verpflichtet sie außerdem, für die Erhaltung und Verfügbarkeit der jeweiligen Dokumente zu sorgen. Und es verpflichtet sie zum dritten, die ausgezeichneten Dokumente auf neuen informationstechnischen Wegen weltweit zugänglich zu machen.

Zum Weltdokumentenerbe ernannt wurden die drei vollständigen Nibelungenlied-Handschriften des 13. Jahrhunderts, die in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, in der Stiftsbibliothek St. Gallen und in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt werden. Der Codex in Karlsruhe ist die älteste und für die Überlieferungsgeschichte des Nibelungenlieds bedeutendste Handschrift.

Mit der Entscheidung des UNESCO-Komitees fanden die erfolgreichen Bemühungen des Landes Baden-Württemberg Anerkennung, die Nibelungenlied-Handschrift C in ihrem Sammlungszusammenhang zu erhalten. Der aus der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen stammende Codex befindet sich seit 2001 als Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland in der Badischen Landesbibliothek. Die BLB hatte bereits 1994 die übrigen, zum Zeitpunkt des Verkaufs der Donaueschinger Handschriftensammlung an das Land Baden-Württemberg noch in Donaueschingen vorhandenen deutschsprachigen mittelalterlichen Handschriften erhalten.

Nibelungenlied-Handschrift C
Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Hs. Don. 63, fol. 1r.

Die Auszeichnung der UNESCO wurde in einem Festakt am 25. Januar 2010 in München vergeben. 

Die Badische Landesbibliothek feierte diese Auszeichnung und präsentierte ihre Handschrift in einer Sonderausstellung zum Thema Drachenkampf als einem zentralen Motiv der Nibelungensage. 

Das Nibelungenlied selbst erwähnt den Drachen nur zweimal im ganzen Epos. Und doch kennt jeder den Drachentöter Siegfried, der in seiner Jugend einen Lindwurm bezwang, den Hort der Nibelungen erwarb und nach seinem Bad im Drachenblut unverwundbar war – bis auf eine Stelle am Rücken, an der ein Lindenblatt geklebt hatte. Mit Gewalt erwarb er den Hort der Nibelungen, den mit einem Fluch behafteten Goldschatz, den Alberich – der König des Zwergengeschlechts der Nibelungen – dem Drachen hatte überlassen müssen. Die Sonderausstellung begab sich auf die Spur des Drachen-Motivs in der mittelalterlichen Buchkunst, sie zeigte dabei neben der Nibelungenlied-Handschrift C weitere mittelalterliche Kostbarkeiten aus den Sammlungen der Badischen Landesbibliothek.

In Karlsruhe ist die Nibelungenlied-Handschrift C heute das einzige von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnete Kulturzeugnis.

Zur Nibelungenlied-Seite der Deutschen UNESCO-Kommission
Zur Münchener Nibelungenlied-Handschrift A (Cgm 34) und zu ihrem Digitalisat
Zur St. Galler Nibelungenlied-Handschrift B (Sang. 857) und zu ihrem Digitalisat
Zur Karlsruher Nibelungenlied-Handschrift C (Don 63) und zu ihrem Digitalisat

Siegfrieds Kampf mit dem Drachen