Badische Landesbibliothek
   


Bericht für das Jahr 2012 aus der Musikabteilung

Ausstellungen

Die Ausstellung Chiffren. Wolfgang Rihm im Kontext des musikalischen Schriftbildes in Europa vom 21. März bis 16. Juni 2012 in der Badischen Landesbibliothek fand im Rahmen der 21. Europäischen Kulturtage Karlsruhe statt, die unter dem Motto Musik baut Europa - Wolfgang Rihm veranstaltet wurden. Sie waren dem Komponisten Wolfgang Rihm gewidmet, der als Professor an der Hochschule für Musik Karlsruhe wirkt und im Jahr 2012 seinen 60. Geburtstag feierte, und sie machten Karlsruhe drei Wochen lang zu einer Hochburg für Neue Musik.

Die Ausstellung wurde vom musiktheater intégrale und ihrem Leiter Dr. Achim Heidenreich von der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe kuratiert und stellte Wolfgang Rihms Werke im überspannenden Kontext der Schrift vor. Dabei wurden die Manuskripte Wolfgang Rihms ausgewählten Musikhandschriften und Musikfragmenten der Badischen Landesbibliothek aus dem 12. bis zum 18. Jahrhundert gegenübergestellt.

Einen zentralen Werkkomplex im Schaffen des Komponisten Wolfgang Rihm bildet der Werkzyklus Chiffren (1982-1988) mit insgesamt neun unterschiedlich groß besetzten Werken. Die Chiffren und viele andere Werke Rihms wurden in Karlsruhe uraufgeführt und sind damit auch für die musikgeschichtliche Bedeutung Karlsruhes wichtige Stationen.

Die Ausstellung Chiffren wandte sich an eine breite Öffentlichkeit und führte auch in gesonderten Veranstaltungen an die Thematik heran:
  • Freitag, 23. März 2012: Führung und Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Uwe Hochmuth, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
  • Donnerstag, 29. März 2012: Führung und Gesprächsrunde mit Dr. Michael Heck, ehemaliger Kulturreferent der Stadt Karlsruhe
  • Donnerstag, 05. April 2012: Führung und Gesprächsrunde mit Prof. Dr. Rudolf Frisius

Die Ringvorlesung Musik baut Europa fand in Kooperation mit der Badischen Landesbibliothek, der Hochschule für Musik Karlsruhe, dem Zentrum für angewandte Kulturwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), dem Studium Generale des KIT und dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie statt.

Bei den insgesamt fünf Veranstaltungen umrissen Wissenschaftler, Journalisten und Künstler Bereiche der musikalischen Musikproduktion in Europa auf unterschiedliche Weise. Der Diskussionsbogen wurde dabei von den Anfängen musikalischer Fixierung und Tradierung bis zum Werk Wolfgang Rihms geschlagen.

Die Dozenten und Themen der Ringvorlesung Musik baut Europa waren:
  • Donnerstag, 26. April 2012: Gerhard R. Koch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt. Thema: Rihm als Briefschreiber
  • Donnerstag, 03. Mai 2012: Prof. Dr. Uwe Hochmuth, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Thema: Urheberrecht
  • Donnerstag, 24. Mai 2012: Prof. Dr. Thomas Seedorf, Hochschule für Musik Karlsruhe. Thema: Von Orpheus bis Caruso. Der Mythos Gesang in der europäischen Geschichte
  • Donnerstag, 31. Mai 2012: Dr. Achim Heidenreich, Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Thema: "Ich war Hamlet": Wolfgang Rihms frühe Opern im Kontext der ästhetischen Diskussion bei den Zeitgenossen
  • Donnerstag, 21. Juni 2012: Prof. Dr. Thomas A. Troge, Hochschule für Musik Karlsruhe. Thema: Musik baut Europa - dank Technik?

Jeweils um 17 Uhr vor den Vorträgen und Diskussionen führte Kurator Dr. Achim Heidenreich durch die Ausstellung.

Konzerte

Am Donnerstag, dem 16. Februar 2012, wurde die Komponistin Margarete Schweikert anlässlich ihres 125. Geburtstages in der Badischen Landesbibliothek musikalisch gefeiert. Das Konzert Meines Schiffes Steuer führ ich mit Liedern und Kammermusikwerken, das in Kooperation mit der GEDOK Karlsruhe e.V. veranstaltet wurde, gab Einblick in Leben und Werk der Karlsruher Komponistin, Geigerin und Musikkritikerin Margarete Schweikert (1887 - 1957).

Mit großer Zielstrebigkeit und beeindruckender Konsequenz verfolgte sie ihre musikalische Ausbildung und ihre Laufbahn als Virtuosin und Komponistin. Ihre größten Erfolge feierte sie um 1920. Im ganzen süddeutschen Raum wurde sie als Verfasserin ausdrucksstarker Klavierlieder und als Kammermusikerin geschätzt. Beinahe ihr gesamtes Leben war Margarete Schweikert eine feste Größe im kulturellen Leben ihrer Heimatstadt. Sie schrieb über 100 Lieder, Chorwerke, Kompositionen für Klavier und Orgel und einige Werke für Kammermusik.

Es musizierten Berit Barfred Jensen (Sopran), Bernhard Berchtold (Tenor), Annelie Groth (Geige), Franziska Dürr (Viola), Ilona Steinheimer (Englischhorn) und Jeannette La-Deur (Klavier). Dr. Birgitta Schmid führte in Leben und Werk von Margarete Schweikert ein.

Am Donnerstag, dem 14. Juni 2012, fand zum Abschluss der Ausstellung Chiffren. Wolfgang Rihm im Kontext des musikalischen Schriftbildes in Europa in der Badischen Landesbibliothek das Konzert ...aufbrechen... Kompositionen und Improvisation in Kooperation mit der GEDOK Karlsruhe e.V. statt. Es wurden Werke Wolfgang Rihms und anderer zeitgenössischen Komponistinnen und Komponisten aus Karlsruhe, die mit ihm in Verbindung stehen, aufgeführt.

Angela Yoffe stellte zwei Klavierkompositionen Wolfgang Rihms ein neues Werk seines Schülers Boris Yoffe gegenüber. Die Pianistin und Komponistin Ursula Euteneuer-Rohrer und die Sängerin Rita Huber-Süß führten Werke Wolfgang Rihms auf und setzten sich mit der Verbindung von musikalischer Tradition und experimentellen Strukturen in der zeitgenössischen Musik auseinander. In einer Uraufführung erklang das Werk Drei Lieder nach Worten von Hildegard von Bingen von Ursula Euteneuer-Rohrer, die wie Wolfang Rihm Schülerin des Karlsruher Professors für Komposition Eugen Werner Velte war. Die Schlagzeugerin Konstanze Ihle und die beiden Experimentalmusikerinnen Hanna Jüngling und Ute Reisner entwickelten assoziative Konzept-Improvisationen und setzten sich mit diesen in Bezug zu Wolfgang Rihms kompositorischem Schaffen und musikphilosophischen Positionen.

Am 20. Juni 2012 stand Das Nibelungenlied - Eine musikalische Aufführung mit Dr. Eberhard Kummer auf dem Programm, eine Veranstaltung in Kooperation mit der Abteilung Germanistische Mediävistik und Frühneuzeitforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das um 1200 anonym verfasste Nibelungenlied steht am Ende einer bis in die Völkerwanderungszeit zurückreichenden Stofftradition und ist bis heute tief im kulturellen Gedächtnis verankert. Am 30. Juli 2009 wurde das Nibelungenlied zum UNESCO-Weltdokumentenerbe ernannt. Als Weltdokumentenerbe ausgezeichnet wurden dabei die drei vollständigen Handschriften des 13. Jahrhunderts, die in der Bayerischen Staatsbibliothek München, in der Stiftsbibliothek St. Gallen und in der Badischen Landesbibliothek aufbewahrt werden. Der Codex in Karlsruhe ist die älteste und für die Überlieferungsgeschichte des Nibelungenlieds bedeutendste Handschrift.

Dr. Eberhard Kummer, geb. 1940 in Krems/Donau, ausgebildeter Opern- und Konzertsänger (Bassbariton) und Jurist, lebt in Wien. Mit Passion widmet er sich seit rund vier Jahrzehnten der Wiedererweckung historischer Musik vor allem des Mittelalters aus dem bairisch-österreichischen Raum, wobei er sich strikt an den Regeln der historischen Aufführungspraxis orientiert und hierfür kontinuierlich mit Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen zusammenarbeitet. Rundfunk- und Fernsehproduktionen in Europa und Übersee, Auftritte bei internationalen Ensembles für Alte Musik und Einspielungen, z.B. des Nibelungenlieds und Oswalds von Wolkenstein, machten ihn bekannt.

Am Samstag, dem 7. Juli 2012, verwandelten die Studierenden der Hochschule für Musik die Karlsruher Innenstadt mit dem Festival Karlsruhe klingt - music to go in einen Freiluft-Konzertsaal. An dreizehn Orten in der Innenstadt luden zwischen 16 und 20 Uhr zahlreiche Ensembles mit Studierenden der Hochschule das Publikum zum Zuhören und Zuschauen, zum Umherschlendern und Verweilen ein. Um 16 Uhr eröffneten auf dem Kirchplatz von St. Stephan der Oberbürgermeister von Karlsruhe, Heinz Fenrich, und der Rektor der Hochschule für Musik Karlsruhe, Professor Hartmut Höll, das Festival.

Im Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek wurden von 16.30 - 17.00 Uhr Werke von Joseph Haydn (1732-1809) und Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) aufgeführt. Es musizierten Alexandra Ruhland und Katja Polyakova, Hammerflügel, sowie das Vokalensemble der Hochschule für Musik Karlsruhe unter Leitung von Holger Speck. Der Hammerflügel wurde eigens für das Konzert von der Hochschule für Musik Karlsruhe zur Verfügung gestellt. Im Skulpturengarten der Badischen Landesbibliothek musizierten von 16.30 - 17.00 Uhr das Flötenensemble, von 17.00 - 17.30 Uhr das Klarinettenensemble und von 17.30 - 18.00 Uhr das Oboenensemble. Beteiligt waren Studierende der Klassen Prof. Renate Greiss-Armin, Prof. Wolfgang Meyer und Prof. Thomas Indermühle.

Ein Konzert zum 125. Geburtstag der Karlsruher Komponistin Margarete Schweikert mit dem Titel Ich selber bin die Wolke mein fand am 5. November 2012 in Kooperation mit dem Internationalen Lyceum Club Karlsruhe e.V. statt. Aufgeführt wurden Lieder und Kammermusik von Margarete Schweikert. Es musizierten Bernhard Berchtold (Tenor), Annelie Groth (Violine) und Jeannette La-Deur (Klavier).

Margarete Schweikerts musikalischer Nachlass, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus einem Luftschutzkeller in Backnang gerettet werden konnte, blieb - nur durch einen Wasserschaden leicht beschädigt - glücklicherweise erhalten. Er wird seit 2004 in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt, der damit eine wichtige Rolle beim Wachhalten der Erinnerung an diese Künstlerin zukommt.

Vorträge

Am 3. Juli 2012 präsentierte Prof. Dr. h.c. Frithjof Haas in einer Veranstaltung der Badischen Landesbibliothek, unterstützt vom Richard-Wagner-Verband Karlsruhe e.V., seine neue Publikation Menschen um Richard Wagner.

Das Buch enthält Vorträge und Aufsätze über Musiker, Komponisten und Dirigenten, die im Bannkreis von Richard und Cosima Wagner standen oder Kontakt zu dem Schöpfer des romantischen Musikdramas hatten: Franz Liszt, Peter Cornelius, Johannes Brahms, Richard Strauss, Hans von Bülow, Hermann Levi, Felix Mottl und Friedrich Nietzsche. Aus der Sicht des Umkreises und der Freunde erscheint die Persönlichkeit Richard Wagners in einem vielseitigen, manchmal ungewohnten Bild.

Frithjof Haas, früher Dirigent am Badischen Staatstheater und Leiter der Opernabteilung an der Hochschule für Musik Karlsruhe, ist in den letzten Jahren als Musikautor mit Biographien über Dirigenten des 19. Jahrhunderts bekannt geworden, die neuerdings auch in englischer Übersetzung in den USA erscheinen. Frithjof Haas sprach in der Veranstaltung über den Inhalt des neuen Buches, besonders über das Kapitel Der Schöpfungsprozess bei Richard Wagner im Vergleich zu früheren Komponisten.

Die Buchpräsentation wurde musikalisch durch Sontraud Speidel, Pianistin und Professorin an der Hochschule für Musik Karlsruhe, gestaltet. Sie spielte die Beethoven-Sonate op. 109 in E-Dur sowie die Wagner-Paraphrase Walhalla von Franz Liszt.

Weitere Veranstaltungen

In der Reihe Unsere Helden, die vom Badischen Staatstheater in der Badischen Landesbibliothek veranstaltet wurde, berichteten Mitglieder der Ensembles der Oper, des Balletts, des Schauspiels und des Jungen Staatstheaters über ihren privaten Hintergrund und ihren Weg an das Badische Staatstheater. Neben vielen Geschichten und Anekdoten aus dem Theaterleben konnte man die Stars der Karlsruher Bühne ganz privat kennenlernen. Bei den drei Veranstaltungen am 25. Oktober, 14. November und 13. Dezember 2012 standen folgende Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne der Badischen Landesbibliothek:

  • Dilara Bastar, Lucas Harbour, Renatus Meszar, Christina Niessen, Eleazar Rodriguez (Oper)
  • Michel Brandt, Ursula Grossenbacher, Natanaël Lienhard, Sebastian Reich, André Wagner (Schauspiel)
  • Veronika Bachfischer (Junges Staatstheater)
  • Barbara Blanche (Ballett)
Zu hören waren auch Kostproben aus dem Repertoire der Solisten und Ausschnitte aus kommenden Premieren.

Die Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) veranstaltete vom 29. Mai bis 1. Juni 2012 ihre Jahrestagung in Karlsruhe, da in den Kirchen der Stadt und der Region repräsentative Orgeln zu der behandelten Thematik Elektropneumatik im Orgelbau stehen. Es sind dies insbesondere die Orgeln der Innenstadtkirchen der Fächerstadt, die in der Phase des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, aber auch Instrumente in Mannheim und Heidelberg, die mit diesem technischen System ausgerüstet und entweder restauriert oder neu konzipiert wurden.

An der Tagung mit Referaten und Orgelpräsentationen bzw. -konzerten nahmen zudem zahlreiche Orgelbauer teil, die beispielsweise im Bund deutscher Orgelbaumeister (BdO) oder in der Europäischen Arbeitsgruppe für Fachrestauratoren im Orgel- und Harmoniumbauhandwerk (EAFO) organisiert sind. Der Abschluss der Veranstaltung fand am 1. Juni 2012 in der Badischen Landesbibliothek mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Elektropneumatik im gegenwärtigen Orgelbau aus Sicht des Organisten statt.

Passend zum Jahr der Kirchenmusik 2012 drehte sich in der Region zwischen Mannheim und Straßburg alles um die "Königin der Instrumente": Die 60. Internationale Orgeltagung fand vom 29. Juli bis 4. August 2012 in Karlsruhe statt und wurde von der Gesellschaft der Orgelfreunde e. V. in Zusammenarbeit mit der Europäischen Orgelakademie am Oberrhein e. V. durchgeführt. Die Tagungsleitung lag in den Händen von Prof. Dr. Michael G. Kaufmann, Dr. Martin Kares und Prof. Markus Eichenlaub. Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft der Orgelfreunde e. V. fand am 3. August 2012 in der Badischen Landesbibliothek statt.

Kleine Vitrinen-Ausstellungen

Die Vitrinen-Ausstellung Meines Schiffes Steuer führ ich vom 6. Februar bis 29. Mai 2012 zum 125. Geburtstag der Karlsruher Komponistin Margarete Schweikert im Foyer der Badischen Landesbibliothek zeigte Fotos, Reproduktionen von Musikhandschriften sowie persönliche Gegenstände aus dem Besitz Margarete Schweikerts (1887 - 1957). Ergänzend wurden Plakate von Konzertveranstaltungen präsentiert, an denen Margarete Schweikert als Violinistin oder Komponistin beteiligt war.

Die Ausstellung Chiffren. Wolfgang Rihm im Kontext des musikalischen Schriftbildes in Europa war zu Beginn des Jahres 2012 das Thema in der Vitrine im Foyer des Badischen Staatstheaters. Ab Herbst wurden passend zu der Inszenierung der Oper Tannhäuser von Richard Wagner im Badischen Staatstheater Werke aus der Donaueschinger Musikaliensammlung der Badischen Landesbibliothek gezeigt. In dieser Sammlung haben sich verschiedene musikalische Bearbeitungen im Zusammenhang mit der Oper Tannhäuser erhalten, u.a. von Franz Liszt, Hans von Bülow und August Reinhard.

In der Vitrine Neuerwerbungen des Monats im Hauptlesesaal der Badischen Landesbibliothek standen Neuerwerbungen rund um das Thema Musik insgesamt 4-mal im Mittelpunkt:

Neuerwerbungen

Die Karlsruher Komponistin Ursula Euteneuer-Rohrer übergab in den Jahren 2012 und 2013 den größten Teil ihrer bisher entstandenen Werke an die Badische Landesbibliothek. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Originale der Musikhandschriften. Die Werke stehen damit der Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. In der Badischen Landesbibliothek sind derzeit insgesamt 141 Werke Ursula Euteneuer-Rohrers mit Signaturen nachgewiesen.

Ursula Euteneuer-Rohrer arbeitet als Komponistin, Pianistin und Improvisationsmusikerin. Sie wurde am 26. April 1953 in Karlsruhe geboren. Im Alter von 11 Jahren entstanden ihre ersten Kompositionen. Privaten Klavierunterricht hatte sie ab 1969 bei Irmgard Keller und Unterricht in Musiktheorie bei Reinhold Weber am Badischen Konservatorium in Karlsruhe. Sie studierte an der Hochschule für Musik Karlsruhe Komposition und Musiktheorie bei Prof. Eugen Werner Velte sowie Klavier bei Prof. Valentin Rybing und Prof. Herbert Seidemann. Von 1993 bis 2012 unterrichtete sie als Lehrerin am Badischen Konservatorium die Fächer Musiktheorie, Klavier und Komposition.

Ursula Euteneuer-Rohrer gewann Preise und Stipendien auf internationaler Ebene. Ihre Werke wurden bisher in Deutschland, Frankreich, Mexiko, USA, Italien und Belgien aufgeführt und erschienen in mehreren Verlagen. Rundfunk-, Schallplatten- und CD-Produktionen, Konzertreisen und Publikationen zur Neuen Musik zeigen den großen Umfang ihrer künstlerischen Arbeit.

Auch der Nachlass des Komponisten Karlheinz Nürnberg konnte in das Eigentum der Badischen Landesbibliothek übernommen werden. Am 23. Februar 1918 wurde Karlheinz Nürnberg in Hattingen/Ruhr geboren. Sein kompositorisches Lebenswerk umfasst weit über 300 Werke und enthält u.a. Sakralmusik, Opern, Ballette, Sinfonien und Kammermusikwerke. Alle vier Jahre reichte er anlässlich der Olympischen Spiele Kompositionen und Werke an das International Olympic Committee (IOC) ein. Seine kompositorische Dokumentation Olympic Ceremonial Music 1932-1992 wurde im Deutschen Sport- und Olympiamuseum in Köln archiviert. Als Anerkennung für sein kulturelles und berufliches Engagement wurden ihm Auszeichnungen und Ehrungen zuteil, u.a. die Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD und die große Medaille des IOC. Am 4. September 1999 verstarb Karlheinz Nürnberg.

Die Badische Landesbibliothek hatte den Nachlass von Karlheinz Nürnberg bisher bereits als Leihgabe aufbewahrt, aber erst im Jahr 2012 konnte sie das Eigentum an dem Nachlass erwerben.

Weitere Erwerbungen:
  • Drei Briefe der Sängerin Anna Masius-Braunhofer (1832-1909) aus dem Jahr 1869, Signatur K 3240,1-3. Die Sopranistin wirkte u.a. in Berlin, Hamburg, Karlsruhe und München. Die Briefe wurden digitalisiert und stehen im Internet unter den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek zur Verfügung.
  • Ein Brief des Karlsruher Komponisten Wolfgang Rihm (geb. 1952), ca. 1992, Signatur K 3241.
  • Ein Brief von Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866) mit Siegel aus dem Jahr 1852, Signatur K 3243. Der Komponist, Kapellmeister und Violinist war viele Jahre am Fürstlich Fürstenbergischen Hof in Donaueschingen tätig. Der Brief wurde digitalisiert und steht im Internet unter den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek zur Verfügung.
  • Eine Bronzebüste der Karlsruher Pianistin Prof. Sontraud Speidel (geb. 1944), geschaffen ca. 1970 von dem Maler und Bildhauer Max Eichin, Signatur K 3257.
  • Ein Albumblatt von Vinzenz Lachner (1811-1893) aus dem Jahr 1881, Signatur K 3266. Vinzenz Lachner war von 1836 bis 1873 als Kapellmeister in Mannheim tätig und wirkte dann als Privatlehrer und Musikpädagoge in Karlsruhe. Das Albumblatt wurde digitalisiert und steht im Internet unter den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek zur Verfügung.
  • Drei Abschriften von Werken des Komponisten Johann Wenzel Kalliwoda aus dem Nachlass von Gottlieb Adolph Fuchs (1803-1887), Signatur Mus. Hs. 1446.
  • Verschiedene handschriftliche Bearbeitungen von Werken aus dem Bestand der Karlsruher Musikhandschriften durch Prof. Nikolaus Delius, Signatur Mus. Hs. 1447.

Im Berichtsjahr 2012 konnten drei neue Fortsetzungswerke für den Lesesaal Sammlungen erworben werden:
  • Tz 7325 : L'Opéra français. - Kassel [u.a.] : Bärenreiter
  • Tz 7790 : Bach-Repertorium. Werkverzeichnisse zur Musikerfamilie Bach, hrsg. vom Bach-Archiv Leipzig. - Stuttgart : Carus-Verlag
  • Tz 8241 : The works of Henry Purcell. London : Stainer & Bell.

Bestandserschließung: Katalogisierung Donaueschinger Musikdrucke

Die Musikaliensammlung der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen wird in der Badischen Landesbibliothek verwahrt. Das Land Baden-Württemberg hatte die Sammlung Ende Oktober 1999 für 2,9 Mio. DM erworben. Die Donaueschinger Musikalien bilden eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art im süddeutschen Bereich aus fürstlichem Besitz und mit 3.612 Handschriften und 3.920 Drucken zählt die Sammlung zu den umfangreichen. Die Musikdrucke mit den Signaturbezeichnungen "Don Mus. Dr. 1 - 3352" sind bereits seit Ende 2011 vollständig im Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds nachgewiesen.

Bei der Übernahme der Musikalien waren weitere 17 Konvolute an Musikdrucken dabei, die bisher noch nicht erschlossen waren und noch keine Signaturen erhalten hatten. Mit der Erschließung dieses Bestandes wurde im Jahr 2012 begonnen, dabei wurden die Signaturen "Don Mus. Dr. 3353 bis 3977" vergeben (624 Drucke). Die bearbeiteten Musikdrucke werden - in Archivmappen verpackt, mit Signaturbeschriftung und Verbuchungsetikett ausgestattet - in Archivboxen aufbewahrt. Dieser Bestand kann im Online-Katalog der Badischen Landesbibliothek recherchiert werden. Die Bearbeitung der Konvolute wird im Jahr 2013 fortgesetzt.

Online-Projekte / Bestandspräsentation: Digitalisierung von Musikalien

Um ihre wertvollen Bestände in digitaler Form im Internet anbieten zu können, hatte die Badische Landesbibliothek im Jahr 2010 eine moderne Digitalisierungswerkstatt aufgebaut, die über hochauflösende, buchschonende Scanner ebenso verfügt wie über eine professionelle Digitalisierungssoftware.

Im Jahr 2012 wurden weitere Karlsruher Musikhandschriften im Rahmen eines von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg unterstützten Projekts in die Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek aufgenommen. Daneben wurden im Benutzerauftrag digitale Reproduktionen von Musiknoten erstellt, sofern dies technisch, konservatorisch und urheberrechtlich unbedenklich war. Die folgende Übersicht zeigt die Anzahl der digitalisierten Musikalien zum Jahresende 2012 in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek:
  • Donaueschinger Musikdrucke (68)
  • Donaueschinger Musikhandschriften (110)
  • Karlsruher Musikdrucke (5)
  • Karlsruher Musikhandschriften (1272)
  • Musikalien der Schlossbibliothek Baden-Baden (2)

Brigitte Knödler-Kagoshima


Adresse
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Telefonnummern und E-Mail-Adressen


Öffnungszeiten
Mo - Fr 9.00 - 19.00 Uhr,
Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Wissenstor:
Mo - Fr 9.00 - 22.00 Uhr,
Sa, So 10.00 - 22.00 Uhr

Lesesaal Sammlungen:
Mo - Mi, Fr 9.30 - 16.00 Uhr,
Do 9.30 - 18.00 Uhr


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