Badische Landesbibliothek
   


Die Sammlung und Erschliessung regionaler Literatur

Dr. Ludger Syré

aus: Buch - Leser - Bibliothek : Festschrift der Badischen Landesbibliothek zum Neubau / hrsg. von Gerhard Römer. - Karlsruhe : Badische Landesbibliothek, 1992.


Sammelauftrag und Pflichtexemplarrecht

Die aus der Büchersammlung der badischen Markgrafen und Großherzöge hervorgegangene Badische Landesbibliothek in Karlsruhe zählt heute zu den größten Regionalbibliotheken der Bundesrepublik Deutschland. Zu ihren wichtigsten regionalen Aufgaben gehört die Sammlung und Erschließung der in der Region verlegten bzw. der über die Region geschriebenen Literatur. Diesem Auftrag kamen die Hofbibliothekare seit jeher nach; erstmals schriftlich fixiert findet er sich in den Statuten von 1874, nachdem die Bibliothek in die Verwaltung des Staates übergegangen war und sich für die Bürger des Landes geöffnet hatte: "Vollständig soll erworben werden die auf Baden bezügliche Literatur." Wie wichtig diese Funktion selbst für die Existenz der Bibliothek werden konnte, zeigte sich 1931, als der Badische Landtag eine Sparkommission einsetzte, die angesichts der schweren Wirtschaftskrise Sparvorschläge auszuarbeiten hatte. Sie stellte nämlich fest, "daß neben 3 Hochschulbibliotheken für die Landesbibliothek kein Bedürfnis mehr besteht. Es sei denn, daß dort die besonderen 'Landeseigentümlichkeiten' gesammelt werden." Wäre die Regierung dieser Auffassung gefolgt, bestünde die Badische Landesbibliothek heute als eigenständige Einrichtung nicht mehr oder sie wäre zu einer landeskundlichen Spezialsammlung geworden, vergleichbar mit der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel.

Wie stark die "badische Abteilung" wuchs, belegen folgende Zahlen: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts umfaßte sie mehr als 18 000 Bände; 1929 zählte Theodor Längin 37 373 Bände und 11 532 (Bände) Zeitungen "heimatliches Schrifttum", das damals zum am stärksten benutzten Fach geworden war; und 1942, am Vorabend der Brandkatastrophe, besaß die Bibliothek 69 700 Bände Badensia.

Unterstützung bei der Sammlung der regionalen Literatur erhielt die Bibliothek durch ihr Recht auf Zensur- bzw. Pflichtexemplare, doch dauerte es Jahrhunderte, bis diesbezügliche Verordnungen und Gesetze tatsächlich griffen. Während die "Bücher-Censur-Ordnung" von 1797 noch keine Pflichtabgabe an die Bibliothek forderte, erwähnt eine Verordnung von 1807 zum ersten Mal die unentgeltliche Ablieferung je eines im Inland gedruckten Werkes an die Hofbibliothek und die zwei Universitätsbibliotheken Freiburg und Heidelberg. Diese Verordnung scheint wenig befolgt worden zu sein, sie wurde bald wieder aufgehoben, später wieder erneuert. Der Pflicht zur Abgabe eines Freiexemplars wurde mal der Verleger und mal der Drucker unterworfen. Insofern scheint das Pflichtexemplar zunächst für den Bestandsaufbau wenig Bedeutung gehabt zu haben, so daß es nicht verwundert, daß die Bibliothekare schließlich auf ihr Freiexemplar verzichteten, weil dessen Eintreibung die Kräfte der Bibliothek überstieg.

Größere Wirkung erzielten die Gesetze des 20. Jahrhunderts, so 1936 das "Gesetz über die Abgabe von Freistücken der im Lande Baden erscheinenden oder daselbst zum Druck gelangten Druckwerke an die Badische Landesbibliothek", das Zuwiderhandlungen mit Geld- oder Haftstrafe bedrohte. Oder das 1948 für Südbaden erlassene Landesgesetz, das die Abgabe von zwei Freistücken an die Universitätsbibliothek Freiburg bestimmte (von denen eines für die Badische Landesbibliothek reserviert wurde). 1964 wurde das Pflichtexemplargesetz in das "Gesetz über die Presse" eingebettet; an die Stelle der Ablieferungspflicht trat die Anbietungsverpflichtung für alle Druckwerke gegenüber der Landesbibliothek Karlsruhe und der Landesbibliothek Stuttgart. Die heute gültige Regelung stammt aus dem Jahre 1976, als ein neues "Gesetz über die Ablieferung von Pflichtexemplaren an die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe und die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart" erlassen wurde. Die Zahl von 21 000 Bänden (ca. 30%) Pflichtzugang 1991 beweist die Bedeutung dieses Rechts. Es dient jedoch nicht einfach der Vermehrung des Bestandes, sondern ist zugleich Voraussetzung für die der Intention nach lückenlose Sammlung des Regionalschrifttums und dessen Verzeichnung in der Landesbibliographie Baden-Württemberg.

Die "badische Abteilung" der Landesbibliothek

Unmittelbar nach dem Brand der Badischen Landesbibliothek in der Nacht vom 2. zum 3. September 1942 ist mit der Wiederbeschaffung der Bücher begonnen worden. Auch wenn die einmal vorhanden gewesenen Titel nicht immer ersetzt werden konnten, so besitzt die Bibliothek heute doch wieder einen reichen Bestand an Badensia. Die Neuzugänge sind anfänglich getrennt von den übrigen Fächern aufgestellt, ab 1975 aber in den Normalbestand integriert worden. Die Führung eines eigenen Systematischen Kataloges wurde allerdings beibehalten. Anhand dieses Kataloges mit der Bezeichnung O (= Oberrhein, Baden) konnten die Badensia für das Handbuch der historischen Buchbestände ausgezählt werden; die vor 1900 erschienenen Drucke belaufen sich auf über 10 000 Titel. Betrachtet man die gesamte Region des Oberrheins, so wären die Titel über das Elsaß, die Pfalz und andere angrenzende Gebiete zu berücksichtigen, die sich in den übrigen Hauptabteilungen des Systematischen Kataloges finden lassen. Schließlich enthalten auch die Sondersammlungen, etwa die Bibliothek des Karlsruher Bismarck-Gymnasiums, die 1953, 1958 und 1970 in die Badische Landesbibliothek gelangte, Badensia; diese ca. 300 Titel verteilen sich vor allem auf die Geschichte, Literatur und Landesbeschreibung. Auch in der 1990 erworbenen Schloßbibliothek von Bödigheim bei Buchen mögen noch einige Badensia stecken.

Wie groß hingegen der Bestand an Württembergica ist, läßt sich schwerlich bestimmen. Da sich die Karlsruher Bibliothek nicht nur nominell, sondern auch hinsichtlich ihres Sammelauftrags bis in die Nachkriegszeit als badische Landesbibliothek verstand, ist die Literatur über den württembergischen Landesteil in sehr unterschiedlicher Dichte vorhanden; was den Altbestand betrifft - und der Begriff reicht in diesem Fall bis in die Zeit nach 1945 -, so bestehen ganz erhebliche Lücken, die sich wahrscheinlich erst nach dem Pflichtexemplargesetz von 1964, das das Recht auf Pflichtexemplare auf das ganze Bundesland ausdehnte, allmählich schließen. Doch auch heute noch verzichtet die Badische Landesbibliothek auf bestimmte Literaturerzeugnisse aus den Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen.

Der Bestand läßt sich am besten nach der in der Badischen Landesbibliothek generell geltenden Systematik beschreiben, die auch dem System des badischen Katalogs zugrundeliegt und weiter unten abgedruckt ist.

Den Fachgebieten voran gehen die Formalgruppen für bestimmte Literaturgattungen. Unter diesen nehmen die Zeitschriften, von den Fachzeitschriften und Jahrbüchern bis zu den Gemeindeblättern, Schülerzeitschriften und Vereinsmitteilungen sehr großen Raum ein. Daneben sind die Festschriften, Jubiläumsschriften, Ausstellungskataloge und sonstige Gelegenheitsschriften zu nennen.


Im Hochschulbereich sind die beiden alten badischen Universitäten Freiburg und Heidelberg sowie die ehemalige Technische Hochschule Karlsruhe literarisch gut dokumentiert. Auch Schriften zu den gelehrten Gesellschaften und den studentischen Verbindungen sucht man nicht vergebens. Etwa gleich viele Titel findet man zum badischen Schul- und Erziehungswesen sowie zu einzelnen Fächern und Schulen, allen voran zu den Gymnasien des Landes.

Fast 1000 Titel Altbestand besitzt die Badische Landesbibliothek zur Kirchengeschichte und zur Katholischen und Evangelischen Kirche, beziehen sie sich nun auf das ganze Land oder auf einzelne Landesteile wie die Kurpfalz, die Markgrafschaft Baden oder Vorderösterreich oder auf das Erzbistum Freiburg, auf einzelne Gemeinden und Klöster. Literatur zum Verhältnis zwischen Kirche und Staat ist ebenfalls vertreten. In den letzten Jahren stark angewachsen ist die Literatur über die Juden in Baden, wobei vor allem Lokalstudien dominieren.

Einen sehr großen Anteil an der Sammlung Badensia hat der Bereich Staat, Recht und Gesellschaft, in dem auch der Altbestand zahlreich ist. Von insgesamt 2100 vor 1900 erschienenen Titeln beziehen sich 1150 Titel auf Staat und Recht (Gesetzessammlungen, Verfassungsgeschichte, Einzelgesetze, Verordnungen). Neben dem Staatsrecht findet man die Schriften zum Privatrecht und - in jüngerer Zeit - eine große Zahl von Büchem zum Verwaltungsrecht. Werke zur Politik und zur Gesellschaft werden erst im 20. Jahrhundert zahlreicher.

Die Wirtschaft umfaßt relativ wenig Altbestand (ca. 500 Titel), ist aber insgesamt ein ebenso großes Fach wie das Recht. Naturgemäß sind Schriften über die Industrie, ihre einzelnen Zweige und über einzelne Firmen in Baden weniger häufig zu finden als in Württemberg; dafür sind die Landwirtschaft, vor allem Wein- und Tabakbau, gut dokumentiert. An dieser Stelle kann auch die Literatur zum Verkehrswesen erwähnt werden, mit Werken zur Rhein- und Bodenseeschiffahrt, zur Flößerei sowie zu einzelnen Eisenbahnstrecken, wie z. B. der Höllentalbahn.


Die naturwissenschaftlichen Werke, darunter viele zur Geologie und Landesnatur, sind meist jüngeren Datums, was insbesondere auf die expandierende Literatur zum Umwelt- und Naturschutz zutrifft.

Das größte Einzelfach ist die Geschichte. Dies' gilt sowohl für die jüngeren Bestandsschichten als auch für den Altbestand, der etwa 1550 Titel zählt, die vorwiegend dem 19. Jahrhundert entstammen, während die Ortsgeschichte eher neuerer Herkunft ist. Sie umfaßt mit 40% der Geschichtsliteratur ebensoviele Titel wie die Literatur über einzelne Persönlichkeiten, seien sie adeliger oder bürgerlicher Herkunft, und zur Genealogie und Familiengeschichte. Zum Bestand Geschichte gehört auch die nach dem Zweiten Weltkrieg gekaufte Sammlung über den angeblich badischen Abkömmling Kaspar Hauser. Daß einschneidende geschichtliche Ereignisse, wie die Revolution 1848/49 gut dokumentiert sind, versteht sich von selbst.

Die Volkskunde läßt sich teilen in häusliche und wirtschaftliche Kultur, wobei viel Literatur über landestypische Kleidung (Tracht) und Ernährung (Kochbücher) vorhanden ist, und in gesellige Kultur und Brauchtum, wobei natürlich die schwäbisch-alemannische Fastnacht dominiert. Die anthropologischen Titel und die Bücher und Dissertationen zur Stammeskunde und zum Volkscharakter findet man ebenfalls hier.

Ein großes Fach ist die Geographie; ihr Altbestand zählt ca. 1000 Werke. Neben den Landesbeschreibungen und den historisch-topographischen Beschreibungen der einzelnen Landesteile, Kreise und Orte sowie den Reiseberichten sind die große Zahl der Bildbände und der Reiseführer aller Art zu nennen. Einen großen Umfang nehmen auch die Karten ein, von den topographischen Grund- und Sonderkarten des Landesvermessungsamtes bis zu den Spezialkarten und den Stadtplänen. Von den etwa 2000 vor 1900 gedruckten Karten der Badischen Landesbibliothek bilden nicht wenige das Oberrheingebiet ab.


Einen erheblichen Umfang nimmt die Belletristik und Literaturgeschichte ein. Auch wenn sich das Wort vom Land der Dichter und Denker eher auf Württemberg bezieht, so hat auch Baden einige bekannte Namen hervorgebracht. Die Zeit des Humanismus und der Reformation am Oberrhein ist mit zahlreichen älteren Werken vertreten. Aus dem 17. Jahrhundert stammt J. J. C. Grimmelshausen; die Badische Landesbibliothek besitzt einen bedeutenden Bestand an Originalausgaben seiner Werke und sammelt darüberhinaus Quellen der Barockliteratur. 70% der Bücher dieses Faches sind Einzelwerke badischer Autoren, von denen Johann Peter Hebel und Heinrich Hansjakob zu nennen sind. Erwähnt werden muß auch der große Teil der Mundartliteratur.

Nicht unbeträchtlich ist der Umfang des Faches Kunst, wobei die Baukunst und Architektur, in jüngerer Zeit ergänzt um die Denkmalpflege, hervorzuheben sind. Aufgrund der zahlreichen Kunstmuseen Baden-Württembergs und eines regen Ausstellungsbetriebes auch außerhalb der Museen besitzt die Badische Landesbibliothek einen reichen Bestand an Ausstellungskatalogen. Demgegenüber ist die Musik bescheiden vertreten, sieht man einmal von den Festschriften der vielen Musik- und Gesangvereine des Landes ab. Diese werden ohnehin nur für den badischen Landesteil gesammelt und archiviert.

Schließlich ist das Wehrwesen zu nennen, mit Literatur zu einzelnen Regimentern und Festungen, über Waffen und Uniformen und zu einzelnen Militärstandorten. An dieser Stelle findet man auch Schriften zur Kriegsgeschichte, die im Systematischen Katalog der Badischen Landesbibliothek aus der Geschichte ausgegliedert wurde.

Lokale Bestandserschließung und -darbietung

Der Systematische Katalog der Badischen Landesbibliothek wurde 1942 nach dem Neubeginn der Bibliothek entwickelt, seine Wurzeln reichen allerdings in das 19. Jahrhundert, in die Zeit Wilhelm Brambachs, zurück. Er spiegelt das Übergewicht der Geisteswissenschaften ebenso wider wie das Wissenschaftsverständnis seiner philologisch geschulten Schöpfer.

Jede einmal festgelegte Systematik hinkt der realen Entwicklung notwendigerweise hinterher. Dennoch ist es bemerkenswert, daß die beiden Landesbibliotheken lange an ihrer regionalen Ausrichtung auf Baden bzw. Württemberg festhielten und die Badische Landesbibliothek erst 1988/89 ihren badischen Katalog zum baden-württembergischen erweiterte. Mit der Ausdehnung des geographischen Berichtsraumes verlief eine grundlegende Anpassung an die Wirklichkeit des Landes parallel. So hatte sich, um einige Beispiele zu nennen, die Hochschullandschaft des Landes seit den sechziger Jahren stark gewandelt; neue Hochschulen waren gegründet worden, andere hatten ihren Namen geändert. Deutliche Erweiterungen erfuhr das Recht mit seinen neuen Gebieten wie dem Medienrecht, Umweltschutzrecht, Nachbarrecht usw. Neue Bereiche wie der Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz oder die Landes- und Regionalplanung sind in den letzten Jahren stark hervorgetreten. Die O-Systematik mußte deshalb grundlegend geändert und auch terminologisch überprüft werden; da sich der Literaturanfall durch die Einbeziehung Württembergs mehr als verdoppelte, war die Systematik entsprechend fein zu untergliedern, um die einzelnen Klassen nicht zu unübersichtlich werden zu lassen. Da auf der anderen Seite der Umfang der Systematik auf diese Weise stark zugenommen hat, soll ein Schlagwortregister dem Benutzer den Einstieg in die Klassifikation erleichtern. Die etwa 600 Schlagwörter, die weitgehend den Systemstellenüberschriften entsprechen, verweisen auf die Stelle(n) des Kataloges, an denen Literatur zum gewünschten Thema zu finden ist.

Die O-Systematik präsentiert sich heute wie folgt:

O Formalgruppen für Periodika, Festschriften usw.
Oa Hochschulen und Kultur
Oc Erziehung und Bildung
Od Kirchen und Religionsgemeinschaften
Oe Recht und Politik
Of Wirtschaft, Gesellschaft, Bevölkerung
Og Gesundheit und Soziales
Oh Landesnatur, Natur- und Umweltschutz
Ok Geschichte
Ol Volkskunde
Om Geographie, Raumordnung
Oq Sprache und Literatur
Ot Kunst
Ox Verkehr
Oy Wehrwesen
Oz Sport

Diese Systematik ist auch für die Aufstellung der Baden-Württemberg-Literatur im Lesesaal der Badischen Landesbibliothek maßgebend geworden.


Als die Bibliothek im August 1987 den ersten Bauabschnitt ihres Neubaus bezog, blieb der Lesesaal im Altbau bestehen. Um den Benutzern auch im Neubau einen Raum für ungestörtes Arbeiten anbieten zu können, wurde beschlossen, einen Lesebereich im dritten Obergeschoß des Neubaus mit dem Namen "Studio Baden-Württemberg" einzurichten. Die landeskundliche Literatur bot sich in einer Landesbibliothek als Handapparat eines Speziallesesaals an. Doch nicht nur Werke über BadenWürttemberg, sondern auch schutzwürdige, nicht ausleihbare Bücher aus der Fernleihe bzw. den eigenen Beständen konnten in dem neuen, ruhigen Lesebereich, der über eine eigene Auskunft verfügte, benutzt werden.

Sicherlich war das "Studio Baden-Württemberg" in räumlicher Hinsicht nicht ideal untergebracht, handelte es sich doch eigentlich um Magazinfläche, die erst in einer späten Phase des Baufortschritts als Lesesaalfläche umgewidmet wurde. Wegen mangelnder Isolierung stiegen die Temperaturen im Lesesaal-Provisorium im Sommer häufig auf über 30°. Nicht nur die Leser und die Bibliotheksmitarbeiter, sondern auch die Bücher litten unter den Klima- und Lichtverhältnissen.

Dennoch war die Einrichtung eines Speziallesesaals für Baden-Württemberg-Literatur eine zukunftsweisende Idee, die das vorübergehende Raumproblem überdauerte. Nach Bezug des zweiten Bauabschnitts fand der Lesesaal Baden-Württemberg in einem Nebenraum des Hauptlesesaals ein neues und stilles, wenngleich auch nicht ganz ideales Domizil. Vor allem fehlt den bisherigen "Studio Baden-Württemberg"-Benutzern die spezielle Auskunft, die den Lesern während der Zeit des Provisoriums eine beinahe individuelle Beratung zuteil werden lassen konnte. Von dieser Aufsicht profitierten aber auch Ordnung und Erhaltung der Lesesaalbestände.

Hinsichtlich des Bestandsaufbaus stand die Bibliothek anfangs vor einem Dilemma. Daß die aus dem Hauptlesesaal mitgenommenen 2348 Werke nicht ausreichten für ein qualifiziertes Angebot und die Ausschöpfung der vorhandenen Platzkapazität (10 000 Bände), ist evident. Doch sollte nun der Ausbau des Lesesaals schnell und gründlich vonstatten gehen, dann waren viele Baden-Württemberg- Titel aus den offenen und geschlossenen Magazinen in den neuen Lesesaal umzustellen, was zugleich bedeutete, ihren Ausleihstatus zu verändern; Lesesaalbestände sind traditionell Präsenzbestände. Oder sollte der Aufbau langsam mit Hilfe von speziell für den Lesesaal erworbenen Zweitexemplaren durchgeführt werden, was bedeutet hätte, den Benutzern über Jahre hinweg viele nur mäßig gefüllte Regale anzubieten. Die Entscheidung des Regionalreferenten fiel zugunsten des ersten Weges, verbunden mit der Empfehlung, Ausnahmen vom Prinzip der Präsenz großzügig zu gestatten. Die folgenden Zahlen belegen den raschen Ausbau des Lesesaalbestandes bis 1989; seitdem wächst der Bestand sehr viel langsamer; gegenüber dem Ausgangsbestand hat er sich in vier Jahren vervierfacht:

19862.348 Bände
19874.277 Bände
19887.534 Bände
19898.823 Bände
19909.625 Bände
199110.255 Bände


Diese hohe Zahl hätte natürlich nicht erreicht werden können, wenn die gewöhnlich für Lesesaal-Handapparate geltenden engen Kriterien angewandt worden wären. Der Lesesaal Baden-Württemberg geht über den Kanon an Nachschlagewerken aller Art weit hinaus und ist deshalb schon eher mit einer Spezialbibliothek oder einer Seminarbibliothek zu vergleichen. So präsentiert er - im Unterschied zu den übrigen im Hauptlesesaal vertretenen Fächern - auch komplette Zeitschriftenjahrgänge. Die Einzelhefte des laufenden Jahrgangs, für die während des vierjährigen Interims ein Zeitschriftenlesesaal eingerichtet worden war, liegen nun beim jeweiligen Fach im Hauptlesesaal. Auch ganze Reihen wurden aufgenommen und nicht zuletzt aus Gründen einer übersichtlichen und ästhetischen Präsentation geschlossen aufgestellt. Neben Nachschlagewerken und Periodica findet der landeskundlich interessierte Benutzer auch viele Monographien, die keine typische Lesesaalliteratur sind. Zu nennen sind hier vor allem die Ortsgeschichten, die mittlerweile einen Umfang von 54 Regalmetern einnehmen, so daß das Ziel, alle 1100 Gemeinden Baden-Württembergs zu dokumentieren, in greifbare Nähe gerückt ist.

Als oberrheinische Regionalbibliothek darf die Badische Landesbibliothek ihren Blick nicht an der Landesgrenze Baden-Württembergs halt machen lassen. Der Lesesaal Baden-Württemberg berücksichtigt deshalb nicht nur in besonderen Abteilungen die Region Mittlerer Oberrhein einschließlich der Stadt und des Landkreises Karlsruhe, sondern auch die Nachbargebiete, namentlich die Pfalz und das Elsaß. Auch für diese Länder sind Reiseführer, Kunstführer, Bildbände oder andere Nachschlagewerke, z. B. zur Vorbereitung einer Exkursion oder Reise, vorhanden. Selbstverständlich fehlen auch entsprechende Karten nicht; ca. 350 Karten bietet der Lesesaal Baden-Württemberg an. Darunter ist als großes Einzelwerk die geologische Karte von Baden-Württemberg zu nennen.

Neben der Geographie, zu der auch die komplett vorhandenen Oberamts- und Kreisbeschreibungen gehören, bilden die Kunstgeschichte und die Landesgeschichte stark hervortretende Fächer. Letztere bietet mit den vollständig aufgestellten Ortssippenbüchern auch den Genealogen wichtige Grundlagenliteratur an. Das bei weitem umfangreichste Fach ist Oe = Staat und Politik, finden sich hier doch die badischen und württembergischen Regierungsblätter, die Gesetzes- und Verordnungsblätter und die Gesetzessammlungen Baden-Württembergs, außerdem die Protokolle der Badischen Ständeversammlung und die Verhandlungen und Drucksachen des baden-württembergischen Landtags, die alleine 25 Regalmeter einnehmen. Neben die historische tritt die aktuelle juristische Literatur, die den rechtswissenschaftlichen Lesesaalbestand im Hinblick auf das Landesrecht ergänzt.

Wie sehr das Studio Baden-Württemberg angenommen wurde und wie richtig deshalb die Entscheidung zu seiner Einrichtung war, mögen abschließend folgende Benutzungszahlen belegen. Schon im ersten vollen Öffnungsjahr 1988 wurde das Studio von 11 749 Benutzern aufgesucht, 1989 von 12 982 und 1990 von 12 798. Im Jahre 1988 wurden 6165 Bände, in den beiden folgenden Jahren 5532 bzw. 5816 Bände ausgegeben (Magazinbestellungen und Fernleihen).

Die bibliographische Verzeichnung des regionalen Schrifttums

Die kontinuierliche Verzeichnung des Schrifttums über Baden kann auf eine lange Tradition zurückblicken, die bis in das Jahr 1869 reicht. Damals begann die jährliche Anzeige der neuen Literatur in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Sie wurde 1924, als mit dem Erscheinen der badischen Bibliographie zu rechnen war, eingestellt, aber zwischen 1936 und 1942 noch einmal aufgenommen.

Hintergrund des Bemühens um die Erfassung der landeskundlichen Literatur war der große Aufschwung der Geschichtswissenschaft im 19. Jahrhundert, der nicht nur in der akademischen Forschung stattfand, sondern sich auch in der Gründung historischer Vereine auf lokaler und regionaler Ebene sowie in der Etablierung historischer Kommissionen ausdrückte. Die von den Ländern auf öffentlich-rechtlicher Grundlage getragenen Kommissionen förderten neben großen wissenschaftlichen Projekten auch viele bibliographische Unternehmungen. Dies gilt auch für die 1883 gegründete Badische Historische Kommission, die sich 1908 dem Projekt einer badischen Bibliographie annahm.

Zuvor war 1897/98 in zwei Bänden der erste Teil der Badischen Bibliothek erschienen, die sich die "systematische Zusammenstellung selbständiger Druckschriften über die Markgrafschaften, das Kurfürstentum und Großherzogtum Baden" zum Ziel gesetzt hatte. Quellenbasis dieser von Walther Arnsperger und Karl Theodor Weiss konzipierten Bibliographie waren die Sammlungen der Großherzoglichen Hof- und Landesbibliothek, deren badische Abteilung damals mehr als 18 000 Bände umfaßte.

Während sich der erste Teil der Literatur zur Staats- und Rechtskunde widmete, verzeichnete der 1901 erschienene, von Otto Kienitz und Karl Wagner bearbeitete zweite Teil der Badischen Bibliothek die Literatur zur Landes- und Volkskunde und berücksichtigte hierbei nicht nur Monographien, sondern auch Zeitschriften- und Zeitungsartikel, Dissertationen und Programme. Dafür fehlen ihm im Unterschied zu Teil 1 ein Personen- und ein Sachregister.


Beide Teile sind auch heute noch gelegentlich zu konsultieren, da namentlich Teil 1 durch die Bibliographie der badischen Geschichte nicht gänzlich ersetzt worden ist. Allerdings gelten die bibliographischen Angaben speziell des zweiten Teils als nicht immer zuverlässig. Da die Badische Bibliothek den Ansprüchen der Wissenschaftler an eine retrospektive Bibliographie nicht genügte, rief die Badische Historische Kommission 1908 die Bibliographie der badischen Geschichte ins Leben. Doch erst 1915, nachdem sich der Historiker Friedrich Lautenschlager um die Bearbeitung der Bibliographie beworben hatte, kam das Projekt richtig in Gang. Zugleich wurde Lautenschlager an der Universitätsbibliothek Heidelberg angestellt, an der er 1919 zum wissenschaftlichen Hilfsarbeiter und 1925 zum planmäßigen Beamten befördert wurde. Die Erfassungsgrundlage der Bibliographie bildeten also die Bestände der Universitätsbibliothek Heidelberg, später auch diejenigen der Badischen Landesbibliothek, des Generallandesarchivs, der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek und anderer Institutionen.

Aufgrund der schwierigen ökonomischen Situation in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verzögerte sich das Erscheinen des ersten Bandes der Bibliographie der badischen Geschichte, der schließlich mit finanzieller Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, der Vorläuferin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1929 und 1930 gedruckt werden konnte. Aus dem gleichen Grund erschien der zweite Band, ebenfalls in zwei Teilen, erst 1933 und 1938. Während Band 1 die allgemeine politische Geschichte Badens literarisch dokumentiert, widmete sich Band 2 den Hilfs- und Sonderwissenschaften. Hierunter faßte Lautenschlager nicht nur die heute sogenannten historischen Grundwissenschaften, sondern auch die Geschichte einzelner Fächer, von der Wirtschafts- über die Literatur- und Kunstgeschichte bis zur Kirchen- und Rechtsgeschichte. Hier wird deutlich, daß die Bibliographie in erster Linie für Historiker von Historikern gemacht wurde und im Unterschied zu den modernen Landesbibliographien keine Universalbibliographie war. Vollständigkeit strebte Lautenschlager nur "in der Verzeichnung des für den Historiker wichtigen geschichtlichen Stoffes" an; mit seiner Bibliographie verfolgte er ausdrücklich "wissenschaftliche Ziele".

Im April 1936 wechselte Lautenschlager als Direktor an die Badische Landesbibliothek, an der er seine Tätigkeit als Bibliograph fortsetzte. Doch konnte er den orts- und personengeschichtlichen Teil seiner Bibliographie nicht mehr vollenden. 1955 starb er. Die zwei Jahre nach Entstehung des Bundeslandes Baden-Württemberg gebildete Kommission für geschichtliche Landeskunde übernahm die Aufgaben ihrer Vorgängerin und beauftragte 1955 Werner Schulz mit der Fortführung der Arbeiten an der Bibliographie der badischen Geschichte. Nach einer durch Krieg und Nachkriegszeit bedingten Unterbrechung von 23 Jahren erschien schließlich 1961 als Band 3 der Bibliographie ein Nachtragsband zu den beiden Vorkriegsbänden. Da Lautenschlager eine gleitende Berichtszeit gewählt hatte, die möglichst eng an den jeweiligen Drucktermin heranrückte, galt es nun, eine feste Berichtsgrenze zu ziehen, die das Jahr 1959 markierte. Hinsichtlich der Systematik und der Auswahlkriterien hielt sich Schulz an seinen Vorgänger. Er traf jedoch die Entscheidung, die einzelnen Einträge nicht mehr fortlaufend durchzunumerieren, sondern "Veröffentlichungen über den gleichen oder verwandten Gegenstand unter einer gemeinsamen Nummer" zu vereinigen.

Der vierte Band, 1963 erschienen, dokumentiert die von Lautenschlager nicht aufgenommene Literatur der Volkskunde und Landeskunde bis zum Erscheinungsjahr 1959. Drei Jahre später konnte in zwei Teilbänden Band 5 erscheinen, der das gesamte ortsgeschichtliche Schrifttum versammelt, soweit es nicht bereits in den allgemeinen Teilen angezeigt worden war; in diesen Fällen wurden Verweisungen statt Zweiteinträge vorgenommen. Das Werk kam schließlich 1973 mit Band 6, ebenfalls in zwei Teilbänden, zu einem vorläufigen Abschluß, da nun auch die personengeschichtliche Literatur veröffentlicht war. Berücksichtigt wurden alle "badischen Persönlichkeiten", sofern sie vor 1959 verstorben waren.


Als letzter Band der Bibliographie der badischen Geschichte hätte nun das Register für alle vorliegenden Teile folgen können; das Manuskript für das Verfasserregister zu den 19 000 Literatur stellen der ersten beiden Teile hatte bereits Lautenschlager erstellt, doch war es 1945 beim Einmarsch der Franzosen zerstört worden. Die durch die Gebietsreform veranlaßte Entscheidung der Kommission für geschichtliche Landeskunde, ab Berichtsjahr 1973 die badische und die württembergische Bibliographie zur Landesbibliographie von Baden-Württemberg zu vereinen, verhinderte allerdings diesen Plan. Denn nun galt es, zunächst einmal die Berichtslücke von 1960 bis 1972 zu schließen. Dieses Ziel wurde erreicht durch Band 7 (1976) für die allgemeine Literatur, inhaltlich somit den Bänden 1 bis 4 entsprechend, und durch Band 8 (1979) für die orts- und personengeschichtliche Literatur, somit die Bände 5 und 6 fortführend. Sowohl quantitativ als auch inhaltlich boten diese Bände jedoch mehr als ihre Vorgänger: Zum einen hatte nach dem fortschreitenden Zusammenwachsen der beiden Landesteile die Zahl der Baden-Württemberg behandelnden Arbeiten stark zugenommen, zum anderen waren bislang kaum in Erscheinung getretene Sachgebiete nun mit eigenen Systematikstellen zu berücksichtigen. Schließlich mußten jetzt auch die noch lebenden Persönlichkeiten aufgenommen werden, da die Literatur über diese sonst für immer unerfaßt geblieben wäre.

Nachdem jetzt das Material vollständig veröffentlicht worden war, konnte endgültig das Register in Angriff genommen werden. Es wurde mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung und mit Unterstützung des Fachinformationszentrums Energie, Physik, Mathematik in Leopoldshafen erstellt. Der 1984 als Band 9 erschienene Registerband (Autoren-, Sach-, Fürstenregister) schließt das Gesamtwerk ab, das stets mit dem Namen seines Begründers verbunden bleibt, obwohl es zum weitaus größeren Teil von dessen Nachfolger geschaffen worden ist. Die Bibliographie der badischen Geschichte zählt 51 590 Nummern, hinter denen allerdings eine viel größere Anzahl von Titeln steht. Sie ist damit fast ebenso umfangreich geworden wie die Bibliographie der württembergischen Geschichte.

Das schwäbische Parallelunternehmen, 1891 durch die im selben Jahr gegründete Württembergische Kommission für Landesgeschichte ins Leben gerufen, war jedoch rascher vorangekommen als das badische. Es wurde begonnen von Wilhelm Heyd, dem späteren Direktor der Königlichen Bibliothek in Stuttgart, und blieb immer mit seinem Namen verbunden. Fortgeführt von Theodor Schön, Otto Leuze, Heinrich Ihme und Wolfgang Irtenkauf erschienen zwischen 1885 und 1974 elf Bände, zum Teil aus zwei Halbbänden bestehend, jeweils mit Register.

Die Vereinigung der beiden Regionalbibliographien zur Landesbibliographie, zwanzig Jahre nach Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg, wurde durch die am 1. 1. 1973 in Kraft getretene Gebietsreform verursacht, vermischte diese doch die historischen Grenzen der beiden Landesteile und damit die geographischen Berichtsgrenzen der beiden Bibliographien. Zwar blieb die Kommission für geschichtliche Landeskunde Herausgeberin der Bibliographie, doch wandelte sich die Bibliographie nach der Zusammenlegung von einer stark historisch geprägten Fachbibliographie zu einer modernen Universalbibliographie. Die Berücksichtigung der bislang ignorierten Naturwissenschaften, aber auch der Sozialwissenschaften, der Wirtschaft und der Gesellschaft, aller Bereiche staatlicher Verwaltung und Fürsorge, des Umweltschutzes usw. schlug sich in einer zeitgemäßeren Systematik nieder. Die traditionelle Dreiteilung in einen Allgemeinen, einen Orts- und einen Personenteil blieb bestehen.


Zugleich wurde die Bearbeitung der Bibliographie zu einer Dienstaufgabe der Badischen und der Württembergischen Landesbibliothek. Beide Häuser, der Sammlung der landeskundlichen Literatur verpflichtet und mit dem Pflichtexemplarrecht ausgestattet, integrierten die Bibliographiebearbeitung in ihren jeweiligen Geschäftsgang und erleichterten damit die Erfassung und Auswertung des Materials. Zu den stark expandierenden Publikationen über das Land zählte nun auch der Bereich der grauen Literatur, der bekanntlich bibliographisch schwer zu kontrollieren ist. Auch setzte sich bald der zeitgemäße Gedanke durch, nicht allein die wissenschaftliche oder wissenschaftlich relevante Literatur zu erfassen, sondern größtmögliche Vollständigkeit anzustreben und dem Benutzer die Auswahl zu überlassen. Schließlich wurde aus der retrospektiven eine laufende Bibliographie; mit der Entscheidung, die Literatur künftig in Zweijahresbänden anzuzeigen, konnte dem Wunsch nach Aktualität Genüge getan werden. Damit entsprach die neue baden-württembergische Bibliographie den Forderungen, die man an eine moderne Landesbibliographie richtet und die in den meisten Bundesländern umgesetzt worden sind.

In einer Hinsicht war der Neuanfang allerdings nicht erfolgreich: Die Ablösung der konventionellen Herstellung der Bibliographie mittels eines Zettelmanuskripts durch ein EDV-gestütztes Verfahren gelang in den siebziger Jahren noch nicht. Die Bibliotheken verfügten damals weder über die erforderliche Hardware-Ausstattung noch über ein geeignetes Programm noch über die notwendige EDV-Kompetenz. Auch gelang es Günter Stegmaier, dem Bibliographiebearbeiter in der Zentralredaktion der Württembergischen Landesbibliographie, seinerzeit nicht, einen leistungsfähigen EDV-Partner außerhalb des Bibliothekswesens zu finden. Am weitesten gediehen die Kontakte mit der Zentralstelle für Atom-Energie-Dokumentation in Leopoldshafen, der Vorläuferin des FIZ Karlsruhe; doch der von dieser Institution 1974 produzierte Prototyp einer Landesbibliographie, komfortabel hinsichtlich der zahlreichen Register, abschreckend in Bezug auf das Druckbild, überzeugte die Kommissionsmitglieder nicht, zumal die Kommission ohnehin an der Einführung der EDV kein Interesse hatte.

Die Bibliographie mußte schließlich in herkömmlicher Weise hergestellt werden. Da durch die Suche nach einer Möglichkeit der Automatisierung viel Zeit verstrichen war, erblickte die neue Landesbibliographie das Licht der Welt gleich mit dem Geburtsfehler einer leichten zeitlichen Verzögerung: Band 1 für die Berichtsjahre 1973/74 erschien erst 1978. Mit den folgenden Bänden vergrößerte sich allerdings der Berichtsverzug auf zunächst fünf Jahre (Band 2. 1975/76. 1981), dann auf sechs Jahre (Band 3. 1977/78. 1984, Band 4. 1979/80. 1986) und schließlich auf sieben Jahre (Band 5. 1981/82. 1989, Band 6. 1983-85. 1992). Zugleich vermehrte sich aber auch der Umfang der Bibliographie. War 1973/74 mit 6745 Titeln noch dem Wunsch der Kommission nach einer Auswahlbibliographie entsprochen worden, so kletterten die Nachweise schnell auf über 10 000 Nummern und lagen beim Jahrgang 1981/82 schließlich bei 13 762 Titeln.

Einen weiteren Einschnitt in der Geschichte der bibliographischen Verzeichnung der regionalen Literatur an der Badischen Landesbibliothek bedeutete das Jahr 1986, steht dieses Datum doch für den Beginn der automatisierten Landesbibliographie. Mit den seit dem Berichtsjahr 1986 einsetzen den Jahresbänden vollzog sich auch ein personeller Wechsel, sowohl in der Badischen als auch in der Württembergischen Landesbibliothek. Nachfolger von Werner Schulz wurde Ludger Syré, Nachfolgerin von Günter Stegmaier Brigitte Schürmann. An der arbeitsteiligen Erstellung der Bibliographie zwischen Karlsruhe und Stuttgart, wobei in der Württembergischen Landesbibliothek seit 1973 die Zentralredaktion angesiedelt ist, änderte sich nichts.


Der Anstoß zur Automatisierung erfolgte 1983, als der Landesausschuß für Information, das paritätisch mit Mitgliedern des Landtags und der Landesregierung besetzte Steuerungsgremium für das Landesinformationssystem (LIS), das Statistische Landesamt in Stuttgart und die Württembergische Landesbibliothek mit der Einführung der EDV bei der Landesbibliographie beauftragte und damit einen bereits zehn Jahre zuvor geknüpften Kontakt reaktivierte. Die Badische Landesbibliothek, die das FIZ Karlsruhe als EDV-Partner favorisiert hätte, wurde in das Projekt ebenfalls miteinbezogen. Das Statistische Landesamt entwickelte in den folgenden Jahren ein Programmpaket, das sich vor allem an den bereits im Rahmen des LIS existierenden Datenbanken orientierte.

Mit der Katalogisierung aller Titel in der Datenbank des Statistischen Landesamtes konnte in der Badischen Landesbibliothek Ende 1987, in Stuttgart bereits ein Jahr früher, begonnen werden. Nach Vollendung des Druckprogramms und nach umfangreicher Endredaktionsarbeit erschien, abermals mit einem unerfreulichen Berichtsverzug, 1990 der Band 7 der Landesbibliographie für das Berichtsjahr 1986. Er weist exakt 7000 Titel nach. Noch umfangreicher wurde Band 8 (1987) mit mehr als 7800 Titeln.

Die Anwendung der EDV dient jedoch nicht allein der Produktion der gedruckten Landesbibliographie. Vielmehr ist neben die Buchausgabe als zweite Version der Landesbibliographie die Datenbank getreten, in der mittlerweile mehr als 38 000 Literaturstellen ab Erscheinungsjahr 1986 nachgewiesen sind. Vermittelt durch die Mitarbeiter der Badischen Landesbibliothek haben die Benutzer nun die Möglichkeit, differenzierte Suchanfragen an die Datenbank zu richten und sich alle gewünschten Zitate ausdrucken zu lassen. Neben diese Form der Onlinerecherche soll ab 1992 eine vereinfachte Suche treten, die allen Benutzern mit Btx-Anschluß an das Statistische Landesamt offen stehen wird. Da der Nutzer der Datenbank zugleich die Signatur des betreffenden Dokuments erfährt, ist eine Weiterarbeit in der Badischen Landesbibliothek, zum Beispiel in ihrem Lesesaal Baden-Württemberg, leicht gemacht. Aufgrund ihrer hervorragenden Bestände und ihres Systems der lokalen und regionalen Erschließung bietet die Badische Landesbibliothek allen landeskundlich interessierten Besuchern ideale Arbeitsbedingungen an.

Dr. Ludger Syré

aus: Buch - Leser - Bibliothek : Festschrift der Badischen Landesbibliothek zum Neubau / hrsg. von Gerhard Römer. - Karlsruhe : Badische Landesbibliothek, 1992.

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