Badische Landesbibliothek
   


Bericht für das Jahr 2011 aus der Musikabteilung

Öffentliche Veranstaltungen

Die Musikwelt feierte im Jahr 2010 den 200. Geburtstag von Robert Schumann (1810-1856). Aus diesem Anlass veranstaltete die Badische Landesbibliothek in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg vom 8. Dezember 2010 bis 5. März 2011 die Ausstellung Robert und Clara Schumann an Oberrhein und Neckar. Sie wurde von Joachim Draheim (Karlsruhe), Träger des Robert-Schumann-Preises der Stadt Zwickau 2003, in Form einer Wanderausstellung mit regionalen Schwerpunkten konzipiert. Die Ausstellung zeichnete anhand von Schrift- und Notendokumenten, Bildern und Plakaten die Beziehungen Robert und Clara Schumanns zu Städten an Oberrhein und Neckar nach.

Im Rahmenprogramm musizierten am Samstag, dem 26. Februar 2011, Schülerinnen und Schüler des Badischen KONServatoriums in der Badischen Landesbibliothek. Insgesamt waren 36 Schüler(innen) und 17 Lehrer(innen) am Konzert Von Romanzen und Fantasien beteiligt. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Badischen KONServatorium durchgeführt. Zu hören waren Lieder, Klavierwerke und Kammermusik von Robert und Clara Schumann. Zu den aufgeführten Stücken von Robert Schumann gehörten die berühmten Kinderszenen op. 15 und das Album für die Jugend op. 68 sowie Kammermusikwerke wie das Klaviertrio Nr. 1 d-moll op. 63, die Fantasiestücke für Klavier und Klarinette op. 73 und die Romanzen für Oboe und Klavier op. 94. Auch einige der schönsten Liedvertonungen waren zu hören.

Aus den Kompositionen von Clara Schumann wurden Lieder nach Gedichten von Friedrich Rückert und Heinrich Heine sowie das Scherzo op. 14 für Klavier aufgeführt. Der Eintritt war frei, und die Veranstaltung war außerordentlich gut besucht. 170 Personen folgten dem über zwei Stunden langen Programm. Nach dem Konzert nahmen zahlreiche Besucher an der Führung durch die Schumann- Ausstellung mit Joachim Draheim teil.

Die Jubiläumsausstellung »Caro Maestro!« vom 20. Juli bis 15. Oktober 2011 in der Badischen Landesbibliothek, die zum 200. Geburtstag des Kapellmeisters und Komponisten Vinzenz Lachner (1811-1893) stattfand, war eine Hommage an einen heute weitgehend vergessenen, allenfalls noch zu Unrecht als Wagnerfeind in Erinnerung gebliebenen Künstler. Zu seinen Lebzeiten gehörte er zu den führenden Männerchorkomponisten in Deutschland, und seine Chorwerke und klavierbegleiteten Sololieder waren im zeitgenössischen Repertoire des 19. Jahrhunderts weit verbreitet.

Die Ausstellung stellte die wichtigsten Stationen dieser bewegten und bewegenden Künstlerbiographie mit Hilfe von überwiegend originalen Dokumenten dar. Dazu wurden Raritäten des wertvollen Teilnachlasses des Musikers aus dem Bestand der Badischen Landesbibliothek größtenteils erstmals gezeigt. Auch Leihgaben und Reproduktionen aus Baden-Baden, Frankfurt, Hamburg, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, München, Rain am Lech und Schwetzingen luden zu dieser musikalischen Zeitreise in das 19. Jahrhundert ein. Die großen Themen der Musikwelt fanden hier im Kleinen ihren Niederschlag, und somit darf die Ausstellung auch als beredtes Zeitdokument einer vergangenen musikalischen Epoche gelten. Kuratorin der Ausstellung war Bärbel Pelker (Schwetzingen), stellvertretende Forschungsstellenleiterin an der Forschungsstelle Südwestdeutsche Hofmusik der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

Die Badische Landesbibliothek beteiligte sich am Samstag, dem 6. August 2011, erstmals mit einem umfangreichen Programm an der Karlsruher Museumsnacht (KAMUNA) unter dem Motto »REISE DURCH DIE ZEITEN«. Das Programm der Badischen Landesbibliothek spannte einen Bogen von Handschriften des Mittelalters über Musik des 19. Jahrhunderts bis ins digitale Zeitalter.

Im Rahmen der KAMUNA 2011 fanden sechs kleine Konzerte Vinzenz Lachner und Zeitgenossen mit Werken von Vinzenz Lachner, Johannes Brahms, Otto Dessoff, Hermann Levi, Franz Liszt, Felix Mottl und Franz Schubert statt. Es musizierten Regina Chernychko (Klavier), Andrej Jussow (Klavier), Eva Röntz (Cello), Roswitha Sicca (Sopran) und Ira Maria Witoschynskyj (Klavier). Moderator war Joachim Draheim. Die Konzerte waren gleichzeitig Begleitprogramm zur Ausstellung »Caro Maestro!« und ergänzten sich mit sechs gut besuchten Führungen.

Die Finissage zur Ausstellung fand am Samstag, dem 15. Oktober 2011, statt. Es musizierten Künstlerinnen und Künstler aus der Nachfolgeeinrichtung des ehemaligen Karlsruher Konservatoriums für Musik: Sie unterrichten am Badischen KONServatorium. Dagmar Hartmann (Klavier), Wolfgang Wieland (Klavier), Christian Dahm (Bariton), Florian Bachofer (Violine), Julia Mielke (Viola) und Reinhard Armleder (Violoncello) gaben die Möglichkeit, Vinzenz Lachners schöne und selten gespielte Musik kennenzulernen.

Ab dem Jahr 1873 lebte Vinzenz Lachner in Karlsruhe. Nach der Gründung des Karlsruher Konservatoriums für Musik im Jahr 1884 durch Heinrich Ordenstein unterrichtete er dort die Fächer Höhere Kompositionslehre, Partiturspiel und Anleitung zum Dirigieren. Zwei nach ihm benannte Straßen in Karlsruhe und Mannheim erinnern noch heute an diesen ehemals so bekannten und gefeierten Musiker. Das anspruchsvolle und abwechslungsreiche Konzert war gut besucht und ein großer Erfolg. Ein Urururenkel Vinzenz Lachners war mit seiner Familie zu Gast: Adrian Lachner, seine Frau und seine Tochter reisten aus Costa Rica an, um die Ausstellung über Vinzenz Lachner zu sehen und an der Finissage teilzunehmen. Adrian Lachner organisiert derzeit in Costa Rica in Kooperation mit der Dualen Hochschule Karlsruhe den Aufbau einer neuen praxisorientierten Hochschule.

Öffentliche Veranstaltungen: Vorträge

Der Historische Zettelkatalog, der von 1872-1942 zum Nachweis der Bestände der Badischen Landesbibliothek verwendet wurde, war im Jahr 2011 Gegenstand von zwei Vorträgen.

Im September 1942 war die Badische Landesbibliothek durch einen Bombenangriff zerstört worden. Der gesamte Bestand, damals 360.000 Bände, war dabei mit Ausnahme der bereits ausgelagerten Zimelien vernichtet worden. Nur der Katalog wurde gerettet. Er dient heute nicht mehr als Bestandsnachweis, sondern als Quelle wissenschaftlicher Forschung. Da der Historische Zettelkatalog auch die bis zum Jahr 1942 in der Badischen Landesbibliothek vorhandenen Musikalien nachweist, hat er für musikwissenschaftliche Forschungsarbeiten eine große Bedeutung.

Ab Mitte September 2010 war ein Reinigungs- und Digitalisierungsprojekt für den Historischen Zettelkatalog umgesetzt worden. Das Ergebnis, der Image- Katalog, lag bereits im Jahr 2010 vor und wurde im Jahr 2011 unter der Web- Adresse http://ipac.blb-karlsruhe.de/ ins Internet gestellt. Bei der KAMUNA am 6. August 2011 sowie am 18. Oktober 2011 bot sich die Gelegenheit, von seiner wechselvollen Geschichte zu hören. Die Leitende Direktorin der Badischen Landesbibliothek, Dr. Julia Freifrau Hiller von Gaertringen, präsentierte den Katalog in der Badischen Landesbibliothek im Original und digital.

Die Goethe-Gesellschaft Karlsruhe e.V. war am 14. September 2011 mit der Veranstaltung »Fühl es vor: Du wirst gesunden!« - Die Komponistin Fanny Hensel und ihre Kantaten nach Texten aus Faust II in der Badischen Landesbibliothek zu Gast. Fanny Hensel, die ältere Schwester Felix Mendelssohn-Bartholdys, war eine der bedeutendsten Pianistinnen des 19. Jahrhunderts. Auch als Komponistin war sie eine Größe ihrer Zeit. Eine ihrer Vertonungen, die erste Szene aus Goethes Faust II, war Thema des Vortrags in der Badischen Landesbibliothek. Die Karlsruher Pianistin Heike Bleckmann widmete sich der Musikerin in einer biographischen Skizze und ließ im Vortrag die von Fanny Hensel vertonte Faust-Kantate wieder lebendig werden.

Öffentliche Veranstaltungen: Kleine Vitrinenausstellungen

»So bald ich aufgestanden war hab ich ein Solo auf der Flöte geblasen« - so lautete der Titel einer kleinen Vitrinen-Ausstellung vom 25. Oktober 2010 bis zum 31. Januar 2011 im Informationszentrum der Badischen Landesbibliothek. Anlass der Ausstellung war der Abschluss der Katalogisierung der Karlsruher Musikhandschriften durch Armin Brinzing, ehemaliger Leiter der RISMArbeitsstelle an der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Der gedruckte Katalog war im November 2010 beim Verlag Harrassowitz in Wiesbaden als 14. Band der Reihe Die Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe erschienen.

Eine kleine Ausstellung mit dem Titel »Alter Schwede!« Johann Wenzel Kalliwoda in seinen Briefen war vom 25. Oktober 2010 bis 31. Januar 2011 im Informationszentrum zu sehen. Anlass der Ausstellung war die Erwerbung von Briefen im Jahr 2010, die der badische Komponist und Hofkapellmeister Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866) in den Jahren 1828 bis 1866 geschrieben hatte. Die Briefe stellen eine hervorragende Ergänzung zum umfangreichen musikalischen Nachlass des Komponisten dar, der mehr als 500 Werke umfasst und ebenfalls in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt wird. Ermöglicht wurde der Ankauf durch die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) und die Volksbank Karlsruhe.

Unter dem Titel Reger total - Eine Ausstellung des Max-Reger-Instituts wurde vom 8. Juni bis 28. Juli 2011 eine weitere Ausstellung im Informationszentrum gezeigt. Dabei stellte das Max-Reger-Institut mit Sitz in Karlsruhe die Erkenntnisse aus dem im Jahr 2011 herausgegebenen Reger-Werkverzeichnis in den Mittelpunkt. Thema der Ausstellung war auch die neue Reger-Werkausgabe, die von der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur gefördert wird und deren erster Band im Jahr 2010 erschienen war. Jürgen Schaarwächter, Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Reger-Institut, führte bei der Eröffnung am 8. Juni 2011 durch die Ausstellung.

Im Hauptlesesaal der Badischen Landesbibliothek werden im monatlichen Wechsel interessante Neuerwerbungen in einer kleinen Vitrine vorgestellt. Im Berichtsjahr standen Neuerwerbungen rund um das Thema Musik insgesamt viermal im Mittelpunkt:


Im Foyer des Badischen Staatstheaters verfügt die Badische Landesbibliothek über eine kleine Vitrine, die für Informationsmaterial zu Ausstellungen verwendet wird. In den Vitrinen wurde auf die Musikausstellungen im Berichtsjahr hingewiesen: Robert und Clara Schumann an Oberrhein und Neckar und »Caro maestro!« - Ausstellung zum 200. Geburtstag des Kapellmeisters und Komponisten Vinzenz Lachner.

Pressetermin zur Erwerbung eines Briefes von Clara Schumann

Am 15. Februar 2011 fand in der Badischen Landesbibliothek ein Treffen mit Vertretern der Presse zur Erwerbung eines Briefes von Clara Schumann statt. Die Badische Bibliotheksgesellschaft, die den Brief für die Badische Landesbibliothek erworben hatte, war durch ihren Vorsitzenden Schmidt-Bergmann vertreten. Anwesend waren auch Joachim Draheim als Kurator der Schumann- Ausstellung sowie Vertreter von Presse, Rundfunk und Fernsehen.

Die Badischen Neuesten Nachrichten, das Badische Tagblatt und die Rheinpfalz veröffentlichten daraufhin größere Artikel zum Schumann-Autographen. Sogar die BILD-Zeitung (Ausgabe Stuttgart) erwähnte den Erwerb des Briefes. Außerdem wurde die Pressemitteilung von der dpa Karlsruhe aufgenommen und weitergeleitet, sodass mehrere Internetportale und Online-Ausgaben von Zeitungen über die Neuerwerbung berichteten.

Erwerbungen: Antiquarische Erwerbungen

Für die Musiksammlung konnte ein Brief des Kapellmeisters und Komponisten Vinzenz Lachner (1811-1893) aus dem Jahr 1873 erworben werden. Am 31. März 1873 endete nach 37 Jahren Vinzenz Lachners Tätigkeit als Hofkapellmeister in Mannheim. Er ging - nach einer Fehde mit den Mannheimer Wagnerianern, die ihn als rückständig und altersmüde bekämpften - mit 61 Jahren in den Ruhestand und übersiedelte nach Karlsruhe. Das Resümee seiner Mannheimer Amtszeit: Seine Theaterarbeit habe ihm »selten eine reine, ungetrübte Kunstfreude gewährt.« Seine ästhetischen Ansprüche seien niemals voll befriedigt worden, und er habe »innerhalb dieser Zeit keine zehn Vorstellungen edler Werke zu Stande« gebracht, die ihm als vollkommen gelungen erschienen wären. Einem objektiven Urteil seiner Lebensleistung entspricht diese Wertung nicht. Lachner hatte in Mannheim ein umfangreiches Repertoire aufgebaut. Die Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit der Mannheimer Oper waren außergewöhnlich. Dazu war Lachner als vorzüglicher Dirigent geschätzt. Der neuerworbene Brief wurde vom 20. Juli bis 15. Oktober 2011 in der Ausstellung »Caro Maestro!« zum 200. Geburtstag von Vinzenz Lachner in der Badischen Landesbibliothek gezeigt.

Neu im Bestand der Musiksammlung sind zudem fünf eigenhändige Briefe, ein Telegramm sowie eine Portraitphotographie mit Unterschrift und eigenhändiger Widmung von Felix Mottl (1856-1911). Von 1880 bis 1903 war Felix Mottl Hofkapellmeister der Großherzoglich Badischen Hofkapelle Karlsruhe. Die Briefe und das Telegramm stammen aus den Jahren 1889 bis 1898, also aus der Zeit, in der Felix Mottl in Karlsruhe wirkte und als begabter Dirigent der Opern Richard Wagners bekannt wurde.

Die neuerworbenen Autographen von Vinzenz Lachner und Felix Mottl werden in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek unter http://digital.blb-karlsruhe.de/ bereitgestellt.

Weitere Neuwerbungen der Musiksammlung sind elf Postkarten, zwei Briefe und ein handschriftliches Gedicht von Clara Faisst (1872-1948). Sie war Pianistin, Musiklehrerin und Komponistin, lebte und arbeitete in Karlsruhe. Ihr Nachlass wird in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt.

Erwerbungen: Faksimile-Drucke

Im Berichtsjahr konnte u.a. eine Reihe von wertvollen Faksimile-Drucken aus dem Bärenreiter-Verlag erworben werden:
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie No. 9 op. 125. Faksimile der autographen Partitur in der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, dem Beethoven-Haus Bonn und der Bibliothèque nationale de France
  • Georg Friedrich Händel (1685-1759): Messiah HWV 56. Faksimile der autographen Partitur in der British Library, London
  • Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) : Ein Sommernachtstraum Ouvertüre op. 21. Faksimile der autographen Partitur in der Biblioteka Jagiellonska, Kraków
  • Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Die sieben großen Opern im Faksimile nach Mozarts Autographen: Idomeneo KV 366 mit Ballett KV 367, Die Entführung aus dem Serail KV 384, Le nozze di Figaro KV 492, Così fan tutte KV 588, Die Zauberflöte KV 620, La clemenza di Tito KV 621 (der Band Don Giovanni KV 527 war bereits im Jahr 2010 erworben worden.)

Erwerbungen: Datenbanken

Im Berichtsjahr konnten neue Datenbanken erworben werden, die alle über das Datenbank-Infosystem DBIS zur Verfügung stehen.
  • Naxos Music Library als weltweit größtes Online-Streaming-Portal für klassische Musik bietet Zugriff auf über 64.000 CDs mit rund 908.000 Tracks aus den Genres Klassik, Jazz, Weltmusik, Folk, Rock, Pop und chinesische Musik. Das Portal enthält den vollständigen Katalog der hauseigenen Naxos Labels und über 320 weitere eigenständige Labels. Monatlich kommen über 800 Alben dazu.
  • Naxos Music Library Jazz ist die umfangreichste Online-Datenbank der Jazzmusik. Sie umfasst ca. 22600 Titel aus über 2300 Alben. Mehr als 500 Jazz-Interpreten sind vertreten. Naxos Music Library Jazz vereint Naxos Jazz und die 22 Labels von Fantasy Jazz.
  • Die Reger-Werkausgabe aus dem Carus-Verlag Stuttgart ist ein multimediales Angebot zum Schaffen des Komponisten Max Reger. Originalhandschriften, Transkriptionen, wissenschaftliche Kommentare und weitere Informationsmaterialien stehen zur Verfügung. Den einzelnen Bänden ist jeweils eine DVD beigefügt. Die DVDs der beiden ersten Bände der Reger-Werkausgabe werden in der Badischen Landesbibliothek über ReDi (Regionale Datenbank-Information Baden- Württemberg) zur Verfügung gestellt, die DVDs wurden hierzu auf den ReDi-Servern installiert. Benutzer der Badischen Landesbibliothek können die DVDs über das Datenbankinfosystem DBIS benutzen, ein Zugriff ist über Remote Access auch von außerhalb möglich. Die weiteren Bände sollen auf gleichem Weg bereitgestellt werden.

Karlsruher Musikhandschriften in der RISM-Datenbank

Seit 2010 ist das Internationale Quellenlexikon der Musik - Répertoire International des Sources Musicale (RISM) kostenfrei im Internet zugänglich: http://opac.rism.info. Etwa 700.000 Nachweise von meist handschriftlichen Quellen aus Bibliotheken und Archiven weltweit werden in dieser Datenbank angeboten. In ihnen sind musikalische Werke von 30.000 Komponisten überliefert. Auch die in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrten Donaueschinger Musikhandschriften und Karlsruher Musikhandschriften wurden von Armin Brinzing und Gertraut Haberkamp im Rahmen des RISM-Projekts verzeichnet.

Der Zugang zu unseren Beständen in RISM wurde bei den Donaueschinger Musikhandschriften bereits im Jahr 2010 freigeschaltet, bei den Karlsruher Musikhandschriften erfolgte die Freischaltung im Jahr 2011. Der etwa 1.400 Karlsruher Musikhandschriften umfassende historische Bestand der Badischen Landesbibliothek enthält im Wesentlichen die Musikalien der Karlsruher Hofmusik des 18. Jahrhunderts sowie den musikalischen Nachlass des langjährigen Hofkapellmeisters Johann Melchior Molter. Hinzu kommen Handschriften aus säkularisierten Klöstern, Partituren des ehemaligen Badischen Hoftheaters in Karlsruhe sowie bedeutende Erwerbungen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Darüber hinaus wurde die RISM-Datenbank im Jahr 2011 um noch fehlende Donaueschinger Musikhandschriften ergänzt. Der damals noch in Donaueschingen lagernde Musikalienbestand war bereits in den Jahren 1977 bis 1980 katalogisiert worden. Inzwischen konnten noch umfangreiche Nachträge aufgenommen werden. Somit sind auch die Donaueschinger Musikhandschriften seit dem Jahr 2011 vollständig im RISM-OPAC nachgewiesen.

Bestandserschließung: Überführung der RISM-Daten in die Datenbank des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds

Im Jahr 2011 ist es der Badischen Landesbibliothek in Zusammenarbeit mit dem Südwestdeutschen Bibliotheksverbund (SWB) und der RISM-Zentralredaktion in einem Projekt gelungen, 12.095 Titeldaten der Karlsruher Musikhandschriften und der Donaueschinger Musikhandschriften aus der RISM-Datenbank mit einem automatischen Verfahren in Titeldaten von digitalisierten Musikhandschriften umzuwandeln und in die Datenbank des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds zu laden. Die Badische Landesbibliothek ist eine der ersten Bibliotheken, die Metadaten von RISM für den Einsatz in digitalen Sammlungen verwendet. Vergleichbare Projekte sind bisher nur aus der Staatsbibliothek zu Berlin, der Sächsischen Landesbibliothek (Staats- und Universitätsbibliothek Dresden) und aus der Bibliothek der University of Washington bekannt.

Im November 2010 wurde hierzu in der Badischen Landesbibliothek eine umfangreiche Tabelle zur Umsetzung der RISM-Daten in das Kategorienschema der SWB-Datenbank fertig gestellt und an den SWB weitergegeben. Nach verschiedenen Tests und Überarbeitungen der Konvertierungstabellen, die in aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten durchgeführt wurden, standen dann im April 2011 die Daten im SWB bereit.

Insgesamt 12 095 Datensätze für die elektronischen Ressourcen wurden auf diese Weise im SWB angelegt, sie haben alle das Abrufzeichen »rism« erhalten. Der Bestand kann damit über das Abrufzeichen »rism« auch im Online- Katalog der Badischen Landesbibliothek recherchiert werden. Es wurden folgende weitere Abrufzeichen vergeben: »donh« für Donaueschinger Musikhandschriften und »karh« für Karlsruher Musikhandschriften. Der Import der RISMDaten bildet eine wichtige Grundlage für die Digitalisierung der Musikhandschriften: ohne die dadurch erzeugten Metadaten können die Digitalisate nicht ins Internet gestellt werden.

Bestandserschließung: Katalogisierung der Donaueschinger Musikdrucke

Die Musikaliensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen wird in der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe verwahrt. Das Land Baden-Württemberg hatte die Sammlung Ende Oktober 1999 für 2,9 Millionen DM erworben. Die Donaueschinger Musikalien bilden eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art im süddeutschen Bereich aus fürstlichem Besitz und mit 3.612 Handschriften und 3.920 Drucken zählt die Sammlung zu den umfangreichen.

Die Musikdrucke mit den Signaturbezeichnungen »Don Mus. Dr.« sind jetzt vollständig im Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds nachgewiesen. Im Rahmen des Erschließungsprojektes wurden insgesamt 5.856 Titeldatensätze neu angelegt, sie haben alle das Abrufzeichen »donm« erhalten. Der Bestand kann damit über das Abrufzeichen »donm« auch im Online-Katalog der Badischen Landesbibliothek recherchiert werden. Die Katalogisierung der seit 1999 unbearbeiteten Musikdrucke wurde im September 2009 begonnen und im Dezember 2011 abgeschlossen.

Ungefähr die Hälfte der Musikdrucke war bisher in Deutschland nicht nachgewiesen, so dass mit hohem Aufwand viele neue Titeldatensätze erstellt werden mussten. Der bisher nur vor Ort nachgewiesene Bestand ist sofort ins Blickfeld der Forschung geraten. Bestellungen auf Donaueschinger Musikalien nehmen zu, vor allem in Form von Reproduktionsanträgen aus aller Welt.

Aus dem Bestand der Donaueschinger Musikdrucke wurden in der Ausstellung »HeRRReinspaziert!« -Die bunte Welt der Sammlungen in der BLB vom 30. März bis 25. Juni 2011 in der Badischen Landesbibliothek zwei schön illustrierte Werke mit dem Titel Album lyrique ou recueil de romances (Don Mus. Dr. 46 und 47) gezeigt, die um das Jahr 1800 in Paris erschienen sind.

Bestandserschließung: Historischer Zettelkatalog

Im September 1942 war die Badische Landesbibliothek durch einen Bombenangriff zerstört worden. Der gesamte Bestand, damals 360.000 Bände, war dabei mit Ausnahme der bereits ausgelagerten Zimelien vernichtet worden. Nur der Katalog wurde gerettet. Er dient heute nicht mehr als Bestandsnachweis, sondern als Quelle wissenschaftlicher Forschung. Da der Historische Zettelkatalog auch die bis zum Jahr 1942 in der Badischen Landesbibliothek vorhandenen Musikalien nachweist, hat er für musikwissenschaftliche Forschungsarbeiten eine große Bedeutung.

Ab Mitte September 2010 war ein Reinigungs- und Digitalisierungsprojekt für den Historischen Zettelkatalog umgesetzt worden. Das Ergebnis, der Image- Katalog, lag bereits im Jahr 2010 vor und wurde im Jahr 2011 unter der Web- Adresse http://ipac.blb-karlsruhe.de/ ins Internet gestellt.

Bestandserschließung: Nachlass Arthur Grüber

Der Nachlass Arthur Grübers (1910-1990) wird seit 1990 in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt. 1962 war Arthur Grüber nach Karlsruhe gekommen, um die Stelle des Generalmusikdirektors am Badischen Staatstheater zu übernehmen. In seine Ära fielen besonders viele Ur- und Erstaufführungen. Der Nachlass des Dirigenten, Musikers und Komponisten wurde im Berichtsjahr neu sortiert und verpackt, außerdem wurde eine Bestandsübersicht erstellt. Eine Webseite http://www.blb-karlsruhe.de/blb/blbhtml/besondere-bestaende/musik/ grueber.php mit Informationen zu Arthur Grüber sowie die Bestandsübersicht wurden in das Internet gestellt.

Im Rahmen der Vorbereitung einer Ausstellung zum 350-jährigen Jubiläum der Badischen Staatskapelle, das im Jahr 2012 gefeiert wird, gab es bereits Nachfragen nach Exponaten aus diesem Nachlass.

Notfallverbund der Karlsruher Kultureinrichtungen gegründet

Der Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004 sowie der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 haben Archive und Bibliotheken im höchsten Maße sensibilisiert. Schon immer nahm Bestandserhaltung einen besonderen Stellenwert bei Archivaren und Bibliothekaren ein. Sachgerechter Verpackung und Lagerung des wertvollen Kulturguts kam stets höchste Priorität zu, gilt es doch Unterlagen von bleibendem Wert auf Jahrhunderte hin zu sichern.

Auf Initiative des Generallandesarchivs Karlsruhe haben sich die Badische Landesbibliothek, das Stadtarchiv Karlsruhe, das Kreisarchiv Karlsruhe, das Landeskirchliche Archiv mit der Landeskirchlichen Bibliothek Karlsruhe, das Karlsruhe Institut für Technologie mit seinem Archiv, das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieursbau, das Oberrheinische Literaturarchiv des Museums für Literatur am Oberrhein, die Staatliche Kunsthalle und das Badische Landesmuseum zum Karlsruher Notfallverbund zusammengeschlossen.

In einem Schadensfall stehen sich die Karlsruher Kooperationspartner gegenseitig mit Rat und vor allem Tat zur Seite. In regelmäßigen Treffen unterrichten sich die Partner über den aktuellen Stand der Prävention und Notfallversorgung. Damit hat Karlsruhe landesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Im Jahr 2011 fanden bereits fünf Treffen und Begehungen statt.

Bestandserhaltung: Nachlass Johann Wenzel und Wilhelm Kalliwoda

Der Nachlass von Johann Wenzel Kalliwoda und dessen Sohn Wilhelm Kalliwoda wurde neu geordnet und in neue Archiv-Mappen verpackt.

Online-Projekte / Bestandspräsentation: Digitalisierung von Musikalien

Um ihre wertvollen Bestände in digitaler Form im Internet anbieten zu können, hatte die Badische Landesbibliothek am 1. September 2010 eine moderne Digitalisierungswerkstatt aufgebaut, die über hochauflösende, buchschonende Scanner ebenso verfügt wie über eine professionelle Digitalisierungssoftware. In die »Digitalen Sammlungen« wurden im Jahr 2011 aus dem Bereich Musik aufgenommen:


Daneben wurden im Benutzerauftrag digitale Reproduktionen von Musiknoten erstellt, sofern dies technisch, konservatorisch und urheberrechtlich unbedenklich war.

Brigitte Knödler-Kagoshima


Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Telefonnummern und E-Mail-Adressen


Öffnungszeiten
Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Wissenstor:
Mo - Fr 9.00 - 22.00 Uhr,
Sa, So 10.00 - 22.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
Mo - Mi, Fr 9.30 - 16.00 Uhr,
Do 9.30 - 18.00 Uhr


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