AquaAngelusVox

 

AquaAngelusVox
CD/DVD, Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (MDG)

Seit 1998 arbeitete das Künstlerpaar an der Projektreihe AquaAngelusVox. Es entstanden im Laufe der Jahre Rundfunk-Fassungen und mehrkanalige Raumklang-Installationen. Die Künstler suchten einen Musikverlag, der fähig wäre, eine Raumklangfassung des Werks auf DVD zu veröffentlichen. Der Verlag MDG ansässig in Detmold hatte sich 2002 auf ein 6-kanaliges Aufnahmeverfahren (2+2+2) spezialisiert, um den authentischen Klangraum einer Live-Aufführung wiedergeben zu können. Das Werk wurde in Stereo auf CD und in einer 2+2+2-Fassung auf DVD im Jahr 2004 veröffentlicht.

ZKM I Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

AquaAngelusVox
grafische Partitur zur Komposition, Handschrift Joachim Krebs

Die grafische Partitur zeigt die Anordnung der Klangmaterialien der drei RaumklangSchichten Aqua, Angelus und Vox, orientiert an dem Stundenzyklus eines Tagesablaufes:

I. Das Wasser in sechs grundlegenden Erscheinungsformen
II. Die 18 audio-mikroskopierten Vogelstimmen
III. Das von drei Frauenstimmen gesungene, originale Responsorium De Angelis der Hildegard von Bingen

1. Ring (innen): Nummerierung der sechs RaumklangMilieus
2. Ring: Uhrzeiten: von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr, 4 Min. 40 Sek. der RaumklangKomposition entsprechen einer Stunde des Tages
3. Ring: Anfangszeiten der sechs RaumklangMilieus, Gesamtdauer: 56 Minuten
4. Ring – Aqua: Bezeichnung der sechs RaumklangMilieus
5. Ring – Angelus: Bezeichnung der 18 Vogelstimmen
6. Ring – Vox: Nummerierung der 55 Textphrasen
7. Ring (außen): Text (dt./lat.): Responsorium De Angelis von Hildegard von Bingen

Badische Landesbibliothek, K 3353, A 51

Responsorium De Angelis von Hildegard von Bingen mit Notizen zu den drei Gesangsstimmen
Manuskript Joachim Krebs

AquaAngelusVox ist die erste Künstlerpaar-Arbeit, in der ausschließlich natürliche Klänge und Geräusche der RaumklangKomposition zugrunde gelegt wurden. Anlässlich des 900-jährigen Jubiläumsjahres der Hildegard von Bingen entstand, nach einer Stereoversion 1997, im Jahr 1998 die 16-kanalige RaumklangKomposition AquaAngelusVox. Zentrale Bedeutung hat das Responsorium Nr. 21 De Angelis der Hildegard von Bingen. Es ist für drei Frauenstimmen eingerichtet. Die Transkription von der Neumen-Notation zur klassischen Notation wurde von dem Musikwissenschaftler Prof. Dr. Michael Kaufmann begleitet.

Badische Landesbibliothek, K 3353, A 51

Konzept zur Komposition
Manuskript Joachim Krebs

Das Wirken und kreative Schaffen der großen Mystikerin des Mittelalters inspirierte das Künstlerduo dazu, in dem RaumklangMandala AquaAngelusVox das Leben schaffende Element Wasser, in sechs elementaren Erscheinungsformen als Basismaterial und großformale Grundstruktur der RaumklangKomposition zu verwenden. Diese kontinuierlich zwischen „natürlich und künstlich“ changierende akustische „Natur-Sphäre“ bildet gleichzeitig das Resonanzfeld für die beiden anderen RaumklangSchichten: die Engel symbolisierenden Klang-Mikrokosmen von 18 klang- und akustisch raum-mikroskopierten Vogelstimmen sowie das den Menschen repräsentierende, von drei Frauenstimmen gesungene Responsorium Nr. 21 De Angelis der Hildegard von Bingen.

Badische Landesbibliothek, K 3353, A 51

AquaAngelusVox (1998)
Tierexponat einer Singdrossel (lat. Turdus philomelos)

Das Werk AquaAngelusVox ist die erste gemeinsame Projektreihe, die das Künstlerpaar zusammen entwickelte. In der akustischen Komposition spielen neben dem Grundklangmaterial Wasser und dem Responsorium Nr. 21 der Hildegard von Bingen die klang-mikroskopierten Vogelgesänge eine zentrale Rolle. Die Künstler verlangsamen die Wiedergabegeschwindigkeit der Tonaufnahmen, wodurch die fein variierten, mikrotonalen Tonhöhenbewegungen der Vogelmelodien für das menschliche Ohr wahrnehmbar werden. Die Singdrossel ist im ersten und zweiten Klangmilieu des Werkes AquaAngelusVox – ein RaumklangMandala mit Hildegard von Bingen zu hören.

Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe

AquaAngelusVox (1998)
Tierexponat eines Steinkauzes (lat. Athene noctua)

Der Steinkauz erklingt im sechsten Klangmilieu des Werks AquaAngelusVox – ein Hildegard von Bingen Klangraum.

Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe

AquaAngelusVox (1998)
Tierexponat einer Feldlerche (lat. Alauda arvensis)

Die Gesänge der Vögel sind eine der drei zentralen Klang-Kategorien, die in den Kompositionen des Künstlerpaars mit dem Verfahren der „EndoMikroSonoSkopie“ aufbereitet werden. Zuvor nicht hörbare Melodien und Rhythmen der Vogelstimmen bilden auch in AquaAngelusVox ein substantielles Basisklangmaterial. Die Feldlerche mit ihrem schnellen ununterbrochenen Gesang mit einer Folge von abwechselnd und zum Teil rhythmisch wiederholten rollenden, trillernden oder zirpenden Tönen eröffnet gerade auch bei stärkerer Verlangsamung des Tonmaterials musikalisch reichhaltige Melodien.

Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe

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