Badische Landesbibliothek
   


Handschrift C des Nibelungenlieds bleibt in Baden-Württemberg

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg / Finanzministerium Baden-Württemberg / Landesbank Baden-Württemberg
Pressemitteilung vom 2.3.2001:

Die Handschrift C des Nibelungenlieds ein Kulturdenkmal ersten Ranges in Deutschland konnte nach langen intensiven Bemühungen für das Land Baden-Württemberg gesichert werden. Der Erwerb war nur dank des außerordentlichen Engagements der Landesbank Baden-Württemberg möglich, erklärte Minister Klaus von Trotha am 2. März. Die Nibelungenhandschrift C war bisher im Besitz der Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen. Wir danken ganz herzlich auch allen, die neben der Landesbank Baden-Württemberg an dem Erwerb mitgewirkt haben, vor allem nicht zuletzt der Kulturstiftung der Länder, der Bundesregierung sowie Christina Freifrau von Laßberg, sagten Wissenschaftsminister von Trotha und Finanzminister Gerhard Stratthaus in Stuttgart.

"Dieser Schritt beweist einmal mehr, dass die LBBW ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag bewusst wahrnimmt und sich für die Region einsetzt", begrüßte Heinrich Haasis, Vorsitzender des Verwaltungsrats der LBBW und Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, die Entscheidung der Bank. Mit dem Ankauf der Handschrift C des Nibelungenlieds bekenne sich das Kreditinstitut zu seiner Verantwortung im Kerngeschäftsgebiet. "Nach Auskünften der Fachleute stammte der Schreiber der Handschrift C aus dem Oberrheingebiet/Bodenseeraum. Aus heutiger Sicht war er also ein Baden-Württemberger. Als Landesbank setzen wir uns deshalb dafür ein, dass dieses wertvolle Kulturgut in diesem Bundesland bleibt", begründete Hans Dietmar Sauer, Vorsitzender des Vorstands der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), das Engagement der Bank. "Um das Kulturgut der Bevölkerung und der Wissenschaft zugänglich zu machen, stellen wir die wertvolle Handschrift dem Land Baden-Württemberg als Leihgabe zur Verfügung", sagte Sauer.

Die Handschrift C des Nibelungenliedes ist zwischen 1200 und 1230 entstandenen; ihr besonderer Wert liegt darin, dass sie die älteste unter den drei wichtigsten überlieferten Textformen (A, B, C) des um 1200 anonym entstandenen Nibelungenliedes ist. Der Text des Handschriftentypus C wurde bereits 1204 von Wolfram von Eschenbach in seinem Parzifal zitiert. Die Texthandschrift ist eines der wichtigsten Zeugnisse mittelalterlicher Dichtung und hat als einziger mittelalterlicher deutscher Text den Status eines nationalen Denkmals erlangt. Die Handschrift wurde im Jahr 1755 auf Schloss Hohenems entdeckt und 1815 von Joseph Freiherr von Laßberg erworben. Seit 1853 bildete sie das Juwel der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek.

Minister von Trotha und Stratthaus ziehen erfolgreiche Bilanz

Kurz nach Ablauf des Nibelungenjahres 2000, in dem an vielen Orten Deutschlands der 800-jährigen Existenz des Nibelungenlieds gedacht wurde, ist es mit dem Erwerb der Handschrift gelungen, die älteste der erhaltenen Nibelungenhandschriften im Land Baden-Württemberg zu bewahren.

Die Minister zeigten sich aus diesem Anlass sehr erfreut über die erfolgreiche Bilanz der Landesregierung bei der Sicherung der Bestände aus der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen: Im Jahr 1993 erwarb das Land 1050 Handschriften, ein Jahr später konnten 86 Inkunabeln (Frühdrucke bis 1500) angekauft werden und 1999 gelang es, die äußerst wertvolle Musikaliensammlung mit 7.532 Drucken und Handschriften für das Land zu sichern. Aus der Hofbibliothek Laßbergs konnten zwischen Oktober 1999 und November 2000 1.110 Bände erworben werden, deren schönste Stücke seit dem 17. Februar in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe ausgestellt werden. Minister von Trotha: "Für diese Erwerbungen wandte das Land insgesamt 54,3 Mio. Mark auf. Damit haben wir getreu dem Motto des Joseph Freiherrn von Laßberg gehandelt, der einst forderte: Lassen Sie uns, jeder an seinem Orte, sammeln und bewahren, was wir aus der Flut der Zeiten zu retten vermögen."

"Mit der Nibelungenhandschrift C wird diesen Erwerbungen gleichsam die Krone aufgesetzt", erklärten die Minister. Es sei stets klar gewesen, dass die Handschrift nicht allein aus Haushaltsmitteln hätte finanziert werden können. Die Landesregierung, die seit 1993 das Vorkaufsrecht für die Handschrift inne hatte, sei deshalb besonders dankbar, dass der neue Eigentümer, die Landesbank Baden-Württemberg, die Handschrift dem Land als Leihgabe zur Verfügung stelle. Dadurch könne diese Handschrift ebenso wie die übrigen Bestände der Donaueschinger Hofbibliothek fachgerecht aufbewahrt und allen wissenschaftlich Interessierten unter optimalen Bedingungen und in einem entsprechenden Sammlungsgefüge zugänglich gemacht werden.

Dem Haus Fürstenberg dankte Minister von Trotha für die im Ergebnis erfolgreichen Verhandlungsgespräche. Das Haus Fürstenberg, für das Dr. Christoph Graf Douglas die Gespräche geführt hatte, erklärte dazu, dass mit dem Verkauf der Nibelungenhandschrift C an die Landesbank Baden-Württemberg durch Joachim Fürst zu Fürstenberg der Verbleib der Fürstlichen Fürstenbergischen Hofbibliothek in Baden-Württemberg gesichert werden konnte. Nach dem Erwerb der Sammlung mittelalterlicher Handschriften, der Inkunabeln und der Musikalien seien damit die historisch und wissenschaftlich interessantesten und wichtigsten Teile der FF-Hofbibliothek im Land erhalten. Auf diese Weise sei dem besonderen Anliegen des Hauses Fürstenberg ebenso Rechnung getragen wie dem Wunsch, die Handschriften auch zukünftig der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu halten und die wertvollen Bestände konservatorisch bestmöglich zu betreuen.


Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg / Finanzministerium Baden-Württemberg / Landesbank Baden-Württemberg
Pressemitteilung vom 2.3.2001

Quelle: http://www.lgbank.de/
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