Badische Landesbibliothek
   


Arthur Grüber

Arthur Grüber wurde am 21. August 1910 in Essen geboren und starb am 05. Oktober 1990 in Waldbronn. Seine Werke werden in der Badischen Landesbibliothek unter der Signatur Mus. Hs. 1445 aufbewahrt und umfassen hauptsächlich Musikhandschriften. Sie sind in dem Verzeichnis Nachlass von Arthur Grüber in der Badischen Landesbibliothek erschlossen. Eine Nutzung ist im Lesesaal Sammlungen möglich.

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Kindheit und Studium

Arthur Grüber wurde am 21. August in Essen geboren. Bereits im Alter von 10 Jahren fing er mit dem Komponieren an, mit 13 Jahren schrieb er seine erste Oper. Als Vierzehnjähriger unternahm Arthur Grüber seine erste Konzertreise nach Schweden. Als Pianist gab er dort eine Vielzahl an öffentlichen und nichtöffentlichen Konzerten. Er wurde daraufhin ins Stockholmer Opernhaus eingeladen, um dort seine Oper Die Schwarze Galeere nach Wilhelm Raabe vorzuspielen. Seine Konzerterfolge bescherten ihm mehrere Hochschulstipendien.

Er ging dann an die Folkwang-Hochschule im Ruhrgebiet in Essen, um beim Komponisten und langjährigen Folkwang-Lehrer Ludwig Weber zu lernen. In den Jahren 1930 bis 1932 besuchte Grüber die Hochschule für Musik in Köln. Dort studierte er Dirigieren und Komposition unter den damaligen Direktoren Walter Braunfels und Hermann Abendroth. In dieser Zeit begann Grüber auch mit ersten Kompositionen zu seinem späteren Hauptwerk, der Oper Trotz Wider Trotz.


Arthur Grüber (1910-1990)
(Foto: Badisches Staatstheater)
Arthur Grüber


Beruflicher Aufstieg

1932 trat Arthur Grüber vollends ins musikalische Berufsleben ein. Hans Wilhelm Steinberg holte ihn als Korrepetitor an die Frankfurter Oper. 1933 dirigierte er mit Wagners Rienzi zum ersten Mal eine Oper und stieg 1934 zum zweiten Kapellmeister auf. In dieser Zeit arbeitete Grüber auch regelmäßig mit dem Regisseur Walter Felsenstein zusammen. Ihre gemeinsamen Produktionen gehörten zu den Höhepunkten des Frankfurter Spielplans.

In den folgenden Jahren wurde er zum Leiter mehrerer Musikspielhäuser ernannt. Grüber wurde Operndirektor in Wuppertal (1938), erster Kapellmeister am deutschen Opernhaus in Berlin (1939) und schließlich Generalmusikdirektor in Halle (1944). In diesen Jahren dirigierte er auch eine Reihe an Schallplattenaufnahmen und arbeitete wiederholt mit dem Rundfunk zusammen.

Die Eskalation des 2. Weltkriegs unterbrach jäh Grübers musikalische Karriere. Grüber hatte nie die Gelegenheit, in Halle zu dirigieren, da 1944 alle Theater geschlossen wurden. Zudem wurde er im selben Jahr für den Kriegsdienst rekrutiert. Er geriet in der Folge in französische Gefangenschaft. Sein Versuch, in dieser Zeit ein Orchester aus deutschen Kriegsgefangenen zusammenzustellen, war nur bedingt erfolgreich, da ihm das notwendige Notenmaterial fehlt.

Fortsetzung der Karriere nach dem 2. Weltkrieg

Nach der Beendigung des Kriegs konnte Arthur Grüber seine Laufbahn fortsetzen und trat 1947 die Position des ersten musikalischen Oberleiters der Staatsoper in Hamburg an. Im darauffolgenden Januar vollendete er die Arbeiten an seiner Oper Trotz Wider Trotz, die auf dem höfischen Lustspiel El desdén con el desdén (1654) des Spaniers Agustin Moreto basiert.

Nach Emil Nikolaus war Grüber der zweite Komponist, der Moretos Komödie vertont. Die Oper kam schließlich im Februar 1948 nach zweimonatiger Probenzeit zur Uraufführung. Dr. Günther Rennert, ein Freund Grübers seit der gemeinsamen Zeit an der Frankfurt Oper, führte Regie. Anneliese Rothenberger, die später ein Star auf den Opernbühnen der Welt werden sollte, übernahm darin eine kleinere Rolle. Kritiker lobten Leichtigkeit, Raffinesse und Ausstattung und Opulenz der Aufführung. Ein Berichterstatter bemängelte allerdings, dass Grübers Musik wenig originell und antiquiert daherkommen würde Ausdrücklich gelobt wurde Grüber jedoch während seiner Hamburger Zeit in seiner Funktion als Dirigent. Nach vier Jahren verließ Grüber Hamburg wieder.


Arthur Grüber: Oper 'Trotz Wider Trotz', 1948
Arthur Grüber: Oper "Trotz Wider Trotz", 1948. Erste Seite der Partitur (Ausschnitt). Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Mus. Hs. 1445,1. Download der ersten Seite der Partitur (PDF)


Grüber ging für mehrere Jahre nach Berlin. In den Jahren 1951 bis 1955 war er erster Kapellmeister an der kurz zuvor gegründeten Komischen Oper in Berlin, wo er schon in den Jahren zuvor als Gastdirigent tätig gewesen war. In Berlin arbeitete Grüber eng mit Walter Felsenstein zusammen. Zur gleichen Zeit war er Chefdirigent des Radio-Eirean-Sinfonie-Orchesters in Dublin.

Mehrere Angebote, in Ostdeutschland zu arbeiten, lehnte er aus politischen Gründen ab. Er sagte auch der westdeutschen Berliner Hochschule für Musik ab, da er dann nicht weiter als Dirigent hätte wirken können. Seine Auftritte für die Ost-Berliner Komische Oper hatte ihn an West-Berliner Häusern zur unerwünschten Person gemacht. Aufgrund der politischen Lage entschloss sich Grüber schließlich dazu, mit seiner Familie aus Berlin wegzuziehen.

Für die Zeit von 1955 bis 1962 wurde Grüber Musikgeneraldirektor in Braunschweig. Er studierte dort zahlreiche Opern ein. Besonders hervorzuheben sind dabei seine Aufführungen des Rosenkavalier, von Mathis der Maler und seine Interpretation des Boris Godunov. Des Weiteren leitete er Sinfoniekonzerte und war an zahlreichen Schallplattenaufnahmen beteiligt. Er hatte zudem die Gelegenheit, eine Vielzahl an Gastspielreisen in ganz Europa und sogar Nordafrika zu unternehmen.

Karlsruher Zeit

1962 kam Arthur Grüber zuletzt nach Karlsruhe, um dort die Stelle des Generalmusikdirektors zu besetzen. Die Leitung des Karlsruher Hauses hatte Grüber aktiv umworben, nachdem Grüber bei Gastspielen einen sehr guten Eindruck hinterlassen hatte. In seine Ära als Dirigent und musikalischer Leiter fielen besonders viele Ur- und Erstaufführungen.

Zur Uraufführungen kamen zwei Opern von Karl Heinz Füssel, Dybuk (1970) und Celestina (1975), sowie Rudolf Kelterborns Kaiser Jovian (1967). Besonders erwähnenswert sind bei den deutschen Erstaufführungen die Opern König Priamos (1963) und Mittsommernachtshochzeit (1974) des britischen Komponisten Michael Tippet und auch Luigi Dallapiccolas Neufassung von Claudio Monteverdis Die Heimkehr des Odysseus (1964). 1975 wurde Grüber schließlich die Ehre zuteil, das neue Karlsruher Theater mit einer Aufführung von Mozarts Zauberflöte einzuweihen.

Neben seiner Tätigkeit als Chefdirigent unterrichtete Grüber ab 1963 als Dirigierlehrer an der Musikhochschule in Karlsruhe. 1974 rief Grüber die Veranstaltungsreihe der Badischen Staatskapelle "Konzerte zeitgenössischer Musik" ins Leben. Es wurden in der Folge 50 Werke von neueren Komponisten im Karlsruher Schloss uraufgeführt.

1976 endete Grübers Beschäftigung an der Badischen Staatskapelle aufgrund gesundheitlicher Probleme. Beschwerden an Herz- und Kreislauf machten es ihm unmöglich, seine aktive Karriere dauerhaft fortzusetzen. Er zog sich nach Waldbronn in der Nähe von Karlsruhe zurück, wo er an weiteren Kompositionen arbeitete. Er komponierte dort u.a. eine Reihe von Liedern, zumeist nach Texten deutscher Dichter, und war auch weiterhin als Gastdirigent tätig. Am 05. Oktober 1990 starb Arthur Grüber im Alter von 80 Jahren in Waldbronn und wurde auf dem Unterbarmer Friedhof in Wuppertal beigesetzt.


Arthur Grüber: Lied 'Im Nebel', 1978 (nach Hermann Hesse)
Arthur Grüber: Lied 'Im Nebel', 1978, nach Hermann Hesse. Erste Notenseite (Ausschnitt). Badische Landesbibliothek, Musiksammlung, Mus. Hs. 1445,11. Download der ersten Notenseite (PDF)


Der Nachlass Arthur Grübers in der Badischen Landesbibliothek

Der Nachlass Arthur Grübers (1910-1990) wurde 1990 der Badischen Landesbibliothek als Schenkung übergeben. Er steht damit der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Werke stehen bis siebzig Jahre nach dem Tod des Komponisten (bis 2060) unter dem Schutz des Urheberrechts. Im Nachlass in der Badischen Landesbibliothek sind insgesamt 24 Werke Arthur Grübers in 18 Signaturen nachgewiesen. Die meisten seiner frühen Kompositionen sind während des 2. Weltkriegs verloren gegangen. Eine Übersicht über den Nachlass liegt im PDF-Format vor.


Literatur

Der Artikel basiert in weiten Teilen auf:
  • Bockstiegel, Heiko. 1998. "Meine Herren, kennen Sie das Stück?": Erinnerungen an deutschsprachige Dirigenten des 20. Jahrhunderts und ihr Wirken im Opern- und Konzertleben Deutschlands (Band 2). Wolfratshausen: J.L.G. Grimm.
Ergänzungen stammen aus:
  • Draheim, Joachim. 2004. Karlsruher Musikgeschichte. Karlsruhe: Info Verlag.
  • Hamel, Fred. 1948. Trotz Wider Trotz - Saul - Danton's Tod. Hamburg: Ellermann.
  • Pâris, Alain. 1997. Klassische Musik im 20. Jahrhundert: Instrumentalisten, Sänger, Dirigenten, Orchester, Chöre [Übersetzung Rudolf Kimmig]. München: Deutscher Taschenbuchverlag.
  • n.n. 1948. "Altes Thema neu komponiert." Der Spiegel 2.7: 23.
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