Kartenproduktion in Europa: Deutschland und Frankreich

Nicolas de Fer: Haute et basse Alsace, Stuttgaw, Brisgaw, Ortenaw et le Marquisat de Bade
Frankreich, 1709

Der Franzose Nicolas de Fer (1646–1720) zählt zu den führenden Kartographen und Kartenverlegern des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Er entwarf mehr als 600 verschiedene Landkarten.

Die hier präsentierte Karte zeigt das Ober- und Nieder-Elsass sowie den Schwarzwald mit dem Rheinlauf von Schaffhausen bis Speyer. Mit ihrer Ostorientierung und dem Hinweis auf die Straßen und Pässe über den Schwarzwald nach Schwaben gehört diese Karte zur Gattung der französischen Kriegskarten. Bei genauerer Betrachtung erweist sie sich als recht oberflächlich konstruiert; die Geländedarstellung ist stark vereinfacht.

Badische Landesbibliothek, Go 38
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Jean-Baptiste Courtalon: Atlas élémentaire
Paris, 1774

Dieser Atlas des französischen Priesters Jean-Baptiste Courtalon (1740–1797) gibt eine genaue Zusammenstellung der politischen Situation Deutschlands in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wieder. In dem einzigen veröffentlichten Werk des Franzosen, an dem dieser insgesamt zehn Jahre lang arbeitete, wird die Aufteilung des Deutschen Reichs in 333 Einzelstaaten gezeigt. Er verwendete dabei Kartenmaterial aus unterschiedlichen Quellen und kombinierte es mit Übersichtstafeln, welche die deutschen Machtstrukturen verdeutlichen sollten. Das Werk galt aus französischer Sicht als nützlicher Wegweiser durch die labyrinthischen Gegebenheiten im stark zersplitterten und von Kleinstaaten geprägten Deutschland. 

Badische Landesbibliothek, 119 F 828 R
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Karte von Frankreich
Weimar, 1814

Diese Karte gibt die neuesten Grenzentwicklungen wieder: Nach den Schlachten von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 gelang es holländischen und französischen Truppen, auch Norddeutschland einzunehmen. Im Frieden von Tilsit musste Preußen ein Jahr später sämtliche Gebiete westlich der Elbe an das Kaiserreich Frankreich abtreten. Das Department der Elbmündungen erstreckte sich von Hamburg nicht nur Richtung Nordsee, sondern auch in nordöstlicher Richtung bis nach Lübeck und Travemünde, sodass das Kaiserreich Frankreich einen Zugang zur Ostsee erhielt. Am 1. Januar 1811 verleibten die Franzosen die norddeutschen Gebiete schließlich ganz ihrem Kaiserreich ein, sodass sich dieses von den Pyrenäen bis zur Ostsee erstreckte.

Sammlung Recke

Nouvelle carte itinéraire qui indique d`une manière tres-exacte les routes et sta-tions, ainsi que les distances des principals villes de France, d`Allemagne et Pays-Bas
Amsterdam, 1818

Nach den Niederlagen Frankreichs und dem anschließenden Wiener Kongress im Jahr 1815 nahmen die Menschen ihre Reisetätigkeit durch Europa allmählich wieder auf. Die Karte bildet das Gebiet von Nordostfrankreich, den damaligen Niederlanden und einen großen Teil von Deutschland ab. Dadurch, dass man sie zusammenfalten und in eine Hülle stecken konnte, war sie mit ihren Abmessungen von gerade einmal 9,5 x 6 cm für Reisende wesentlich handlicher als ein auf Papier gedrucktes Exemplar. Eine auf Seide gedruckte Karte des Kaiserreichs Frankreich aus dieser Zeit ist äußerst selten.

Sammlung Recke