Cod. K 2912 - 'Barlaam'-Fragment
Ein bisher unbekanntes 'Barlaam'-Fragment aus dem 13. Jahrhundert wurde 1997 bei der Erschließung des Nachlasses des Joseph Freiherrn von Laßberg (1770-1855) in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe von Anne Ziegenbein entdeckt (Signatur K 2912, II A 1, a). Die
kodikologischen Daten
sind identisch mit dem in der Universitätsbibliothek Freiburg (Hs. 529), das in der einschlägigen Literatur als Fragment 11 geführt wird. Die beiden Fragmente stammen aus derselben Handschrift. Beide dienten als Einbandbezüge, allerdings in verschiedenen Formaten und Ausführungen.
Die Entdeckung wurde im Jahr 2008 in der "Zeitschrift für deutsches Altertum und Literatur" publiziert:
Anne Ziegenbein, Neue Fragmente von Rudolfs 'Barlaam' II, in: ZfdA 137 (2008), S. 71-79 (mit Abdruck).
Bei dem neuen Karlsruher Fragment handelt es sich um ein Doppelblatt in Folioformat aus Pergament mit zusammenhängendem Text, also das Innenblatt einer Lage. Die Gebrauchsspuren lassen darauf schließen, dass das Pergament als Einband verwendet wurde, wahrscheinlich für einen Pappband aus dem 17. Jahrhundert. Der Text ist auf der Vorderseite abgerieben und nur noch bruchstückhaft lesbar. Er ist zweispaltig mit jeweils 34 abgesetzten Verszeilen angeordnet.
Karlsruher 'Barlaam'-Fragment, Ende 13. Jahrhundert.
Badische Landesbibliothek, Cod. K 2912, II A 1, a.
Blatt 2v (links) und 1r (rechts).
Download im PDF-Format (1,8 MByte). Foto: Beate Ehlig
Karlsruher 'Barlaam'-Fragment, Ende 13. Jahrhundert.
Badische Landesbibliothek, Cod. K 2912, II A 1, a.
Blatt 1v (links) und 2r (rechts).
Download im PDF-Format (1,9 MByte). Foto: Beate Ehlig
Barlaam und Josaphat
'Barlaam und Josaphat' (eigentlich Joasaph) ist einer der verbreitetsten geistlichen Romane des Mittelalters, in dem die Bekehrung des indischen Prinzen Josaphat durch den Eremiten Barlaam erzählt wird. Josaphat wird trotz aller Vorkehrungen seines christenfeindlichen Vaters, eines indischen Königs, durch Barlaam heimlich im Christentum unterwiesen und getauft. Der König selbst wird durch seinen frommen Sohn bekehrt, verzichtet auf die Krone und stirbt als Einsiedler ebenso wie nach ihm Josaphat selbst.
Der legendarische Roman ist in vielen griechischen und lateinischen Handschriften
überliefert und in viele europäische Volkssprachen übersetzt worden.
Eine deutsche Bearbeitung lieferte Rudolf von Ems im 13. Jahrhundert in seinem Gedicht 'Barlaam und Josaphat' (hrsg. von
Pfeiffer, Leipzig 1843).
Rudolf von Ems (ca. 1200 - ca. 1254)
Rudolf von Ems entstammte wohl einem Ministerialengeschlecht, das seinen Sitz in Hohenems im Vorarlbergischen hatte
(vgl. Verfasserlexikon VIII, Sp. 322-345). Er gilt als einer der gelehrtesten Autoren mittelhochdeutscher Sprache. Urkundlich jedoch läßt er sich nicht nachweisen. Kenntnis von und über ihn besitzen wir nur aus Selbstzeugnissen und Erwähnungen anderer Autoren. Im "Willehalm von Orlens" bezeichnete er sich selbst als 'dinstmann zü montfort', er stand also in Diensten der Grafen von Montfort. Seine Tätigkeit als Schriftsteller läßt sich von etwa 1220 bis in die Mitte der fünfziger Jahre des 13. Jahrhunderts belegen.
Joseph Maria Christoph Freiherr von Laßberg (1770-1855)
Joseph von Laßberg wurde als Sohn eines Fürstlich Fürstenbergischen Geheimen Rats und Oberjägermeisters in Donaueschingen geboren. Im Laufe seiner Schul-, Studien- und Ausbildungszeit trat er in die Fußstapfen seines Vaters. 1804 wurde er direkter Nachfolger seines Vaters als Landesforst- und Jägermeister in der Zentralverwaltung in Donaueschingen. Später versah Laßberg für die 1805 nach Donaueschingen gekommene Fürstin Elisabeth zu Fürstenberg und ihren minderjährigen Sohn Karl Egon die Landesadministration. Mit der Übernahme der Amtsgeschäfte durch den volljährigen Karl Egon II. zog er sich 1817 nach Eppishausen im Thurgau zurück. 1837 erwarb Laßberg von der badischen Domänenverwaltung die alte Meersburg, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1855 lebte.
Der Nachlass Laßbergs - darunter das bisher unbekannte 'Barlaam'-Fragment - wird heute in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt.
Literatur:
- Siegmund Prillwitz, Überlieferungsstudie zum "Barlaam und Josaphat" des Rudolf von Ems. Eine textkritisch-stemmatologische Untersuchung, Kopenhagen 1975, S. 76.
- Winfried Hagenmaier, Die deutschen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek und die mittelalterlichen Handschriften anderer öffentlicher Sammlungen (Kataloge der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br. 1,4), Wiesbaden 1988, S. 147f. [Katalogtext]
- Anne Ziegenbein, Neue Fragmente von Rudolfs 'Barlaam' II, in: ZfdA 137 (2008), S. 71-79 (mit Abdruck).
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