Badische Landesbibliothek
   


WWW.landesbibliographie.de

Neuer Zugriff auf die Daten der deutschen Landesbibliographien durch die Virtuelle Deutsche Landesbibliographie
Dr. Ludger Syré

(Aktualisierte Fassung mit Stand 20.5.2003 eines zuvor in den EUCOR-Bibliotheksinformationen 20 (2002) erschienenen Beitrags.)

Seit Beginn der neunziger Jahre überzieht die Bundesrepublik Deutschland ein flächendeckendes Netz von 15 laufenden Landesbibliographien. (Lediglich in Bremen gibt es keine eigenständige Landesbibliographie; die Literatur über den Stadtstaat wird von der Niedersächsischen Bibliographie miterfasst.) Alle entsprechen dem in den siebziger Jahren entstandenen Typ der modernen Landesbibliographie, der alle Fachgebiete und Lebensbereiche berücksichtigt, und alle werden seit langem mit Hilfe der Datenverarbeitung erstellt. Neben bzw. an die Stelle der gedruckten Buchausgabe ist in vielen Ländern die Onlineausgabe getreten. Da die meisten Landesbibliographien ihre Daten - insgesamt über eine Million Nachweise - mittlerweile im Internet anbieten, lag der Gedanke nahe, eine gemeinsame Rechercheoberfläche zu schaffen. Vorbild für eine solche Metasuchmaschine war der von der Universitätsbibliothek Karlsruhe entwickelte und betriebene Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK).

Im Sommer 2001 wurde die KVK-Familie um eine weitere Rubrik erweitert: Bibliographien auf KVK-Basis. Anlass war die Einrichtung der Virtuellen Deutschen Landesbibliographie (VDL), für die umgehend ein leicht zu merkender Domainname reserviert wurde: www.landesbibliographie.de. Zu den Pilotteilnehmern der VDL gehörten die Landesbibliographien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Noch im Herbst 2001 kamen Niedersachsen und Schleswig-Holstein hinzu, und im Sommer bzw. Herbst 2002 wurde der Zugriff auf die Daten der Landesbibliographien von Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Bayern freigeschaltet. 2003 schloss sich Hessen an. Außerdem wurde die retrospektive Bibliographie für die Pfalz und das Saarland (1927 bis 1950) eingebunden. In der Testphase befindet sich Sachsen-Anhalt. Nach der Beseitigung technischer Probleme wird sich auch Hamburg anschließen. Die Bibliographien Berlins und Brandenburgs sind noch nicht internetfähig, weshalb eine Teilnahme an der VDL derzeit nicht absehbar ist. Die Homepage der VDL hält aber vorsichtshalber schon einmal die Wappen aller Bundesländer bereit.


Virtuelle Deutsche Landesbibliographie
Virtuelle Deutsche Landesbibliographie http://www.landesbibliographie.de


Während die von Der Deutschen Bibliothek herausgegebene Deutsche Nationalbibliographie im Wesentlichen die in Deutschland erschienenen Veröffentlichungen verzeichnet, erschließt die Virtuelle Deutsche Landesbibliographie - ebenso universal - die Publikationen über die deutschen Länder, Regionen, Orte und Personen und berücksichtigt dabei auch - im Unterschied zur DNB - die unselbständig erschienenen Veröffentlichungen (Aufsätze, Artikel). In ihrer Summe bilden die Bibliographien der 15 Länder deshalb eine deutsche Landesbibliographie, aber eben nur eine virtuelle. Dass diese nicht vollständig sein kann, versteht sich von selbst. Die VDL ist jedoch eine Chance, die unter großem Personalaufwand erstellten Landesbibliographien besser zu nutzen, und sie bietet in mancher Hinsicht einen echten Mehrwert, d.h. sie ist mehr als die Summe der Teile. Auf der anderen Seite kann sie die Recherche in den einzelnen Originaldatenbanken nicht ersetzen, da nicht alle Sucheinstiege gleichermaßen abgedeckt werden können. Es liegt auf der Hand, dass namentlich die systematische Suche von der VDL nicht geleistet werden kann, da die meisten Bibliographien unterschiedliche Klassifikationen verwenden. Ob das gänzlich ausgeschlossen bleibt, bedarf allerdings noch einer genaueren Prüfung.

Die Vorteile der Suche in der VDL lassen sich an einzelnen Beispielen zeigen. Zum einen sind hier die zahlreichen Überschneidungen zwischen den Bibliographien anzuführen. Sie gibt es z.B. bei historischen Räumen (Kurpfalz), Landschaften (Harz), Ballungsgebieten (Berlin-Potsdam), Flüssen (Elbe), Seen (Bodensee), Meeren (Ostsee), Herrscher- und Adelshäusern (Welfen, Schönborn), Personen (Annette von Droste-Hülshoff), Körperschaften (Norddeutscher Rundfunk), Firmen (DaimlerChrysler AG), Bauwerken (ICE-Neubaustrecke Köln-Frankfurt/M.), Veranstaltungen (Bundesgartenschau).

Zum anderen gibt es übergreifende, regional nicht eingegrenzte Fragestellungen, bei denen der Sachaspekt im Vordergrund steht, wie z.B. Fragen nach dem
  • Hochwasserschutz an den deutschen Flüssen
  • Waldsterben in den deutschen Mittelgebirgen
  • Bauschema gotischer Kathedralen und Kirchen
  • Einsatz von Zwangsarbeitern während des Dritten Reiches
Und natürlich erspart der Rechercheeinstieg über die VDL die Suche nach der zuständigen Landesbibliographie bei Unsicherheit bezüglich der regionalen Zuordnung eines Ortes oder einer Person.

Im Vergleich zu den Rechercheangeboten mancher Landesbibliographien ist die Recherchemaske der VDL recht übersichtlich und einfach. Angeboten werden folgende Sucheinstiege: für die formale Suche Titelstichwort, Autor, Körperschaft und Erscheinungsjahr, für die sachliche Suche Sach-, Personen- und Ortsschlagwort. Im Mittelpunkt steht natürlich die sachliche Suche, denn sie ist Sinn und Zweck einer Landesbibliographie. Die Schwierigkeit besteht hier allerdings darin, dass die einzelnen Bibliographien ihre Schlagwörter je nach Schlagworttyp in unterschiedlichen Dateien ablegen. Die Suche in den Schlagwortfeldern sollte deshalb immer auch um die Suche nach Titelstichwörtern ergänzt werden.

Hinweise zur Recherche findet der Nutzer unterhalb der Suchmaske. Außerdem wurde zu jedem Teilnehmer ein sog. Steckbrief verfasst mit Informationen zur Bibliographie und zur Suche. Ausführliche Bedienungshinweise sind auf den jeweiligen Bibliographieseiten zu finden.


Virtuelle Deutsche Landesbibliographie - Ergebnisanzeige
Virtuelle Deutsche Landesbibliographie - Ergebnisanzeige


Zur Ergebnisanzeige ist folgendes anzumerken: Standardmäßig sucht das System in allen Bibliographien, die ausgewählt wurden. Die Reihenfolge der aufgelisteten Bibliographien richtet sich, wie beim klassischen KVK, danach, welcher Rechner am schnellsten reagiert. Bleibt eine Antwort länger als 60 Sekunden (Timeout) aus, erfolgt keine Ergebnisanzeige. Zunächst wird eine Kurztitelliste angezeigt (im Falle Baden-Württembergs ist noch ein Index vorgeschaltet), eventuell mit dem Hinweis "weitere Treffer". Von den Kurztitellisten führen dann Links zu den Original-Volltitelanzeigen der einzelnen Systeme, die von der VDL nicht weiter aufbereitet werden. Je nach Bibliographie findet der Nutzer hier zusätzliche Informationen oder weiterführende Möglichkeiten der Suche. Dazu folgende Beispiele:

  • Die Landesbibliographie von Baden-Württemberg verzeichnet die Landeskinder in einer eigenen Personendatenbank, die gegenwärtig 41.000 Eintragungen umfasst. Im Personenindex lässt sich eine Kurzbiographie zur näheren Identifizierung einer Person einblenden.

    Landesbibliographie Baden-Württemberg - Suche nach Johann Melchior Molter
    Landesbibliographie Baden-Württemberg - Suche nach Johann Melchior Molter


  • Die Volltitelanzeige der Landesbibliographie von Baden-Württemberg gibt die Signatur einer oder beider Landesbibliotheken (K = Karlsruhe, S = Stuttgart) an und eröffnet die Möglichkeit, direkt in das jeweilige Ausleihsystem (in beiden Fällen BibDia) durchzuschalten.

    Landesbibliographie Baden-Württemberg - Suche nach Joseph Freiherr von Laßberg
    Landesbibliographie Baden-Württemberg - Suche nach Joseph Freiherr von Laßberg


Die Virtuelle Deutsche Landesbibliographie weist sicherlich noch einige Unzulänglichkeiten auf. Sie ist eben nur der kleinste gemeinsame Nenner. Ihre Funktionalität kann nicht größer sein als die der Originaldatenbanken. Dennoch bietet sie als Metakatalog landeskundlicher Literatur zahlreiche Vorteile, die vor allem dann zum Tragen kommen, wenn alle Landesbibliographien mit derzeit zusammen über einer Million Nachweisen angeschlossen sind. Es war deshalb nur konsequent, dass die gemeinhin eher im Stillen arbeitenden Landesbibliographen die Entstehung der VDL zum Anlass genommen, die Fachöffentlichkeit und die interessierten Bibliographiebenutzer auf das neue Produkt hinzuweisen. Mit einem Faltblatt wird für die Nutzung der Landesbibliographien im Allgemeinen und der Virtuellen Deutschen Landesbibliographie im Besonderen geworben. Dass Marketing sein muss, zeigt die Nutzungsstatistik der VDL, die zwar deutlich in die Höhe weist, aber noch nicht von einem echten Durchbruch des neuen Angebots zeugt. Durchschnittlich wird die VDL pro Monat 500 bis 600 mal aufgesucht.

Die im Internet einzeln bzw. im VDL-Verbund präsenten Landesbibliographien sind heute schon in vielschichtiger Weise auf lokaler, regionaler oder überregionaler Ebene in umfassende Datenbankangebote und Digitale Bibliotheken eingebunden. Eine besondere Bedeutung kommt hier natürlich den Portalen mit regionalem oder Landesbezug zu. Als Beispiel möge die Bayerische Landesbibliothek Online dienen, die gegenwärtig acht elektronische, untereinander vernetzte Dienste anbietet, darunter die Bayerische Bibliographie. Ein Pendant für Baden-Württemberg existiert leider noch nicht. Es wäre jedoch wünschenswert, einen ähnlichen Zugang zu elektronischen Beständen mit regionalem Inhalt auch für unseren Raum zu schaffen. Unter einem entsprechenden Portal ließen sich Datenbanken (Bibliographien, Statistiken, Volltexte usw.), elektronische Zeitschriften, digitalisierte Bibliotheksbestände, Bilddatenbanken, Multimediaprodukte, CD-ROM-Publikationen, Hypertextverbindungen zu relevanten Internetseiten und andere WWW-Ressourcen miteinander vernetzen. Ein solches Projekt schlösse die Digitalisierung ausgewählter Bestände ein.

Dr. Ludger Syré

(Aktualisierte Fassung mit Stand 20.5.2003 eines zuvor in den EUCOR-Bibliotheksinformationen 20 (2002) erschienenen Beitrags.)

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