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Wolfgang Amadeus Mozart: Brief an Sebastian Winter, Donaueschingen

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) schrieb den Brief am 30. September 1786 in Wien. Er kommt nochmals auf seinen Antrag zurück, als Hofkomponist für den Fürsten tätig sein zu dürfen. Außerdem äußert er den Wunsch, Winter wieder einmal in Donaueschingen besuchen zu dürfen. um dem Fürsten seine Aufwartung machen zu können.

W. A. Mozart, Brief an Sebastian Winter in Donaueschingen
Seite 1 des Briefes [als PDF, 802 kbyte]
Badische Landesbibliothek, Don Mus. Autogr. 45
Autograph, Tinte auf Papier, 2 Bl., 23,5 x 19 cm


liebster freund! -

Morgen gehet mit dem Postwagen die verlangte Musique von hier ab, -
den betrag der Copie werden sie zu ende des briefes finden. - es ist ganz natürlich
daß einige Stücke von mir ins ausland versendet werden - das sind aber Stücke,
welche ich geflissentlich in die Welt kommen lasse - und habe ihnen die themata
davon nur geschickt, weil es doch möglich wäre, daß sie nicht dahin gelanget
wären. die Stücke aber die ich für mich, oder für einen kleinen zirkel lieb=
haber und kenner |: mit dem versprechen sie nicht aus händen zu geben :|
zurückbehalte, können ohnmöglich auswärtig bekannt seyn, weil sie es selbst hier
nicht sind; - so ist es mit den 3 Concerten so ich die Ehre habe S: D: zu
schicken; ich war diesfalls bemüssiget über den betrag der Copie annoch ein
kleines honorarium von 6 ducaten für Jedes Concert anzusetzen, wobey ich doch noch
seine D: sehr bitten muß, gedachte Concerten nicht aus handen zu geben.
- bey dem Concert ex A sind 2 clarinetti. - sollten sie selbe an ihrem
Hofe nicht besitzen, so soll sie ein geschickter Copist in den gehörigen ton über=
sezen; wodann die erste mit einer violin, und die zwote mit einer bratsche
soll gespiellt werden. - was meinen Antrag, so ich mir die freyheit genommen
ihren würdigen fürsten zu machen, anbelangt, so ist zu erst für mich nöthig
zu wissen, was für gattung von komposizion S: D: am besten und am
nöthigsten brauchen können, und wie viel sie Jährlich von Jeder gattung von mir
zu besitzen verlangen, welches ich genau zu wissen wünschte, um meinen
Calcul machen zu können. - ich bitte mich S: d: zu füssen zu legen, und
höchstderoselben meinen Wunsch deswegen bekannt zu machen. - und Nun,
liebster freund! - gesellschafter meiner Jugend! - da ich Natürlicherweise
die vielen Jahre durch schon oft in Ricken war, und doch niemalen das

W. A. Mozart, Brief an Sebastian Winter in Donaueschingen
Seite 2 des Briefes [als PDF, 654 kbyte]
Badische Landesbibliothek, Don Mus. Autogr. 45


Vergnügen hatte sie aldort anzutreffen, so wäre in der that mein grösster
Wunsch daß sie mich in Wienn, oder ich sie in Donaueschingen besuchen könnte.
- das letztere, verzeihen sie, wäre mir fast noch lieber! - da ich nebst
den vergnügen sie zu umarmen, auch die gnade hätte ihren gnädigsten fürsten
meine aufwartung zu machen, und mich noch lebhafter der vielen gnaden, so
ich in meinen Jüngern Jahren an ihrem Hofe genossen, zu erinnern, welche ich
in meinem leben nie vergessen werde. - in erwartung einer baldigen
antwort, und in der schmeichelhaften Hofnung sie doch vieleicht noch einmal
auf dieser Welt zu sehn, bin ich Ewig

ihr ergebenster freund und diener
Wolfgang Amadè Mozart
Wienn den 30:t Sept: 1786.

W. A. Mozart, Brief an Sebastian Winter in Donaueschingen
Seite 3 des Briefes [als PDF, 647 kbyte]
Badische Landesbibliothek, Don Mus. Autogr. 45

Nota.

die 3 Concerte, ohne clavierStimme.      fl: x:
109 bögen. zu 8 xer: 14 32
die 3 clavierStimmen.    
33 und 1/2 bogen. zu 10 xer:   5 35
honorarium für die 3 Concerte.    
18 ducaten. zu 4 fl: 30 x 81  
die 3 Sinfonien    
116 und 1/2 bogen zu 8 x:er 15 32
Mauth und Porto

  3  
Summa: 119 fl:      39 x:     

Hinweis:
fl: Gulden. Abgeleitet von lat. florenus aureus (Florentiner Goldgulden).
xr, x: Kreuzer. 60 Kreuzer ergaben einen Gulden.

W. A. Mozart, Brief an Sebastian Winter in Donaueschingen
Seite 4 des Briefes [als PDF, 703 kbyte]
Badische Landesbibliothek, Don Mus. Autogr. 45

À
Monsieur
Monsieur Sebastien Winter
Valet de chambre de S: A: S:
le Prince de Fürstenberg etc: etc:
à
DonauEschingen


Der Zusatz von Sebastian Winter an der Seite lautet (Abkürzungen ausgeschrieben):

Erhalten den 11ten 8bris [Octobris] [1]784 und den 14ten darauf
die innbemelte Musique: Beantwortet den 8ten 9bris [Novembris] dictum annum
und auch den nemblichen Tag mit 3 Diligence inbesagten Belauf
der 119 fl: 39. Kaysergelt - mit 143 1/2 fl: Reichsgelt
Franco übersandt.

Diese 143 1/2 fl: sind aus dem
Hofzahlamt auf gnädigsten Befehl
und anweißung abgelangt worden so wie der dem Herrn Hof=
zahlmeister Baur zugestellte Schein des neheren ausweißet.

Sebastian Winter.

Literatur:

Mozart : Briefe und Aufzeichnungen ; Gesamtausgabe / hrsg. von der Internationalen Stiftung Mozarteum Salzburg. - Kassel [u.a.] : Bärenreiter; München : Deutscher Taschenbuch-Verl.; ISBN 3-423-59076-9, 3-7618-1749-5. Band 3: 1780 - 1786. - Nachdr. d. Ausg. Kassel 1962. - 2005. - XXIII, 631 S. : Notenbeisp.;
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